Category: Satsangs von Swami Satyananda

  • Jenseits des Geistes

    Können Sie erklären, was unser letztendliches Ziel ist?

    Seit vielen tausend Jahren versuchen Weise die Antwort auf die Frage zu finden, warum wir geboren wurden. Ist es nur ein biologischer Zufall? Ist es Gottes Wille oder sind wir ein Produkt der Natur im Laufe der Evolution? Letztendlich glaube ich nicht, dass sie zu einem Ergebnis gekommen sind. Niemand konnte eine endgültige Antwort geben. Religionen, Philosophien, Mystik, Okkultismus, magische Wissenschaften, dialektischer Materialismus – wie du weisst, kamen sie alle auf ihre eigenen Schlüsse. Es gibt keine endgültige Antwort.

    Ich glaube jedoch, dass Ziel und Zweck der Inkarnation und der Geburt des Menschen darin bestehen, dass die Natur den höheren Geist in ihm erweckt. Der Mensch von heute ist nicht die Krönung der Schöpfung. Wir sind nicht das letzte Kapitel von dem, was die Natur erschafft. Nach uns wird eine andere Rasse kommen. Ich will nicht behaupten, dass sie nur einen Fuss oder vier Finger haben werden, oder dass sie kleiner oder grösser, schwarz oder weiss sein werden. Aber was ihre äußeren Merkmale angeht, werden sie schöner sein. Wir sind körperlich nicht schön. Unsere Augen, unsere Wangen und unsere Nase stehen in keinem Verhältnis zueinander, deshalb sind wir nicht schön. Sie werden schöne Menschen sein und sie werden auf der intuitiven Ebene, aus dem höchsten Geist heraus agieren.

    Glauben Sie, dass wir nach einem höheren Geist streben?

    Ich habe noch keine endgültigen Antworten gefunden, aber so viel weiss ich: Der nächste Schritt für den Menschen sind Entdeckung im Bereiche des Geistigen. In diesem Jahrhundert hat er Materie in Form von Chemikalien und Elementen entdeckt und viele Wunder vollbracht, wie die Erfindung von Radios und Computern. Der nächste Bereich der Entdeckung wird der Geist sein. Der Mensch war in der Lage, tief in die Materie einzudringen, sie zu analysieren, zu teilen, zu spalten und dann die Energie freizusetzen – egal um welche Energie es sich handelt, ob elektrische Energie, Kernenergie oder thermonukleare Energie. Auf die gleiche Weise wird der Mensch in Zukunft in der Lage sein, den Geist zu analysieren, die Welle des Bewusstseins in uns, die wir nicht sehen können, von der wir aber wissen, dass wir sie haben. Allem voran, weil wir denken und traurig und glücklich sein können. Dieser Geist muss erfasst werden. Er muss entdeckt werden. Die Entdeckung des Geistes ist das ultimative Ziel von Yoga – dass dies auch das Ziel des menschlichen Lebens ist, will ich nicht behaupten. Yoga kann uns helfen, den gesamten Geist zu entdecken. Darüber hinaus muss meiner Meinung nach ein anderer Weg gefunden werden.

    Sie meinen, wir schöpfen unser Potenzial nicht voll aus?

    Es muss etwas jenseits von Yoga geben. Es ist zu früh, um Yoga aufzugeben, sich gegen Yoga auszusprechen oder auf die Grenzen von Yoga hinzuweisen. Es ist zu früh dazu und du solltest es nicht tun, aber es gibt einen Zeitpunkt im Leben eines Menschen, an dem er Yoga nicht mehr braucht, weil der Zweck von Yoga darin besteht, ihn an einen Punkt zu bringen, an dem er mit dem Geist umgehen kann. Danach tritt Yoga in den Hintergrund. Etwas anderes muss kommen. Dieses Andere könnte ein anderer Swami sein, der vielleicht in hundert, zweihundert oder dreihundert Jahren kommt. Es ist zu früh, darüber zu sprechen und es ist nicht notwendig zu denken, dass du es wüsstest.

     

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Dezember 2025.

  • Yoga und Religion

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die ursprüng
    lichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die folgenden
    Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von Schülern,
    in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher Genehmigung
    des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Was ist das Ziel von Yoga?
    Das Hauptziel der Yogapraxis sollte sein, die verschiedenen Persönlichkeitsebenen zu
    integrieren und gleichzeitig das Bewusstsein weiter zu entwickeln, ein grösseres Wissen über
    sich selbst zu erlangen. Eine Person sollte nicht bloss als grobstofflich betrachtet werden, ohne
    spirituelle Neigung. In der Tiefe seines Seins sucht der Mensch nach Wahrheit und hat sich
    immer schon sehr bemüht Wahrheit zu erfahren. Yoga beseitigt Hindernisse und verleiht
    Bewusstseinsklarheit. Auf diese Art und Weise kann jede Person, überall auf der Welt, ihren
    lang gehegten Wunsch erfüllen

    Würden Sie sagen, dass Yoga keine Religion ist, aber dazu beiträgt ein religiöses
    Bewusstsein zu entwickeln?
    Yoga ist definitiv keine Religion, es ist eine Wissenschaft. Es basiert auf Fakten und Zahlen, und
    beschäftigt sich unmittelbar und ausführlich mit dem Körper und dem Geist. Gleichzeitig
    können jedoch Menschen, die eine innere Erfahrung machen möchten, aber fühlen, dass
    andere Techniken zur Selbsterkenntnis versagt haben, ihren Geist sehr wohl durch Yoga
    übungen reinigen. Yoga verleiht geistige Klarheit, und kontrolliert die Verhaltensweisen des
    Geistes in all seinen Ausdrucksformen. Auf jeden Fall kann jemand, der ein religiöses Leben
    führen will, sich den Segen von Yoga vollständig zu nutze machen. Für eine Person jedoch, die
    nicht religiös ist, und nichts für Religion übrig hat, und damit auch nichts im Geringsten zu tun
    haben will, die aber gleichzeitig sowohl einen Körper als auch einen Geist frei von Krankheit,
    voller Frieden, und dazu ein sinnerfülltes Leben haben möchte, für solch eine Person ist Yoga
    die Antwort.

    Mit Geldscheinen kannst Du, was immer Du willst, auf dem Markt einkaufen. Auf die gleiche
    Weise wirst du mit Geistesklarheit und Bewusstseinkontrolle in deinen Bestrebungen
    weiterkommen und dieses Leben in seiner Fülle leben. Yoga ist eine Wissenschaft.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamagazin.  

  • Pranayama und Meditation

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Welche Beziehung besteht zwischen kosmischer Energie und Pranayama?
    Kosmische Energie ist im Yoga als Prana bekannt. Es gibt Lebensenergie in der gesamten
    Atmosphäre, darüber hinaus jedoch gibt es eine unendliche Menge kosmischer Energie. Diese
    Energie ist überwiegend in den fünf Elementen vorhanden. Genauso wie wir sagen, Quellen
    von Protein seien Fleisch, Eier, Nüsse und Soyabohnen, in gleicher Weise sind die fünf Quellen
    von Prana Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Doch die beste Quelle für Prana ist die Luft,
    deshalb ist Pranayama eine so kraftvolle Übung.

    Der Atem, den Du ins Innere aufnimmst, ist nicht reines Prana, er ist Luft mit Prana. Letztendlich
    wird sie gereinigt und in positive sowie negative Ionen getrennt, in gewöhnliche Luft und Prana.
    Diese Trennung erfolgt während Kumbhaka, und während der Meditation werden diese Pranas
    aufgenommen. Deshalb muss ein Hatha Yogi, der Pranayama praktiziert, auch Meditation üben
    um das nun freistehende Prana aufnehmen zu können. So wird das kosmische Prana durch
    Pranayama und Meditation ein Teil des individuellen Pranas.

    Wird Konzentration auf den Atem als essentieller Teil von tantrischen Übungen
    betrachtet?
    Konzentration auf den Atem ist eine der kraftvollsten Methoden um den unruhigen Geist nach
    Innen zu richten. Die Ausübung von Meditation wird in vier Stufen unterteilt: Pratyahara oder
    das Nach-Innen-Kehren; Dharana oder Konzentration; Dhyana oder Meditation; und Samadhi
    oder Transzendenz.

    Konzentration auf den Atem fällt in die erste Kategorie. Während du dich auf den Atem
    konzentrierst, wird der Geist automatisch nach Innen gerichtet. Wenn dieser Zustand erreicht
    ist, musst du versuchen, deinen Geist auf einen ausgewählten Punkt zu fixieren. Wenn Du
    fortfährst mit dem Zurückziehen und Einwärtskehren, ohne den Geist auf einen Punkt zu
    richten, wird er vollkommen hypnotisiert. Deshalb, wenn du fähig bist den Geist bis zu einem
    bestimmten Grad nach Innen zu wenden, und plötzlich psychische Erlebnisse auftreten,
    beginne sofort mit der Übung von Dharana.

    Egal welchem System du folgst, die Techniken des Nach-Innen-Kehrens alleine werden dich
    nicht zum Erwachen führen. Sie sind nur dazu bestimmt, Passivität und Ruhe zu schaffen. Die
    Neigung des Geistes zur Unrast muss befriedigt werden. Das ist die erste Stufe. Die nächste
    Stufe, Dharana, bedeutet den Geist auf einen Punkt zu fixieren und den Bereich des Raumes
    zu reduzieren. Wenn der Geist auf einen Punkt fixiert ist und sich selbst konzentriert, wird das
    zu Dhyana und Samadhi führen.

    Was ist eine korrekte und systematische Methode als Vorbereitung für Meditation?
    Konzentration und Meditation fallen unter Raja Yoga, und bevor du Raja Yoga praktizierst,
    musst du den physischen Körper mit den Techniken von Hatha Yoga reinigen. Im Yoga
    glauben wir, dass die Ursachen von Gedankenprozessen so weit wie möglich zuerst über das
    physische Medium geklärt werden sollten. Zum Beispiel kann manchmal ein Gedanke die
    Folge eines verdorbenen Magens oder die Auswirkung einer Schilddrüsenfehlfunktion sein.
    Deshalb empfehlen wir die Reinigungstechniken von Hatha Yoga. Es gibt sechs Hatha Yoga
    Reinigungstechniken: Neti, Dhauti, Basti, Nauli, Trataka und Kapalbhati. Sie werden
    Shatkarmas genannt. Unter der Leitung eines erfahrenen Yogalehrers wendest du die Übungen
    deinen Bedürfnissen und deiner Belastbarkeit entsprechend an.

