Category: Swami Sivanandas 18 Tugenden (ITIES)

  • 1. Serenity – Gelassenheit

    Synonyme: Besonnenheit, Sanftmut, Bedächtigkeit, Gefasstheit, Abgeklärtheit, Ruhe
    Symbolik: Ein stiller Bergsee an einem sonnigen Tag

    Gelassenheit bedeutet, dass wir den unterschiedlichen Situationen des Alltags gefasst, besonnen und mit innerer Ruhe begegnen. Diese Fähigkeit entwickelt sich durch Geduld und Akzeptanz; wenn wir lernen Erwartungen, Wünsche und Verlangen loszulassen. Wir werden gelassen, wenn wir uns von alten, nicht mehr angebrachten Verhaltensmustern befreien und dem Leben offen und spontan begegnen.

    Eine kraftvolle Unterstützung um Gelassenheit zu leben, ist die achtsame, positive Geisteshaltung. Wir erkennen in allem was uns geschieht, das Positive und Konstruktive. Die Gewissheit, dass alles zu unserem Nutzen und unserem Wohl geschieht, bildet die Basis für innere Gelassenheit und einen gefassten, sanften Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Gelassenheit folgt, wenn wir unsere inneren, mentalen und emotionalen Reaktionen loslassen können. Sind wir gelassen, sind wir mit uns im Frieden. Gelassenheit ist die Erfahrung einer integrierten Persönlichkeit. Wir sind nicht gelassen, da wenige von uns eine integrierte Persönlichkeit besitzen und sich mit einer falschen Idee von sich selbst identifizieren.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Was unterstützt mich in meinem Bestreben gelassen zu bleiben?
    • Welche Situationen haben heute dazu geführt, dass ich meine Fassung verloren habe?
    • Konnte ich mir oder der Situation dafür verzeihen?
    • Wie lange habe ich an der Situation festgehalten?
    • Wie würde ich beim nächsten Mal, in einer ähnlichen Situation, handeln?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 2. Regularity – Regelmässigkeit

    Synonyme: Gleichmäßigkeit, Ebenmass, Ordnung, Regularität, Systematik
    Symbolbild: Der Rhythmus von Tag und Nacht, den Gezeiten im Meer und den Jahreszeiten

    Regelmäßigkeit bedeutet, dass wir im Alltag wissen, wann was ansteht und es auch dann erledigen. Wir sind beständig und ausgeglichen in unseren Aktivitäten, denn wir wissen, wann für uns der ideale Zeitpunkt ist morgens aufzustehen und abends schlafen zu gehen. Das Gleiche gilt für das Essen, das Sadhana, die mentalen und körperlichen Aktivitäten etc. Als Basis dient uns die tägliche Routine, die wir durch ein ausgewogenes Zeitmanagement aufrechterhalten. Wir schaffen uns damit Freiräume und erhalten Energie, die wir positiv nutzen können.

    Regelmäßigkeit fördert Willenskraft und gibt uns Struktur in Phasen von Wandel und Veränderungen. Wir erhalten den nötigen Rückhalt um Herausforderungen bewusst und offen zu begegnen.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Regelmäßigkeit zeugt für einen positiven und stabilen Geist. Wir sind unbeständig, wenn der Geist unstabil ist. Wenn wir den Geist sich selbst überlassen und ihm erlauben sich wie ein wilder Affe aufzuführen, setzt Unregelmäßigkeit ein. Führen wir ihn aber in Richtung Stabilität und Beständigkeit, entsteht Regelmäßigkeit.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wann war es mir heute möglich meine Routine aufrechtzuerhalten und was half mir dabei?
    • Wann fällt es mir schwer einer geregelten Tagesstruktur zu folgen?
    • Mit welchen Maßnahmen kann ich mein Time Management verfeinern?
    • Konnte ich mir heute Zeit für mich selbst nehmen?
    • Wie hat sich das auf mein Wohlbefinden ausgewirkt?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 3. Absence of Vanity – Fehlende Eitelkeit

    Synonyme: Bescheidenheit, Verzicht auf Hochmut, Überheblichkeit und Arroganz
    Symbolbild: Ein Schäfer bei seiner Arbeit

    Wir sind frei von Eitelkeit, wenn wir uns trotz Erfolg nicht in den Vordergrund drängen und keine Form von Überheblichkeit und Arroganz entwickeln. Wir geben mit unseren Fähigkeiten nicht an, sondern setzen sie unprätentiös zum Wohle aller ein.

