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  • Die Koshas erfahren

    Asanas zielen nicht darauf ab, den Körper zu trainieren. Sie sind dazu da, im Körper einen Zustand, Sthiti, herzustellen, der für eine längere Zeit aufrechterhalten werden kann. Das heißt, egal welches Asana du übst, auch wenn es ein dynamisches ist, solltest du immer auf diese beiden Aspekte achten: Sthiram, Stabilität und Sukham, Wohlbefinden. Dies gilt für jedes Asana. Bemühe dich, Stille und Wohlbefinden im Asana zu erfahren.

    Darüber hinaus sind Asanas nicht nur einfache Körperübungen. Sie sind Hilfsmittel, die uns Zugang zu weiteren Dimensionen des menschlichen Wesens und der Persönlichkeit ermöglichen. Abgesehen vom Körper, schliessen die anderen Dimensionen Prana, Geist, Bewusstsein und Seele mit ein. Sie sind als Koshas bekannt: Annamaya Kosha, Pranamaya Kosha, Manomaya Kosha, Vijnanamaya Kosha und Anandamaya Kosha. Sri Swamiji lehrte uns, dass Asanas nicht bloß dazu da sind den Körper wahrzunehmen, sondern um die Erfahrung schrittweise von Annamaya, zu Pranamaya, Manomaya, Vijnanamaya und bis hin zu Anandamaya auszudehnen. Er definierte einen Prozess, eine Sequenz, für diese stufenweise Entwicklung.

    Wenn du das Asana ausführst, konzentriere dich zuerst auf den physischen Körper: auf die Bewegung und Haltung, sowie auf die Muskeln und Gelenke, welche arbeiten, Kraft halten oder gedehnt werden, usw. Richte deine ganze Achtsamkeit auf die körperliche Wahrnehmung: wie du dich bewegst, wo Spannung oder Enge entsteht, wie weit du dich beugen kannst, wo die Steifheit, der Schmerz und die Mühe sitzen. Entdecke all diese Aspekte von Annamaya Kosha.

    Sobald du im Asana die Wahrnehmung von Annamaya Kosha entwickelt hast, gehe zu Pranamaya Kosha über, indem du den Atem mit der Körperhaltung verbindest. Löse die körperliche Wahrnehmung auf, lasse sie los und verbinde dich mit dem Fliessen der Atmung. Wenn sich der Atem bewegt, nimmt der Körper die Haltung an. Die Atmung führt den Körper in die Haltung, nicht dein Bemühen und auch nicht deine Achtsamkeit. Der Fokus liegt nicht mehr auf dem Körper, während du das Asana ausführst, sondern auf der Atmung. Lasse dich durch die Atmung in den Asana Zustand führen.

    Der dritte Schritt ist die Visualisierung. Du musst dir die perfekte Haltung mental vorstellen. Es spiel keine Rolle, wenn du dich vorbeugst und nur zehn Zentimeter weit kommst. Auch wenn du noch einen Meter vom Boden entfernt bist, macht das nichts, aber stelle dir vor deinem inneren Auge die perfekte Haltung vor. Je klarer deine Vorstellung der korrekten Haltung, desto mehr wird sich der Körper angleichen und anpassen, um sich in diese korrekte Haltung zu bewegen.

    Als Erstes kommt die Wahrnehmung des Körpers: Annamaya Kosha; als Zweites die Wahrnehmung des Atems: Pranamaya Kosha; als Drittes das Visualisieren: Manomaya Kosha.

    Nachdem du durch den Vorgang der Visualisierung gegangen bist, konzentriere dich auf ein Chakra, ein subtiles Zentrum. Nimm dessen Aktivierung wahr, während du die Haltung ausführst. Die Wahrnehmung der Chakras zu vertiefen, wird dich zu Vijnanamaya Kosha führen.

    Die fünfte Komponente beim Ausführen einer Haltung ist die Mantrabewusstheit – du lenkst deine Aufmerksamkeit auf ein Mantra, während du das Asana übst. Indem du dem Mantra erlaubst in den Vordergrund zu treten, erschliesst sich dir der Zugang zu Anandamaya Kosha. Auf diese Weise kann dich eine Übung von Annamaya zu Anandamaya führen und all die unterschiedlichen Dimensionen der Persönlichkeit ausgleichen.

    Zwei Aspekte sollten klar sein. Erstens: der Ablauf, den uns Sri Swamiji gelehrt hat. Asanas sind keine körperlichen Übungen. Sie sind Haltungen, welche dir, wenn sie korrekt ausgeführt werden, die Erfahrung von Annamaya Kosha bis hin zu Anandamaya Kosha erlauben. Dazu können alle Asanas dienen, egal für wie unwichtig sie dir erscheinen mögen. Zweitens: das Üben ist nicht mechanisch. Achtsamkeit und Entspannung beim Üben der Haltungen sind unabdingbar.

    —25. Oktober 2019, Munger Yoga Symposium, Satsang von Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom September 2019 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Der Fokus von Yoga

    Es war nicht das Ziel von Sri Swamiji den Leuten zwanzig Asana, Pranayama, Pratyahara oder Dharana Techniken zu lehren, sondern sicherzustellen, dass es beim Üben von Yoga einen Fokus und ein Ziel gibt. Dieser Fokus oder dieses Ziel wurde von Swami Sivananda selbst gegeben.

    Als Yoga im letzten Jahrzehnt populär wurde, dachte jeder, dass die Übungen des Yoga zu tieferen meditativen Zuständen und Selbsterkenntnis führen werden. Es wird jedoch nirgends in der yogischen Literatur erwähnt, dass Yoga zur Erleuchtung führen soll. Das Ziel von Yoga ist nicht Erleuchtung, Erkenntnis, Samadhi oder Moksha. In einem einfachen Satz ausgedrückt: Es geht um die Lebensführung selbst.

    Wie in den Yoga Traditionen erwähnt, bezieht sich das ins besondere auf zwei Dinge:
    Nasti maya samah pasho.
    Es gibt keine größere Fessel oder Schlinge als Maya.

    Maya ist die Täuschung und der Verstand befindet sich ständig im Zustand der Täuschung. Es ist diese Täuschung, die beseitigt werden muss. Das ist Punkt eins. Der zweite ist:
    Nasti ahamkarat paro ripuh.
    Es gibt keinen größeren Widersacher im Leben als dein eigenes Ego.

    Betrachte, wie die Yogis hier mit Worten gespielt haben. Mit zwei einfachen Ausdrücken haben sie die Absicht von Yoga definiert. Die Täuschungen des Verstandes müssen beseitigt werden und das egozentrische Wesen muss Harmonie erfahren. Wieso hat man eine egoistische, aggressive und reaktive Wesensart? Sie entsteht aus Verlangen und Erwartungen, welche wiederum Ausdrucksformen des Geistes sind. Damit sind diese zwei Grundgedanken – Überwindung der Täuschung und Anpassung der Wesensart – die Grundlagen von Yoga.

    Das Gegenmittel für diese zwei (Maya und Egoismus) sind Weisheit und Yoga:
    Nasti jnanat paro bandhuh.

    Es gibt keine besseren Freunde als Weisheit, Erkenntnis und Verständnis.
    Nasti yogat param balam.