    Nachdem du die Shatkarmas für ein oder zwei Jahre praktiziert hast, wird eine innere Harmonie
    im parasympathischen und sympathischen Nervensystem erlangt, in Ida und Pingala Nadi. Die
    sind für Manas Shakti (mentale Kraft) beziehungsweise Prana Shakti (pranische Energie oder
    vitale Kraft) verantwortlich. Wenn eine dieser Nadis Störungen erfährt, dann erlebst du Krank
    heiten, die aus Manas oder Prana Shakti entstanden sind.

    Deshalb reinigen wir durch Hatha Yoga tatsächlich alle Ströme damit sie gleichförmig und
    ungehindert fließen. Sobald das vollendet ist, solltest du mit Konzentration beginnen, wofür ein
    kräftiges Nervensystem zwingend erforderlich ist. Wenn die Ströme Ida und Pingala einwand
    frei angeregt und ausgeglichen sind, wird automatisch der dritte Strom, Sushumna, aktiviert.
    Und dann geschieht Meditation spontan. Allerdings heißt das nicht, dass du nun nicht mehr
    Japa, oder sonstige Techniken weiterüben sollst. Du musst die Übungen weiterführen, doch
    wenn du beabsichtigst ernsthaft in Meditation einzusteigen, dann musst du es systematisch
    tun.

    Abgesehen von der Entspannung und den Vorteilen für die Gesundheit, gibt es tiefere
    Beweggründe für Meditation?
    Die Aufgabe von Meditation ist es ein höheres Bewusstsein zu entwickeln, welches sich um alle
    Angelegenheiten des Lebens kümmern sollte. Dieses höhere Bewusstsein soll den Alltagsgeist
    ersetzen, genauso wie der Präsident für alle Angelegenheiten des Staates die Verantwortung
    übernimmt, wenn das Kabinett nicht funktioniert. Ebenso, wenn wir wissen, dass der
    Alltagsgeist nicht fähig ist, die Aufgaben des Lebens angemessen auszuführen, wenn er Qual,
    Schmerz und Leid verursacht, dann sagen wir; “Nein, der Geist ist kein guter Chef”. Der
    beschränkte Geist muss durch eine Superkraft, das höhere Bewusstsein, ersetzt werden, doch
    das Problem ist, dass noch kein höheres Bewusstsein vorhanden ist. Um das zu entwickeln
    üben wir Meditation.

    Ist die Position der Hände beim Meditieren wichtig? Wenn ja, welche ist die beste
    Position?
    Wenn der Fluss in den beiden Nasenlöchern ungleichmäßig ist, sollte die Handposition wie
    folgt sein: Lege die rechte Hand in die linke Achselhöhle und die linke Hand in die rechte
    Achselhöhle und übe Druck aus. Die Arme sollten entspannt sein. Das wird Swara Yoga Mudra
    genannt. Zum Zeitpunkt der Meditation muss der Atem in beiden Nasenlöchern frei fließen,
    wenn das nicht der Fall ist, dann bleibt ein Teil des Gehirns inaktiv und du kannst nicht richtig
    meditieren. Wenn beide Nasenlöcher frei sind, sind beide Gehirnhälften gleichmäßig aktiv, und
    Meditation kann ohne Schwierigkeiten erreicht werden.

    Wenn jedoch beide Nasenlöcher gleich frei sind, dann kannst du die Hände im Schoss
    platzieren, sobald du dich zum meditieren hinsetzt. Das wird Yoni Mudra genannt. Oder du
    kannst Chin Mudra anwenden, bei dem Daumen und Zeigefinger zusammengeführt werden
    und die restlichen Finger bleiben abgespreizt; das symbolisiert die Trennung deines Selbst
    (Zeigefinger) von den drei Gunas, Rajas, Tamas und Sattva, und die Verbindung zum höchsten
    Bewusstsein (Daumen).

    Beim Meditieren ist es sehr wichtig, dass beide Nasenlöcher frei sind. Wenn, zum Beispiel nur
    das rechte Nasenloch frei und das linke blockiert ist, dann wird der Geist hierhin und dorthin
    springen wie ein Affe. Wenn nur das linke Nasenloch frei ist, wirst du nach einiger Zeit
    anfangen zu träumen oder vielleicht setzt auch Depression ein. Wenn der Atem in beiden
    Nasenlöchern frei fließt, sind die rechte und die linke Hemisphäre des Gehirns ausgeglichen
    und beginnen in einer übergeordneten Dimension zu arbeiten. Auf diesem Weg kann
    Meditation erreicht werden.

    Wenn ich meditiere fühlte es sich an, als beginne in meinem Körper etwas zu hüpfen, und
    dann fängt der Körper an zu zittern. Was bedeutet das?
    Das ist vollkommen in Ordnung, doch verweile nicht bei diesen Geschehnissen. Versuche dir
    deines Konzentrationspunktes bewusst zu bleiben. Durch Konzentration können viele Dinge
    geschehen. Wenn der Geist durch diese psychischen Erfahrungen und körperlichen
    Symptomen beeinflusst wird, ist es eine Ablenkung vom Hauptzentrum. Wie auch immer,
    manchmal werden diese Störungen in einem Zustand von Meditation so mächtig, dass es
    sinnlos ist, sie zu bekämpfen. Es ist besser, den Grund ihres Vorhandenseins herauszufinden.
    Vielleicht hast du einige der vorbereitenden Bedingungen von Yoga nicht erfüllt oder dein
    Nervensystem oder die emotionale Struktur ist noch nicht stabilisiert.

    Manchmal gibt es beim Meditieren die Erfahrung, dass der Atem automatisch stoppt.
    Es gibt bestimmte Momente, in denen Prana und Geist aufeinander einwirken und sich
    zusammen bewegen. Wenn der Geist unter Kontrolle ist, halten die pranischen Kräfte inne und
    wenn die Pranas kontrolliert sind, hält der Geist inne. In Yoga ist dies als Kevala Kumbhaka
    bekannt, automatisches und spontanes Anhalten des Atems. In dem Moment in dem dein Geist
    aufhört zu arbeiten oder im Objekt der Konzentration aufgeht, muss der Atem automatisch
    stillstehen, weil diese beiden Vorgänge im Gehirn miteinander verbunden sind. Raja Yogis
    kontrollieren erst den Geist und stoppen dann den Atem. Hatha Yogis kontrollieren den Atem
    und damit die Bewegungen des Geistes. Wenn Kevala Kumbhaka entsteht, dann erlaube es
    ohne Widerstand, denn es wird im Erwachen gipfeln.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag.  

  • Kriya Yoga

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Ist es falsch, die Kundalini ohne die Hilfe eines Gurus zu erwecken?
    Wenn du die Hatha Yoga Techniken, die Shatkarmas, hinter dir hast, und wenn du das vom
    Guru erhaltene Mantra regelmässig rezitierst, dann besteht kein Risiko, deine Kundalini direkt
    zu erwecken. Früher oder später wird die erwachte Kundalini das Schicksal der Menschheit
    sein. Die nächste Phase der menschlichen Evolution wird nicht kulturell oder politisch sein, sie
    wird spiritueller Natur sein. Wir werden weder unsere Arme verlieren noch werden zwei weitere
    dazukommen, und wir werden nicht größer oder kleiner werden, hingegen hat die Evolution nun
    eine Phase erreicht, in der spirituelle Bewusstheit wachsen wird. Kundalini-Erwachen ist der
    Begriff, der für dieses wichtige Stadium oder diese wichtige Phase der menschlichen Evolution
    zu verwenden ist.

    Wie entscheidet man, wie viele Kriyas man pro Tag machen sollte?
    Man sollte alle siebzehn Kriyas vom Guru oder von seinem entsprechenden Lehrer erlernen.
    Wenn du genug Zeit hast alle siebzehn Kriyas zu praktizieren, dann mache das, doch wenn dir
    die Zeit dazu nicht reicht, dann betrachte Maha Mudra, Maha Bheda Mudra und Naumukhi als
    die Wichtigsten. Falls du nach dem Üben dieser drei feststellst, dass noch Zeit bleibt, kannst
    du Vipareeta Karani Mudra praktizieren, und wenn dann immer noch Zeit vorhanden ist, kannst
    du Shakti Chalini üben.

    Sind die Kriyas in der gleichen Reihenfolge zu üben wie in ihrem Buch beschrieben?
    Nun, wenn du alle siebzehn übst, sollten sie in derselben Reihenfolge geübt werden, zumindest
    für ein paar Monate. Doch danach, wenn du deinen eigenen Ablauf gestalten möchtest, dann
    kannst du die Reihenfolge ändern.

    Weshalb wird die erste Hälfte der Kriya Yoga Übungen mit offenen Augen durchgeführt
    und die zweite Hälfte mit geschlossenen Augen?
    Wenn du am Anfang deine Augen geschlossen hältst, wirst du dir der meisten deiner mentalen
    Probleme und Sorgen bewusst werden. Wenn die Augen geschlossen sind, ist der Geist
    ruhiger und die unbewussten Kräfte beginnen zu wirken. Doch wenn du die Augen offen hältst,
    arbeitet das Gehirn stärker und die unbewussten Konflikte bleiben ausserhalb des Bewusst
    sein. In Kriya Yoga werden daher die ersten Übungen, die Pratyahara entwickeln, mit offenen
    Augen ausgeführt, aber nach Tadan Kriya beginnt Dharana, und dafür hältst du deine Augen
    geschlossen.

