Category: Artikel von Swami Niranjanananda

  • Akzeptanz

    Achte auf die Warnglocke

    Akzeptanz bedeutet, dass du mit der Idee, der Umgebung, denjenigen Gedanken und mit allem, was dir Wachstum ermöglicht, eins wirst. Nicht-Akzeptanz bedeutet das Gegenteil. Sie nimmt dir die Unterstützung für dein Wachstum. Akzeptanz schafft die Grundlage für Wachstum.

    Toleranz lässt dich deine Individualität anerkennen. Das Anerkennen von Individualität führt zu Trennung, zwei bleiben zwei. Durch Akzeptanz werden die beiden getrennten Individualitäten eins.

    Wann immer es Unfrieden gab, lag es an mangelnder Toleranz und an Nicht-Akzeptanz. Es ist ein klarer Hinweis, dass Toleranz und Akzeptanz zu Harmonie führen. In Harmonie gibt es bessere Möglichkeiten und Chancen für Menschen, sich auf ihr Wachstum, ihren Fortschritt und ihre Entwicklung zu konzentrieren. Im Streit ist es schwierig, dein Gleichgewicht zu finden, da du an vielen Fronten für deine geistige, ideologische, wirtschaftliche oder sonstige Befriedigung kämpfst.

    Eine heitere und fröhliche Stimmung ist ein Zeichen für Akzeptanz. Im Zustand der Nicht-Akzeptanz gibt es keine Zuneigung und keine Lebensfreude. Die Menschen beobachten und überwachen sich nur gegenseitig. In der Nicht-Akzeptanz herrscht Trennung und fehlende Teilnahme – in Akzeptanz entsteht vollkommene Verschmelzung.

    Darum ist es so wichtig, die Starrheit des Geistes und sein Wesen zu beobachten. Wann immer du in einer Situation erkennst, dass Intoleranz und Nicht-Akzeptanz aufkommen, sollte in deinem Verstand eine Warnglocke klingeln, die dir sagt: „Ich bin auf dem falschen Weg, ich bin auf dem falschen Weg.“

    — 8. November 2015, Ganga Darshan, Munger

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom August 2016.

  • Die Essenz des Yoga

    Der Geist wird von sechs Eigenschaften beeinflusst: Eine davon ist Kama, Lust und Begierde.

    Wir alle kennen Begierde. Dann Krodha, Aggression oder Wut; Lobha, Gier; Moha,
    Verblendung – wir alle haben sie, genauso wie Mada, Ego oder Stolz und Matsarya, Eifersucht.
    Diese sechs Eigenschaften definieren das Verhalten des Geistes in unser aller Leben. Die
    Menschen reden von Anspannung, Stress und Ängsten und versuchen damit klar zu kommen.
    Sie beschäftigen sich jedoch nicht mit den Ursachen, die den Anspannungen, dem Stress und
    den Ängsten zugrundeliegen.

    Dieses Szenario ist aus der Schulmedizin bekannt: Wenn Menschen unter Bluthochdruck
    leiden, werden Tabletten eingenommen, um den Blutdruck zu senken. Die Ursache des
    Bluthochdrucks wird dabei jedoch nicht behandelt. Gegen Diabetes werden Tabletten oder
    Insulinspritzen verabreicht, um das Insulin im Körper zu erhöhen. Es wird jedoch nichts
    unternommen, um das Ungleichgewicht im Körper zu beseitigen, so dass dieser Insulin wieder
    selbst produzieren kann. An diesem Punkt ist Yoga am wirksamsten, da es dem Körper
    ermöglicht, wieder gesund zu werden.

    Das gleiche Prinzip lässt sich auf den Geist übertragen. Wenn wir von Stress oder Anspannung
    sprechen, wo liegt denn die Ursache dafür begraben? Wenn unsere sehnlichsten Wünsche
    unerfüllt bleiben, ist dies eine Ursache für Stress. Wir verbinden Stress entweder mit der Arbeit,
    der Familie, dem sozialen Umfeld oder der sozialen Situation, in der wir uns befinden. Es
    handelt sich hierbei jedoch nur um die Trigger, welche diese Eigenschaften des Geistes
    hervorbringen.