    Eitelkeit entwickelt sich, wenn wir zu stark mit unserem Erscheinungsbild und dem was andere von uns denken, beschäftigt sind. Dem können wir entgegenwirken, wenn wir alle Mitmenschen auf Augenhöhe respektieren und kein falsches Bild von uns präsentieren. Wir verhalten uns authentisch in Handlung und Sprache und versuchen nicht andere zu beeindrucken oder unsere Schwächen zu kaschieren.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Kannst du natürlich sein? Wenn du natürlich sein kannst, hast du Eitelkeit überwunden. Sobald du versuchst als zu selbstsicher oder nicht selbstbewusst genug zu erscheinen, gibst du der Eitelkeit nach. Bescheidenheit ist das Gegenmittel zu Eitelkeit. Wenn es dir gelingt, in allen Situationen bescheiden zu bleiben, wirst du Eitelkeit überwinden.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wann ist es mir heute gelungen authentisch und bescheiden zu sein?
    • Welche Situationen oder Menschen haben mich dazu verführt ein verzerrtes Bild von mir darzustellen?
    • Was war die treibende Kraft für mein Verhalten?
    • Wie würde ich in einer vergleichbaren, zukünftigen Situation handeln?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 4. Sincerity – Ernsthaftigkeit

    Synonyme: Echtheit, Seriosität, Sachlichkeit, Würde, Vertrauenswürdigkeit, Authentizität
    Symbolik: Ein großer alter Eichenbaum

    Ernsthaftigkeit bedeutet, dass unsere Motive, unser Fühlen und Denken mit dem, was wir sagen und wie wir handeln, im Einklang stehen. Wir sind echt, wenn unser äußeres Erscheinen mit unserem inneren Bestreben übereinstimmt. Dazu gehört auch, dass wir Abmachungen und Versprechen einhalten.

    Stimmen unsere Motive mit dem, was wir versuchen darzustellen, nicht überein, meldet sich unser Gewissen und wir erleben Schuldgefühle und innere Konflikte. Leben und handeln wir hingegen ernsthaft und echt, fördern wir das Vertrauen in uns selbst. Das Resultat ist Vertrauen in unsere Mitmenschen, unsere Umgebung und unseren Lebensweg.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Ernsthaftigkeit ist ein wichtiges Sadhana und eine Haltung, die kultiviert werden muss. Frage dich: „Bin ich wahr zu mir selbst?“ Dies ist keine oberflächliche Frage. Ernsthaftigkeit benötigt Reinheit und Unschuld des Herzens. Es ist ein Ausdruck der bedingungslosen Existenz, Shiva, SELBST, Bewusstsein.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • In welchen Situationen habe ich heute ernsthaft und echt gesprochen und gehandelt?
    • Welche Situationen verführten mich dazu, mich zu verstellen?
    • Bei welchen Menschen verstecke ich mich hinter einer Maske?
    • Welche Masken sind das?
    • Was ist mein „Vorteil“ wenn ich diese Masken aufsetze?
    • Bennene eine reale, immer wiederkehrende Situation, in der du dich in Zukunft echter und ernsthafter verhalten möchtest.

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 5. Simplicity – Schlichtheit

    Synonyme: Klarheit, Anspruchslosigkeit, Nüchternheit, Einfachheit
    Symbolik: Gänseblümchen auf einer Wiese

    Durch Ernsthaftigkeit und Echtheit entwickelt sich Schlichtheit. Wir beginnen zu verstehen, dass wir vieles angehäuft haben und uns daran festhalten, obwohl wir es nicht benötigen. Dieses Überfülltsein verkompliziert unser Leben und macht es unübersichtlich. Wir tendieren dazu, uns in Nebensächlichkeiten zu vergessen und verlieren den Kontakt zu unserer wahren Natur.