    Muss Kriya Yoga am Morgen praktiziert werden? Gibt es irgendeine Gefahr, wenn man zu
    anderen Tageszeiten übt?
    Die richtige Zeit Kriyas zu praktizieren, oder auch jede andere bedeutende Sadhana, ist am
    Morgen, wenn alles im Äußeren und Inneren vorteilhaft ist. Laut den Wissenschaften des
    spirituellen Lebens sind Übungen, die am Abend durchgeführt werden, als rajasische
    tantrische Sadhana bekannt. Die sattwischen tantrischen Übungen sollten am Morgen
    durchgeführt werden, zur Zeit höchster Bewusstheit, Brahmamuhurta, zwischen vier und sechs
    Uhr morgens.

    Sollten die Übungen vor oder nach Meditation ausgeführt werden?
    Wenn du Kriya Yoga übst, braucht du überhaupt keine Meditation, da du während Meditation
    den Geist kontrollieren musst, und in Kriya Yoga kontrollierst du den Geist nicht.

    Wie kann jemand herausfinden, wann er für Kriya Yoga bereit ist?
    Diesbezüglich bin ich sehr klar. Wenn du Hatha Yoga und Pranayama geübt hast, kannst du
    mit Kriya Yoga beginnen.

    Wie lange sollten wir mit den Kriya Yoga Übungen weitermachen?
    Nach drei Jahren regelmässigem Praktizieren von Kriya Yoga sollte mit dem ersten Teil, in dem
    du mit offenen Augen übst, aufgehört und der zweite Teil geübt werden. Wenn du in den letzten
    drei Kriya Yoga Techniken beständig wirst, kannst du die anderen Übungen komplett
    weglassen. Ab diesem Moment beginnst du die Erfahrungen zu machen.

    Was passiert, wenn wir bei den ersten (Kriya Yoga) Übungen stecken bleiben und keinen
    Fortschritt mehr machen können?
    Ja, ich kenne diese Schwierigkeit. Das passierte uns auch. Wir kamen gerade von Manchester
    zurück und plötzlich verlor unser Automotor an Kraft. Also fuhren wir auf einen Parkplatz und
    riefen den Pannendienst an. Ein erfahrener Mechaniker kam und erkannte, dass es kein ernst
    haftes Problem war, das Auto hatte kein Benzin. Es war nichts falsch mit dem Luftfilter, nichts
    mit der Kupplung oder den Bremsen und es war nichts falsch mit der Zündung, der Tank war
    leer, das war alles.

    Wann auch immer so etwas auftritt, musst du zu einem Guru gehen, und er wird dir das
    Problem erklären.

    Was ist die Beziehung zwischen Kundalini und Kriya Yoga?
    Kundalini Yoga ist keine Technik sondern ein System. Kriya Yoga ist eine Technik des Kundalini
    Yoga, nicht ein System.

    Anmerkung des Übersetzerteams: Unter den folgenden Links findest du die zwei wichtigsten
    Bücher von Swami Satyananda zum Thema Kundalini und Kriya Yoga.
    Kundalini Tantra (in Deutsch)
    Yoga and Kriya (in Englisch)

    Ich habe gehört, dass Menschen, die Kriya Yoga üben, nicht Rauchen, Trinken oder
    Fleisch essen sollten. Bitte erklären Sie dies.
    Da Kriya Yoga ein Teil von Tantra darstellt, kann ich versichern, dass Rauchen, Trinken, Fleisch
    essen oder sexueller Austausch kein Hindernis auf dem Weg darstellen. Obwohl ich selber kein
    Fleisch esse, muss die Wahrheit gesagt werden. Und gleichzeitig bedeutet es auch nicht, dass
    man, wenn man Kriya Yoga übt, Fleisch essen, Trinken oder Rauchen oder zu Frauen oder
    Männern gehen sollte. Das meine ich nicht damit, aber viele Menschen interpretieren Tantra auf
    diese Weise. Tantra sagt nicht „Ja“ und nicht „Nein“. Es besagt, wenn du etwas tun willst, dann
    tue es. Wenn du Kriya Yoga zu üben beginnst, und du siehst, dass sich Rauchen definitiv
    nachteilig auf deine spirituelle Entwicklung auswirkt, wird es an einem oder anderen Punkt
    automatisch wegfallen. Wenn Fleisch essen eine nachteilige Wirkung auf deine spirituelle
    Evolution hat, wird es automatisch wegfallen. Und wenn es nicht nachteilig wirkt, dann willst du
    vielleicht damit fortfahren. Schau, es ist sehr schwierig zu entscheiden was nachteilig für deine
    spirituelle Evolution ist, weil wir an Überzeugungen gebunden sind, die mit bestimmten
    Religionen, Kulturen, Sippen, Tabus etc. verbunden sind.

    Vaishnaviten essen kein Fleisch, Zwiebeln oder Knoblauch. Daher wird jedem Vaishnaviten
    gesagt: „He, du übst Kriya Yoga, iss keine Zwiebeln“, als wäre keine Zwiebeln oder Knoblauch
    zu essen ein Teil des Kriya Yoga Rituals. Wir müssen frei werden von diesen Tabus, die von
    Religionen, Kulturen, Sippen, im Osten, Westen, Norden, Süden, zentral und in allen Regionen
    erschaffen wurden. Wir müssen von dem ausgehen, was wir sind. Du bist eine Hausfrau, ein
    Vater, ein Sohn. Du hast deine eigenen Abhängigkeiten, deine Ängste oder Einschränkungen.
    Lass sie sein! Übe einfach Kriya Yoga und langsam, nach ein paar Monaten, wirst du sehen,
    dass die transformierte Qualität deines Geistes die Entscheidung treffen wird.

    Wie ich schon sagte, rauchte Paramahansa Ramakrishna auf der Höhe seiner Selbstver
    wirklichung Wasserpfeifen und Christus trank Wein. Du kannst nicht sagen, dass er das nicht
    tat, denn beim letzten Abendmahl trank er Wein und aß Fleisch, das heißt aber nicht, dass er
    keine grossartige Persönlichkeit gewesen wäre. Du musst alle diese Tabus aus spirituellen
    Ritualen entfernen. Wie auch immer, aus gesundheitlicher Sicht sollten gewisse Menschen
    nicht rauchen und andere kein Fleisch essen.

     

    Du findest die Zitate Original im Yogamag.  

  • Karma

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die ursprüng
    lichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die folgenden
    Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von Schülern,
    in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher Genehmigung
    des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Was ist Karma?
    Wörtlich bedeutet Karma Handlung, aber Handlung für sich genommen hat keine Bedeutung.
    Angenommen, ich muss in den Krieg ziehen und töte viele Menschen, dann ist das meine
    Handlung aber nicht mein Karma. Wenn ich aber im Gegensatz dazu Menschen aus Hass töte,
    dann ist das Karma, weil es meinen Geist und meine Persönlichkeit beeinflusst. Demnach
    bezieht sich der Ausdruck Karma sowohl auf eine Handlung als auch auf den Eindruck, den ein
    Ereignis im Leben, im Geiste eines Individuums hinterlässt.

    Laut der östlichen Philosophie erzeugst du Karma, selbst wenn du nicht arbeitest, kochst, dein
    Zimmer reinigst oder überhaupt gar nichts tust. Sogar in der Nacht im Tiefschlaf arbeitet der
    Mensch auf den tieferen Ebenen. In erster Linie arbeitet der Mensch in seinem Unbewussten,
    die bewusste Handlung ist vielmehr ein Ausdruck unbewusster Motivation. Auch die Organe im
    Körper können nicht inaktiv sein, arbeiten doch mehr als 10 Körpersysteme zur gleichen Zeit.
    So gibt es keinen einzigen Moment im Leben, in dem der Mensch untätig bleiben kann.

    Gibt es verschiedene Arten von Karma?
    Ja, es gibt verschiedene Arten von Karma. Gewisse nennen wir alltägliche Karmas. Diese
    haben praktisch keine Bedeutung für das Innenleben einer Person, sie sind automatisch und
    routinemässig. Wahrscheinlich ist der einzige Einfluss, den sie auf dich ausüben können,
    Eintönigkeit und Ermüdung. Eine andere Form von Karma ist bekannt als motiviertes Karma. Es
    wird mit einem bestimmten Beweggrund im Geist verrichtet und erzeugt Samen. Diese Samen
    hinterlassen Eindrücke im Geist und beeinflussen die gesamte Persönlichkeit, den Geist, den
    Körper und die Emotionen. Nehmen wir beispielsweise an, ich beginne ein Geschäft. Läuft das
    Geschäft erfolgreich, bin ich glücklich, läuft es nicht gut, bin ich sehr unglücklich. Demzufolge
    wird meine Gemütsverfassung nicht vom Geschäftsverlauf bestimmt, sondern durch meine
    Motivation. Mit anderen Worten, aus unserer Grundmotivation ergeben sich die Konsequenzen.

    Wenn ich Richter bin und einen Mann zum Tode verurteile um die Allgemeinheit vor einem
    gefährlichen Kriminellen zu schützen, dann verursache ich kein Karma, das auf mich
    zurückfallen wird. Wenn mein Beweggrund einen Mann hinzurichten jedoch ein persönlicher ist,
    oder ich voreingenommen bin, dann werde ich die Folgen des Karmas zu erleiden haben. Das
    ist ein universelles Gesetz.

    Gibt es Techniken, die wir nutzen können um Karma loszuwerden oder zu kontrollieren?
    Es ist nicht einfach Karma loszuwerden, denn jeder Mensch ist ihm unterworfen. Jede Aktion
    erzeugt eine Reaktion, die gleich gross und entgegengesetzt ist. Das ist das erste Gesetz der
    Wissenschaft, das erste Gesetz von Newton. Je mehr du das Pendel nach rechts stösst, desto
    mehr wird es nach links schwingen, und dann wieder nach rechts – Aktion und Reaktion. Keine
    Handlung im Leben bleibt unbeglichen, du kannst nichts vor dir selbst verstecken. Du bist dein
    eigener Zeuge und Beobachter. Du weisst, was du denkst, fühlst und tust, und du kennst deine
    wahren Absichten. Durch Selbstbeobachtung kannst du dein Karma kontrollieren.

    Es gibt verschiedene Wege um Karma loszuwerden. Der kürzeste ist durch Busse und
    Entbehrung, allerdings ist das sehr schwierig. Meditation ist eine einfache Methode, aber es
    gibt einen noch einfacheren Weg. Suche dir einen spirituell verwirklichten Guru und empfange
    ein Mantra von ihm. Lebe mit ihm für eine bestimmte Zeit, und allmählich werden alle Karmas
    anfangen wegzufallen.

    Was ist der Unterschied zwischen der eigenen Entscheidungsfreiheit und Karma?
    Entscheidungsfreiheit ist auch Karma. Es gibt zwei Kräfte im Universum. Die eine wird Karma
    genannt – Aktion und Reaktion und die andere freier Wille. Freier Wille ist nicht Karma, es ist
    dein Wille, du bestimmst und es geschieht. Der Wille ist unabhängig von Karma. Aber das
    Entstehen der Willenskraft braucht Zeit im spirituellen Leben. Wenn ein menschliches Wesen
    sich weiterentwickelt und Meister seines eigenen Geistes wird, ist es fähig, seinen Willen
    durchzusetzen.

    Wenn der Geist kraftvoll wird, ist er manchmal fähig, die Ereignisse im Leben zu gestalten, aber
    auch das ist ein Bestandteil der Kettenreaktion von Karma. Wenn du dich intensiv auf: „Ich
    werde das tun“ konzentrierst und es geschieht, ist das nicht das Ergebnis einer starken
    Willenskraft sondern einer kraftvollen mentalen Entscheidung, die du getroffen hast. Es gibt
    einen grossen Unterschied zwischen Willenskraft und mentaler Entscheidung. Willenskraft ist
    eine gewaltige Stärke und wenn du sie voll entwickelt hast, kannst du die Schwerkraft von
    Karma transzendieren. Dann ist deine Evolution abgeschlossen, und dann wirst du zu einem
    Mit-Schöpfer, einem Junior-Gott.

    Muss jemand, der durch die Auflösung von Karma befreit wird, sein Handeln ein
    schränken um zu verhindern, mehr Karma zu erzeugen?
    Befreiung bedeutet nicht auf Handlungen oder Karma zu verzichten. Ein befreiter Mensch führt
    seine Handlungen auf der körperlichen, geistigen, intellektuellen, emotionalen und
    sensorischen Ebene fort. Er kann das Feld pflügen oder irgend eine andere Arbeit verrichten,
    denn es sind nicht die Handlungen, die einen Menschen binden, sondern das Ego. Wenn Ego
    an deinen Handlungen beteiligt ist, eignest du dir Karma an und musst die Verantwortung dafür
    übernehmen.

    Ein befreiter Mensch hat sein Ego von seinen Handlungen, seinem Karma, losgelöst. Er arbeitet
    wie ein Diener oder ein Verkäufer in einem Ladengeschäft. Obgleich der Verkäufer mit seinem
    Geist, Körper und Intellekt arbeitet, trägt er keine Verantwortung für das, was im Geschäft
    geschieht. Andererseits ist der Geschäftsinhaber nicht fähig sein Ego von seinem Laden zu
    lösen und ist dadurch verantwortlich für die guten und schlechten Karmas, die dort entstehen.
    Der Gewinn gehört ihm, genauso wie der Verlust, denn seine Persönlichkeit und sein Ego sind
    involviert. Wo Ego beteiligt ist, ist Karma, wo kein Ego beteiligt ist, gibt es kein Karma.

    Ist es möglich, das Karma von jemand anderem zu übernehmen?
    Wenn eine tiefe Kommunikation oder eine psychische Verbindung zwischen zwei Personen
    besteht, findet eine Übertragung von Karma statt. Die Tiefe der Bewusstheit ist dafür
    verantwortlich. Wenn du jemanden sehr liebst, sei es einen Freund, Ehemann, Ehefrau, Kind
    oder Geliebten, passiert es automatisch. Du kannst sogar Karma von deinem Feind
    übernehmen, wenn er dir ständig bewusst ist.

    Wenn in der Meister-/Schülerbeziehung beide in Geist und Bewusstsein vereint sind, werden
    die Karmas des Schülers automatisch auf den Meister übertragen und ebenso das Wissen des
    Meisters automatisch zum Chela (Schüler) übermittelt. Aber wenn Meister und Schüler im
    Bewusstsein nicht vereint sind, findet dies nicht statt.

    Sind Tiere in gleicher Weise durch Karma gebunden wie Menschen?
    Jedes einzelne Wesen in dieser Welt, einschliesslich derer des mineralischen und pflanzlichen
    Reiches, bewegt sich entsprechend der klar vorgegebenen Gesetze der Natur. Solange ein
    Mensch unfähig sowie geistig und körperlich schwach ist, ist auch er den Gesetzen des
    Schicksals unterworfen. Doch während er mehr Bewusstheit entwickelt, überwindet er
    allmählich das Diktat von Schicksal und Karma, und er wird fähig, für sich neues Recht und
    Ordnung zu schaffen. Wenn ein Wesen als Mensch inkarniert, bringt es eine höhere Form von
    Bewusstheit, Gyanam, mit, das kein anderes Wesen besitzt. Gyanam ist die Bewusstheit der
    eigenen Existenz in Beziehung zu Raum und Zeit. “Ich weiss, dass ich bin; ich weiss, dass ich
    weiss, dass ich bin”, das ist Gyanam.

    Wenn ein Mensch etwas Falsches macht, wird er leiden, denn er weiss, dass er etwas Falsches
    gemacht hat. Wenn er jemanden tötet, wird er dafür büssen, vielleicht nicht rechtlich, aber
    definitiv mental. Wenn er etwas stiehlt oder tut von dem er weiss, dass es falsch ist, wird er
    mentale Qualen leiden. Weshalb? Wegen seines Bewusstseins. Ein Hund dagegen besitzt
    keine Schuldgefühle. Wenn er jemanden beisst, wird er nicht leiden oder irgendwelche
    Probleme haben. Tiere können dich verletzen oder dir dienen, doch die Natur wird sie weder
    belohnen noch bestrafen. Ihre Handlungen erzeugen keine Gegenwirkungen.

    Bewegt sich der Mensch während seiner spirituellen Entwicklung immer vorwärts oder
    zwingt ihn Karma manchmal auch rückwärts zu gehen?
    Gemäss der hinduistischen Philosophie ist Evolution fortschreitend, aber manchmal musst du
    aufgrund von Karma zurückgehen. Nehmen wir an, du bist eine spirituelle Person und willst
    hoch hinaus, doch auf einer gewissen Stufe wird dir klar, dass du Leidenschaften in dir hast,
    ein Verlangen nach sinnlichem Vergnügen oder einen rachsüchtigen Ehrgeiz. Was wirst du
    tun? Das Gleiche, was du tun würdest, wenn du auf dem Weg zum Flughafen feststellst, dass
    du deinen Pass zu Hause vergessen hast. Du würdest kehrtmachen, deine Angelegenheiten
    regeln und dann weitergehen.

    Wenn du im spirituellen Leben zurückgehen musst, wirst du körperlich nicht zu einem Tier, du
    bleibst ein menschliches Wesen. Du verhältst dich vielleicht wie ein Tiger aber dein Körper hat
    sich nicht verändert, es ist einfach eine Erfahrung. Wenn du wegen Karma umkehren musst, ist
    das nur temporär. Und es ist nicht um des Leidens Willen, sondern um die Erfahrung zu
    machen.

    Existiert Schicksal oder wählen wir unser eigenes Los?
    Schicksal existiert. Wenn du nach Bombay gehen willst, ist das dein Bestimmungsort, es ist
    dein Schicksal. Schicksal basiert auf dem Gesetz von Handlung und Reaktion. Jede Handlung,
    jedes Karma, hat eine Gegenwirkung. Genauso wie wenn du einen Stein in einen See wirfst und
    dabei Wellen entstehen, so entstehen Wellen im Kosmos, wenn du Karma verursachst.
    Karma ist nicht nur Handlung, ein Gedanke oder ein Gefühl sind auch Karma. Karma bedeutet
    Bewegung. Wo immer Bewegung ist, da ist Karma. Jedes Karma verursacht Wellen oder
    Vibrationen, und diese bewegen sich weiter in einer Kettenreaktion. Jede Handlung verursacht
    eine Reaktion und diese Gegenreaktion verursacht eine nächste Aktivität. Im Laufe der Zeit
    vervielfacht sich diese Kettenreaktion in millionenfache reaktive Kräfte im Leben und das
    erzeugt das Schicksal. Schicksal ist ein Gesetz der Natur, und du kannst es nicht ignorieren.
    Alle Tiere, genau genommen das ganze Universum, sind dem Gesetz des Schicksals
    unterworfen.

    Was ist die Notwendigkeit von Karma Yoga?
    Als ich in meinen frühen Tagen mit meinem Meister im Sivanandashram lebte, dachte ich, dass
    ich, wenn ich den Ashram verlassen würde, ruhig und in mich versunken bleiben könnte.
    Jedoch, als ich 1964 den Ashram in Monghyr gründete, kamen viele Leute um mit mir zu leben,
    aber niemand blieb mehr als drei oder vier Monate. Das war weil es für sie im Ashram keine
    Arbeit gab. Sie lernten und übten nur viele Asanas, Pranayama, Mantra, Meditation etc. Doch
    dies erzeugte keine Stabilität in ihnen, weil ihr Geist nicht geläutert war.

    Nach einigen Jahren begannen wir mit etwas Arbeit im Ashram – Gärtnern, Drucken, Editieren,
    Buchdruck, Maschinenschreiben oder Küchenarbeit – und seither ist die Anzahl der Bewohner
    mit jeder Woche gestiegen. Jetzt bleiben Leute jahrelang. Manchmal bleiben sie fünf, zehn
    oder zwölf Jahre, mit all den Schwierigkeiten des Ashramlebens. An Sonntagen weise ich die
    Swamis oft an, alle Abteilungen zu schliessen. Manchmal erlaube ich ihnen an drei
    aufeinanderfolgenden Tagen nicht zu arbeiten, und sie werden dermassen unruhig. Viele von
    ihnen kommen immer wieder zu meinem Zimmer und bitten mich um Arbeit. Inzwischen haben
    die Swamis und Gäste erkannt, dass die Natur im Menschen ein Verlangen und einen Drang
    nach Arbeit erzeugt. Das ist die positive Seite von Verlangen im Leben.

    Wenn der Mensch keine Sehnsüchte hätte, dann würde er sich nicht zu Arbeit verpflichtet
    fühlen, und wenn er nicht arbeiten würde, würde sein Geist nicht wachsen. Eine Person, die
    noch nicht Tamo Guna und Rajo Guna überwunden hat, ist gezwungen zu arbeiten. Sogar
    wenn sie über grossen Reichtum verfügt und alle lebensnotwendigen Güter im Überfluss
    vorhanden sind, muss sie immer noch arbeiten. Nur wenn du den Zustand von Sattwa erreicht
    hast, den höchsten Punkt von Ausgeglichenheit und Gelassenheit, dann kannst du ohne Arbeit
    sein, ohne Karma. Für die Läuterung des Geistes ist Karma unumgänglich, und wenn du Karma
    Yoga übst, dann erreichst du Reinheit viel schneller.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag.  

  • Hatha Yoga

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Beinhaltet Hatha Yoga Asana und Pranayama?
    Akademisch gesehen, nein. Hatha Yoga beinhaltet vorwiegend Neti, Dhauti, Basti, Kapalbhati,
    Nauli und Trataka, die Shatkarmas genannt werden. Aber Asana und Pranayama werden
    gängiger Weise als Teil von Hatha Yoga angesehen. In Raja Yoga gibt es Asanas und auch
    Pranayama. Ich nenne euch die akademische Unterscheidung, aber eigentlich gibt es keinen
    Unterschied. Hatha Yoga und Raja Yoga sind das Gleiche.

    Kapalbhati ist einer der Shatkarmas, es ist aber auch ein Pranayama und eine Kriya. Während
    andere Pranayamas ein einigermaßen gereinigtes System erfordern, ist dies für Kapalbhati
    nicht nötig, weil es selbst reinigend wirkt, deshalb fällt es unter die Shatkarmas.

    Welches ist die geeignetere Übung für eine gebildete Person, Hatha Yoga oder Gyana
    Yoga?
    Wenn eine gebildete Person ein körperliches Problem hat, sollte sie sicherlich Hatha Yoga
    üben. Wenn eine ungebildete Person philosophische Probleme hat, dann sollte sie sich Gyana
    Yoga zuwenden. Es kommt auf das Problem an. Wenn du krank bist, wirst du fragen: ‘Zu
    welchem Arzt soll ich gehen, einem Chirurgen, einem ayurvedischen Arzt, einem Homöo
    pathen, einem Schulmediziner usw.?’ Wenn du einen entzündeten Blinddarm hast, musst du zu
    einem Chirurgen gehen. Gleichermassen sollte sich eine Person bei körperlichen oder
    geistigen Beschwerden, wenn die Nadis nicht in vollendeter Harmonie arbeiten, zuerst Hatha
    Yoga Übungen widmen.

    Was ist der eigentliche Unterschied zwischen der Übung von Kapalbhati und Bhastrika
    Pranayama?
    In beiden Übungen, Kapalbhati und Bhastrika, ist die Atmung schnell, aber in Kapalbhati liegt
    der Schwerpunkt bei der Ausatmung, während bei Bhastrika die Einatmung und die Ausat
    mung ausgeglichen sind. Bei Bhastrika ist der Übende sich der Bewegung des Bauches
    bewusst und erlangt schrittweise die Kontrolle darüber, während in Kapalbhati die Aufmerk
    samkeit auf den frontalen Bereich des Gehirns gerichtet ist.

    Man erreicht den maximalen Nutzen von Pranayama wenn die Bandhas mit Kumbhaka (der
    Atempause) geübt werden. Pranayama stimuliert den Pranafluss und die Bandhas kontrollieren
    diesen Fluss und lenken ihn in die erforderlichen Bereiche. Wenn du Moola Bandha (Kontrak
    tion im Perineum) und Jalandhara Bandha (Halsverschluss) durchführst, dann zwingst du
    Apana (die Vitalenergie im unteren Bereich des Körpers, unterhalb des Bauchnabels) nach
    oben zu fließen und sich mit Prana (der Vitalenergie im Bereich zwischen Kehlkopf und
    Herzansatz) zu vereinigen.

    Wenn sich Prana und Apana vereinen ist das eine fantastische Erfahrung, die Vitalität erzeugt
    und dabei hilft, die Kundalini zu erwecken.

    Neti klärt den Nasenkanal und hilft bei der Heilung von Erkältungen und Nasennebenhöhlen
    entzündungen, sowie bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns und wirkt daher heilsam
    bei Epilepsie, Hysterie, Migräne und Depression. Es erzeugt ein allgemeines Gefühl von
    Leichtigkeit und Frische im Kopf und beseitigt Schläfrigkeit. Spirituell gesehen hilft es bei der
    Erweckung von Ajna Chakra. In Jala Neti wird Wasser verwendet und in Sutra Neti wird ein mit
    Wachs versehener Baumwollfaden oder ein dünner Gummikatheter in ein Nasenloch eingeführt
    und durch den Mund herausgezogen.

    Erzählen Sie uns etwas über Trataka.
    Das Sanskritwort ‘Trataka’ bedeutet stetiges Blicken. Wenn dich jemand für eine lange Zeit an
    starrt, dann nennst du das Trataka. Es gibt viele Wege Trataka zu üben. Manche Leute üben
    Trataka mit einer Kerzenflamme, mit einem schwarzen Punkt, einem Kristall, dem Mond, einem
    Bild oder Symbol, mit den Reflexionen auf der Wasseroberfläche oder dem eigenen
    Spiegelbild.

    Trataka ist eine sehr wichtige Übung und eine direkte Methode, um den Geist zu beeinflussen.
    Das Auge ist eigentlich eine Verlängerung des Gehirns und der optische Nerv ist einer der
    zwölf Hirnnerven, die direkt aus dem Gehirn hervorgehen, nicht aus der Wirbelsäule. Deshalb,
    wenn wir den Sehappart in Anspruch nehmen, beeinflussen wir das Gehirn. Die Yogis
    entdeckten, dass das Ruhigstellen der Augen beim Starren auf einen Punkt, entweder auf das
    Augenbrauenzentrum, die Nasenspitze oder auf einen Punkt außerhalb des Körpers, sich
    unmittelbar und positiv auf das Gehirn auswirkt. Dies wiederum hat eine wechselseitige
    Wirkung auf die Augenbewegung, auf die Netzhaut und den ganzen visuellen Apparat.
    Wenn du eine schlafende Person beobachtest, kannst du feststellen, ob sie tief schläft oder
    träumt. Du kannst aufgrund der Augenbewegung sofort sagen, ob sie sich sorgt, fürchtet,
    ängstigt, träumt, nachdenkt, schläft oder in Samadhi ist. Im Tiefschlaf können die Augen
    automatisch Shambavi Mudra einnehmen. Wenn eine Person träumt, dann gibt es Augenbe
    wegungen, die gesehen, gefühlt und durch Maschinen auch gemessen werden können. Im
    Zustand von tiefer Meditation sind die Augäpfel normalerweise auf den Punkt zwischen den
    Augenbrauen oder die Nasenspitze zentriert, und wenn ein Mensch stirbt, rollen die Augäpfel
    im Allgemeinen direkt nach oben, sie bleiben niemals im Zentrum. Die Augen einer ängstlichen
    Person sind unstet, und durch das Beruhigen der Augen können wir gewöhnlich die
    unkontrollierten Schwankungen eines ängstlichen Gehirns überwinden.

     

    Du findest die Zitate Original im Yogamag. 

  • Geistige Gesundheit

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Wie kann ich einen freien Geist haben?
    Es ist sehr schwierig einen freien Geist zu haben, und darüber hinaus ist es sehr gefährlich.
    Wenn ein Tiger nicht im Käfig gehalten wird, könnte er frei herum laufen und Menschen töten.
    Bevor du daran denkst, deinen Geist zu befreien, muss dieser erzogen, geschult und
    diszipliniert werden, ansonsten könnte er zerstörerisch auf dich und andere wirken.

    Der Geist ist sehr mächtig. Er ist die Basis von Gut und Böse und er kann Angstzustände oder
    Ausgeglichenheit hervorbringen. Der gleiche Geist möchte in einem Moment Selbstmord
    begehen und im nächsten das Göttliche realisieren. Das bedeutet, dass es zwei Geistes
    zustände gibt – den des ungezähmten Geistes und den des geschulten Geistes. Ein Yogi hat
    einen geschulten Geist, nicht aber das Tier. Nun, im Menschen steckt das Tierische, das
    Menschliche und das Göttliche. Sobald ein Mensch seine Gedanken und Emotionen geschult
    hat sind seine Handlungen kontrolliert, und ab dann kann er daran denken, seinen Geist zu
    befreien.

    Wenn Du dich nicht disziplinierst bevor du deinen Geist befreist, wird dich das unglücklich und
    depressiv machen. Es wird Hass erzeugen, Vorlieben und Abneigungen, Anhaftung und
    Ablehnung, und es könnte dich in Richtung Selbstzerstörung beeinflussen. Heutzutage leiden
    wir alle, weil unser Geist undiszipliniert ist. Wenn wir also von geistiger Freiheit reden, sollten
    wir die Disziplin nicht vergessen. Geistige Disziplin und geistige Freiheit sollten Hand in Hand
    gehen. Sie sind nicht unabhängig voneinander.

    Ist es besser im Leben zu agieren oder die Dinge einfach geschehen zu lassen?
    Du musst die Dinge geschehen lassen, aber zur gleichen Zeit musst du dich bemühen. Man
    sollte weder die Hoffnung aufgeben noch den Mut verlieren. Man sollte sein Bestes geben und
    so seinen Teil zum Erfolg beitragen. Es ist immer gut, sich mit den Umständen und Gegeben
    heiten des Lebens auseinanderzusetzen. Zugleich sollte man aber wissen, dass es, um sich im
    Leben zu behaupten, am besten ist, eine ausgeglichene Grundhaltung beizubehalten, anstatt
    sich aufzuregen, neurotisch oder unnötig aufgedreht zu sein.

    Wenn du ein Haus, eine Fabrik, einen Laden oder eine Familie aufbauen möchtest, musst du
    positive Anstrengungen unternehmen, um dies zu erreichen. Trotzdem kann es manchmal
    vorkommen, dass die Dinge nicht gelingen. Dies wirkt sich negativ auf den menschlichen Geist
    aus. In dem Moment wird man durch psychologische, mentale und körperliche Probleme
    beeinflusst. Das ist der Zeitpunkt, an dem du die Dinge geschehen lassen solltest. Die Dinge
    einfach laufen zu lassen, ist eine sehr gute Philosophie, aber sie sollte nur angewandt werden,
    wenn die Dinge nicht mehr in deiner Hand liegen. Solange die Situation unter deiner Kontrolle
    ist, versuche alles so reibungslos und intelligent wie möglich auszuarbeiten.

    Wenn Eheleute zusammen leben, sollten sie versuchen so glücklich wie möglich zu sein. Wenn
    es gelegentliche Schwierigkeiten gibt, sollten sie ihr Bestes geben um diese Unstimmigkeiten
    zu beheben. Wenn sich ein grosser Bruch zwischen beiden anbahnt, sollten sie trotzdem
    versuchen, diesen zu verhindern. Und falls es zur Trennung kommt, sollten sie darüber
    nachdenken sich zu ändern und die Beziehung zueinander wieder aufzunehmen. Aber wenn
    die Beziehung wirklich am Ende ist, dann sollten sie dies schlichtweg akzeptieren. Dies ist der
    beste Weg um psychologische, mentale und körperliche Probleme zu vermeiden. Obwohl dies
    nur ein Beispiel ist, lässt es sich auf alle Lebenssituationen übertragen.

    Warum bringen uns unsere Emotionen oft zum Weinen? Ist es gut zu weinen?
    Es gibt bestimmte Naturgesetze, über die wir gesteuert werden. Wenn jemand in der Familie
    stirbt, weinen alle. Wenn dich deine Freunde dann zu dieser Zeit besuchen kommen, beginnst
    du auch zu weinen. Warum? Es ist nicht wirklich weil jemand gestorben ist, dass du weinst,
    sondern der Tod hat zu ganz bestimmten Stauungen im Organismus geführt, die durch Weinen
    wieder gelöst werden.

    Nun, wenn du sehr viel Schmerz in deinem Körper empfindest, beginnst du zu weinen und zu
    stöhnen. Warum? Weil du, wenn du stöhnst, Rechaka, Ausatmen, praktizierst. Wenn du
    Rechaka übst, wird der Schmerz im Schmerzzentrum des Gehirns entfernt. Wenn dir also zum
    Weinen zumute ist, dann solltest du deine Tränen nicht unterdrücken. Versuche nicht gegen
    deine natürlichen Reaktionen anzukämpfen. Die Natur verfügt über ein sehr wohlorganisiertes
    System, in das du vertrauen solltest.

    Bitte erörtere die verschiedenen Ebenen von Angst, und wie diese angenommen und
    überwunden werden können.
    Es gibt verschiedenste Formen von Angst und sie sind so zahlreich, dass wir ihnen während all
    unseren Lebensabschnitten begegnen – Angst vor Krankheit, Angst vor Kränkung, Angst vor
    dem Tod, Angst davor Geld zu verlieren etc. Angst regiert unser Leben. Der beste Weg um
    Angst zu beseitigen ist, sie zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Und jedesmal, wenn du das
    tust, wirst du feststellen, dass Unwissen die Quelle von Angst ist.

    Wenn dein Bewusstsein unfähig dazu ist, tiefer als zu dem jeweiligen Geisteszustand, in dem
    du dich befindest, vorzudringen, kommt Angst auf. Ein Kind hat seine ganz eigenen
    Begrenzungen des Geistes, und jenseits dieser Begrenzungen liegt Angst. Wenn ein Kind
    nachts ins Badezimmer geht, hat es Angst, weil es dunkel ist. Aber wenn ich ins Badezimmer
    gehe, habe ich keine Angst, weil ich weiss, dass dort nichts zu fürchten ist. Wenn ich von dir
    verlangen würde, neben einem Toten zu schlafen, würdest du dazu wahrscheinlich nicht in der
    Lage sein. Selbst wenn du sicher wärst, dass er wirklich tot ist, wärst du vermutlich dennoch
    von Angst erfüllt. Aber ich könnte neben ihm schlafen, weil ich weiss, dass er tot ist, seine
    Seele sich zurückgezogen hat und mir nichts geschehen wird.

    Der Hauptgrund für Angst ist also der Mangel an Wissen. Wenn jemand über Wissen und
    Einsicht verfügt wird er furchtlos.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag.  

  • Chakras

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamags übersetzt und veröffentlicht.

    Was ist die Beziehung zwischen Chakra-Konzentration und Kundalini-Erwachen?
    Konzentration auf die Chakras ist ein Teil von Kundalini Yoga. Aber Konzentration auf die
    Chakras alleine wird Kundalini Shakti nicht erwecken. Bevor Kundalini erwachen kann, muss
    Sushumna Nadi gereinigt und aktiviert werden.

    Wie werden wir uns den Chakras bewusster?
    Sich den Chakras bewusst zu sein, hängt von der individuellen spirituellen Evolution ab. Wenn
    das Bewusstsein durch spirituelle Bemühungen gereinigt wurde, ist die Bewusstheit für die
    Chakras in hohem Masse gestärkt.

    In unseren mannigfaltigen Inkarnationen haben wir verschiedene Chakras entwickelt. Wenn du,
    während du Chakrakonzentration übst, ein Chakra mehr spürst als die anderen, heisst das,
    dass deine Evolution von diesem Punkt aus beginnen sollte.

    Können Sie uns eine kurze Beschreibung von jedem Chakra geben?
    Mooladhara Chakra ist die subtile Wurzel oder Grundstruktur der menschlichen Existenz. Moola
    bedeutet “die Wurzel”, adhara bedeutet “Stütze”. Im männlichen Körper befindet sich dieses
    Chakra zwischen dem After und den Geschlechtsorganen. Im weiblichen Körper befindet es
    sich am Muttermund, dort wo die Scheide und die Gebärmutter sich verbinden. Als nächstes
    kommt Swadhisthana, das sich an der Basis der Wirbelsäule beim Steissbein befindet.

    Swadhisthana bedeutet “der eigene Sitz”; es ist die Grundlage aus der die meisten Menschen
    sich in der Welt ausdrücken.

    Manipura Chakra befindet sich innerhalb der Wirbelsäule direkt hinter dem Nabel. Das Wort
    Mani bedeutet “Juwel” und Pura bedeutet “Stadt”. Daher ist Manipura bekannt als “Stadt der
    Juwelen”. Es ist das Zentrum, in dem die Vitalenergie im Körper gespeichert ist. Danach kommt

    Anahata, das sich in der Wirbelsäule hinter dem Herz befindet. Anahata bedeutet “nicht
    angeschlagen” oder “ungebrochen”. Es ist das Zentrum des ununterbrochenen Klanges.

    Vishuddhi Chakra ist als das Reinigungszentrum bekannt, weil es alle Gegensätze und alle
    Gifte reinigt und harmonisiert. In Vishuddhi werden Gifte und Nektar getrennt und verfeinert. Es
    befindet sich in der Wirbelsäule hinter der Kehle.

    Ajna Chakra ist das Befehlszentrum, in dem du die Instruktionen von deinem inneren oder
    äusseren Guru erhältst. Das Wort Ajna bedeutet tatsächlich “Befehl”. Dieses Chakra befindet
    sich hinter dem Augenbrauenzentrum am oberen Ende der Wirbelsäule.

    Bindu ist der Punkt an dem die Hindu Priester einen Haarbüschel stehen
    lassen. Das Wort Bindu kommt aus der Sanskritwurzel “bind” und bedeutet “spalten” oder
    “trennen”. Es ist der Punkt an dem sich die Einheit zum ersten Mal teilt um Viele zu werden.
    Bindu ist der (kraniale) Punkt am Schädel, welcher das gesamte optische System nährt.

    Sahasrara ist der göttliche vielblättrige Lotus. Seine Natur ist unendlich. Die körperliche
    Zuordnung dieses Zentrums liegt bei der Hirnanhangsdrüse, welche jede Hormondrüse und
    alle Systeme im Körper kontrolliert.

    Das sind die Hauptchakras, und sie alle haben einen zugehörigen Aktivierungspunkt, den man
    an der Vorderseite des Körper findet. Für Mooladhara ist es das Chakra selbst, für
    Swadhisthana befindet er sich am Schambein, für Manipura ist es der Bauchnabel, für
    Anahatha das Herz, für Vishuddhi die Kehle und für Ajna das Augenbrauenzentrum. Bindu hat
    eine direkte Verbindungslinie zu Sahasrara.

    Es ist auch interessant zu erwähnen, dass das Ajna Chakra das Symbol der Hindus ist, Bindu
    das Symbol der Muslime, Anahatha das Symbol der Christen und Manipura ist das Symbol der
    Buddhisten.

    Gibt es auch andere Chakras im menschlichen Körper?
    Unterhalb vom Mooladhara-Chakra befinden sich andere Chakras, die zum Tierreich gehören.
    Sie stehen nur in Verbindung mit den Sinnesorganen und nicht mit dem geistigen Bewusstsein.
    Als sich dein Bewusstsein durch diese Chakras entwickelte, war dein Bewusstsein mit der
    Sinneswahrnehmung verbunden. Dort gab es kein individuelles Bewusstsein, kein Ego, das
    fing beim Mooladhara Chakra an. Diese unteren Zentren arbeiten nicht mehr, weil du sie
    transzendiert hast und sie keinerlei Bedeutung mehr für dich haben.

    Tatsächlich gibt es 7 höhere und 7 niedrigere Chakras, stellvertretend für die 14 Ebenen des
    Bewusstseins.

    Weshalb haben die Lotus der verschiedenen Chakras verschiedene Farben?
    Genauso wie die Blumen, die aussen in der Natur wachsen, verschiedene Farben haben
    entsprechend ihrer Sorte und der Region, in der sie wachsen, so befinden sich im
    Evolution repräsentieren. Sie symbolisieren das innere Wesen, die innere Pracht. Man kann
    sich selbst als eine Mischung von vielfarbigen Blumen verstehen.

    Könnten Sie uns etwas mehr über Sahasrara Chakra sagen?
    Sahasrara ist das Höchste, es der finale Kulminationspunkt von Kundalini Shakti. Der
    ursprüngliche Sitz von Kundalini ist Mooladhara, während der Sitz von Shiva, Purusha oder
    dem höheren Bewusstsein Sahasrara ist. Shiva und Shakti sind die zwei ewigen Urkräfte.
    Sahasrara ist der Sitz des höheren Bewusstseins und ist einfach nur reines Bewusstsein. Es
    besitzt keine Beweglichkeit, Aktivität, Bewegung oder Vibration, es ist absolut still. Shakti
    hingegen, ist dynamisch, kreativ, beweglich und voller Vibration. Wenn Shakti zu Sahasrara
    aufsteigt und sich mit Shiva vereint, dann wird ein grosses Erwachen erlebt und eine neue
    Bewusstheitsdimension verwirklicht.

    Gibt es einen einfachen Weg der Konzentration auf die Chakras für diejenigen, die Mühe
    haben sie zu lokalisieren?
    Ja, es gibt ein paar Schlüsselpunkte. Wie kannst du den genauen Lokalisierungspunkt für
    Mooladhara Chakra kennen? Eine Nadel dorthin zu stecken ist sicherlich nicht der richtige
    Weg. Du kannst das Fixieren des Blickes auf die Nasenspitze üben, oder Nasikagra Mudra,
    und dann wird sich dein Bewusstsein von selbst auf den exakten Punkt von Mooladhara
    richten. Das ist ein Beispiel eines Schlüsselpunktes.

    Wie kannst du dich auf Ajna Chakra konzentrieren? Du kannst es nicht lokalisieren, du kannst
    es dir nur vorstellen. Konzentriere dich zuerst auf das Augenbrauenzentrum und versuche
    diesen Konzentrations-bereich auf einen Punkt zu reduzieren. Wenn du damit Schwierigkeiten
    hast, gib etwas rote Paste (Sindhoor) auf das Augenbrauenzentrum, schliesse deine Augen
    und die Haut wird sich dort leicht zusammenziehen. Und ohne jegliche Anstrengung wirst du
    die Empfindung spüren und die Achtsamkeit von diesem Punkt so sehr entwickeln, dass du ihn
    wie eine kleine strahlende Sonne siehst. Sobald du das erlebt hast, wird dein Geist sich zurück
    bewegen und sich an diesem am schwierigsten zu lokalisierenden Punkt fixieren, dem Ajna
    Chakra.

    Es gibt verschiedene Methoden wie diese, welche es dir ermöglichen, den exakten Punkt zu
    entdecken, ohne ihn dir vorzustellen und ohne Anstrengung oder Anspannung.

    Können Sie eine Technik zur Konzentration auf alle Chakras empfehlen?
    Ich werde euch ein paar Methoden angeben. Du kannst dich still hinsetzen und dich entweder
    auf die Chakras selbst oder auf deren Verbindungspunkte an der Körperoberfläche
    konzentrieren. Spiele mit einem Musikinstrument die Tonleiter sa re ga ma pa dha ni sa oder do
    re me fa so la ti do.

    Setze diese Noten den Chakras gleich, und wenn du die Tonleiter hoch und runter gehst, führe
    deine Achtsamkeit von Chakra zu Chakra, von Mooladhara zu Sahasrara.

    Eine andere Methode schliesst den Gebrauch von Mantras mit ein. Jedes Chakra hat ein Bija
    Mantra: lam, vam, ram, yam, ham und aum, jeweils von Mooladhara zu Ajna. Übe Japa,
    wiederhole das zugehörige Mantra während du deine Achtsamkeit im entsprechenden Bereich
    hältst. Lenke deinen Geist zum Beispiel zu Mooladhara und wiederhole Lam immer und immer
    wieder. Dann konzentriere dich auf Swadhistana und wiederhole Vam für einige Zeit. Fahre fort
    mit dem Wiederholen des entsprechenden Mantras für jedes Chakra.

    Du kannst ausserdem Yantras und Mandalas benutzen, die in Verbindung mit dem entspre
    chenden Chakra stehen, oder die Tattwas, die Elemente der Chakras. Du wirst entdecken,
    dass es in den verschiedenen Religionen Techniken gibt, welche Konzentration auf die
    Elemente involvieren, sei es Feuer, Wasser, Erde, Luft oder Äther.

    Das sind nur einige Beispiele, aber es gibt viele verschiedene Techniken.

    Ist es von Vorteil, sich nur auf ein Chakra zu konzentrieren, anstatt auf mehrere?
    Wenn du dich auf ein Chakra konzentrierst, dann erfolgt das Erwachen bezogen auf dieses
    Chakra. Jedes Chakra ist der Sitz von bestimmten Erfahrungen. Wenn du dich auf das
    Manipura Chakra konzentrierst, erlebst du ein grosses Erwachen von Energie. Wenn du dich
    auf das Anahata Chakra konzentriert, erlebst du Gefühle von Frieden. Wenn du dich auf Ajna
    Chakra konzentrierst, machst du die Erfahrung von innerem Leuchten und wenn du dich auf
    Swadhisthana konzentrierst, machst du die Erfahrung von Glückseligkeit, welche mit
    orgiastischer Wonne verglichen werden kann.

    Das sind einige der Erfahrungen, die du machen kannst, wenn du dich auf die verschiedenen
    Chakras konzentrierst. Und so wie sich deine Konzentration entwickelt, so werden die
    entsprechenden Bereiche im Geist ebenfalls beeinflusst. Die Chakras korrespondieren mit
    übersinnlichen Wahrnehmungen wie Telepathie, Hellsehen, Hellhören und Vorahnungen etc.
    Falls eine Person in der Vergangenheit viele Drogen konsumierte, hindert sie das beim
    Erwecken der Chakras?

    Nein, aber sobald du die Drogen aufgegeben hast, musst du den Körper durch Hatha Yoga
    und Pranayama reinigen. Nervensystem, Gehirn, Blut, Atmungssystem, Drüsen und eigentlich
    der gesamte Körper müssen komplett frei sein von Giften damit das Erwachen stattfinden kann.

    Würde sich eine Operation an der Wirbelsäule auf die Chakras und die Nadis in der OP
    Region auswirken?
    Ich persönlich kannte einen jungen  Mann, der eine Krebserkrankung des Rückenmarks hatte.
    Ich traf ihn zum ersten Mal nachdem er für eine Wirbelsäulenoperation in London war. Er hatte
    damals immer noch Krebs und ich begann ihm Yogasanas, Pranayama, Prana Vidya und
    einige tantrische Übungen zu unterrichten. Er wurde geheilt und machte im Verlauf seines
    Sadhanas wunderschöne spirituelle Erfahrungen. Er sah in tiefer Meditation die Göttin Durga
    und spürte Empfindungen im Mooladhara Chakra, wenn er sich auf die Nasenspitze
    konzentrierte.

    Ich habe ausserdem viele Menschen beobachtet, die Operationen an der Wirbelsäule hatten
    und ich fand heraus, dass das vegetative Nervensystem, der Sympathikus und der Para
    sympathikus weiterhin in perfekter Ausgewogenheit funktionieren. Aufgrund dieser Erfahrungen
    glaube ich, dass sogar grosse Operationen die Nadis und Chakras nicht stören. Das ist aber
    nicht abschliessend, natürlich muss in diesem Bereich noch mehr Forschung betrieben
    werden.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag. 

     

  • Allgemeine Erläuterungen zu Yoga 2

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Wie wichtig ist Mouna für die spirituelle Entwicklung?
    Die Übung von Mouna, Stille, reduziert erhöhten Druck im Gehirn und führt zu erfolgreicher
    Meditation. Sie bewahrt Energie, die für höhere spirituelle Erfahrung genutzt werden kann. Mit
    der Übung von Mouna kann die innere Temperatur gesenkt und körperliche Ruhe erzielt
    werden. Dies ermöglicht, während der Meditation einen Zustand der Ausgeglichenheit
    aufrechtzuerhalten, frei von Störungen und Ablenkungen. Während der Meditation werden
    Alphawellen verstärkt. Wenn der Übende Mouna einhält, wird seine innere Wahrnehmung
    dynamisch und gleichmäßig, und bringt ihn spirituellen Einsichten näher. Die Übung von Stille
    erzeugt einen Zustand von Selbsteinsicht und Kontemplation. Lange Zeiten von Stille über
    Wochen hinweg in einem Kloster, Ashram, einer Höhle oder in den Bergen, in Verbindung mit
    einer spirituellen Praxis, kann intuitive Erkenntnis erzeugen. Menschen, die an nervösen
    Erkrankungen, hohem Blutdruck und Herzproblemen leiden, sollten es sich zum Prinzip
    machen, Stille zu üben, wenn nicht für mehrere Wochen am Stück, dann wenigstens für eine
    Woche oder sogar nur für einen Tag in der Woche.