    Unzufriedenheit entsteht, wenn unsere Wünsche oder Erwartungen nicht erfüllt werden und
    dies erzeugt Stress. Unzufriedenheit entsteht, wenn wir nicht in der Lage sind, mit unseren
    Aggressionen umzugehen und das wiederum wird zur Ursache für Ängste und Anspannungen.
    Wenn wir uns also die Frage nach der Ursache von Stress und Anspannung stellen, so
    entdecken wir, dass diese ihren Ursprung in einer der sechs Tendenzen unseres Geistes
    haben.

    Wenn wir Erwachsenen oder Kindern Yoga unterrichten, beschränken wir uns nicht einzig auf
    die physische Ebene. Der Unterricht ermöglicht ihnen auch Selbstbeobachtung und erlaubt
    ihnen, ihre unkontrollierten und ungelenken Reaktionen und Erwiderungen besser zu
    bewältigen. Sobald sie diese Erfahrung machen, erleben sie die Befreiung von der direkten
    Wirkung und dem direkten Einfluss dieser mentalen Verhaltensweisen und entdecken ihren
    eigenen Frieden und ihre kreativen Kräfte.

    Es ist nicht die Körperhaltung, welche das Wesen des Menschen verändert; es ist nicht die
    mentale Übung, welche die Natur eines Menschen verändert. Es ist das Gewahrwerden
    gegenüber unserer Umwelt und gegenüber unseren Verhaltensweisen in unterschiedlichen
    Lebenssituationen. Die Essenz des Yoga liegt darin, dem Menschen die Fähigkeit zu verleihen,
    auf adäquate, harmonische, konstruktive und positive Art und Weise zu handeln, selbst unter
    destruktiven und negativen Umständen.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Bhakti Yoga

    Bhakti Yoga ist der Yoga der Liebe und Hingabe. Es ist die Hingabe zum Göttlichen in jeglicher
    Form oder nicht-Form in der du IHN oder SIE gerne sehen möchtest. Es kann Hingabe sein zur
    Wahrheit, zu Gott, an das Höchste, Brahman, an die absolute Realität oder zu jedem anderen
    Namen, den du dem Unbeschreiblichen geben möchtest. Es kann Hingabe zu Christus,
    Buddha, Mohammed, Krishna, Rama, Hanuman, Mahavira, Shakti, Shiva, Vishnu, Kali, Durga,
    Ahura Mazda oder sogar Zeus sein, wenn du das wünschst. Du kannst Hingabe an jeder
    beliebige Form ausdrücken, die du als Inkarnation des Göttlichen betrachtest. Es kann ein
    großer Heiliger sein, ob gestorben oder lebend. Es kann dein Guru sein. Die bestimmte Form
    ist unwichtig. Es ist die Hingabe, die du persönlich empfindest, die unentbehrlich ist. Ohne
    Hingabe, ob groß oder klein, ist Bhakti Yoga nicht möglich.

    Bhakti kann leicht als blinde Glaubenslehre angesehen werden und in vielen Fällen ist es
    genau dazu verkommen. In der Vergangenheit und bis zum heutigen Tag wurde Bhakti
    vollkommen missverstanden und missbraucht. Das hat zu Fanatismus und Intoleranz geführt.
    Darum geht es bei Bhakti aber genau nicht. Bhakti ist etwas, das der modernen intellektuellen
    Welt schwer zugänglich ist. Dies ist jedoch sehr bedauerlich, denn Bhakit Yoga ist eine
    unglaublich kraftvolle Methode, die zu höherem Wissen und Transzendenz führen kann. Und
    nicht nur das, Bhakti Yoga kann dir helfen, dein Leben zu harmonisieren und es zur Freude zu
    machen, die es sein sollte. Die Menschen haben den Missbrauch und die Verfälschung von
    Bhakti gesehen und haben dies irrtümlich als die Essenz von Bhakti Yoga verstanden. Bhakti
    Yoga hat umfangreiche Auswirkungen, die dein Leben transformieren können.

    Wenn du skeptisch bist, dann ist daran nichts auszusetzen; es wird von dir nicht verlangt, alles
    blind zu akzeptieren, was geschreiben wird. Weshalb solltest du? Aber es ist erstaunlich zu
    sehen, wie Menschen sich verändern und die Veränderung kommt nicht durch blinde
    Akzeptanz sondern durch besseres Verständnis und Erkennen der tieferen Bedeutung von
    Bhakti Yoga.

    Etwas anderes, woran es sich zu erinnern gilt ist, dass viele große Yogis, wenn nicht sogar alle,
    Bhakti zum Ausdruck gebracht haben. Einige von ihnen konnten nicht aufhören, über Bhakti zu
    sprechen. Waren sie alle fehlgeleitet? Das ist sehr unwahrscheinlich, da diese die Menschen
    waren, die als Weise galten. Wenn Weisheit zu Bhakti führen kann, oder Bhakti zu Weisheit,
    dann muss etwas am Weg von Bhakti Yoga sein, das nicht unmittelbar erkennbar ist. Des
    weiteren waren diese großen Yogis deutliche Indikatoren und Vorbilder dessen, was Bhakti
    herbeiführt: Toleranz, Frieden, Verständnis, Liebe gegenüber den Mitmenschen und viele
    andere Eigenschaften. Zu diesen Menschen solltest du schauen, wenn du einen deutlichen
    Beweis der Verdienste von Bhakti Yoga haben möchtest und nicht zu denen, die zu Eiferern
    oder Fanatikern werden.

    Was ist Bhakti?
    Bhakti Yoga bedeutet zwei Dinge: den Weg und die Erfahrung. Eine Person kann auf dem Weg
    von Bhakti Yoga sein und trotzdem keine positive Erfahrung von intensivem Bhakti haben.
    Gleichzeitig kann eine Person eine intensive Bhakti Erfahrung machen und trotzdem nicht zu
    erkennen geben, auf dem Weg von Bhakti Yoga zu sein. Lass uns das anhand von zwei
    Beispielen besser veranschaulichen:

    1. Wenn jemand zu Hingabe neigt, dann kann er dem Weg von Bhakti Yoga folgen. Das
    beinhaltet intensive Konzentration des gesamten Wesens auf das Objekt der Hingabe.
    Diese Methode kann schließlich zu einer transzendierenden Erfahrung von überwäl
    tigendem Bhakti führen. Mit Bhakti verbunden ist transzendentes Wissen. Bhakti wird mit
    der Zeit und mit mehr Erfahrung immer stärker und stärker werden.

    2. Wenn jemand nicht zur Hingabe neigt, dann können stattdessen andere Wege von
    Yoga verfolgt werden. Diese anderen Wege werden schließlich zu spiritueller Erfahrung
    führen. Dies wiederum wird automatisch zu Bhakti führen, denn du wirst etwas erkennen,
    was du vorher nicht wusstest. Die Wege von Hingabe und Nicht-Hingabe werden sich
    letztlich vereinigen.

    Bhakti überspannt die unendliche Kluft zwischen bloßem Glauben und göttlicher Erkenntnis. Es
    umfasst ebenfalls die Phase, in dem der Bhakta versucht, diese Erkenntnis im täglichen Leben
    umzusetzen und auszudrücken. Bhakti überbrückt den Abgrund zwischen dem bloßen
    Glauben, der den Mangel an göttlicher Erkenntnis kompensiert, und dem wahren, persönlichen
    Erleben und Erkennen des Göttlichen. Bhakti ist kein Thema für Diskussionen. Man muss es
    selbst fühlen, erkennen und erfahren. Wirkliches Bhakti entsteht spontan durch höheres
    Bewusstsein und Wissen, durch die Erkenntnis von etwas vorher Unbekanntem.

    Der Mechanismus von Bhakti
    Das Ziel von Bhakti ist es, intensive Konzentration auf ein Objekt zu entwickeln. Dies geschieht
    automatisch wenn ein Gefühl von Bhakti zu diesem Objekt vorhanden ist. Alle Energie ist in
    eine Richtung fokussiert. Dies wiederum führt zu erhöhter Sensibilität und Empfänglichkeit der
    Körper-Geist-Einheit zu den höheren Mächten. Man wird zu einem Bhakta durch Erfahrung und
    nicht durch bloßen Glauben.

    Diese Methode von Bhakti wurde in vielen Religionen verwendet, insbesondere im Christentum
    und im Hinduismus. In diesen Religionen ist es die Absicht, den Ausdruck von Bhakti bei den
    Anhängern zu fördern. Um dies zu tun, werden konkrete Figuren als Objekt der Verehrung
    bestimmt. Ist die Verehrung ausreichend, dann kann man intensives Bhakti, Glückseligkeit und
    transzendente Erfahrung erleben. Der Weg und der Zweck von Bhakti ist, dich von der
    Identifikation mit dem kleinen „ich“, der individuellen Körper-Geist-Einheit, wegzuführen. Es ist
    das Ziel, die persönlichen Launen, Konflikte, Disharmonien etc. zu reduzieren, die dazu neigen,
    das Bewusstsein gefangen zu halten und stark zu limitieren. Das Ziel ist es den Geist zu einem
    perfekten Reflektor, zu einem perfekten Spiegel, von Erfahrungen zu machen.

    Bhakti – Gleichgewicht für den Intellekt
    Bhakti ist eine exzellente Methode, einen Ausgleich zu einer allzu strickten Bindung an den
    Intellekt zu schaffen. Sie ist eine große Hilfe beim Beseitigen von intellektueller Verstopfung und
    ein Weg, Gefühle und Emotionen zu befreien und ihnen eine Ausrichtung zu geben. Eines der
    größten Probleme der modernen Welt ist das Unvermögen intellektueller Menschen, ihre
    Gefühle auszudrücken. Die Gefühle stauen sich auf und werden unterdrückt. Die Menschen
    vergessen zu lachen und ihre Gefühle auf positivem Weg und nicht in destruktiver Art und
    Weise zu lösen. Emotionen werden oft in Zornausbrüchen und Gewalt ausgedrückt. Der Weg
    von Bhakti bietet eine perfekte Methode, diese unbändigen Emotionen auszudrücken.
    Außerdem werden Emotionen nicht nur freigelassen, sondern sie werden in eine Richtung
    gelenkt, um den Geist auf einen Punkt zu konzentrieren. Das ist eine positive Nutzung
    emotionaler Kräfte. Die Emotionen werden ausgerichtet und zielen so auf höheres
    Bewusstseins und Erfahrung.

    Nicht jeder hat eine Neigung zur Hingabe
    Personen, die keine Form der Hingabe zu einer Gottheit oder Person empfinden, müssen nicht
    Hingabe oder Glaube kultivieren. Warum einen Glauben, oder Hingabe ohne Gehalt, künstlich
    erzwingen? Du würdest dich nur selbst betrügen und das unnötig. Alles, was du tun musst,
    sind andere Formen von Yoga intensiv zu üben. Bhakti wird schließlich spontan als Ergebnis
    von höherem Bewusstsein und Erfahrung entstehen. Du wirst irgendwann keine Wahl mehr
    haben als die, ein Bhakta zu sein, auf Grund dessen, was du erfahren hast. Es muss und wird
    passieren, so sicher wie auf die Nacht der Tag folgt. Das gilt ausnahmslos für alle. Es gilt auch
    für die Menschen, die derzeit nicht einmal die leiseste Spur von Gefühlen empfinden.

    Jene Menschen, die irgendeine Form von Hingabe oder Glauben erfahren, sollten definitiv dem
    Weg von Bhakti folgen, um ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Ihnen fehlt vielleicht die
    höhere Erfahrung, aber sie spüren eine spontane Hingabe zu etwas. Wenn du eine dieser
    Personen bist, dann solltest du deine Gefühle auf das Objekt der Hingabe richten. Für dich
    kann Bhakti Yoga der Expresszug zu einem erweiterten Bewusstsein sein. Aber sorge dafür,
    dass du ehrlich zu dir selbst bist. Wenn du dich hinsetzt und dich fragen musst: „An was soll
    meine Hingabe gerichtet sein?“ Dann ist das ein sicheres Zeichen, dass du nicht wirklich ein
    Objekt der Hingabe hast. Du solltest dich nicht hinsetzen und dir diese Frage stellen müssen.
    Wenn du Hingabe zu etwas spürst, dann wirst du es wissen. Es wird keinen Zweifel geben,
    dein Herz wird dir sofort sagen, welches Objekt dein Bhakti gewinnt. Wenn du eine starke
    Hingabe zu einer Sache spürst, dann ist Bhakti zweifellos der Weg für dich. Wenn du keine
    überwältigende Hingabe für etwas spürst, ist Bhakti auf dieser Stufe nichts für dich. Unter
    diesen Umständen wird Bhakti wohl eher zu einem bloßen Ritual und zur Selbsttäuschung
    führen, anstatt zu Transzendenz. Übe andere Formen von Yoga, und Bhakti wird in der Zukunft
    kommen.