    Schlichtheit bedeutet, dass wir überflüssige Gegenstände, aber auch Beziehungen, Gewohnheiten und Verhaltensmuster loslassen. Wir befreien uns von unnötigem Ballast und vereinfachen unseren Lebensstil und -ausdruck. Dies hat eine kraftvolle Wirkung auf unseren Geist und die Sinneswahrnehmungen. Sie sind weniger zerstreut und der Geist wird ruhig und zentriert.

    Swami Sivananda sagt hierzu: „Sei schlicht. Sei einfach in deiner Sprache. Verdreh keine Worte oder Gesprächsthemen. Sei klar. Vermeide Diplomatie, Überheblichkeit und Unehrlichkeit. Sei schlicht in deiner Bekleidung. Iss einfache Speisen. Spricht normal, in kurzen Sätzen.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Welches Verhalten hat mir heute meinen Alltag verkompliziert?
    • Wie möchte ich mich in Zukunft in ähnlichen Situationen verhalten?
    • Wie würde sich das auf mein Leben auswirken?
    • Welche Dinge benötige ich nicht mehr und kann sie weggeben oder entsorgen?
    • Definiere eine Beziehung, in der du unnötig emotional verstrickt bist.
    • Wer hat aus dieser Beziehung einen Nutzen?
    • Was wäre die Folge, wenn du diesen Mensch loslassen würdest?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 6. Veracity – Aufrichtigkeit

    Synonyme: Wahrhaftigkeit, Redlichkeit, Ehrlichkeit, Lauterkeit, Offenheit
    Symbolik: Großmutters Apfelkuchen, ein ehrlicher Handschlag

    Aufrichtigkeit bedeutet, dass wir uns nach der Wahrheit richten. Wir stehen zu dem, was wir sagen und erfüllen, was wir versprechen. Sind wir unsicher, ob wir unser Wort halten können, kommunizieren wir das ehrlich und klar. Wir verzichten darauf, uns zu verstellen oder einen falschen Eindruck zu erwecken. Wir verdrehen keine Fakten um an unsere Ziele zu gelangen, oder andere Menschen von unseren Ansichten und Vorhaben zu überzeugen.

    Wenn wir uns ehrlich und direkt ausdrücken beachten wir gleichzeitig, dass unsere Worte niemanden verletzen. Wahrhaftigkeit darf keine Entschuldigung dafür sein, anderen Menschen Schmerz zuzufügen. Wird Aufrichtigkeit auf hoher Stufe gelebt, ist Ahimsa, die Gewaltlosigkeit, ein integraler Bestandteil.

    Wahre Aufrichtigkeit beinhaltet, dass wir die Meinungen und Empfindungen anderer Menschen akzeptieren und respektieren. Wir sind uns bewusst, dass unser Empfinden der Wahrheit nicht mit dem übereinstimmen muss, was ein anderer Mensch denkt und fühlt. Aufrichtigkeit ist eine persönliche Angelegenheit. Sie ist dann erfüllt, wenn Handeln und Sprechen mit dem individuellen, persönlichen Gewissen übereinstimmen.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Wahrheit ist Diplomatie. Keine verdrehte oder politische Diplomatie, sondern eine Diplomatie, die aus dem Verständnis entsteht, wie unsere Worte den Geist einer anderen Person beeinflussen können.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wann bin ich heute für meine Wahrheit eingestanden?
    • Gegenüber welchen Menschen war ich unehrlich? Was waren die Gründe dafür?
    • Wann und wie gelingt es mir, die Wahrheit auf sanfte und fürsorgliche Weise auszudrücken?
    • Wann verletzte ich Menschen in dem ich zu kompromisslos kommunizierte? Was sind die Folgen?
    • Wie kann ich gewaltfrei kommunizieren, ohne mein Empfinden für die Wahrheit zu verdrängen?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 7. Equanimity – Gleichmut

    Synonyme: Ausgeglichenheit, Gefasstheit, Seelenruhe, Harmonie
    Symbolik: Ein japanischer Garten

    Gleichmut bedeutet, dass wir auch in Extremsituationen gefasst und ruhig bleiben. Wir können inneres Gleichgewicht aufrecht erhalten, unabhängig von Erfolg oder Versagen, Gewinn oder Verlust sowie Freude oder Schmerz. Gegensätze haben keinen Einfluss auf die innere Harmonie einer ausgeglichenen Persönlichkeit.

