Category: Swami Sivanandas 18 Tugenden (ITIES)

  • 11. Humility – Ergebenheit

    Synonyme: Bescheidenheit, Demut, Ehrfurcht, Anspruchslosigkeit, Genügsamkeit
    Symbolik: Ein zarter Grashalm, der sich im Wind bewegt.

    Ergebenheit ist der Ausdruck unserer Bemühungen, uns anzupassen, flexibel zu sein und anderen mit Rücksicht und Respekt zu begegnen. Sobald wir auf ehrliche und spontane Art die unterschiedlichen Lebenssituationen und Beweggründe anderer Menschen versuchen zu verstehen, erwacht Bescheidenheit und Demut auf natürliche Weise.

    Authentische Ergebenheit ist die Quelle grosser Kraft und innerer Stärke. Sie entwickelt sich aus der Dankbarkeit für all das, was uns das Leben beschert. Ist es uns möglich diese Dankbarkeit aufrechtzuerhalten, lösen sich Arroganz und Überheblichkeit auf. Es entsteht ein selbstverständliches Bedürfnis zu dienen und andere auf ihrem Weg zu unterstützen.

    Swami Niranjanananda sagt hierzu: „Der Schlüssel zu Ergebenheit ist Rücksicht. Sind wir fähig Rücksicht zu entwickeln, drücken wir eine natürliche Haltung des Respekts aus, die in aufrichtige Ergebenheit mündet.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Von welchen Menschen habe ich heute Rücksicht und Verständnis erlebt?
    • Wie war meine Erfahrung damit?
    • Welchen Menschen konnte ich mit Rücksicht und Verständnis begegnen?
    • Konnte ich die positiven Qualitäten anderer Menschen in den Vodergrund stellen?
    • In welchen Bereichen meines Lebens würde ich gerne tiefere Dankbarkeit entwickeln?
    • Welche Aspekte meines Lebens habe ich heute besonders wertgeschätzt?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 12. Tenacity – Beharrlichkeit

    Synonyme: Standhaftigkeit, Ausdauer, Hartnäckigkeit, Unentwegtheit
    Symbolik: Stetes Wasser, das den Stein höhlt

    Beharrlichkeit zeigt sich, wenn wir auch bei schwindender Kraft und gegen Wiederstände kämpfend, ausdauernd Schritt für Schritt auf unser Ziel zugehen. Wir lassen uns nicht entmutigenden und von überwältigenden Hinternissen die Überzeugung nehmen. Wir wissen, dass wir alles erreichen können, was wir uns wohl-überlegt und ernsthaft vornehmen. Beharrlichkeit bedingt aber auch, dass wir für die Folgen unserer Entscheidungen einstehen und Verantwortung übernehmen.

    Wir erkennen, dass uns jedes Ereignis eine Chance bietet zu wachsen und uns zu entwickeln. Kombiniert mit Klugheit, kann Ausdauer und Standhaftigkeit Berge versetzen. Wie oft geschieht es, dass uns die Zuversicht zu velassen scheint, wenn unerwartet grosse Hinternisse auftauchen? Und wie oft sind wir trotz allen widrigen Umstanden schliesslich erfolgreich, wenn es uns gelingt hartnäckig zu bleiben und nicht aufzugeben!

    Swami Sivananda sagte hierzu: „Beharrlichkeit ist der natürliche Freund von Beständigkeit; sobald du dein Ziel festgelegt und deinen Weg gewählt hast, bleibe dabei. Geh niemals Kompromisse ein, wenn es um deine grundsätzlichen Prinzipen geht. Sage zu dir selbst: Ich kann mein Leben aufgeben, aber ich werden nicht von meinem Weg abweichen. Ich werde meine Versprechen niemals brechen.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wie oft war ich mir heute meinem Sankalpa bewusst?
    • Welche Situationen machten es mir schwierig meinen Prinzipien treu zu bleiben?
    • Habe ich schon ähnlich Situationen erlebt, in welchen es mir schliesslich gelungen ist, Zweifel zu überwinden?
    • Erkenne ich bereits Wirkungen meines Sankalpas?
    • Kann ich diese Fortschritte mit Dankbarkeit wertschätzen?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 13. Integrity – Integrität

    Synonyme: Rechtschaffenheit, Unbescholtenheit, Anstand, Ehrenhaftigkeit
    Symbolik: Ein traditioneller Schuhmacher bei seiner Arbeit

    Integrität bedeutet, dass wir die verschiedenen Aspekte unserer Persönlichkeit in ein harmonisches Gleichgewicht bringen und diese Harmonie durch unsere Handlungen und das, was wir sagen, ausdrücken. Wir sind fähig, auf Lebenssituationen mit Positivität und Kreativität einzugehen.

    Angebrachtes, wohl überlegtes und ernsthaftes Handeln ist essentieller Bestandteil von Integrität. Wir konzentrieren uns auf unsere Ziele, ohne das grosse Ganze aus den Augen zu verlieren oder die Bedürfnisse unserer Mitmenschen zu vernachlässigen. Integrität bedingt, dass wir ehrlich sind und ein rechtschaffendes Leben führen.