    Was ist Materie für einen Yogi – ist es alles, was existiert, Greifbares und Ungreifbares?
    Nach Patanjali, einem Verfechter von Yoga, ist Materie die Manifestation der ursprünglichen
    Natur, Energie oder Kraft. Solange sich ein Yogi auf der materiellen Ebene bewegt, sieht er
    Materie. Doch wenn er sich über seinen Geistes hinausbewegt, bewegt er sich auch jenseits
    von Materie. Materie besteht nur solange wie der Geist besteht. Wenn der Geist ausgelöscht
    ist, dann gibt es keine Materie mehr. Geist ist Materie, Shakti, Energie. Mit der Übung von
    Meditation, wird die grobe Materie Stufe für Stufe verfeinert. In den Schichten des Geistes
    befinden sich Spuren von Bewusstheit und Erfahrungen. Wir sehen, verstehen und erfahren die
    Welt entsprechend unserer vergangenen Erlebnisse, egal ob angenehm oder unangenehm.
    Der Yogi trennt Erfahrungen von Materie – Karmas, Samskaras, oder Eindrücke, vom Geist. Es
    kommt ein Moment im Leben eines Yogis, in dem alles was der Geist angesammelt und gehegt
    hat, vollständig beseitigt wird. Auf diese Weise transzendiert der Geist sich selbst und wird in
    Energie zurückverwandelt. Dann ist der Geist nur „Geist“. Demzufolge existiert Materie nur auf
    der mentalen Ebene; sobald die Barrieren des Geistes überstiegen sind, existiert keine Materie
    mehr. Der Geist, ist vollkommen verwandelt und transformiert.

    Was ist der Zweck unserer Existenz – wieso ist der Mensch in dieses materielle Leben der
    Sinneswahrnehmungen hineingeboren?
    Der Sinn des Lebens ist, sich zu entwickeln. Der Mensch ist Teil einer fantastischen, endlosen
    Evolution. Er ist nicht vollkommen, er steht irgendwo mittendrin. Nach Millionen von Jahren der
    Existenz hat sich die Schöpfung, das Leben selbst, zu einem Punkt entwickelt, an dem es sich
    in der Form des Menschen manifestiert. Die innewohnende Lebensenergie im Menschen, den
    Pflanzen und Mineralien, in aller empfindungsfähiger und empfindungsloser Schöpfung, ist ein
    sich entwickelndes Sein, das es immer schon gab, vom Anbeginn des Universums, vom Anbe
    ginn des Planeten Erde. Indes, ist der Zweck von Evolution mir freilich unbekannt. Bis zum
    heutigen Tag konnte mich keine Philosophie weder logisch, intuitiv noch metaphysisch, je vom
    Zweck der Evolution überzeugen. Obwohl ich moderne und antike Philosophien aus allen
    Zeitaltern und Kulturen studiert habe. Ich kann dir nicht sagen, warum das Leben geboren
    wurde, warum es sich entwickelt, zu welchem Umfang es sich entwickeln wird, und den Grund
    für diese bedeutungslose Entwicklung, die zu einem Ende kommen wird. Wenn du möchtest,
    dass ich dir eine Antwort gemäß der Hindu Philosophie, der Bibel oder anderen Religionen
    gebe, dann kann ich das tun, aber meine Antwort zum Thema Evolution ist: Ich weiß es nicht.
    Ist Leben in dieser Welt wirklich oder unwirklich?

    Für einen praktischen Yogi ist die Welt, das Leben und seine Ereignisse konkrete Realität. Er
    sieht das Leben nicht als unwirklich, vorübergehend, als Illusion oder großen Traum. Weil das
    Leben sehr real ist, suchten die alten Yogis nach Lösungen für dessen Probleme und Ein
    schränkungen. Daher entdeckten sie das System der Yamas und Niyamas (Wahrheit, Gewalt
    losigkeit, Enthaltsamkeit etc.), Asanas und Pranayamas, Konzentration und Meditation. Nach
    yogischer Philosophie besteht die Welt in allen drei Abschnitten der Zeit. Die Vergangenheit hat
    ihren Einfluss auf die Gegenwart und vieles in der Zukunft hängt von der Gegenwart ab. Diese
    Erde, Gesellschaft, Kultur, ihre Gebräuche, Tabus, Beschränkungen und Komplexe sind real.
    Wir müssen diese Welt verstehen.

    Wenn Gott, die Wahrheit, der Weg und das Ziel eins sind, wieso unterscheiden sich die
    Meister und Vorbilder in ihren Vorstellungen und widersprechen sich manchmal sogar?
    Die selbstverwirklichten Meister sprachen nicht unterschiedlich über die Wahrheit. Sie waren
    einstimmig in ihren Äußerungen. Doch was sie sprachen wurde von ihren Schülern weiterge
    geben, die immer noch Beschränkungen und Vorurteile hatten. So kamen die Unterschiede
    zustande und so werden sie weiterbestehen. Die Wahrheit, der Weg und das Ziel sind eins;
    niemand hat etwas anderes gesagt. Aber die Schüler von Meistern haben ihre eigenen
    Philosophien, die sich unterscheiden und weiterhin unterscheiden werden. Da kann man nichts
    machen.

    Welchen Grund gibt es für spirituelle Namen?
    Du hast einen Körper, deshalb solltest du auch einen Namen entsprechend deiner Astrologie,
    deines Geistlichen, deines Geburtsdatums oder der Vorliebe deiner Eltern entsprechend
    haben. Der Name bezeichnet den physischen Menschen. Doch wie wirst du den anderen
    Menschen nennen, der in diesem Menschen geboren wird? Wenn das Kind des spirituellen
    Bewusstseins in dir geboren wird, wirst du ihm dann keinen Namen geben? Ein spiritueller
    Name wird dem Menschen gegeben, der entsprechend der tieferen und markanten Aspekte
    seiner Persönlichkeit erwacht. Dies kann durch die Intuition eines hoch entwickelten Wesens
    erkannt werden.

    Wie können Schüler, die nicht im Ashram leben, ihrem Meister dienen?
    Das Ziel vom Dienen ist die Selbstreinigung. Menschen, die in der Gesellschaft leben, können
    ihrem Meister dienen, indem sie ihren Mitmenschen mit einer losgelösten Einstellung dienen,
    und durch das Einhalten der Regeln, die ihnen der Meister während der Einweihung aufge
    tragen hat. In Indien gibt der Meister traditionsgemäß spirituelle Anweisungen; er wendet sich
    vollkommen dem spirituellen Leben zu und nicht dem Verdienen seines Lebensunterhalts. Der
    Meister widmet sein Leben der Kontemplation und Realisierung der höchsten Wahrheit, der
    tiefen Meditation und der Kultivierung göttlicher Kraft. Er ist umgeben von klösterlichen
    Schülern, und Menschen, die in der Gesellschaft leben, unterstützen sein gesamtes Schaffen.
    Sie leisten entweder monatlich oder jährlich etwas zu dessen Fortbestand. Am Geburtstag ihres
    Meisters organisieren sie Essen für die Armen, dafür bereiten sie ein opulentes Mahl vor und
    laden alle Leprakranken, Blinden, Waisen und hilflosen Menschen ihrer Umgebung ein, an dem
    Fest teilzunehmen. Und sie dienen ihrem Meister auch, durch die Weitergabe seiner Lehre an
    Familienmitglieder, Freunde und Bekannte.

    Wie kann Kunst genutzt werden um universelles Bewusstsein zu erlangen?
    Kunst selbst ist ein Weg, die Universalität von Bewusstsein zu erkennen und zu realisieren.
    Doch sollte ein Künstler, eine Person die sich der Kunst widmet, das Bewusstsein homogen
    entwickeln, damit er seiner Kunst universellen Ausdruck geben kann.

    Bitte beschreiben sie die sieben Stadien des Bewusstseins, besonders Paramahamsa.
    Die sieben Stadien des Bewusstseins sind fortschreitende evolutionäre Zustände, die man in
    tiefer Meditation erlebt. Wenn du sie wirklich verstehen möchtest, dann studiere die Yoga
    Sutras von Patanjali und ihre Kommentare, die diese im Detail beschreiben. Im Stadium von
    Paramahamsa ist man fähig zwischen echt und unecht, sterblich und unsterblich, wahr und
    unwahr zu unterscheiden. Es kommt gar eine Entwicklungsstufe in der jemand, der
    Paramahamsa erreicht hat, nicht einmal mehr das unterscheiden kann, weil er sogar diesen
    Zustand der Begrenzung überschritten hat.

    Jetzt, da unsere gemeinsame Zeit sich dem Ende neigt, möchte ich euch versichern, dass alle
    eure Fragen von euch selbst beantwortet werden können. Der Meister ist in euch. Setze dich
    als Schüler unter den Baum des Wissens, der in dir ist, und schließe die Augen. Lege alle
    Fragen in einen Ordner und schließe sie vorerst in einen Schrank. Entwickle dein Bewusstsein,
    erweitere deinen Horizont und erwecke deine Intuition. Genauso wie wir Antworten auf deine
    Fragen geben, wirst du erfahren, dass die Antworten zu deinen Fragen in dir selbst zu finden
    sind oder du möglicherweise keine Fragen mehr haben wirst

     

    Die Zitate findest du im Original im Yogamag.  

  • Satsang zu Sadhana

    Was kann jemand, der in der Gesellschaft lebt, für seine spirituelle Entwicklung tun?
    Wenn du in der Gesellschaft lebst, beginne mit Sadhana, während du deinen normalen,
    alltäglichen Verpflichtungen nachkommst. Du kannst im Laufe der Zeit die Dauer der Sadhana
    auf eine, zwei oder drei Stunden ausdehnen, gehe aber weiterhin ganz normal deinen
    Verpflichtungen nach. Du kannst auch deine ganze freie Zeit darauf verwenden, solange du die
    familiären Angelegenheiten gut organisieren kannst.
    Wenn du noch nicht verheiratet bist und diesbezüglich keine Verpflichtungen hast, dann geh
    für ein paar Jahre in einen Ashram, lebe dort und erfülle die natürlichen Pflichten in Form von
    Karma Yoga. Wenn du danach weiterziehen möchtest, gibt es viele schöne Orte in Indien, wo
    du deiner Sadhana nachgehen kannst.
    —12. Oktober 1982, Ganga Darshan

     

    Link zum Yogamag (Februar 2022)