    Mit gleichmütigem Geist gelingt es uns den Alltag so zu meistern, dass wir unsere Mitmenschen unterstützen können ohne unsere eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen. Wir sind fähig, das Wohl anderer Menschen in unseren Lebensplan miteinzubeziehen und gleichzeitig wissen wir, was wir für unser eigenes Glück benötigen.

    In Gleichmut ist unser inneres Wesen aufmerksam beobachtend, ruhig und verständnisvoll. Wir erkennen, welche Handlungen in welcher Situation angebracht sind und welche nicht, wann wir uns einbringen müssen und wann es sich anbietet abzuwarten oder loszulassen, wann wir Stellung beziehen sollten und wann es nötig ist sich zurückzuziehen.

    Swami Satyananda sagt hierzu: „Das Innerste unserer Persönlichkeit ist voller Licht, voller Wissen, voller Frieden und voller Glückseligkeit. Diejenigen, die wissen, wie man dort hingelangt, wenn auch nur für ein paar Sekunden täglich, sind fähig, Frieden, Stille, Ausgeglichenheit und Stärke im Leben aufrechtzuerhalten.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wie harmonisch war mein Alltag?
    • In welcher Situation gelang es mir nicht, ausgeglichen zu sein?
    • Wie habe ich mit meinem Verhalten dazu beigetragen, dass die Situation zu Unruhe oder Konflikt geführt hat?
    • Was hätte ich tun können, um Ausgleich zu schaffen?
    • Wie rasch gelang es mir die Situation und den inneren Zustand der Unruhe loszulassen?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 8. Fixity – Beständigkeit

    Synonyme: Zielstrebigkeit, Entschiedenheit, Stetigkeit, Verlässlichkeit, Festigkeit
    Symbolik: Eine auf der Lauer liegende Katze

    Durch Ausgeglichenheit (ITY 7) entwickelt sich Beständigkeit. Sind wir ausgeglichen, wird der Geist stabil und wir sind fähig, uns auf unsere Ziele und unsere Vision zu konzentrieren. Dadurch erlauben wir unserem Potential, sich zu entfalten.

    Sind wir hingegen unbeständig, fällt es uns schwer, die Achtsamkeit zu bündeln und dadurch zerstreuen wir unsere kreativen Kräfte. Folgen wir beständig und konzentriert unseren Absichten und Zielen, entwickelt sich Achtsamkeit und leitet uns in die gewünschte Richtung.

    Beständigkeit bedeutet, dass wir einem Entschluss folgen und vermeiden, den wechselhaften und zweifelnden Tendenzen des Geistes nachzugeben. Wir sind uns unserem Sankalpa (Sanskrit: Entschluss, Vorsatz, Lebensziel) fortdauernd bewusst und bemühen uns aktiv um seine vollständige Entfaltung und Verwirklichung.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Beständigkeit ist Stabilität, Konstanz und Konzentration. Es ist eine Haltung der totalen Identifikation und Verschmelzung mit dem Objekt der Kontemplation. Yoga gibt dir ein Ziel und du musst dich mit ihm identifizieren. Wenn du hingegen alles rund um dieses Ziel herum betrachtest, wird deine Achtsamkeit rasch zerstreut und abgelenkt. Bist du aber vollkommen auf das Ziel fokussiert, dann löst sich der Rest der Welt auf, und nur du und das Ziel bleiben bestehen.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wieviel Zeit und Energie habe ich heute dafür eingesetzt, mich auf meine Ziel zu konzentrieren?
    • Wieviel Zeit habe ich ungenutzt vorbeiziehen?
    • Wie treu war ich meinem Sankalpa heute?
    • In welchen Situationen habe ich meinen Sankalpa vernachlässigt?
    • Wie hat sich das ausgewirkt?
    • Was kann ich tun, um in Zukunft meine Zeit und Energie effizienter für meine Ziele zu nutzen?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 9. Non-Irritability – Fehlen von Reizbarkeit