    Swami Satyananda sagte hierzu: „Kreativität bedeutet, dass man sein Bestes gibt, und das ist nur möglich mit Selbstdisziplin. Disziplin bedeutet nicht Härte. Es bedeutet ein mitfühlendes Leben der Integration. Yoga ist ein System von Techniken, um die Turbulenzen des Geist zu beruhigen, ihn zu leiten und seine Ausdauer zu pflegen. Bemühe dich aus diesem Grund um eine ganzheitliche Persönlichkeit.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Welche äußeren Umstände haben meine innere Harmonie gefördert?
    • Welchen Situationen haben meine innere Harmonie herausgefordert?
    • Wann und wie war es mir möglich, Positivität in meinen Handlungen auszudrücken?
    • In welchen Alltagssituationen könnte ich kreativer/positiver sein? Auf welche Art?
    • Wann ist es mir gelungen, mit Bedacht und Ernsthaftigkeit zu handeln?
    • Was war das Ergebnis davon?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 14. Nobility – Edelmut

    Synonyme: Würde, Feinheit, Eleganz, Anmut, innere Grösse, Selbstlosigkeit, Humanität, Güte

    Ein nobler Mensch kann verzeihen und schlechte Erfahrungen loslassen. Er hat es nicht nötig Schwächen zu verbergen und kann Fehler zugeben. Erhabenheit entwickelt sich durch unsere Bemühung, die wertvollen menschlichen Qualitäten auszuprägen und eine integre Persönlichkeit zu entwickeln.

    Für diesen Prozess ist das spirituelle Tagebuch ein essentieller Begleiter. Regelmässig die vergangenen Ereignisse zu reflektieren und zu ergründen, wie das eigene Streben und Handeln zu mehr Harmonie und Kreativität führen kann, ist ein kraftvolles Werkzeug auf dem Weg zu einer freien, integren Persönlichkeit.

    Wer aus Edelmut und Wahrhaftigkeit heraus denkt, spricht und handelt, wird für andere Menschen zum Vorbild. Damit entsteht eine grosse Verantwortung, denn andere werden dieser Art zu Leben folgen.

    Das Zitat von Marianne Williamson drückt dies kraftvoll aus: „Unsere grösste Angst ist nicht, unzulänglich zu sein. Unsere tiefste Angst ist, grenzenlos kraftvoll zu sein. Es ist unser Licht, welches uns erschreckt, nicht unsere Dunkelheit.“ Erhabenheit ist die Bewusstheit, dass diese Kraft und dieses Licht Geschenke Gottes sind, um damit andere Menschen zu unterstützen, ein besseres Leben zu führen.

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wann traue ich mich nicht, meine Fähigkeiten zu zeigen?
    • In welchen Bereichen meines Lebens fühle ich mich befangen?
    • Welche einschränkenden Verhaltensmuster würde ich gerne durchbrechen?
    • Was würde sich dadurch in meinem Leben ändern?
    • Wann und wie gelingt es mir am besten anderen Menschen zu verzeihen?
    • Was kann ich tun, um meine Mitmenschen mehr zu unterstützen?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 15. Magnanimity – Großherzigkeit

    Synonyme: Großmut, Menschenliebe, Wohlwollen, Uneigennützigkeit, Altruismus

    Ein grossherziger Menschen erfasst den Wesenskern seines Gegenübers und kann sich auf die Stärken seiner Mitmenschen konzentrieren. Dadurch ist er fähig, sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten. Seine ausgeprägten noblen, menschlichen Qualitäten erlauben es ihm, seine persönlichen Interessen, zum Wohle seiner Mitmenschen, spontan hinten anzustellen.

    Diese Qualität sehen wir in den Meistern der spirituellen Traditionen. Durch die eigene Selbstverwirklichung erkennen sie im Gegenüber den positiven Wesenskern und wissen intuitiv, welcher Weg und welche Methoden sich für die Entfaltung ihrer Schüler eignen.

    Swami Satyananda sagte hierzu: „Um deinen Geburtstag zu feiern, musst du dich an eines erinnern: Du bist als Mensch geboren, um die Höhen und die Weiten des Bewusstseins zu erkennen und die Grossherzigkeit deiner Seele in dir.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Bei welchen Menschen fällt es mir leicht, mich auf das Positive zu konzentrieren?
    • Wann und bei wem gelingt es mir weniger gut das Positive zu anerkennen?
    • War ich mir heute meiner Stärken bewusst und konnte ich sie einsetzen?
    • Wie kann ich meinen Stärken und positiven Qualitäten vermehrt Ausdruck verleihen?
    • Habe ich meine Bedürfnisse über die meiner Mitmenschen gestellt?
    • Wo unterstütze ich andere Menschen, ohne im Gegenzug etwas dafür zu erwarten?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 16. Charity – Wohltätigkeit

    Synonyme: Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Nachsicht, Karitas, Erbarmen, Hilfsbereitschaft
    Symbolik: Swami Sivananda verteilt Medikamente an Bedürftige

    Wohltätigkeit ist das spontane Ergebnis, wenn wir realisieren, dass wir alle unsere Errungenschaften, unseren Reichtum und unsere Erkenntnisse der Unterstützung anderer Menschen, unserer Lehrer und dem Segen Gottes verdanken.

    Geben und Dienen sollten zu spontanen und bedingungslosen Handlungen werden. Sie folgen der Erkenntnis, dass alles, was wir im Leben erhalten, dafür da ist, unsere Mitmenschen zu unterstützen und sie zu fördern.

    Dazu braucht es keinen finanziellen Reichtum. Wahre Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zeigt sich nicht nur durch Almosen oder materielle Unterstützung. Das Zuwenden von Aufmerksamkeit, jemandem mit Rat und Tat in einer schweren Lebenssituation beizustehen oder auch nach einem Konflikt großzügig zu verzeihen, sind die wirklich wertvollen Aspekte von Barmherzigkeit.

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Von welchen Menschen habe ich heute Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft erfahren?
    • Konnte ich das anerkennen und Dankbarkeit ausdrücken?
    • Gegenüber welchen Menschen habe ich heute mit Großzügigkeit gehandelt?
    • Bei wem fehlte mir die Nachsicht und aus welchem Grund?
    • Wie kann ich meine Haltung diesem Menschen gegenüber ändern?
    • War ich mir heute meines Reichtums und Gottes Segen bewusst?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 17. Generosity – Großzügigkeit

    Synonyme: Güte, Mildtätigkeit, Freigebigkeit, Großherzigkeit, Zuvorkommen
    Symbolik: Prasad, das während einer Yajna gesegnet und verteilt wird

    Großzügigkeit kann entstehen, wenn wir lernen, bedingungslos und ohne Erwartungen zu geben. Der Akt des Gebens und Dienens wird frei von eigennützigen Motiven. Dann werden Dienen und Geben zu Quellen unserer Hochgefühle und wir beginnen uns in unseren Mitmenschen zu erkennen.

    Swami Satyananda sagte hierzu: „Wenn du Gott gnädig stimmen möchtest, musst du zu anderen großzügig sein. Du brauchst in keinen Tempel, keine Kirche oder Moschee zu gehen. Du brauchst weder Swami noch Yogi zu werden. Du musst auch nicht Asanas, Pranayamas oder Meditation üben. Tu einfach was auch immer du kannst, mit deiner ganzen Überzeugung, deinem Wissen, deinem Einfluss und all deiner Kraft, um denen, die leiden, den Schmerz zu lindern. Finde heraus, was deine Mitmenschen brauchen und hilf ihnen mit praktischen Schritten. Mit Geld alleine ist den Menschen nicht geholfen. Es gibt andere Wege sie zu unterstützen. Wahre Hilfe bedeutet Menschen zu fördern, damit sie ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten entwickeln können.“

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wann und wo halte ich mich beim Geben zurück? Was ist der Grund dafür?
    • Bei welchen Menschen fällt es mir leicht großzügig zu sein?
    • Wann und wo nutze ich meine Zeit zum Wohle anderer?
    • Wo und wie könnte ich andere mit meinen Fähigkeiten noch stärker unterstützen?
    • Habe ich heute durch Großzügigkeit einem Mitmenschen den Tag bereichert?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati

  • 18. Purity – Reinheit

    Synonyme: Tugendhaftigkeit, Klarheit, Unschuld, Unberührtheit, Unbeflecktheit
    Symbolik: Tautropfen in einer Lotusblüte

    Grosszügig zu geben und bedingungslos zu dienen klären das Herz, entfalten die Persönlichkeit und ermöglichen unserem wahren Selbst, sich zu offenbaren. Sind wir fähig, durch die Gegenwart unseres höheren Selbst die Welt zu erfahren, erleben wir die gesamte Schöpfung in vollkommener Reinheit.

    Swami Sivananda sah das Göttliche in allem und jedem. Egal was oder wer ihm begegnete, er erkannte die Gegenwart Gottes. Ob Tier, Pflanze oder Mensch, alles erstrahlte für ihn im Licht Gottes. Die Fähigkeit Gottes Gnade in allem zu erfahren wird als Atmabhava bezeichnet. Sie entspringt einem Herzen, das frei ist von Eigennutz.

    Auch Kinder sind große Vorbilder. Sie glauben, vertrauen und lieben bedingungslos. Um die wahre Schönheit in unseren Mitmenschen zu erkennen, müssen wir so unschuldig und rein werden wie Kinder.

    Fragen für das spirituelle Tagebuch:

    • Wo habe ich heute über einen anderen Menschen geurteilt?
    • Welche Gedankenmuster waren dafür verantwortlich?
    • Wie würde ich diesen Menschen erleben, wenn ich ihn wertfrei betrachten könnte?
    • In welchen Situationen gelingt es mir ohne Vorurteile auf meine Mitmenschen einzugehen?
    • Wie erlebe ich meine Umwelt, wenn ich in meinen Mitmenschen das Positive sehe?

    Literaturempfehlung: Swami Sivananda’s 18 ITIES & the Practice of Pratyahara von Swami Sivamurti Saraswati