    Es gibt keine größere Kraft als Yoga.

    Weisheit, Achtsamkeit und Verständnis, zusammen mit den Absichten, Übungen und Prinzipien des Yoga, werden zum Gegenmittel für Maya und Selbstsucht. Das ist eine Theorie. Dass die Absicht von Yoga sei, die Einflüsse und Auswirkungen von Maya zu überwinden und aufgeschlossener, herzlicher und friedlicher zu werden.

    — 3. Oktober 2016, Progressive Yoga Vidya Training, Satsang von Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Oktober 2019 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Das Positive ist allgegenwärtig

    In seinem Lied der 18 ITIES (Tugenden) beschreibt Swami Sivananda 18 verschiedene Eigenschaften, welche ein Mensch entwickeln und meistern sollte, um ein wahres menschliches Wesen zu sein. Für ihn bedeutete dies, in der materiellen Welt, ein spirituell gesegnetes Leben zu führen. Gelingt es uns, diese positiven Eigenschaften zu verinnerlichen, obwohl wir in der materialistischen Welt leben, und schaffen wir es, diesen positiven Qualitäten Ausdruck zu verleihen um der Aufrichtigkeit in uns und unserem Leben Kraft zu geben, dann ist das der Anfang von einem spirituell gesegneten Leben. Als Swami Sivananda seine Auffassung von Yoga formulierte und unserem Meister Sri Swami Satyananda den Auftrag erteilte, Yoga zu verbreiten, gab er nur drei Instruktionen: Yoga um die Qualitäten von Kopf, Herz und Händen – Intelligenz, Emotionen und Handlungen – zu kultivieren.

    Sri Swami Satyananda entwickelte das Yoga Chakra, das Rad des Yoga. Wenn wir ein Rad betrachten, befindet sich im Zentrum die Nabe, aus der die Speichen hervorgehen, die an ihrem äusseren Ende von der Felge, dem Rahmen, zusammengehalten werden. Die Nabe im Zentrum, aus der alle Speichen hervorgehen, versinnbildlicht den Zustand unseres Bewusst–seins, den reinen, transzendentalen Zustand unseres Seins und Lebens. Aus diesem transzendentalen Zustand treten die Speichen hervor.

    Sri Krishna definiert diese sechs Speichen folgendermassen (15:7):
    Manah shashthaaneendriyaani prakritisthaani karshati.

    Die sechs Speichen sind die fünf Sinne und der Geist. Die fünf Sinne und der Geist sind mit dieser äusseren Felge verbunden, welche unser Leben repräsentiert. In jedem Moment unseres Lebens benutzen wir unsere Sinne und unseren Geist. Die Sinne und der Geist ermöglichen uns Erfahrungen zu machen und Informationen, Erkenntnisse, Wissen und Fähigkeiten zu sammeln, die wir zum überleben benötigen. Wir sind das Rad. Wir gehen aus der Quelle der Schöpfung hervor, und wir nutzen unsere fünf Sinne und unseren Geist um unser Leben zu meistern. Entscheide selbst, ob du den Ursprung der Schöpfung, Big Bang, Satyam-Shivam-Sundaram oder Gott nennst. Yoga bezeichnet ihn als “Ishwara”, die immerwährende Realität.

    Das Leben ist der veränderliche Teil des Spektrums. Wenn das Leben ein Chakra – ein Rad – ist, dann ist unser Bemühen um Transformation und Entwicklung auch Teil dieses Rads. Dies ist die materielle Betrachtungsebene: das Bewusstsein, die Sinne, der Geist und die Erfahrung unseres Lebens. Das ist das Rad des Lebens, Jivana Chakra. Aus spiritueller Sicht betrachtet, wird das Jivana Chakra zum Yoga Chakra, denn das Rad des Yoga ist nur eine Spiegelung des Rad des Lebens, sie sind nicht voneinander getrennt. Das Rad des Yoga und das Rad des Lebens sind ein und dasselbe. Wenn wir über das Rad des Yoga sprechen, bringen wir dies mit verschiedenen Vorstellungen und Übungen in Verbindung. Sprechen wir vom Rad des Lebens, dann stehen die Sinne, der Geist und die Erfahrungen, die wir im Leben machen, im Vordergrund. Beide Räder gehen ineinander auf.

    Der Weg der Speichen zurück zur Nabe – das Rad des Yoga – repräsentiert die Rückkehr unseres nach außen gerichteten Lebensausdrucks zurück zum Ursprung. Dies entspricht auch der Theorie des Kundalini Yoga. Das Absteigen der Kundalini von höheren Ebenen zu den niederen Ebenen in Muladhara hat uns in diese Existenz gebracht. Das Aufsteigen der Kundalini entlang des gleichen Wegs schenkt uns die Erfahrung einer höheren Realität. Kundalini ermöglicht uns beides: Die Erfahrung der Welt und die der höheren Realität. Ähnlich verhält es sich mit dem Rad des Yoga; richten wir uns nach außen, verbinden wir uns mit der Welt. Wenn wir fokussiert und zentriert sind, kehren wir zum Ursprung zurück.

    Das Rad des Yoga versinnbildlicht die verschiedenen Yoga Wege, über die wir zurück zum Ursprung gelangen. Dies ist der Fokus des zweiten Kapitels von Yoga – das Vertiefen der eigenen Erfahrung. Doch bevor wir Yoga als Methode nutzen, um zum Ursprung zurückzukehren, lass uns zuerst genau verstehen, wie wir unsere Achtsamkeit und Wahrnehmung in der äußeren Dimension des Lebens erweitern müssen, bevor wir die Reise in die innere Dimension antreten. Dies ist ein zentraler Aspekt von Yoga: Zuerst wird die Achtsamkeit in der äußeren Dimension, in der Welt, erweitert. Erst danach beginnt man die Achtsamkeit nach innen zu lenken. Wenn wir uns in der äußeren Welt entfalten, verwenden wir die gleichen sechs Yoga Wege, und wir nutzen und lenken die gleichen sechs Sinne des Lebens: die fünf Sinnesorgane und den Geist.

    Während wir uns durch Hatha Yoga, Raja Yoga, Kriya Yoga, Karma Yoga, Bhakti Yoga und Jnana Yoga Schritt für Schritt entwickeln, verändert sich unsere Lebensweise. Wir werden uns der Art, wie wir leben immer mehr bewusst und erkennen wie wir unseren Lebensstil im Gleichgewicht halten können, damit mehr Zeit für Entspannung, Achtsamkeit und das Entwickeln einer spirituellen Identität entstehen kann. Wenn wir also Hatha Yoga, Karma Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga üben, abgesehen von den Veränderungen auf körperlicher und geistiger Ebene – d.h. mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit – verändern sich auch unser inneres Wesen und unsere Verhaltensweisen.

    Diese Veränderungen in deinem Wesen und deiner Verhaltensweise, welche die äußere Felge darstellt, bringen gute oder auch schlechte Eigenschaften hervor. Du machst gute oder schlechte Erfahrungen aufgrund deiner Persönlichkeit. So wie du die Welt siehst, die Art wie du wahrnimmst und verstehst, wie du Dinge akzeptierst, wie du lernst, wie du erkennst, was richtig oder falsch ist – all dies geschieht auf der Ebene des Lebens und nicht auf der Ebene von Bewusstsein, denn Bewusstsein ist frei. Es ist der nach aussen gerichtete, durch die äußere Felge symbolisierte Geist, welcher sich zum Positiven wandeln muss.

    Um die Erfahrungen und Qualitäten des Lebens zu verbessern, brauchen wir Yamas und Niyamas und nicht Hatha Yoga oder Raja Yoga. Die im Yoga definierten Yamas und Niyamas sind nicht moralische oder ethische Prinzipien. Yoga sieht Moral und Ethik nicht als etwas vom Leben und der menschlichen Natur getrenntes. Wenn du ein ausgeglichener, harmonischer und achtsamer Mensch bist, dann sind dein Verhalten, deine Gedanken und deine Handlungen angemessen. Du brauchst nicht über Moral und Ethik nachzudenken, wenn du dein Leben im Einklang führst. Erst wenn du dich unangemessen verhältst, werden Ethik und Moral zum Thema. Im Yoga kämpfen wir nicht um Ethik und Moral. Die innere Klärung und Bewusstwerdung, das innere Wachstum, welches dein Wesen, deine Persönlichkeit und deine Psyche erfährt, bringen die positiven Qualitäten automatisch zum Vorschein.

    Der Ausdruck dieser positiven Eigenschaften wird als Yama und Niyama bezeichnet. Wenn es dir gelingt Hass zu überwinden und die Person zu lieben, die du ablehnst, ist dies ein Zustand, eine Bewusstheit, welche du entwickelt hast. Das ist mit Yama und Niyama gemeint. Yama und Niyama bedeutet, dass die von Tamas getrübte Natur des Geistes sich zum Positiven, zum Sattwischen, wandelt. Nicht Asanas werden die Qualität unserer Lebensweise steigern. Genauso wenig werden Pranayama oder Meditation deine Handlungen und Interaktionen verbessern. Es ist das Bemühen, sich mit dem Positiven im Leben zu verbinden, welche die Lebensqualität erhöht.

    – Satsang mit Swami Niranjanananda Saraswati, Yoga Symposium 2018 (Munger, Indien)

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Januar 2019 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Notwendigkeit von Sanskrit Namen der Asanas

    In der Vergangenheit, im ursprünglichen Yoga System, spielten Sanskrit Namen eine sehr wichtige Rolle. Die Yogis waren in der Lage, das Problem im Patienten zu erkennen und es mit dem entsprechenden Chakra in Verbindung zu bringen. Zum Beispiel hängt eine Verdauungsstörung mit Manipura Chakra zusammen. Das sagt uns auch unser gesunder Menschenverstand. Der Yogi wird erkannt haben, dass ein bestimmtes Chakra von einer Krankheit beeinflusst wurde, von einem Leiden oder einem bestimmten Zustand des Körpers oder des Verstandes. Indem er Bhujangasana empfahl, hatte der Yogi das Wissen, dass die entsprechende Haltung auf das Erwachen und das Ausgleichen bestimmter kleiner und größerer feinstofflicher Zentren wirkt, augenblicklich dem Patienten und ebenso den Lehrern übertragen. Auf diese Weise spielten Sanskrit Namen eine wichtige Rolle in antiken Heilverfahren.

    Mit dem Aufkommen der Wissenschaft waren wir langsam in der Lage, das System der Diagnose und Behandlung von Krankheiten zu verfeinern, aber die Sanskrit Namen wurden weiterhin verwendet, und wir versuchen sie so gut wie möglich aufrechtzuerhalten. In diesem Sinne ist es gut, ein Verständnis von den Namen zu haben und davon, was sie bedeuten.

    Ich spreche nicht davon Chakra als ‘das Rad’ zu übersetzen oder Dhanur als ‘der Bogen’ – nicht diese Art von Übersetzung. Vielmehr spreche ich vom direkten Bezug zu den Chakras. Dieser Prozess ist sehr einfach. Alles was du brauchst, ist ein Wörterbuch über Chakras, das zeigt, welches Mantra zu welchem Chakra gehört. In sämtlichen Büchern über Kundalini kannst du die Bija Mantras der Blütenblätter, die die Chakras umgeben, finden. Du sagst also einfach: ‘bhu-jan-ga’… ‘bhu’ ist Anahatha, ‘jan’ ist Manipura, ‘ga’ ist Vishuddhi. Dann weißt du ganz selbstverständlich und spontan, dass diese bestimmte Haltung auf diese bestimmten Chakras wirkt. Deswegen benutzen wir Sanskrit Namen, auch wenn es eine tote Sprache ist.

    – Satsang mit Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom März 1992 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Die Essenz von Yoga

    Der Geist wird von sechs Eigenschaften beeinflusst: Eine davon ist Kama, Lust und Begierde. Wir alle kennen Begierde. Dann Krodha, Aggression oder Wut; Lobha, Gier; Moha, Verblendung – wir alle haben sie, genauso wie Mada, Ego oder Stolz und Matsarya, Eifersucht. Diese sechs Eigenschaften definieren das Verhalten des Geistes in unser aller Leben. Die Menschen reden von Anspannung, Stress und Ängsten und versuchen damit klar zu kommen. Sie beschäftigen sich jedoch nicht mit den Ursachen, die den Anspannungen, dem Stress und den Ängsten zugrundeliegen.

    Dieses Szenario ist aus der Schulmedizin bekannt: Wenn Menschen unter Bluthochdruck leiden, werden Tabletten eingenommen, um den Blutdruck zu senken. Die Ursache des Bluthochdrucks wird dabei jedoch nicht behandelt. Gegen Diabetes werden Tabletten oder Insulinspritzen verabreicht, um das Insulin im Körper zu erhöhen. Es wird jedoch nichts unternommen, um das Ungleichgewicht im Körper zu beseitigen, so dass dieser Insulin wieder selbst produzieren kann. An diesem Punkt ist Yoga am wirksamsten, da es dem Körper ermöglicht, wieder gesund zu werden.

    Das gleiche Prinzip lässt sich auf den Geist übertragen. Wenn wir von Stress oder Anspannung sprechen, wo liegt denn die Ursache dafür begraben? Wenn unsere sehnlichsten Wünsche unerfüllt bleiben, ist dies eine Ursache für Stress. Wir verbinden Stress entweder mit der Arbeit, der Familie, dem sozialen Umfeld oder der sozialen Situation, in der wir uns befinden. Es handelt sich hierbei jedoch nur um die Trigger, welche diese Eigenschaften des Geistes hervorbringen.

    Unzufriedenheit entsteht, wenn unsere Wünsche oder Erwartungen nicht erfüllt werden und dies erzeugt Stress. Unzufriedenheit entsteht, wenn wir nicht in der Lage sind, mit unseren Aggressionen umzugehen und das wiederum wird zur Ursache für Ängste und Anspannungen. Wenn wir uns also die Frage nach der Ursache von Stress und Anspannung stellen, so entdecken wir, dass diese ihren Ursprung in einer der sechs Tendenzen unseres Geistes haben.

    Wenn wir Erwachsenen oder Kindern Yoga unterrichten, beschränken wir uns nicht einzig auf die physische Ebene. Der Unterricht ermöglicht ihnen auch Selbstbeobachtung und erlaubt ihnen, ihre unkontrollierten und ungelenken Reaktionen und Erwiderungen besser zu bewältigen. Sobald sie diese Erfahrung machen, erleben sie die Befreiung von der direkten Wirkung und dem direkten Einfluss dieser mentalen Verhaltensweisen und entdecken ihren eigenen Frieden und ihre kreativen Kräfte.

    Es ist nicht die Körperhaltung, welche das Wesen des Menschen verändert; es ist nicht die mentale Übung, welche die Natur eines Menschen verändert. Es ist das Gewahrwerden gegenüber unserer Umwelt und gegenüber unseren Verhaltensweisen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Essenz des Yoga liegt darin, dem Menschen die Fähigkeit zu verleihen, auf adäquate, harmonische, konstruktive und positive Art und Weise zu handeln, selbst unter destruktiven und negativen Umständen.
    –06. Juni 20014, Kathmandu, Nepal, von Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Januar 2016 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Mantra – der Klang der Befreiung

    Ein wichtiger Aspekt von Tantra sollte nicht vergessen werden und das ist Mantra. Tantra ist Mantra und Mantra ist Tantra. Ohne Mantra würde es kein Tantra geben. Tantra bedeutet ein Prozess von Ausdehnung und Befreiung. Mantra bedeutet ein Prozess von Einkehr und Befreiung.

    Mantras sind nicht die Namen von Göttern und Göttinnen. Sie sind in eine bestimmte Struktur gesetzte Klänge, Worte und Vibrationen. Sie sind subtiler als die eigentlichen physischen Wellen, subtiler als irgendeine Art von Wellen, die die Wissenschaft heute kennt. Mantra kennt keine Einschränkung, der Geist ist das Fundament von Mantra und Mantra kann durch den Geist freigesetzt werden. Das Haupt Mantra, das des Höchsten, ist Aum. Es ist das ursprüngliche Mantra, der erste Samen der Schöpfung.

    Bitte denkt daran, ich spreche hier nicht über Hinduismus, ich spreche nur über Tantra. Aber während ich über Tantra spreche, spreche ich auch über das Fundament des Hinduismus. Tatsächlich kommen alle Religionen, die ganze Bandbreite an Philosophien der Vergangenheit, sowie jeder Aspekt von Metaphysik aus dem Tantra. Deshalb, wenn ich euch von Aum erzähle, dann spreche ich über die erste Schwingung, die verantwortlich für die gesamte Schöpfung ist.

    Wir wissen nicht genau, was der Klang Aum ist, aber von unseren Lehrern und Gurus haben wir erfahren, dass es eine spezielle Art von Vibration ist. Wenn dieses Aum von uns erzeugt wird, dann hallt es durch unsere physische, astrale und spirituelle Existenz. Es beeinflußt nicht nur die Alphawellen des Gehirns, es reinigt nicht nur die Nadis, es beinflußt nicht nur die mikro-kosmische Struktur unseres Körpers, sondern es lädt auch die ganze Atmosphäre um uns herum auf. Und wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem wir gute wissenschaftliche Erkenntnisse dazu vorliegen haben.

    Konzentriere dich auf Aum, verwandle dein Bewusstsein in Aum und dann übertrage die Vibration und die Strömung von Aum. Dein Sohn, deine Frau oder Mann im Raum nebenan werden es direkt empfangen, wenn sie dazu bereit sind. Die Kraft von Mantra ist größer als die Kraft einer nuklearen Waffe. Es gibt keinen Vergleich, denn die Kraft von Mantra ist eine konstruktive Kraft und durch das wiederholen von Mantras erwecken wir ungesehene Kräfte in uns. Diese Kräfte sind unendlich.

    Aum ist ein Mantra, und es gibt eine riesige Auswahl an Mantras. Die wichtigsten sind die Bija Mantras, die Kern Mantras. Wenn ein Yogi ein sehr hohes Bewusstsein erreicht, wenn er das physische Bewusstsein überwunden hat und auch das astrale Wesen, und wenn er die Schranken des Unbewußten durchbrochen hat, dann beginnt er die als Bija Mantras bekannten Klänge zu hören.

    Egal ob ein Mensch an einen persönlichen Gott glaubt oder nicht, ob er Theist oder Atheist ist, falls er einen gesunden Menschenverstand oder eine wissenschaftliche Auffassung hat, sollte er das richtige Mantra für sich auswählen. Die Wissenschaft von Tantra dreht sich um Mantra.
    Dann gibt es noch Yantra und Mandala, die andere Aspekte dieser Wissenschaft sind und ich werde diese ein anderes Mal besprechen. Erinnere dich an Mantra, Yantra und Mandala. Das sind die drei Pfeiler von Tantra, und Yoga ist die praktische Anwendung von Tantra im Leben.

    Tantra ist die Wissenschaft, die unsere weisen Ahnen lehrten und durch die sie sich der übergeordneten Realität und unendlichen Existenz bewusst wurden. Es ist eine ewige Wissenschaft, es ist die kraftvollste Wissenschaft und sie ist allumfassend. Tantra ist mit Sicherheit die Wissenschaft für das neue Zeitalter.

  • 1. Serenity – Gelassenheit

    Synonyme: Besonnenheit, Sanftmut, Bedächtigkeit, Gefasstheit, Abgeklärtheit, Ruhe
    Symbolik: Ein stiller Bergsee an einem sonnigen Tag

    Gelassenheit bedeutet, dass wir den unterschiedlichen Situationen des Alltags gefasst, besonnen und mit innerer Ruhe begegnen. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Geduld und Akzeptanz; wenn wir lernen Erwartungen, Wünsche und Verlangen loszulassen. Wir werden gelassen, wenn wir uns von alten, nicht mehr angebrachten Verhaltensmustern befreien und dem Leben offen und spontan begegnen.

    Eine kraftvolle Unterstützung um Gelassenheit zu leben, ist die achtsame, positive Geisteshaltung. Wir erkennen in allem was uns geschieht, das Positive und Konstruktive. Die Gewissheit, dass alles zu unserem Nutzen und unserem Wohl geschieht, bildet die Basis für innere Gelassenheit und einen gefassten, sanften Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Gelassenheit folgt, wenn wir unsere inneren, mentalen und emotionalen Reaktionen loslassen können. Sind wir gelassen, sind wir mit uns im Frieden. Gelassenheit ist die Erfahrung einer integrierten Persönlichkeit. Wir sind nicht gelassen, da wenige von uns eine integrierte Persönlichkeit besitzen und sich mit einer falschen Idee von sich selbst identifizieren.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Was unterstützt mich in meinem Bestreben gelassen zu bleiben?
    • Welche Situationen haben heute dazu geführt, dass ich meine Fassung verloren habe?
    • Konnte ich mir oder der Situation dafür verzeihen?
    • Wie lange habe ich an der Situation festgehalten?
    • Wie würde ich beim nächsten Mal, in einer ähnlichen Situation, handeln?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • Bihar Yoga und Sport

    Das Bedürfnis nach Yoga im Sport
    Viele Menschen sind sportlich aktiv, sowohl zum Vergnügen, wie auch um fit und in Form zu bleiben und sich zu beleben, was wiederum zu geistiger Entspannung führt. Im Profisport steht der Fokus jedoch auf Leistung und dem Ziel, zu verdienen und um jeden Preis zu gewinnen.

    Ein Athlet braucht vier grundlegende Eigenschaften: Geschwindigkeit, Können, Kraft und Ausdauer. Um dies zu erreichen, erfordert das tägliche Leben eines Athleten Disziplin im Training, eine ausgewogene Ernährung, einen ausgewogenen Lebensstil und eine innere Konzentration und Entschlossenheit. Hierzu kann ein weiteres Element beigefügt werden – Yoga. Bihar Yoga ist eine ganzheitliche Wissenschaft und als Sport kein rein physiologisches Phänomen, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Körper und Geist. Yoga ist ein idealer Weg, um den Höhepunkt der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu erreichen und zu erhalten.

    Mehr als nur Asana
    Bis heute beschäftigt sich die Sportwissenschaft hauptsächlich mit Asana. Das Üben von Asana kann wesentlich zum Erfolg und Wohlbefinden aller Athleten beitragen. Aber nicht nur Asanas können auf diese Weise helfen. Im Yoga wird auch der Geist trainiert, um von Moment zu Moment zu reflektieren und sich nicht in seinen ständigen Bewegungen zu verfangen. Der trainierte Geist befindet sich in einem Zustand der Ruhe, woraus sich ein inneres Bewusstsein entwickelt, das die Übung und Leistung verfeinert. Letztendlich liegt das Ergebnis des Wettkampfs nicht im Einflussbereich des Athleten. Es bedarf der inneren Einstellung, losgelöst von den Früchten der Bemühungen zu sein, um den Gleichmut des Geistes zu bewahren. “Lassen dich niemals von Erfolg oder Misserfolg beeinflussen”, motivierte Krishna Arjuna in der Bhagavad Gita, damit dieser kämpfte und letztendlich sein Ziel erreichte.

    Die Atemübungen von Pranayama, wie sie im Bihar Yoga unterrichtet werden, sind für einen Athleten sehr wichtig. Sie optimieren nicht nur die Kontrolle und Kapazität des Atems, sie helfen auch zu erkennen, dass Energie nicht rein physisch ist, sondern dass es ungenutzte Ressourcen gibt, die eingesetzt werden können, was wiederum die mentale und körperliche Anstrengung vermindert.

    Pratyahara wird als das Zurückziehen der Sinne bezeichnet. Pratyahara führt zu einer Empfindung von Losgelöstheit, was angestauten Stress beseitigt. Insbesondere in der Hitze des Wettbewerbs verhindert es, dass er sich von neuem übermässig aufbaut. Stress ist in jeder Sportart immer präsent; er trägt zum Wettkampf entscheidend bei und ist einer der Gründe, warum wir teilnehmen. Stress ist für die richtige Aktivierung des Körpers und des Geistes erforderlich, aber wenn die Stressreaktion zu gross oder zu klein ist, leiden der Sportler und seine Leistung darunter. Stress muss auf jeder Ebene erfolgreich gemeistert werden.

    Dharana, die Fähigkeit, sich ununterbrochen auf einen Punkt zu konzentrieren, hat das Potential den Athleten dabei zu unterstützen, Körper und Geist auf allen Erfahrungsstufen in einen Zustand der vollkommenen Balance und Stabilität zu bringen. Wenn der Athlet in seiner Disziplin vollständig aufgeht, entsteht Perfektion. Der Unterschied zwischen dem Selbst und dem Sport geht verloren. Er oder sie ragt heraus. Indem er Begrenzungen von Geist und Körper, im Kontext der Grenzenlosigkeit des Bewusstseins versteht, kann der Athlet nach dem gewünschten Ziel streben.

    Für den Sportler ist das SWAN-Prinzip einer der wichtigsten Aspekte, die es zu verstehen gilt. SWAN ist eine Abkürzung, bei der S für «Strengths» (Stärken) steht, W für «Weaknesses» (Schwächen), A für «Ambitions» (Ambitionen) und N für «Needs» (Bedürfnisse). Es ist eine Technik der Kontemplation oder Meditation, die eine genaue Analyse der Qualitäten erlaubt, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen können. Es ist notwendig, seine eigenen Stärken richtig einzuschätzen und zu schauen, wie man sie ausbaut und noch effektiver einsetzen kann. Ebenso ist es äusserst wichtig, seine eigenen Schwächen zu kennen und zu verstehen, wie sie überwunden werden können. Dies kann hilfreich sein, wenn man ein Trainingsprogramm umsetzt. Ambitionen müssen im sportlichen Kontext verstanden werden, um die eigenen Ziele und Wünsche realistisch anzugehen. Seine eigenen Bedürfnisse – das, was essentiell ist – zu kennen, kann das Beste aus sportlichen Aktivitäten herausholen und helfen, die wahre Natur von Erfolg zu verstehen.

    Verletzungen vermeiden
    Um die individuelle Karriere eines Sportlers sicher zu gestalten, spielen vorbeugende Massnahmen eine wichtige Rolle. Im Sportunterricht, unter Coaches und Sportlern gleichermaßen, sollte ein zu hoher Leistungsdruck und übersteigerter Eifer in kürzester Zeit Spitzenergebnisse zu erzielen, aufgedeckt und vermieden werden.

    Yoga, zur Vorbeugung von Verletzungen, kann bei einer ganzen Reihe von Sportarten unterstützend wirken. Erstens gibt das Üben von Yoga zusätzliche Beweglichkeit, die dazu beiträgt, Schäden zu vermeiden, und es verleiht mehr Kraft und verbessert die Fähigkeit eines Sportlers, auf eine Situation zu reagieren. Dann hilft Yoga Sportlern die Körperprozesse genauer wahrzunehmen und zu verstehen. Sie lernen dadurch zu erkennen, was der Körper braucht. Hat ein Athlet dieses Verständnis, kann er selbstbewusst an Aspekten arbeiten, die Aufmerksamkeit erfordern.

    Arten von Yoga Übungen
    Die Rolle des Yoga ist eine besondere. Yoga Haltungen wirken ganzheitlich, auf alle Seiten der Extremitäten. Sie helfen, die Muskelfasern zu strecken, wodurch die Widerstandsfähigkeit gegen Verletzungen erhöht wird. Durch die Antizipation von Bereichen des Körpers, die Stress ausgesetzt sind, können Sportler Yoga effektiv einsetzen, um betroffene Bereiche zu stärken und vorzubereiten.

    Yogische Übungen können auf unterschiedliche Weise für verschiedene spezifische sportliche Zwecke eingesetzt werden. Sie lassen sich in folgende Kategorien einteilen: Yoga Ergänzungsübungen, Yoga Kompensationsübungen und Yoga Regenerationsübungen.