    Synonyme: Unerschütterlichkeit, Abgeklärtheit, Fassung, innere Stabilität, Geduld
    Symbolik: Ein lächelnder Teddybär

    Unerschütterlichkeit ist eine Entwicklung, die der Beständigkeit (ITY 8) folgen sollte. Arbeiten wir beständig auf unser Ziel hin, ist es wichtig, dass wir flexibel bleiben und uns nicht irritieren lassen, wenn die Dinge nicht nach unseren Vorstellungen geschehen. Wir müssen erkennen und akzeptieren, dass das Leben seine eigenen Wege kennt und versuchen, uns dem Fluss der Geschehnisse anzuvertrauen und hinzugeben.

    Eine essentielle Komponente damit Reizbarkeit nicht entsteht, ist Ahimsa (Verzicht auf Gewalt). Erfahren wir im Inneren Zustände von Irritation, Aggression und Wut, müssen wir fähig sein, einen Schritt zurück zu stehen um nicht unbesonnen auf störende Lebensumstände zu reagieren. Dies beinhaltet, dass wir uns bemühen, in Konfliktsituationen die Meinungen und Beweggründe anderer zu verstehen und auf sie einzugehen.

    Unerschütterlichkeit ist die Fähigkeit, auch in widrigen Situation, die unsere Ausgeglichenheit herausfordern, die eigenen negativen Emotionen zu beobachten und zu zügeln. Wir versuchen unsere eignen Anteile an der Situation zu erkennen und bemühen uns aufrichtig um Harmonie und gegenseitiges Verständnis.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Fehlen von Reizbarkeit bedeutet, dass wir uns nicht aufregen oder reizen lassen, sondern Geduld und Toleranz kultivieren, nicht nur im Bezug zu anderen, sondern auch im Bezug zu uns selbst.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Definiere eine Situation, in der du dich vor Kurzem aufgeregt hast.
    • Wie rasch konnte ich die negativen Gefühle wieder loslassen?
    • Was war mein persönlicher Anteil, dass die Situation zu Spannung/Konflikt führte?
    • Mit welcher inneren Haltung oder positiven Qualität hätte ich reagieren können, um die Situation zu entschärfen?
    • Was hätte das für mich und meinen inneren Zustand bedeutet?
    • Wie hätten die anderen involvierten Personen die Situation erlebt?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 10. Adaptability – Anpassungsfähigkeit

    Synonyme: Flexibilität, Vielseitigkeit, Unkompliziertheit, Hinnahmebereitschaft
    Symbolik: Ein Fluss mit vielen Windungen

    Anpassungsfähigkeit heisst, dass wir offen sind für Neues und fähig sind, auf nicht-alltägliche Situationen flexibel zu reagieren. Als Basis dazu dienen die innere Stabilität und Geduld, die sich in Verbindung mit fehlender Reizbarkeit (ITY 9) entwickelt und gefestigt haben.

    Wenn wir mit einer unerwarteten Situationen konfrontiert werden und uns verschließen oder quer stellen, hemmen wir unser Wachstum und nehmen uns die Chance, Neues zu lernen. Können wir uns jedoch öffnen und mit Verständnis auf das Ungewohnte eingehen, erhalten wir die Möglichkeit, neue Erkenntnisse und Erfahrungen zu machen und unseren Horizont zu erweitern.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Wenn du in einem Boot sitzt, das von mächtigen Wellen durchgeschaukelt wird, musst du den Körper an das Schwanken des Boots anpassen. Wenn du steif dasitzt, kannst du hinfallen. Genauso sollte Anpassung und Ausgleich in jeder Situation stattfinden. Yoga bedeutet, in jeder Situation Gleichgewicht zu finden.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Gab es heute (oder kürzlich) eine für mich ungewohnte Situation?
    • Was war meine innere Reaktion?
    • Konnte ich mich auf das Ungewohnte flexibel einlassen?
    • Habe ich mein inneres Gleichgewicht finden können?
    • Was hätte ich tun können, um mehr Ausgleich und Harmonie zu schaffen?
    • Konnte ich die Situation als Chance nehmen, Neues zu lernen?
    • Was war das Neue, das ich aus dieser Situation lernen konnte?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati