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  • Sankalpa und Yogatherapie

    „Während der Yoga Nidra Übung wird ein Vorsatz oder Sankalpa verinnerlicht. Es sollte etwas
    sein, das von enormer Wichtigkeit für dich ist. Vorsätze werden in Form von kurzen Sätzen im
    Unterbewusstsein verankert, wie zum Beispiel „Ich entschließe mich, mit dem Rauchen
    aufzuhören“. Im Zustand der Yoga Nidra-Passivität ist diese Autosuggestion sehr kraftvoll.
    Solche Vorsätze können dein ganzes Leben verändern. Sie werden sich zweifellos erfüllen,
    wenn du deinen Vorsatz mit genügend Überzeugung wiederholst. Mit dieser Methode kannst
    du alte Gewohnheiten ändern und gewisse geistige Erkrankungen besiegen. Sankalpas
    können eine spirituelle Zielsetzung haben wie zum Beispiel „Ich werde achtsamer werden“.
    Dein Sankalpa oder Vorsatz sollte während der Übung mehrmals wiederholt werden.“

    Swami Satyananda Saraswati

    Ein Sankalpa oder Vorsatz ist eine Affirmation, die du machst, um eine Schwäche zu
    überwinden, die deinen Körper, deine Leistung und dein Leben beeinträchtigt und um die nach
    deiner Ansicht nötige Kraft zu entwickeln, das innere Gleichgewicht herzustellen. Bilde anstatt
    nur zu sagen „Ich werde … aufgeben“, einen zusätzlichen Denkanstoß wie „Ich entwickle …“
    oder „Ich drücke meine positive Natur aus“. Auf diese Weise kannst du den Sankalpa
    entsprechend deiner Wahl und deinen Wünschen gestalten. Behandle das Thema als wäre es
    bereits verwirklicht. Sei dem, was du erreichen möchtest, einen Schritt voraus.

    Durch den Sankalpa nimmt die Empfindsamkeit und das Potential des Geistes zu. Er steigert
    die Willenskraft. Zu Beginn leitet er dich durch die Form der positiven Suggestion in die
    psychische Dimension, wo der Geist sensibilisiert wird und die Fähigkeiten des Geistes eine
    starke Kraft haben. In den anfänglichen Stadien wird der Sankalpa benutzt, die geistigen
    Energien zu bündeln und in den späteren Stadien wird psychische Energie aufgebaut.
    Zunächst scheint es eine Form von Autosuggestion zu sein, er bereitet jedoch die Grundlage
    vor, damit sich Harmonie in dir ausdrücken kann und stärkt die Fähigkeiten des Geistes.

    Sankalpa ist die Fähigkeit, die Willenskraft zu nutzen und die Kräfte im Körper-Geist zu
    harmonisieren. Diese Kräfte werden normalerweise durch innere Konflikte oder Verwirrung oder
    durch die verschiedenen äusseren Anforderungen und Verantwortlichkeiten des Lebens
    zerstreut. Der Sankalpa ist ein Werkzeug, um die Energie, den Prana, die Lebenskraft zu
    bündeln, damit sie wie ein Laserstrahl wird.

    Der Sankalpa ist eine der wichtigsten Techniken im Yoga. Er sollte jedes Mal, wenn du deine
    Yoga-Praxis beginnst, angewendet werden und nicht nur während Yoga Nidra. Die Übung von
    Yoga Nidra ermöglicht dem Sankalpa tief in die Psyche zu sinken. Wenn wir uns jedoch
    während den anderen Yogaübungen oder im täglichen Leben an den Sankalpa erinnern, hilft er
    uns, mit einem tieferen Sinn für Richtung und Absicht verbunden und geerdet zu bleiben.
    Wenn wir krank sind oder leiden, kann ein Sankalpa von besonderem Nutzen sein, denn dann
    fällt es uns oft schwer uns zu erinnern, was wir tun und weshalb wir es tun. Zudem kann der
    Therapieprozess schwierig sein, und der Weg, der zur Heilung führt, ist manchmal nicht direkt.
    Wir nutzen den Sankalpa, um uns daran zu erinnern, was wir erreichen wollen.

    Der Sankalpa ist ein Weg, um unsere Aufmerksamkeit auf einen Punkt in der Zukunft zu
    fokussieren. Es ist eine auf die Zukunft ausgerichtete Technik, damit wir mit dem Blick auf das
    Licht am Ende des Tunnels durch schwere Zeiten gehen können. Wir sind alle auf der einen
    oder anderen Ebene in Therapie. Yoga Therapie ist nur die Anwendung von Yoga unter
    medizinischen Rahmenbedingungen. Aber wir alle versuchen uns zu heilen und
    umfangreichere Ganzheit zu erfahren, und wir alle haben einen Sankalpa, sogar wenn wir uns
    dessen nicht bewusst sind.

    Stufen von Sankalpas
    Es gibt verschiedene Ebenen von Sankalpas oder Vorsätzen. Es gibt einen Hauptsankalpa, den
    wir alle besitzen, und zwar den Ursprungssankalpa. Er ist das ursprüngliche Verlangen oder
    eben der Ursprungssankalpa unseres Wesens. Der menschliche Geist funktioniert haupt
    sächlich über Verlangen. Das Wort „Verlangen“ bezieht sich hier nicht nur auf emotionales
    Verlangen, sondern eher auf Verlangen als motivierende Kraft, die danach strebt, die grund
    sätzlichen Bedürfnisse menschlicher Existenz zu befriedigen. Dies beinhaltet das Verlangen zu
    atmen, zu schlafen und zu essen. Unter diesen Bedürfnissen verborgen liegt der Grund,
    weshalb wir existieren. Dieses Grundverlangen ist vollkommen an unser Dharma, unsere
    Bestimmung, angeglichen. Es ist sehr, schwer dieses Grundbedürfnis zu erkennen. Wenn es
    sich zeigt, ist das ein großer Segen.

    Der Schlüssel, um den Sankalpa erfolgreich nutzen zu können ist, den Sankalpa, den wir
    während den Yoga Übungen machen, auf den Ursprungssankalpa unseres Wesens auszu
    richten. In einem gesunden Geist sind all unsere Bedürfnisse mit unserem Grundverlangen
    verbunden. Unsere vielen bewussten Bedürfnisse sind oft ein Versuch unseres Unterbe
    wusstseins, uns zum wesentlichen, ursprünglichen Drang, der uns als Individuum motiviert,
    zurückzubringen, und das kann für uns alle unterschiedliche Formen annehmen. Um dieses
    Grundverlangen zu definieren, müssen wir die Wahrheit unseres eigenen Seins finden. Dies
    nimmt verschiedene Formen an. Es kann Erleuchtung sein, Stärke, Liebe, oder es kann Wissen
    sein. Es kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal ist der Sankalpa auf ein spirituelles Ziel
    ausgerichtet. Manchmal ist es ein eher psychologisches Ziel und manchmal eher ein
    weltliches. Wenn wir also bewusst einen Sankalpa wählen, müssen wir ihn auf etwas
    ausrichten, das wir wirklich wollen.

    Die Wiederholung des Sankalpas im Yoga ermöglicht uns, etwas Zeit in Kontemplation zu
    verbringen und zu versuchen, uns auf das einzustellen, was wir im Leben wirklich erreichen
    möchten, was uns tiefe Befriedigung und Erfüllung geben wird. Es ist eine grundlegende
    Übung, weil es ein Fundament für alles andere bildet. Um Befriedigung und Zufriedenheit zu
    erlangen, was die Basis für Gesundheit ist, müssen wir uns unserem innersten Ziel, unserem
    Dharma, unserer wahren Natur und dem, was wir im Leben erreichen möchten, bewusst
    werden.

    Einen Sankalpa finden
    Einen Sankalpa zu finden ist nicht einfach. Es benötigt Geduld, einen Sankalpa zu finden, der
    wirklich zu uns passt. Einige Menschen finden ihn früher, andere sind sich unklar. Einige
    möchten viele Dinge zusammen bringen, wie „Ich sollte stärker, liebevoller, weiser und reicher
    werden und einen netten Partner haben“ und vieles mehr. Diese Art von Sankalpa kann zu
    mehr Verwirrung führen. Das Wichtigste beim Formulieren des Sankalpas ist Einfachheit. Je
    einfacher er ist, desto mehr ist er in Harmonie mit der Wahrheit, nach der wir streben. Ich sage
    das aus persönlicher Erfahrung. Mein Sankalpa wurde mit der Zeit so groß, dass ich vergaß um
    was es sich handelte. War Stärke vor Liebe oder Liebe vor Stärke? Ich wurde noch verwirrter
    als ich vorher schon war. Also machte ich einen Sankalpa dafür einen guten Sankalpa zu
    finden. Es brauchte ein paar Jahre, um dies zu erreichen.

    Wenn wir uns mit einer Krankheit auseinander setzen müssen, ist es oft sehr einfach, einen
    Sankalpa zu finden, wie zum Beispiel „Ich werde gesünder“. In diesen Sankalpa miteinbezogen
    ist die Tatsache, dass wenn ich dieses Ziel erreichen will, ich sofort damit anfangen muss,
    etwas für meine Gesundheit zu tun. Es ist auch ein “unlimitierter“ Sankalpa, weil er einfach
    bedeutet, dass wir gesünder und gesünder werden, und es gibt keine Begrenzung dafür, wie
    gesund wir werden könnten. Schlussendlich kommt ein guter Sankalpa auf das zurück, was
    uns wirklich wichtig ist, und wenn wir es erreichen, werden wir zugleich auch alles andere
    erreichen. Das ist der endgültig heilende Sankalpa. Einen Weg, dieses grundsätzliche Ziel zu
    erreichen ist es, kleine Mini-Sankalpas zu haben, die von Tag zu Tag benutzt werden können.
    „Heute bin ich konzentriert“, oder „Heute werde ich meine Meditation ohne einzuschlafen
    beenden“. Das ist der Weg zur ganzheitlicher Gesundheit für Körper und Geist.

    Einen Sankalpa formulieren
    Als ich in England war, ergab sich eine anregende und zum Nachdenken ermunternde
    Diskussion über das Formulieren des Sankalpas. Es ging um die Wahl der Zeitformen,
    Gegenwarts- oder Zukunftsform. Ich habe immer vorausgesetzt, dass die Gegenwart eine
    Affirmation dessen ist, was gerade ist und dass die Zukunftsform benutzt wird, um etwas zu
    erreichen, das wir erreichen wollen. Die Schwierigkeit liegt darin, dass wir für die Zukunftsform
    das Wort „werden“ benutzen, was zugleich auch Willenskraft (Anm. der Übersetzer: engl.
    will=werden) beinhaltet. Wenn ich also die Zukunftsform benutze, heisst das für mich, dass ich
    etwas tun werde. Ich werde es mit all meiner Willenskraft machen, und ich werde es erreichen.
    Es gibt für mich keinen Zweifel. Das ist es, was das Wort „werden“ hier beinhaltet; „Ich werde
    es tun!“ Ich benutze meine Willenskraft, und wenn ich meinen Geist zu meinem Ziel lenke, lasse
    ich es zur Realität werden.

    Um einen solchen Sankalpa zu formulieren, muss ich jedoch zuerst vieles nachforschen. Ist es
    weise, dies zu wollen? Ist es für mich möglich, es zu erreichen? Was muss ich dafür tun? Wenn
    ich einmal sicher bin, was ich will, formuliere ich den Sankalpa und stelle mich auf ihn ein. Die
    Wortwahl ist weniger wichtig für mich als das Gefühl und das Wissen, dass ich dieses Ziel
    erreichen kann.

    Die Formulierung des Sankalpas kann entweder in der Gegenwart oder in der Zukunftsform
    sein, was auch immer für dich stimmt. Ich komme aus der zukunftsorientierten Schule, denn
    das funktioniert für mich. Meine Haltung ist, dabei die Willenskraft zu betonen und nicht die
    Zukunftsform. Der Sankalpa erinnert mich daran, dass ich mein Leben so weit wie möglich
    innerhalb meines Dharmas führe und einem höheren Ziel entspreche. Als ich beispielsweise
    Medizin studierte, war mein Sankalpa „Ich werde mein Medizinstudium abschließen“. Ich habe
    nicht gesagt: „Ich schließe mein Medizinstudium ab“ oder „Ich mache momentan alles dafür,
    um mein Medizinstudium abzuschließen“. Das fühlte sich zu kompliziert an.

    Wenn das Wort „werden“ für dich nicht funktioniert, dann benutze das Affirmative und bringe
    den Sankalpa in die Gegenwart. Wir sollten vorsichtig sein, nicht plötzlich Regeln, wie „Benutze
    niemals die Zukunftsform“, aufzustellen. Manchmal, wenn die Leute ihren Sankalpa in der
    Gegenwart formulieren, zum Beispiel „Mein Immunsystem bekämpft den Krebs“, gibt es
    unterschwellig einen Zweifel, sie sind sich unsicher. Wenn das passiert, können sie ihren Willen
    nicht verankern und sich nicht mit ihrer Energie verbinden. Sie wiederholen nur hoffnungsvoll
    ihren Satz und hoffen, dass er wirkt. Daran glaube ich nicht. Sie haben den Sankalpa so
    formuliert, dass er sich nicht in ihre Psyche verankert und sich nicht mit ihrer Willenskraft und
    inneren Stärke verbindet. So kann auch kein tiefer Sinn für ihren Körper und für das, was sie im
    Moment benötigen, entstehen.

    Die Kraft des Sankalpas
    Die Kraft des Sankalpas erwacht, wenn wir uns auf unsere Bedürfnisse, auf das was wir wirklich
    wollen, einstimmen. Wenn Verwirrung und Zweifel auftreten, untergraben sie den Prozess, wie
    eine gefräßige Made. Die Formulierung des Sankalpas muss mit dem, was wir erreichen wollen
    und was wir fühlen, übereinstimmen, denn wir wollen uns von Verwirrung, Zweifeln und
    Konflikten lösen.

    Wenn wir anderen Menschen helfen, ihren Sankalpa zu finden, verfeinern wir ihn, bis er sich für
    sie richtig anfühlt. Dann können wir sehen, wie sich eine gewisse Energie aufbaut. Sie sind sich
    klar darüber, was sie wollen und wohin sie gehen. Vielleicht ändern sie den Sankalpa im Laufe
    des Entwicklungsprozesses, aber sie haben ein Gefühl der wahren Überzeugung. Experimen
    tieren und Individualität sind der Schlüssel. Finde deinen eigenen Weg damit.

    Ich bin sicher, dass wir alle schon Sankalpas kreiert und Dinge damit erreicht haben. Letztes
    Jahr habe ich einen bestimmten Sankalpa entwickelt, der sich erfüllt hat. Ich sagte, ich werde
    das machen und nun, ein Jahr später, geschehen diese Dinge. Ich war von Zweifeln über
    wältigt, aber ich sagte, ich werde es tun. Und das stimmte für mich. Was ich will, ist den Leuten
    zu helfen, ihre eigene Kraft zu erfahren. Und manchmal, wenn wir eine Formel auf eine
    bestimmte Weise kreieren, verursachen wir Verwirrung, weil es nicht für alle gleich funktioniert.
    Meiner Meinung nach tue, was auch immer für dich funktioniert. Und was funktioniert sollte
    spürbar sein und inspirieren.

    Wenn wir schon lange Yoga üben, kann eine Tendenz entstehen, gelegentlich gewisse Dinge
    schwammig werden zu lassen. Dann müssen wir uns fragen: „Was vergesse ich?“, und es ist
    meistens der Sankalpa. Es kann sein, dass uns das Leben an viele verschiedene Orte bringt,
    und manchmal scheint es, dass es uns für eine Zeit lang von Yoga fortführt. Wenn wir uns aber
    stets an unseren Sankalpa erinnern, praktizieren wir eventuell eine höhere Form von Yoga und
    sind ehrlicher zu uns selbst. Wenn du deinen Sankalpa aufrecht hältst, trägst du Yoga mit dir,
    wohin auch immer du gehst.

    Für Therapiezwecke kannst du einen Sankalpa wie „Ich werde stärker“ formulieren, „Ich werde
    gesünder sein“, „Ich mache mich stark und überwinde alle Hindernisse“, „Mein Immunsystem
    wird jeden Tag stärker“ oder etwas, das dir hilft, deine eigene Stärke zu spüren. Finde einen
    Sankalpa und wiederhole ihn jeden Tag. Alles kann im Leben versagen, nicht aber der
    Sankalpa, der mit Entschlossenheit, Willenskraft, Beharrlichkeit und Aufrichtigkeit realisiert wird.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Auszüge aus dem Buch Mere Aradhya

    Swami Dharmashakti Saraswati war die erste Schülerin von Swami Satyananda Saraswati. In
    den mehr als 50 Jahren der Verbundenheit und Zusammenarbeit mit ihm, konnte sie miterleben
    mit welchem Fokus, mit welcher Hingabe und mit welch unerschütterlichem Einsatz er die
    ursprüngliche Lehre des Yoga – das Yoga Vidya – erforschte und den Menschen der heutigen
    Zeit zugänglich machte.

    Das Buch Mere Aradhya – Mein geliebter Guru ist ein einzigartiges Zeugnis. Swami
    Satyananda hat Swami Dharmashakti, in vielen persönlichen Gesprächen, Episoden aus
    seinem eigenen Leben offenbart und ihr auf diese Weise unzählige, praktische Lehren erteilt.
    Das Buch gibt einen Einblick in alle Lebensphasen dieses grossen Meisters des integralen
    Yogas.

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda wie er als Teenager die erst Begegnung mit
    einer Tantrischen Yogini hatte und von ihr in verschiedene esoterische Wissenschaften und
    Erfahrungen eingeweiht wurde.

    Das Buch Mere Aradhya – My Beloved Guru ist auf Satyam Yoga Prasad in Deutscher Sprache
    publiziert. Du findest es bei den eBooks, unter 1st Chapter Books in der Abteilung “Spiritual
    Life”.

    Begegnung mit einer tantrischen Yogini 10.5.2023

    Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren hatte ich eine zufällige Begegnung mit einer
    tantrischen Yogini in Nainital. Sie war viel älter als ich. Damals hatte ich keine Ahnung, worum
    es bei der Beziehung zwischen Guru und Schüler geht. Ich wollte nicht einmal ein Sannyasin
    sein. Als unbekümmerter Jugendlicher, der die Schule besuchte, interessierte ich mich mehr für
    die schulischen Aktivitäten und Sportarten wie Kricket, Fußball und Hockey. Da ich aus einer
    Kshatriya Familie stamme, hatte ich auch ein gewisses Maß an Stolz und Eitelkeit. Ich glaubte,
    alles tun zu können, was ich wollte. Aber irgendwie hat die Yogini die Oberhand über mich
    gewonnen.

    Eines Tages, als ich am See in Nainital spazieren ging, sah ich sie von weitem. Sie saß auf
    einem Felsen und wie eine Sannyasini hatte sie ihr Chillum, ihre Tabakpfeife, neben sich. Ein
    paar Leute saßen um sie herum. Ich beachtete sie nicht, schenkte ihr keine große
    Aufmerksamkeit und setzte meinen Weg fort. Aber sie sah mich und rief: „He, junger Mann!
    Komm her!“ Ich drehte mich um und sah in ihre Richtung. Ja, sie hatte mich tatsächlich
    gerufen. Ich war es nicht gewohnt, Befehle zu erhalten. In meinem ganzen Leben hatte mich
    noch nie jemand herumkommandiert.

    Aber diese Frau hatte gerufen: „Hey! Komm her.“ Ich empfand dies als den Gipfel der
    Unhöflichkeit. Ihre Worte und ihr Tonfall hatten meinen Stolz verletzt. Aber überraschenderweise
    gehorchte ich ihr wie ein sanftes Lamm. Ruhig ging ich zu ihr hinüber. Sie reichte mir ein Gefäß
    und sagte: „Geh und hol mir etwas Milch. Ich möchte gerne einen Tee trinken.“ Sie gab mir
    nicht einmal Geld.

    Jedenfalls ging ich zum nahen gelegenen Basar von Nainital und kaufte Milch für sie. „Setz
    dich“, befahl sie, als ich mit der Milch zurückkam. Wieder gehorchte ich sanftmütig. Sie reichte
    mir ihr Chillum, aber ich sagte: „Nein, ich rauche nicht.“

    „Was!“, rief sie. „Wenn ich dir etwas anbiete, solltest du es besser annehmen.“ Zögernd nahm
    ich einen langen, tiefen Zug. Es schmeckte mir überhaupt nicht. Ich sagte mir: „Tee ist gut,
    Kaffee ist gut, sogar Schokolade ist gut. Aber dieses Chillum? Das ist nichts als
    geschmackloser Rauch.“ Dennoch nahm ich gehorsam noch ein paar Züge.

    Es waren auch ein paar andere Menschen da, aber keine gebildeten Leute, nur Dorfbewohner
    ohne Bildung. Sie erzählte ihnen von Ajna Chakra, Kundalini, Nadis, Lokas und anderen
    esoterischen Themen. Damals las ich Bücher von bedeutenden Swamis und Sannyasins wie
    Swami Dayananda, Swami Vivekananda und Acharya Satyadev von der Aryasamaj. Ich las
    Bücher über Kundalini und die Chakras. Während ich ihr zuhörte, erklärte sie jedes Thema sehr
    genau. Ihre Beschreibungen waren äußerst verständlich und klar.

    „Wovon in aller Welt redet sie?“ Ich war erstaunt. Ich hatte sie für eine rüpelhafte, törichte
    Dorfbewohnerin gehalten, aber ihr Wissen über die esoterischen Wissenschaften war
    erstaunlich. Ich schaute sie mir genauer an. Sie sprach über die Brahma und die Chitrini Nadis.
    Nachdem ich endlich nach Hause zurückgekehrt war, gingen mir ihre Worte nicht mehr aus
    dem Kopf. Sie war wirklich eine außergewöhnliche Frau.

    Ich, der ich in einer Kshatriya Familie geboren und aufgewachsen war und nie von jemandem
    einen Befehl angenommen hatte, begann ihr zu gehorchen wie ein Schoßhund. Bis zu diesem
    Tag hatte mir niemand befohlen, ich solle dies oder jenes tun. Wenn es jemand wagte, dies zu
    tun, lautete meine Antwort: „Pass auf! Wer erlaubt dir, mir zu sagen, was ich tun soll?“ Ich habe
    immer wie ein König gelebt, der anderen befiehlt und sie herumkommandiert. Selbst wenn mein
    Vater mir eine Anweisung gab, hörte ich nicht auf ihn. Einmal sagte er mir, ich solle die Gita
    studieren. „Vergiss es, das tue ich nicht“, antwortete ich. Er versuchte mich zu zwingen. Ich
    nahm eine Pistole, zielte auf ihn und sagte: „Ich werde sie nur lesen, wenn ich es will. Sprich
    kein einziges Wort mehr davon.“

    Doch nun folgte ich jeder einzelnen Anweisung, die mir die Yogini gab. Sie rief mich und ich
    ging zu ihr. Sie sagte mir, ich solle Milch holen und ich brachte ihr die Milch. Sie bat mich,
    hinzusitzen und ich setzte mich. Sie reichte mir das Chillum und ich nahm es. Alles, was ich tat,
    ging gegen meine Natur. Erst als ich nach Hause zurückkehrte, wurde mir klar, wie mächtig und
    beherrschend ihre Persönlichkeit war.

    Am nächsten Tag suchte ich sie wieder auf und so begann eine Reihe von Begegnungen. Ich
    traf sie jeden Abend und sie erzählte mir ungefähr das Gleiche über Mooladhara Chakra, Ida
    und Pingala Nadis, Prana und Swara, über das viele Swamis in ihren Büchern geschrieben
    hatten. Manchmal sprach sie auch über die verschiedenen Zweige des Tantras wie Vamachara,
    Kaulachara und Dakshinachara. Ihrer Meinung nach war Vamachara, der linke Pfad, der beste.
    Das wollte mir nicht in den Kopf. Wenn Vama Marga tatsächlich der überlegene Pfad war, dann
    müsste jeder, der dem „natürlichen Lauf der Dinge“ folgte, erleuchtet werden. Aber niemand
    erlebte irgendeine Art von Kundalini Erwachen, es wurden nur immer mehr Kinder gezeugt!
    Ihre Argumente in diesem Punkt befriedigten mich nicht.

    Einmal fragte ich sie: „Woher hast du all dieses Wissen? Welche Bücher hast du gelesen?“
    „Bücher?“, erwiderte sie scharf. „Ich weiß nicht einmal, wie man ein Buch hält!“
    Das stimmte tatsächlich. Sie war Analphabetin und sehr hässlich, fett wie ein Büffel und
    schwarz wie Kohle. Ihr Körpergeruch war äußerst widerwärtig. Sie badete nie, wechselte ihre
    Kleidung nicht und putzte sich nie die Zähne. Ihre Sprache war sehr ungehobelt und vulgär.
    Jeder zweite Satz endete mit einem Kraftausdruck. Jeder und Jede in ihrer näheren Umgebung
    konnte Ziel einer Standpauke werden. Dennoch sprach sie mit großartiger Kompetenz über
    Tantra, Kundalini und Nadis. Sie sprach ausführlich über die verschiedenen Stufen der
    Selbstverwirklichung, erklärte den Ursprung der Unwissenheit und ihre endgültige Auflösung.
    Sie sprach über Dinge, die in den erhabensten Schriften erwähnt werden, ohne den Bezug zu
    diesen Schriften zu kennen.

    „Würdest du mir Tantra beibringen?“ fragte ich sie eines Tages.
    „Ja“, antwortete sie.
    „Vama Marga, der linke Pfad? “ fragte ich erneut.
    „Ja.“
    „Shmashan Tantra, das Tantra, das auf dem Verbrennungsplatz geübt wird?“
    „Ja.“
    „Kapal Tantra, das Tantra, das mit Totenschädeln geübt wird?“
    „Ja.“

    Ich ging zu meinem Vater und erzählte ihm, dass ich eine tantrische Yogini nach Hause
    einladen und Tantra von ihr lernen wollte. „Gut“, sagte er, „wie du willst.“ Ich lud sie in unser
    Dorf ein und bald kam sie. Wir hatten eine wunderschöne Höhle am Fluss, in einer Ecke
    unseres Grundstücks, und sie begann dort zu leben. Sie hatte strikte Anweisungen gegeben,
    dass niemand dorthin kommen sollte. Sie begann schon am frühen Abend zu trinken, rauchte,
    aß Fleisch und das die ganze Nacht hindurch. Sie rauchte Tag und Nacht Ganja in ihrem
    Chillum, als ob es ihr eigener Atem wäre. Tagsüber warf sie alle ihre Kleider ab und schlief im
    Freien wie ein riesiger Büffel. Ich glaube, wenn jemand sie in diesem Zustand gesehen hätte,
    hätte er einen Herzinfarkt bekommen. So monströs und grotesk war ihr Aussehen.

    Nachdem ich alle notwendigen Vorkerungen für ihren Aufenthalt getroffen hatte, kehrte ich
    nach Almora zurück. Eine Woche später besuchte ich sie und fragte: „Was ist jetzt der Plan?“
    „Komm um Mitternacht hierher“, antwortete sie. „Aber bring kein Gewehr mit“, fügte sie hinzu.
    Im Dschungel von Kumaon kann man nachts nicht ohne Gewehr herumlaufen. Tiger,
    Leoparden, Wölfe und andere wilde Tiere streifen überall umher. In dieser dunklen Nacht
    musste ich ohne mein Gewehr 2,5 Kilometer durch den Dschungel laufen. Ich weiß nicht wie,
    aber ich habe es geschafft, ihre Höhle zu erreichen. Und in dieser Nacht hatte ich tiefe
    spirituelle Erfahrungen. Diese Erlebnisse waren nicht von dieser Welt, sie waren aber auch
    keine bloßen Träume. Sie hatten mit dem Erwachen von Shakti zu tun.

    Ich lernte Vama Marga von ihr und übte es etwa sechs Monate lang. Ich besuchte sie jedes
    Wochenende und während dieser Zeit hatte ich erstaunliche Erfahrungen. Ich verlor die
    Bewusstheit für meinen Körper und mein Bewusstsein schwebte über die irdische Ebene
    hinaus, wo weder Sonne noch Mond existieren. Ich muss sie in dieser Zeit etwa 50 mal besucht
    haben. Ich blieb die ganze Nacht bei ihr und kehrte am Morgen nach Hause zurück. Jede
    Nacht musste ich Schnaps trinken. Sie brauchte auch Fleisch, wofür ich sorgen musste.

    Obwohl ich in dieser Zeit viele überwältigende Erlebnisse hatte, verlor ich weder mein geistiges
    Gleichgewicht noch meine mentale Gesundheit. Ich behielt die Kontrolle über mich, ging zur
    Schule, erschien zu meinen Prüfungen und nahm an allen anderen Schulaktivitäten teil. Auch
    war ich Klassensprecher und Kapitän der Schulmannschaft und musste für vieles
    Verantwortung übernehmen. Ich verhielt mich normal und erfüllte alle meine Pflichten
    gewissenhaft.

    Aber innerlich hatte ich die gleiche Erfahrung, wie Kaka Bhushundi in Lord Ramas Mund. Erst
    nachdem ich über Kaka Bhushundi im Ramacharitamanas gelesen hatte, verstand ich meine
    eigene Erfahrung. Ich hatte genau die gleiche Erfahrung wie Ma Yashoda, als der kleine
    Krishna seinen Mund für sie öffnete. Ich verstand es, als ich die Beschreibung in der
    Bhagavata Purana las. Die Yogini schenkte mir eine transzendentale Erfahrung, die außerhalb
    der Grenzen meines Körpers, meiner Sinne, meines Verstandes und jenseits aller Definitionen
    und Beschreibungen lag, die in meinem gesamten Wortschatz existierten. Diese Erfahrung wird
    im Allgemeinen als Shaktipat bezeichnet, aber sie nannte es Gnade.

    Sie war eine sehr kompetente Lehrerin. Ihr Name war Sukhman Giri und sie war eine Sannyasini
    des Juna Akhara. Eines Tages sagte sie plötzlich: „Ich gehe.“
    „Dann weihe mich bitte ein, bevor du gehst“, flehte ich sie an.
    „Nein“, antwortete sie mit Nachdruck, „ich gebe niemandem eine Einweihung. Du musst
    deinen eigenen Guru finden.“

    Dann fügte sie hinzu: „Ich bin diejenige, die dir diese Erfahrungen geschenkt hat. Du hast sie
    nicht selbst verdient. Dies ist nur ein kleiner Einblick in die übersinnlichen Reiche, die ein
    Anwärter irgendwann auf seiner spirituellen Reise erfahren muss. Geh nun und erwirb dir diese
    Erfahrungen selbst.“

    „Wie?“ fragte ich.
    „Such deinen Guru“, sagte sie und ging rasch davon.
    Von diesem Zeitpunkt an suchte ich weiter nach demjenigen, der mir helfen würde, diese
    schwer fassbaren Erfahrungen wieder zu erlangen …

    •••••••

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda, wie Swami Sivananda ihm eine Lektion zum
    Thema Entsagung erteilte.

    Swami Sivanandas praktische Unterrichtstechniken 22.5.2023

    Eines Tages kam Swami Sivananda, um mein Zimmer zu inspizieren. Er schaute in meinen
    Schrank. Er war leer. Auch das Bett war leer. „Hast du nicht einmal ein Glas zum Trinken?“,
    fragte er.
    „Nein, das habe ich nicht“, antwortete ich.
    „Warum?“, fragte er.
    „Weil ich nicht gerne viele Dinge horte und aufbewahre“, entgegnete ich ihm.
    „Was! Wo hast du diesen Unsinn gelernt?“ rief Swami Sivananda. Er war ein Mann der wenigen
    Worte. Er sprach nur, was nötig war. Als er am Abend in sein Kutir hinunterging, wies er an,
    dass acht Matratzen, Steppdecken, Moskitonetze, acht Gläser, ein Petroleumkocher, eine
    Flasche Petroleum und ein Paket mit Tee und Zucker in mein Zimmer gebracht werden sollten.
    Ich konnte nicht verstehen, warum all diese Dinge in mein Zimmer geschickt worden waren. Ich
    dachte, dass mein Zimmer vielleicht als Lager dienen sollte. Also stellte ich die Sachen in eine
    Ecke und vergaß sie.

    Viele Tage später besuchte Swamiji wieder mein Zimmer. Er schaute sich alles an und fragte
    dann: „Brauchst du den Tee, den ich dir geschickt habe?“
    „Nein“, sagte ich.
    Swamiji hat mich so in die Enge getrieben, dass ich schon am nächsten Tag anfing, Tee zu
    kochen. Und ich begann auch, mein Zimmer abzuschließen.
    Eines Tages kam Swamiji wieder vorbei und fragte: „Ist der Tee aufgebraucht?“
    „Nein“, antwortete ich, „Ich mache jeden Tag nur wenig.“
    © Satyananda Yoga Freundeskreis. Vervielfältigung und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung von SYF.
    yoga-freundeskreis.de | admin@yoga-freundeskreis.de
    „Für wen machst du ihn?“, fragte er.
    „Für mich natürlich“, sagte ich.
    „Ach!“, schimpfte er, „warum rufst du nicht Madhavananda, Krishnananda und die anderen und
    gibst ihnen auch Tee?“
    „Was für eine Qual!“ sagte ich zu mir selbst. „Hier war ich ohne ein einziges Glas und jetzt
    muss ich Tee für zwei machen!“ Als Swami Sivananda schließlich erkannte, dass dieser dumme
    Schüler völlig blind für seine Lehren war, rief er mich zu sich und sagte: „Schau Satyam! Es ist
    nichts Falsches an Geld und Besitz, Matratzen und Decken, Tee und Zucker – du kannst alles
    haben, solange du es für andere nutzt. Diejenigen, die selbst keinen Tee trinken, können ihn
    trotzdem für Andere zubereiten.“

    Dann fragte er: „Studierst du die Gita?“
    „Ja“, antwortete ich und fügte hinzu, „regelmäßig.“
    „Von heute an hörst du auf, dieses Buch zu studieren. Beginne stattdessen, reichlich Geld bei
    dir zu haben. Beziehe fünf Zimmer statt eins. Behalte 30 Matratzen. Gib jedem, der in dein
    Zimmer kommt, Tee. Gib den Kranken Medizin.“
    „Ist dies das richtige Verhalten für einen Sannyasin?“, fragte ich skeptisch.
    „Sobald du erkennst, dass andere durch ein solches Verhalten große Freude und Trost
    erfahren, wird sich dein eigenes Glücklichsein vervielfachen. Deshalb sage ich zu dir, behalte
    alles. Behalte Medikamente und gib sie den Kranken, behalte Decken und gib sie den
    Bedürftigen.“
    „Das ist alles schön und gut, Swamiji“, sagte ich, immer noch nicht überzeugt, „aber es ist sehr
    heikel. Es ist sehr einfach, in die Falle von Maya zu tappen.“
    „Nein“, sagte Swamiji und schüttelte den Kopf. „Wenn du die Herrlichkeit von Seva, die Größe
    des Dienens, verstehen willst, dann ist dies mit Sicherheit der Weg, dem du folgen solltest.
    Andere erfahren durch solche Taten Trost und Glück. Wenn du das erkennst, wirst du dich
    selbst glücklich und zufrieden fühlen.“

    Von da an verwandelte sich mein Zimmer in ein wahres Museum – Medizin, Briefumschläge,
    Briefmarken, Bleistifte, Füller – einfach alles konnte man in meinem Zimmer erhalten. Jemand
    kam in mein Zimmer und sagte: „Ich brauche diese und jene Sache.“
    „Klar“, antwortete ich, „es ist in jener Ecke. Bediene dich.“
    Jemand kam stöhnend: „Swamiji, ich habe furchtbare Bauchschmerzen.“
    „Hier, nimm diese Medizin“, sagte ich, „Dann geht es dir bald wieder gut.“

    Allmählich wurde mir klar, dass Entsagung nicht bedeutet, dass man physische Objekte
    aufgibt. Vielmehr ist es der Verzicht auf Selbstsucht. Nicht für sich selbst, sondern für andere
    zu arbeiten, ist wahre Entsagung. Kaamyanam karmanaam nyaasam – „Die Entsagung von
    selbstsüchtigen Wünschen und Handlungen ist Sannyasa“; nun war ich in der Lage, diesen
    Vers aus der Gita vollständig zu würdigen.

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda, wie ihm Swami Sivananda eine Lektion zum
    Thema Gehorsam erteilte.

    Schlimme Folgen des Ungehorsams 12.6.2023

    In Haridwar fand gerade die Kumbha Mela statt. Die Menschen kamen und gingen in großer
    Zahl. Auch ich beschloss, zur Mela zu gehen und in der heiligen Ganga zu baden. Aber Guruji
    sagte: „Satyam, morgen findet eine besondere Puja statt und du bist für die Zubereitung des
    Prasad verantwortlich. Du wirst morgen nicht an der Mela teilnehmen können.“

    Das Kind in mir rebellierte gegen diese Anweisung. „Natürlich werde ich gehen“, sagte ich mir.
    „Ich werde meine Pflichten erfüllen und dann gehen, was sonst!“
    Um Mitternacht fing ich an, meine Aufgaben zu erledigen. Am frühen Morgen war das Prasad
    fertig und ich machte mich auf den Weg zur Mela …

    Als ich mich auf dem Weg zum Bade Ghat in Haridwar befand, drängte sich eine große
    Menschenmenge in meine Richtung und in dem daraus resultierenden Gedränge verlor ich
    mein Oberteil. Die Menschenmenge war so groß, dass es schwierig war, sich überhaupt
    umzudrehen, geschweige denn etwas zu suchen. Irgendwie schaffte ich es, das Ghat zu
    erreichen. Ich stieg ins Wasser, aber auch dort wimmelte es nur so von Pilgern. Jemand trat auf
    eine Ecke meines Dhotis (Anmerkung: Indisches Beinkleid, bestehend aus einem grossen
    Tuch). Bevor ich das Gleichgewicht meines Körpers oder die Kontrolle über mein Dhoti
    wiedererlangen konnte, strömte eine weitere große Menschenmenge herbei und siehe da, auch
    mein Dhoti verschwand. Die schmachvolle Entkleidung von Draupadi kam mir in den Sinn …
    Ich stand hüfttief im Wasser, ohne einen Fetzen Kleidung am Körper. Ich bedauerte mein
    Schicksal und erinnerte mich an die Ermahnung meines Gurus. Ich schaute mich um, in der
    Hoffnung, einen Bekannten zu finden, aber es war kein vertrautes Gesicht in der Nähe. Ich
    sprang aus dem Wasser und versuchte verzweifelt, meine Scham zu verbergen, indem ich
    schnell auf den nächsten Baum zusteuerte. Irgendein Pilger muss in der Nacht zuvor ein Feuer
    unter dem Baum angezündet haben. Die Asche kam mir sehr gelegen. Schnell bestrich ich
    meinen ganzen Körper mit der Asche und tat mit geschlossenen Augen so, als wäre ich in
    tiefer Meditation versunken. „Da es so viele Naga Sadhus gibt“, sagte ich mir, „sollte einer mehr
    keinen Unterschied machen …“

    Meine List tat ihre Wirkung. Einige Pilger hielten mich für einen großen Siddha Naga und legten
    mir Geld und Essbares zu Füßen. Bald wurde aus dem Rinnsal ein Wolkenbruch und vor mir
    sammelte sich ein Haufen Geld, Früchte und Süßigkeiten. Es vergingen Stunden, aber ich
    bekam keine Tücher als Spende. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass jemand vor mir stand und
    mich ansah. Als ich meine Augen öffnete, fiel mein Blick auf einen Bekannten. Er war
    schockiert, mich in diesem Zustand zu sehen.

    „Ich habe jetzt keine Zeit zum Reden“, sagte ich ungeduldig. „Hole mir schnell ein paar
    Klamotten und befreie mich aus diesem Dilemma. Ich werde dir später alles erklären.“
    Als ich mich schließlich auf den Weg zurück zum Ashram machte, sah ich Swami Sivananda
    am Tor stehen. Vielleicht hatte er auf mich gewartet. Sobald er mich sah, fragte er lächelnd: „So
    Satyam, wie geht es dir? Du siehst aus, als könntest du einen Kleiderwechsel gebrauchen …“
    Inzwischen lachte er.

    Ich fiel ihm zu Füßen und sagte: „Ich habe den Preis dafür bezahlt, dass ich deine
    Anweisungen nicht befolgt habe. Bitte verzeih mir. Ich werde nie wieder den Fehler begehen,
    dir nicht zu gehorchen.“ Abschließend kann ich nur sagen, dass sein innerer Blick jede Minute,
    jeden Augenblick auf seine Lernenden gerichtet war, sie bewachte und beschützte.

  • Bihar Yoga und Sport

    Das Bedürfnis nach Yoga im Sport
    Viele Menschen sind sportlich aktiv, sowohl zum Vergnügen, wie auch um fit und in Form zu bleiben und sich zu beleben, was wiederum zu geistiger Entspannung führt. Im Profisport steht der Fokus jedoch auf Leistung und dem Ziel, zu verdienen und um jeden Preis zu gewinnen.

    Ein Athlet braucht vier grundlegende Eigenschaften: Geschwindigkeit, Können, Kraft und Ausdauer. Um dies zu erreichen, erfordert das tägliche Leben eines Athleten Disziplin im Training, eine ausgewogene Ernährung, einen ausgewogenen Lebensstil und eine innere Konzentration und Entschlossenheit. Hierzu kann ein weiteres Element beigefügt werden – Yoga. Bihar Yoga ist eine ganzheitliche Wissenschaft und als Sport kein rein physiologisches Phänomen, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Körper und Geist. Yoga ist ein idealer Weg, um den Höhepunkt der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit zu erreichen und zu erhalten.

    Mehr als nur Asana
    Bis heute beschäftigt sich die Sportwissenschaft hauptsächlich mit Asana. Das Üben von Asana kann wesentlich zum Erfolg und Wohlbefinden aller Athleten beitragen. Aber nicht nur Asanas können auf diese Weise helfen. Im Yoga wird auch der Geist trainiert, um von Moment zu Moment zu reflektieren und sich nicht in seinen ständigen Bewegungen zu verfangen. Der trainierte Geist befindet sich in einem Zustand der Ruhe, woraus sich ein inneres Bewusstsein entwickelt, das die Übung und Leistung verfeinert. Letztendlich liegt das Ergebnis des Wettkampfs nicht im Einflussbereich des Athleten. Es bedarf der inneren Einstellung, losgelöst von den Früchten der Bemühungen zu sein, um den Gleichmut des Geistes zu bewahren. “Lassen dich niemals von Erfolg oder Misserfolg beeinflussen”, motivierte Krishna Arjuna in der Bhagavad Gita, damit dieser kämpfte und letztendlich sein Ziel erreichte.

    Die Atemübungen von Pranayama, wie sie im Bihar Yoga unterrichtet werden, sind für einen Athleten sehr wichtig. Sie optimieren nicht nur die Kontrolle und Kapazität des Atems, sie helfen auch zu erkennen, dass Energie nicht rein physisch ist, sondern dass es ungenutzte Ressourcen gibt, die eingesetzt werden können, was wiederum die mentale und körperliche Anstrengung vermindert.

    Pratyahara wird als das Zurückziehen der Sinne bezeichnet. Pratyahara führt zu einer Empfindung von Losgelöstheit, was angestauten Stress beseitigt. Insbesondere in der Hitze des Wettbewerbs verhindert es, dass er sich von neuem übermässig aufbaut. Stress ist in jeder Sportart immer präsent; er trägt zum Wettkampf entscheidend bei und ist einer der Gründe, warum wir teilnehmen. Stress ist für die richtige Aktivierung des Körpers und des Geistes erforderlich, aber wenn die Stressreaktion zu gross oder zu klein ist, leiden der Sportler und seine Leistung darunter. Stress muss auf jeder Ebene erfolgreich gemeistert werden.

    Dharana, die Fähigkeit, sich ununterbrochen auf einen Punkt zu konzentrieren, hat das Potential den Athleten dabei zu unterstützen, Körper und Geist auf allen Erfahrungsstufen in einen Zustand der vollkommenen Balance und Stabilität zu bringen. Wenn der Athlet in seiner Disziplin vollständig aufgeht, entsteht Perfektion. Der Unterschied zwischen dem Selbst und dem Sport geht verloren. Er oder sie ragt heraus. Indem er Begrenzungen von Geist und Körper, im Kontext der Grenzenlosigkeit des Bewusstseins versteht, kann der Athlet nach dem gewünschten Ziel streben.

    Für den Sportler ist das SWAN-Prinzip einer der wichtigsten Aspekte, die es zu verstehen gilt. SWAN ist eine Abkürzung, bei der S für «Strengths» (Stärken) steht, W für «Weaknesses» (Schwächen), A für «Ambitions» (Ambitionen) und N für «Needs» (Bedürfnisse). Es ist eine Technik der Kontemplation oder Meditation, die eine genaue Analyse der Qualitäten erlaubt, die den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen können. Es ist notwendig, seine eigenen Stärken richtig einzuschätzen und zu schauen, wie man sie ausbaut und noch effektiver einsetzen kann. Ebenso ist es äusserst wichtig, seine eigenen Schwächen zu kennen und zu verstehen, wie sie überwunden werden können. Dies kann hilfreich sein, wenn man ein Trainingsprogramm umsetzt. Ambitionen müssen im sportlichen Kontext verstanden werden, um die eigenen Ziele und Wünsche realistisch anzugehen. Seine eigenen Bedürfnisse – das, was essentiell ist – zu kennen, kann das Beste aus sportlichen Aktivitäten herausholen und helfen, die wahre Natur von Erfolg zu verstehen.

    Verletzungen vermeiden
    Um die individuelle Karriere eines Sportlers sicher zu gestalten, spielen vorbeugende Massnahmen eine wichtige Rolle. Im Sportunterricht, unter Coaches und Sportlern gleichermaßen, sollte ein zu hoher Leistungsdruck und übersteigerter Eifer in kürzester Zeit Spitzenergebnisse zu erzielen, aufgedeckt und vermieden werden.

    Yoga, zur Vorbeugung von Verletzungen, kann bei einer ganzen Reihe von Sportarten unterstützend wirken. Erstens gibt das Üben von Yoga zusätzliche Beweglichkeit, die dazu beiträgt, Schäden zu vermeiden, und es verleiht mehr Kraft und verbessert die Fähigkeit eines Sportlers, auf eine Situation zu reagieren. Dann hilft Yoga Sportlern die Körperprozesse genauer wahrzunehmen und zu verstehen. Sie lernen dadurch zu erkennen, was der Körper braucht. Hat ein Athlet dieses Verständnis, kann er selbstbewusst an Aspekten arbeiten, die Aufmerksamkeit erfordern.

    Arten von Yoga Übungen
    Die Rolle des Yoga ist eine besondere. Yoga Haltungen wirken ganzheitlich, auf alle Seiten der Extremitäten. Sie helfen, die Muskelfasern zu strecken, wodurch die Widerstandsfähigkeit gegen Verletzungen erhöht wird. Durch die Antizipation von Bereichen des Körpers, die Stress ausgesetzt sind, können Sportler Yoga effektiv einsetzen, um betroffene Bereiche zu stärken und vorzubereiten.

    Yogische Übungen können auf unterschiedliche Weise für verschiedene spezifische sportliche Zwecke eingesetzt werden. Sie lassen sich in folgende Kategorien einteilen: Yoga Ergänzungsübungen, Yoga Kompensationsübungen und Yoga Regenerationsübungen.

    Yoga Ergänzungsübungen
    Ergänzungsübungen leisten einen wichtigen Dienst zur Vorbereitung, denn, obwohl Sportarten in gewissem Masse zu einer guten Gesundheit beitragen, erzeugen sie durch einseitige Spezialisierung eine Form von Ungleichgewicht. Ergänzungsübungen sind andere sportliche Aktivitäten, die neben der einen bestimmten Sportart zusätzlich integriert werden, um die allgemeine Fitness zu verbessern. Ein richtiges Gleichgewicht kann normalerweise nicht mit der Ausübung einer einzigen Sportart erreicht werden. Die Yoga Übungen und Atemtechniken stehen nicht mit dem wettbewerbsintensiven sportlichen Umfeld in Verbindung und unterstützen daher ein ganzheitliches Verständnis von Gleichgewicht zu entwickeln, d.h. sie helfen Sportlern, Körper, Energie und Ausdauer auf vollkommen andere Art und Weise zu erleben und zu verstehen.

    Yoga Kompensationsübungen
    Durch langjähriges Sporttraining kann sich ein muskuläres Ungleichgewicht im Körper entwickeln. Muskelgruppen verlieren entweder durch eine Kombination aus Überbelastung und einseitigem Training oder durch fehlende Beanspruchung, ihr Gleichgewicht, und so entwickeln sie sich unausgewogen. Eine solche einseitige Belastung verursacht Störungen, die zu Schäden und Verletzungen führen können. Die Aufgabe von Yoga Kompensationsübungen ist es, dieses muskuläre Ungleichgewicht, durch ihr regelmäßiges und systematisches Ausführen, zu korrigieren und auszugleichen. Die Techniken des Bihar Yoga sind in dieser Hinsicht ideal, weil Integration, Gleichgewicht und Harmonie deren Schlüsselwörter sind. Sie korrigieren den einseitigen Effekt des Trainings, indem sie die allgemeine ausgewogene Entwicklung des Körpers fördern und das gesamte Zusammenspiel des physischen Systems verbessern.

    Yoga Regenerationsübungen
    Sporttraining ist in der Regel über einen längeren Zeitraum sehr intensiv. Dies kann wiederum zu einer Form des Ungleichgewichts führen, bei dem Muskeln oder der Körper insgesamt, durch Überanstrengung geschwächt werden. Das erfolgreiche Absolvieren eines langen und intensiven Trainings um Höchstleistungen zu erreichen, hängt weitgehend davon ab, in wieweit der Athlet nach dem Training seine körperliche und geistige Stärke regenerieren kann. Die Regeneration ist ein Heilungsprozess zur Wiedergewinnung von Kraft und zur Vorbeugung von Verletzungen.

    Yoga Regenerationsübungen basieren auf dem Prinzip, dass sich Muskeln nach einer Kontraktion in einer isometrischen Bewegung gegen spezifischen Widerstand, nach einer bestimmten Dauer lösen und entspannen. Dies geschieht aber nur bei bewusster Ausführung richtig wirksam. Wiederum bieten Bihar Yoga Techniken das natürliche Heilmittel, da Asanas auf sanften Dehnungen der Muskeln basieren, die Entspannung induzieren und die Durchblutung erhöhen, Restspannungen lösen und die Regeneration beschleunigen. Auf natürliche Weise gleichen sie die Muskelanstrengung, die durch Training und Wettkampfaktivitäten entstehen, aus.

    In diesen drei spezielleren Kategorien der Anwendung von Yoga  für Sportler ist es notwendig, jede Situation einzeln zu betrachten, daher ist der Rat eines ausgebildeten Yoga Lehrers erforderlich.

    Gruppen von Yoga Techniken und ihr Nutzen
    Im Bihar Yoga können Sportler von vielen Übungen profitieren. Dazu gehören die drei Gruppen von Vorbereitungstechniken Pawanmuktasana Teile 1, 2 und 3; rückwärts- und vorwärts-beugende Asanas; Surya Namaskara; Umkehr- und Gleichgewichtshaltungen; Shatkarmas; Pranayama sowie Entspannungs- und Meditationstechniken:

    Pawanmuktasana 1 (PM1): Diese Gruppe von Asanas löst Steifheit in den Gelenken auf und fördert die Beweglichkeit der Muskeln. Die Koordination zwischen Knochen, Muskeln, Gelenken und Bändern verbessert sich, so dass sie ihre Aufgaben natürlich und spontan ausführen. Probleme in den Kniegelenken, Hüftgelenken, Knöchelgelenken, Schultergelenken und Handgelenken können durch diese Asanas behoben werden, wodurch Verletzungen der Gelenke minimiert werden.

    Pawanmuktasana 2 (PM2): Diese Gruppe von Asanas stärkt die Bauchmuskulatur und die Organe. Sie verbessern das Verdauungssystem, das für ein reibungsloses Funktionieren anderer Körpersysteme wichtig ist. Und auch bei Sportarten, die viel Ausdauer erfordern, unterstützen sie.

    Pawanmuktasana 3 (PM3): Diese Gruppe von Asanas verbessert den Energiefluss im Körper und bricht die neuromuskulären Knoten auf, insbesondere in der Beckenregion, wo die Energie tendenziell stagniert. Sie sind sehr wichtig für die Beseitigung von Spannungen im unteren Rücken und im Beckenbereich. Für Sportlerinnen sind sie von besonderem Nutzen, da sie die Fortpflanzungsorgane stärken und helfen Menstruationsbeschwerden zu mindern.

    Asanas – Rückbeugen, Vorbeugen, Drehungen: Diese steigern die Kraft und Flexibilität der Wirbelsäule. Die Wirbelsäule ist für die Haltung, den freien Fluss von Energie, Nervenaktivitäten und Körperreflexe verantwortlich. Das Gleichgewicht des gesamten Körpers hängt von der Kraft und Flexibilität der Wirbelsäule und der angrenzenden Muskeln ab. Durch das Üben dieser Asana Gruppen können Sportler Rückenprobleme auf ein Minimum reduzieren. Viel angesammelter Stress tendiert dazu, sich in der Wirbelsäule festzusetzen, insbesondere im unteren Bereich oder an Hals und Schultern. Vor- und Rückbeugen, gefolgt von ein oder zwei verdrehenden Asanas, entspannen die Wirbelsäule und vermitteln das Gefühl von Wachsamkeit. Auf der psychologischen Ebene bereiten Rückbeugen die Spieler darauf vor, jeder Situation mutig und optimistisch zu begegnen. Vorbeugen helfen loszulassen und sich dem Fluss des Geschehens hinzugeben. Drehungen helfen Zögern und Unsicherheit behutsam aufzulösen.

    Surya Namaskara (Sonnengruss): Dies ist eine in sich vollständige Yoga Praxis. Die Sportler können den Sonnengruss für die allgemeine Fitness und als Aufwärmübung vor jedem Sport nutzen. Er bereitet den Körper auf den Umgang mit Stresssituationen vor. Er ist ein wirksames Mittel, alle Gelenke, Muskeln und inneren Organe des Körpers zu lockern, zu dehnen, zu massieren und zu straffen. Er stimuliert und gleicht alle Systeme des Körpers aus.

    Umkehrhaltungen: Diese fördern eine reichhaltige Blutzufuhr zum Gehirn und kehren die Wirkung der Schwerkraft auf den Körper um. Während Umkehrhaltungen verlangsamt sich der Atem und wird tief. Dies maximiert den Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff und fördert die korrekte Atmung. Leber, Milz, Magen, Nieren und Bauchspeicheldrüse erhalten eine kräftige Massage, die ihnen hilft, effizienter zu funktionieren. Blut und Lymphe, die sich in den unteren Gliedmaßen und im Bauchraum angesammelt haben werden zum Herzen und danach in die Lunge zurückgeleitet und kehren dann gereinigt in alle Teile des Körpers zurück. Durch den gesteigerten Blutfluss kann die Hypophyse effizienter arbeiten und unterstützt auf diese Weise das gesamte Hormonsystem.

    Gleichgewichtshaltungen: Sie bewirken ein körperliches Gleichgewicht, indem sie unbewusste Bewegung zum Stillstand bringen. Sie entwickeln die Gehirnzentren, die steuern, wie der Körper in Bewegung arbeitet und entwickeln so die Verbindung zwischen Geist und Körper. Sie fördern die Koordination der Bewegungen zwischen verschiedenen Körperteilen, wodurch das Gefühl von Sicherheit und Gleichgewicht entsteht. Sie stellen die Effizienz des Energieverbrauchs her, sowohl in Bewegung als auch in Stillstand. Wenn der sich bewegende Körper Gleichgewicht erreicht, wird er immer freier, für seine Unterstützung und Entwicklung, zusätzliche feinere Kräfte zu nutzen. Auf diese Weise erhält der Körper seine eigene Energie und erlangt Anmut und Bewegungsfreiheit.

    Shatkarmas: Von diesen sechs Reinigungstechniken werden hier vier als wichtig betrachtet: Neti, Kunjal, Laghoo Shankhaprakshalana und Trataka.

    Neti reinigt und klärt die Nasengänge und verleiht mentale Klarheit und die Fähigkeit zielgerichtet zu reagieren. Neti verhilft zur Ruhe und gleicht die Beziehung zwischen Körper und Geist aus, indem es beide Gehirnhälften in Einklang bringt.

    Kunjal (regurgitative Reinigung) reduziert die Angst vor dem Scheitern und stärkt den Mut, sich wechselnden und herausfordernden Situationen zu stellen. Kunjal kann Sportlern Vertrauen vermitteln, so dass sie sich richtig entfalten und ihr Bestes geben können, ohne sich durch Ängste hemmen zu lassen.

    Laghoo Shankhaprakshalana (Darmreinigung): Sportler sollten diese Übung unter der Anleitung eines qualifizierten Lehrers durchführen. Sie reinigt den gesamten Darmtrakt und entfernt Unreinheiten und Giftstoffe aus dem Körper. Diese Technik verleiht Körper und Geist neue Frische und fördert ein einwandfreies Funktionieren des Verdauungssystems.

    Trataka (konzentriertes Schauen auf einen Punkt): Alle Sportarten erfordern die Fähigkeit, Konzentration und Bewusstheit aufzubauen. Trataka erhöht nicht nur die Konzentration und die Fähigkeit sich nicht ablenken zu lassen, sondern steigert auch Achtsamkeit, Intuition und Unterscheidungskraft.

    Pranayama – Atemübungen: sind eines der effektivsten Mittel zur Steigerung der Lungenkapazität, Energie und Ausdauer sowie zur Kontrolle unfreiwilliger Muskeln, zur Steigerung der Konzentration und zum emotionalen Ausgleich. Wenn die Techniken einige Zeit systematisch geübt werden, entwickelt sich die Bewusstheit, dass Energie nicht rein physischer Natur ist, und dass ein effizientes Management der Prana-Energie, durch die Kontrolle des Atems, entwickelt werden kann.

    Übungen wie die Bauch- und die Yogische Atmung sowie Kumbhaka (Atemstillstand) können die Lungenkapazität erhöhen. Nadi Shodhana (Wechselatmung durch die Nasenlöcher) erhöht ebenfalls die Lungenkapazität und ist die Hauptmethode für das Ausgleichen der Prana-Energie, indem beide Gehirnhälften gleichermassen stimuliert werden. Bhastrika (dynamisches Atmen aus dem Bauchraum) erzeugt Wärme und Vitalität und erhöht das natürliche Energieniveau; es macht den “zweiten Energieschub” im Sport nach einer beinahen Erschöpfung leichter zugänglich.

    Kühlende Übungen wie Sheetali und Sheetkari sind in der heißen Sommersaison gut. Bhramari (Bienensummen Atmung) und Ujjayi (psychischer Atem) können vor jedem Match eingesetzt werden, um Entspannung herzustellen und den mentalen Stress zu reduzieren. Dies erzeugt Gelassenheit und Gemütsruhe. Die Bauchatmung ist auch eine der einfachsten und effektivsten Pranayama Techniken, welche jederzeit durchgeführt werden kann, um im gegenwärtigen Moment zu sein.

    Yoga Nidra ist die systematische Methode zur vollständigen körperlichen, mentalen und emotionalen Entspannung, die von Bihar Yoga entwickelt wurde. Yoga Nidra arbeitet auf drei Ebenen gleichzeitig und zwar auf der bewussten, der unterbewussten und der unbewussten. Durch die Tiefe der Entspannung steigt der Grad der Achtsamkeit und die Fähigkeit zu Fokussieren. Yoga Nidra steigert auch die Auffassungsgabe und kann daher helfen, Fähigkeiten und Techniken einfacher zu erlernen. Es gibt mehrere Stufen in der Übung, eine davon ist beispielsweise der Prozess der Visualisierung. Während sich der Körper in einem Schlafzustand befindet, ist der Geist wach und entspannt. Unter diesen Umständen ist es möglich, auf mentaler Ebenen Bewegungen zu erlernen und zu üben, in dem man sie visualisiert.

    Es gibt eine Phase in Yoga Nidra, in der ein Entschluss gefasst wird. Dieser gefasste Vorsatz kann Willenskraft und Zielstrebigkeit steigern, um auf dem Feld Erfolge zu erzielen. Sportler lernen, einen entsprechenden Geisteszustand zu entwickeln, so dass sie ihren spontanen physischen, mentalen und emotionalen Zustand nach Bedarf ausgleichen können.

    Es wird festgestellt, dass elektrische Stimulation bestimmter Teile des Hypothalamus, des limbischen Systems und der Amygdala – der sogenannten primitiven Gehirnanteile – spezifische emotionale Reaktionen hervorruft, darunter Wut, Angst und Aggression. Für die meisten Sportler sind diese negativen Gefühle bei starkem Stress schwer zu kontrollieren. In Yoga Nidra werden die Spieler gebeten, freiwillig starke Emotionen hervorzurufen, während sie einen Zustand tiefer Entspannung bewahren und den gesamten Prozess beobachten. Dies hilft, in jeder Situation ausgeglichen zu bleiben und die Kontrolle zu behalten.

    Antar Mouna ist eine meditative Übung, die die Bewusstheit systematisch entwickelt, um allumfassend und wachsam zu werden. Sie ist besonders effektiv für Personen, deren Leistung nicht konstant ist, denn sie fördert die Achtsamkeit um Fehler und Verletzungen zu minimieren. Die Sportler können ihre eigenen Leistungen und die von anderen mit Ehrlichkeit betrachten, was ihnen hilft, sich selbst und ihre Leistung zu entwickeln. Antar Mouna hilft auch, die Angst vor dem Scheitern zu bewältigen und loszulassen. Es klärt den Geist und bereitet ihn darauf vor, sich an Situationen anzupassen oder sich ihnen zu stellen. Nach dieser Übung fühlen die Sportler innere Stille und die meisten Ablenkungen wie Zuschauer, die Leistungen von Gegnern und Druck von anderen Spielern, können beseitigt werden.

    Das Potenzial
    Das Potenzial von Yoga im Sport ist noch nicht vollständig erforscht. Sport ist sehr anspruchsvoll und Wetteifer gehört dazu. Yoga hingegen scheint sich in die entgegengesetzte Richtung zu bewegen, da der offensichtliche Schwerpunkt auf einer entspannten Haltung und einem losgelösten Geisteszustand liegt. Der Zustand des Geistes und die körperliche Vorbereitung, die Yoga mit sich bringt, ist jedoch genau der gleiche Zustand, von dem die erfolgreichsten Spieler sprechen, wenn sie den Höhepunkt ihrer Leistung erfahren. Wer erbringt nicht Bestleistungen, wenn er entspannt, bereit und selbstsicher ist? Und wer kann Sieg oder Niederlage nicht voller Anmut akzeptieren, wenn Körper, Geist und Seele die Gleichmut eines Yogis haben?

    by Sanjiv Chaturvedi (MSc Applied Yogic Science, Bihar Yoga Bharati)

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Nov./Dez. 2005.