    Yoga Ergänzungsübungen
    Ergänzungsübungen leisten einen wichtigen Dienst zur Vorbereitung, denn, obwohl Sportarten in gewissem Masse zu einer guten Gesundheit beitragen, erzeugen sie durch einseitige Spezialisierung eine Form von Ungleichgewicht. Ergänzungsübungen sind andere sportliche Aktivitäten, die neben der einen bestimmten Sportart zusätzlich integriert werden, um die allgemeine Fitness zu verbessern. Ein richtiges Gleichgewicht kann normalerweise nicht mit der Ausübung einer einzigen Sportart erreicht werden. Die Yoga Übungen und Atemtechniken stehen nicht mit dem wettbewerbsintensiven sportlichen Umfeld in Verbindung und unterstützen daher ein ganzheitliches Verständnis von Gleichgewicht zu entwickeln, d.h. sie helfen Sportlern, Körper, Energie und Ausdauer auf vollkommen andere Art und Weise zu erleben und zu verstehen.

    Yoga Kompensationsübungen
    Durch langjähriges Sporttraining kann sich ein muskuläres Ungleichgewicht im Körper entwickeln. Muskelgruppen verlieren entweder durch eine Kombination aus Überbelastung und einseitigem Training oder durch fehlende Beanspruchung, ihr Gleichgewicht, und so entwickeln sie sich unausgewogen. Eine solche einseitige Belastung verursacht Störungen, die zu Schäden und Verletzungen führen können. Die Aufgabe von Yoga Kompensationsübungen ist es, dieses muskuläre Ungleichgewicht, durch ihr regelmäßiges und systematisches Ausführen, zu korrigieren und auszugleichen. Die Techniken des Bihar Yoga sind in dieser Hinsicht ideal, weil Integration, Gleichgewicht und Harmonie deren Schlüsselwörter sind. Sie korrigieren den einseitigen Effekt des Trainings, indem sie die allgemeine ausgewogene Entwicklung des Körpers fördern und das gesamte Zusammenspiel des physischen Systems verbessern.

    Yoga Regenerationsübungen
    Sporttraining ist in der Regel über einen längeren Zeitraum sehr intensiv. Dies kann wiederum zu einer Form des Ungleichgewichts führen, bei dem Muskeln oder der Körper insgesamt, durch Überanstrengung geschwächt werden. Das erfolgreiche Absolvieren eines langen und intensiven Trainings um Höchstleistungen zu erreichen, hängt weitgehend davon ab, in wieweit der Athlet nach dem Training seine körperliche und geistige Stärke regenerieren kann. Die Regeneration ist ein Heilungsprozess zur Wiedergewinnung von Kraft und zur Vorbeugung von Verletzungen.

    Yoga Regenerationsübungen basieren auf dem Prinzip, dass sich Muskeln nach einer Kontraktion in einer isometrischen Bewegung gegen spezifischen Widerstand, nach einer bestimmten Dauer lösen und entspannen. Dies geschieht aber nur bei bewusster Ausführung richtig wirksam. Wiederum bieten Bihar Yoga Techniken das natürliche Heilmittel, da Asanas auf sanften Dehnungen der Muskeln basieren, die Entspannung induzieren und die Durchblutung erhöhen, Restspannungen lösen und die Regeneration beschleunigen. Auf natürliche Weise gleichen sie die Muskelanstrengung, die durch Training und Wettkampfaktivitäten entstehen, aus.

    In diesen drei spezielleren Kategorien der Anwendung von Yoga  für Sportler ist es notwendig, jede Situation einzeln zu betrachten, daher ist der Rat eines ausgebildeten Yoga Lehrers erforderlich.

    Gruppen von Yoga Techniken und ihr Nutzen
    Im Bihar Yoga können Sportler von vielen Übungen profitieren. Dazu gehören die drei Gruppen von Vorbereitungstechniken Pawanmuktasana Teile 1, 2 und 3; rückwärts- und vorwärts-beugende Asanas; Surya Namaskara; Umkehr- und Gleichgewichtshaltungen; Shatkarmas; Pranayama sowie Entspannungs- und Meditationstechniken:

    Pawanmuktasana 1 (PM1): Diese Gruppe von Asanas löst Steifheit in den Gelenken auf und fördert die Beweglichkeit der Muskeln. Die Koordination zwischen Knochen, Muskeln, Gelenken und Bändern verbessert sich, so dass sie ihre Aufgaben natürlich und spontan ausführen. Probleme in den Kniegelenken, Hüftgelenken, Knöchelgelenken, Schultergelenken und Handgelenken können durch diese Asanas behoben werden, wodurch Verletzungen der Gelenke minimiert werden.

    Pawanmuktasana 2 (PM2): Diese Gruppe von Asanas stärkt die Bauchmuskulatur und die Organe. Sie verbessern das Verdauungssystem, das für ein reibungsloses Funktionieren anderer Körpersysteme wichtig ist. Und auch bei Sportarten, die viel Ausdauer erfordern, unterstützen sie.

    Pawanmuktasana 3 (PM3): Diese Gruppe von Asanas verbessert den Energiefluss im Körper und bricht die neuromuskulären Knoten auf, insbesondere in der Beckenregion, wo die Energie tendenziell stagniert. Sie sind sehr wichtig für die Beseitigung von Spannungen im unteren Rücken und im Beckenbereich. Für Sportlerinnen sind sie von besonderem Nutzen, da sie die Fortpflanzungsorgane stärken und helfen Menstruationsbeschwerden zu mindern.

    Asanas – Rückbeugen, Vorbeugen, Drehungen: Diese steigern die Kraft und Flexibilität der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist für die Haltung, den freien Fluss von Energie, Nervenaktivitäten und Körperreflexe verantwortlich. Das Gleichgewicht des gesamten Körpers hängt von der Kraft und Flexibilität der Wirbelsäule und der angrenzenden Muskeln ab. Durch das Üben dieser Asana Gruppen können Sportler Rückenprobleme auf ein Minimum reduzieren. Viel angesammelter Stress tendiert dazu, sich in der Wirbelsäule festzusetzen, insbesondere im unteren Bereich oder an Hals und Schultern. Vor- und Rückbeugen, gefolgt von ein oder zwei verdrehenden Asanas, entspannen die Wirbelsäule und vermitteln das Gefühl von Wachsamkeit. Auf der psychologischen Ebene bereiten Rückbeugen die Spieler darauf vor, jeder Situation mutig und optimistisch zu begegnen. Vorbeugen helfen loszulassen und sich dem Fluss des Geschehens hinzugeben. Drehungen helfen Zögern und Unsicherheit behutsam aufzulösen.

    Surya Namaskara (Sonnengruss): Dies ist eine in sich vollständige Yoga Praxis. Die Sportler können den Sonnengruss für die allgemeine Fitness und als Aufwärmübung vor jedem Sport nutzen. Er bereitet den Körper auf den Umgang mit Stresssituationen vor. Er ist ein wirksames Mittel, alle Gelenke, Muskeln und inneren Organe des Körpers zu lockern, zu dehnen, zu massieren und zu straffen. Er stimuliert und gleicht alle Systeme des Körpers aus.

    Umkehrhaltungen: Diese fördern eine reichhaltige Blutzufuhr zum Gehirn und kehren die Wirkung der Schwerkraft auf den Körper um. Während Umkehrhaltungen verlangsamt sich der Atem und wird tief. Dies maximiert den Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff und fördert die korrekte Atmung. Leber, Milz, Magen, Nieren und Bauchspeicheldrüse erhalten eine kräftige Massage, die ihnen hilft, effizienter zu funktionieren. Blut und Lymphe, die sich in den unteren Gliedmaßen und im Bauchraum angesammelt haben werden zum Herzen und danach in die Lunge zurückgeleitet und kehren dann gereinigt in alle Teile des Körpers zurück. Durch den gesteigerten Blutfluss kann die Hypophyse effizienter arbeiten und unterstützt auf diese Weise das gesamte Hormonsystem.

    Gleichgewichtshaltungen: Sie bewirken ein körperliches Gleichgewicht, indem sie unbewusste Bewegung zum Stillstand bringen. Sie entwickeln die Gehirnzentren, die steuern, wie der Körper in Bewegung arbeitet und entwickeln so die Verbindung zwischen Geist und Körper. Sie fördern die Koordination der Bewegungen zwischen verschiedenen Körperteilen, wodurch das Gefühl von Sicherheit und Gleichgewicht entsteht. Sie stellen die Effizienz des Energieverbrauchs her, sowohl in Bewegung als auch in Stillstand. Wenn der sich bewegende Körper Gleichgewicht erreicht, wird er immer freier, für seine Unterstützung und Entwicklung, zusätzliche feinere Kräfte zu nutzen. Auf diese Weise erhält der Körper seine eigene Energie und erlangt Anmut und Bewegungsfreiheit.

    Shatkarmas: Von diesen sechs Reinigungstechniken werden hier vier als wichtig betrachtet: Neti, Kunjal, Laghoo Shankhaprakshalana und Trataka.

    Neti reinigt und klärt die Nasengänge und verleiht mentale Klarheit und die Fähigkeit zielgerichtet zu reagieren. Neti verhilft zur Ruhe und gleicht die Beziehung zwischen Körper und Geist aus, indem es beide Gehirnhälften in Einklang bringt.

    Kunjal (regurgitative Reinigung) reduziert die Angst vor dem Scheitern und stärkt den Mut, sich wechselnden und herausfordernden Situationen zu stellen. Kunjal kann Sportlern Vertrauen vermitteln, so dass sie sich richtig entfalten und ihr Bestes geben können, ohne sich durch Ängste hemmen zu lassen.

    Laghoo Shankhaprakshalana (Darmreinigung): Sportler sollten diese Übung unter der Anleitung eines qualifizierten Lehrers durchführen. Sie reinigt den gesamten Darmtrakt und entfernt Unreinheiten und Giftstoffe aus dem Körper. Diese Technik verleiht Körper und Geist neue Frische und fördert ein einwandfreies Funktionieren des Verdauungssystems.

    Trataka (konzentriertes Schauen auf einen Punkt): Alle Sportarten erfordern die Fähigkeit, Konzentration und Bewusstheit aufzubauen. Trataka erhöht nicht nur die Konzentration und die Fähigkeit sich nicht ablenken zu lassen, sondern steigert auch Achtsamkeit, Intuition und Unterscheidungskraft.

    Pranayama – Atemübungen: sind eines der effektivsten Mittel zur Steigerung der Lungenkapazität, Energie und Ausdauer sowie zur Kontrolle unfreiwilliger Muskeln, zur Steigerung der Konzentration und zum emotionalen Ausgleich. Wenn die Techniken einige Zeit systematisch geübt werden, entwickelt sich die Bewusstheit, dass Energie nicht rein physischer Natur ist, und dass ein effizientes Management der Prana-Energie, durch die Kontrolle des Atems, entwickelt werden kann.

    Übungen wie die Bauch- und die Yogische Atmung sowie Kumbhaka (Atemstillstand) können die Lungenkapazität erhöhen. Nadi Shodhana (Wechselatmung durch die Nasenlöcher) erhöht ebenfalls die Lungenkapazität und ist die Hauptmethode für das Ausgleichen der Prana-Energie, indem beide Gehirnhälften gleichermassen stimuliert werden. Bhastrika (dynamisches Atmen aus dem Bauchraum) erzeugt Wärme und Vitalität und erhöht das natürliche Energieniveau; es macht den “zweiten Energieschub” im Sport nach einer beinahen Erschöpfung leichter zugänglich.

    Kühlende Übungen wie Sheetali und Sheetkari sind in der heißen Sommersaison gut. Bhramari (Bienensummen Atmung) und Ujjayi (psychischer Atem) können vor jedem Match eingesetzt werden, um Entspannung herzustellen und den mentalen Stress zu reduzieren. Dies erzeugt Gelassenheit und Gemütsruhe. Die Bauchatmung ist auch eine der einfachsten und effektivsten Pranayama Techniken, welche jederzeit durchgeführt werden kann, um im gegenwärtigen Moment zu sein.

    Yoga Nidra ist die systematische Methode zur vollständigen körperlichen, mentalen und emotionalen Entspannung, die von Bihar Yoga entwickelt wurde. Yoga Nidra arbeitet auf drei Ebenen gleichzeitig und zwar auf der bewussten, der unterbewussten und der unbewussten. Durch die Tiefe der Entspannung steigt der Grad der Achtsamkeit und die Fähigkeit zu Fokussieren. Yoga Nidra steigert auch die Auffassungsgabe und kann daher helfen, Fähigkeiten und Techniken einfacher zu erlernen. Es gibt mehrere Stufen in der Übung, eine davon ist beispielsweise der Prozess der Visualisierung. Während sich der Körper in einem Schlafzustand befindet, ist der Geist wach und entspannt. Unter diesen Umständen ist es möglich, auf mentaler Ebenen Bewegungen zu erlernen und zu üben, in dem man sie visualisiert.

    Es gibt eine Phase in Yoga Nidra, in der ein Entschluss gefasst wird. Dieser gefasste Vorsatz kann Willenskraft und Zielstrebigkeit steigern, um auf dem Feld Erfolge zu erzielen. Sportler lernen, einen entsprechenden Geisteszustand zu entwickeln, so dass sie ihren spontanen physischen, mentalen und emotionalen Zustand nach Bedarf ausgleichen können.

    Es wird festgestellt, dass elektrische Stimulation bestimmter Teile des Hypothalamus, des limbischen Systems und der Amygdala – der sogenannten primitiven Gehirnanteile – spezifische emotionale Reaktionen hervorruft, darunter Wut, Angst und Aggression. Für die meisten Sportler sind diese negativen Gefühle bei starkem Stress schwer zu kontrollieren. In Yoga Nidra werden die Spieler gebeten, freiwillig starke Emotionen hervorzurufen, während sie einen Zustand tiefer Entspannung bewahren und den gesamten Prozess beobachten. Dies hilft, in jeder Situation ausgeglichen zu bleiben und die Kontrolle zu behalten.

    Antar Mouna ist eine meditative Übung, die die Bewusstheit systematisch entwickelt, um allumfassend und wachsam zu werden. Sie ist besonders effektiv für Personen, deren Leistung nicht konstant ist, denn sie fördert die Achtsamkeit um Fehler und Verletzungen zu minimieren. Die Sportler können ihre eigenen Leistungen und die von anderen mit Ehrlichkeit betrachten, was ihnen hilft, sich selbst und ihre Leistung zu entwickeln. Antar Mouna hilft auch, die Angst vor dem Scheitern zu bewältigen und loszulassen. Es klärt den Geist und bereitet ihn darauf vor, sich an Situationen anzupassen oder sich ihnen zu stellen. Nach dieser Übung fühlen die Sportler innere Stille und die meisten Ablenkungen wie Zuschauer, die Leistungen von Gegnern und Druck von anderen Spielern, können beseitigt werden.

    Das Potenzial
    Das Potenzial von Yoga im Sport ist noch nicht vollständig erforscht. Sport ist sehr anspruchsvoll und Wetteifer gehört dazu. Yoga hingegen scheint sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen, da der offensichtliche Schwerpunkt auf einer entspannten Haltung und einem losgelösten Geisteszustand liegt. Der Zustand des Geistes und die körperliche Vorbereitung, die Yoga mit sich bringt, ist jedoch genau der gleiche Zustand, von dem die erfolgreichsten Spieler sprechen, wenn sie den Höhepunkt ihrer Leistung erfahren. Wer erbringt nicht Bestleistungen, wenn er entspannt, bereit und selbstsicher ist? Und wer kann Sieg oder Niederlage nicht voller Anmut akzeptieren, wenn Körper, Geist und Seele die Gleichmut eines Yogis haben?

    by Sanjiv Chaturvedi (MSc Applied Yogic Science, Bihar Yoga Bharati)

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Nov./Dez. 2005.

  • Der wahre Spiegel

    Von wem erlernen wir Yoga? In der spirituellen Tradition lernen wir von einem Guru. Im gewöhnlichen, gesellschaftlichen Gefüge lernen wir von Lehrern oder Professoren. Zwischen einem Professor, Lehrer, Dozenten und einem Guru besteht jedoch ein Unterschied. Menschen, die sich mit gesellschaftlichen Rollen identifizieren, sagen: “Ich bin Dozent für Yoga, ich bin ein Yoga Lehrer, ich bin ein Yoga Experte, ich bin dies und das für Yoga.” Dies deutet auf ihr begrenztes Verständnis hin. Worin liegt der Unterschied zwischen einem Lehrer und einem Guru? Der Lehrer, der sein Wissen aus Büchern hat, unterrichtet Yoga, aber er lebt es nicht. Ein Guru hingegen lebt Yoga und unterrichtet es nicht. Wenn es dir gelingt, die Lehren des Gurus aufzunehmen und diese in dein eigenes Leben zu integrieren, wirst du vom ganzen Prozess eine tiefer gehende Erfahrung und Erkenntnis erhalten.

    Du musst den Guru als Guru akzeptieren. Betrachte ihn nicht als Problemlöser oder Berater für Familienangelegenheiten wie Heirat, Scheidung oder für Fragen zu Beruf und Ausbildung. Die Rolle des Gurus ist klar definiert. Im einfachsten Sinne ist die Rolle des Gurus, die eines spirituellen Führers. Er ist weder Berater für Hochzeitsangelegenheiten noch für Fragen zum Studium. Frage den Guru, wie du inneren Frieden erlangen kannst, wie du Positivität und Kreativität entwickeln kannst, und du wirst eine Antwort erhalten. Wenn du den Guru als spirituellen Wegweiser annehmen kannst, wirst du im Leben wachsen und erfolgreich sein. Betrachtest du ihn hingegen als Berater und glaubst, wenn du seine Ratschläge befolgst, du im Leben glücklich sein, den richtigen Partner oder einen guten Job finden und Geld verdienen wirst, dann wird sich diese Beziehung erst gar nicht entwickeln. Du magst vielleicht glücklich sein, okay, aber es findet kein Wachstum statt; es entwickelt sich keine Verbindung.

    An die Verbindung zum Guru sollte keine Erwartung geknüpft sein. Vom Guru solltest du nichts erwarten, vielmehr solltest du von dir selbst etwas erwarten. Was erwartest du von einer Glühbirne, von einer die zehn oder hundert Watt hat? Dass sie Licht gibt. Was jedoch tust du, wenn du eigentlich fähig wärst zu sehen? Wenn es hell ist und du deine Augen schließt, hat das Licht keine Bedeutung. Ist es jedoch dunkel, und du entschließt dich, deine Augen zu öffnen, wirst du eines Tages in der Lage sein, zu sehen. Daher solltest du an dich Erwartungen stellen und nicht an den Guru.

    So wie du dich im Badezimmer im Spiegel siehst, ist im spirituellen Leben der Guru der Spiegel, in welchem dein spirituelles Selbst reflektiert wird. Du schaust in den Badezimmerspiegel, um dich schön zu machen. In der gleichen Art und Weise schaust du auf den Guru und deine Reflexion und versuchst dich selbst zu verbessern, um das schöne Selbst zur Entfaltung zu bringen. Du musst von dir selbst etwas erwarten, nicht vom Guru. Der Guru ist nur ein Spiegel, der dir in jedem Moment das reflektiert, was du gerade bist.

    Wie soll man also eine Beziehung zu einem Guru aufbauen, ohne von ihm abhängig zu werden? Menschen werden abhängig, wenn sie beginnen, zu viel von einer anderen Person zu erwarten. Wenn du jedoch von dir selbst erwartest, dich zu verbessern und zu entwickeln, dann nimmt deine Abhängigkeit ab. Dies ist das Geheimnis spiritueller Entwicklung.

    Satsang vom 18. August 2008, Ganga Darshan, Munger

    Abgedruckt in On the Wings of the Swan – Volume VIII von Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Juli 2016 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • “Steh auf deinen eigenen Füßen”

    Das Gemüt meines Gurus und meiner selbst waren diametral entgegengesetzt. Er war wie eine bescheidene, heilige Kuh, während ich wie ein bissiger Schäferhund war. Bis heute ist noch ein Rest dieser hartnäckigen Gewohnheit in mir. Mein Guru aber war sehr ruhig und gelassen und ich setzte all mein Vertrauen in ihn. Er hat immer gesagt, dass jede Person lernen muss, auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Ich glaubte ihm, weil er mir sagte, dass ich niemals daran denken sollte, dauerhaft im Ashram zu leben. Ich würde niemals ein Frosch im Brunnen werden.

    Er gab mir nur einen einzigen Rat, nämlich unerschütterliches Vertrauen in Gott zu haben. Er sagte mir, ich solle mich nicht durch Hoffnung und Niedergeschlagenheit aus der Ruhe bringen lassen und ich solle mir keine Sorgen um meine Talente oder die Kräfte machen, die ich später erlangen würde. Ich folgte seinen Worten mit vollem Vertrauen. Ich hatte nie vor, dies oder jenes zu tun. Ich beschloss zu tun, was er mir auftrug. Jeder Mensch wird mit einem vorbestimmten Schicksal geboren. Wir alle sind vorprogrammiert und unsere Reise durch das Leben folgt diesem Programm.

    Es ist äußerst schwierig zu erklären, welche Art von Beziehung ich zu Swami Sivananda hatte. Ich denke sehr oft an ihn, aber es ist nicht so, wie wenn man an seine Lieben und Nächsten denkt. Mein Guru hat mich immer geführt und auf den richtigen Weg gebracht.

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom September 2021 auf der Website der Bihar School of Yoga.