    Bhakti und andere Yogawege
    Alle Yogawege führen zu derselben Erfahrung. Die Verwirklichung ist dieselbe, nur das Mittel
    dazu ist unterschiedlich. Alle Yogawege haben das Ziel, den zwanghaften Griff des aus dem
    Geist entstanden Egos zu reduzieren und schließlich zu eliminieren. Bhakti erlangt dies durch
    das Erkennen aller Impulse und deren umlenken auf das Objekt von Bhakti. Schließlich wird
    das Ego dem Guru, dem Höchsten, oder wem oder was auch immer, unterworfen. Das ist nicht
    einfach, aber es ist das Ziel. Gyana Yoga anderseits erzielt das gleiche Resultat durch die
    intuitive Erkenntnis, dass das Ego nicht die Totalität unseres Wesens ist. Dies reduziert
    automatisch den Griff des Egos und löst ihn schließlich auf.

    Durch Karma Yoga erreicht man das gleiche Ziel sobald man aufhört, der Handelnde zu sein.
    Raja Yoga reduziert die Kraft des Egos durch das Erforschen des Geistes. Dies führt zu einem
    Verstehen des unermesslichen, unter der Oberfläche jedes menschlichen Wesens und jedes
    manifestierten Objektes liegenden Urgrundes. Das scheinbar unüberwindbare Ego fällt
    plötzlich weg, wenn man anfängt die Natur des Geistes zu erkennen.

    Alle Pfade verschmelzen ineinander, denn sie sind wie verschiedene Blütenblätter derselben
    Blume. Gyana (revolutionäres Wissen) führt zu Bhakti und Bhakti führt zu Gyana. Karma Yoga
    führt zu Bhakti und vice versa. Am Anfang muss der Aspirant den Weg (oder die Wege) gehen,
    der seinem Charakter entspricht.

    Liebe für alles

    Es gibt einen Zustand von Bhakti, der Madhura (göttliche Süße) genannt wird. Das ist die Liebe
    für das Göttliche in allem. Man sieht überall Schönheit und Perfektion. Wohin man auch immer
    schaut sieht man die Form des Göttlichen. Es entsteht Liebe für alles. Man schaut nach außen
    und sieht nur das Schaffen und die Wesenheit des Höchsten. Das ist ein Rausch der Glück
    seligkeit, denn es gibt nichts, das nicht die Essenz des Höchsten ist. Es kann verglichen
    werden mit der Liebe, die ein Mann seiner Frau gegenüber empfindet, seiner Liebsten, oder
    die Liebe, die eine Frau ihrem Liebsten zeigt. Diese Liebe ist an alles gerichtet. Aber, und dies
    ist merkwürdig, es ist gleichzeitig Liebe, die richtungsunabhängig ist; es ist reine Liebe und
    Glückseligkeit an sich. Sie ist nicht auf etwas Bestimmtes gerichtet weil dies Getrenntsein und
    Verschiedenheit bedeuten würde. Es ist beides, Liebe für alles und Liebe für nichts
    Bestimmtes.

    Bhakti ist wie fortlaufend Liebe auf alles zu richten, von den Menschen zu den Vögeln zu den
    Blumen – alles, du hast keine Wahl, weil du ihre wahre Natur und deine eigene Natur erkennst
    und in dieser „unmöglichen“ Lage, wie ist es möglich, nicht Liebe für alles zu empfinden.
    Heuchelei und Selbsttäuschung

    Verlier dich nicht in falschen Gefühlen oder oberflächlichen prahlerischen Ausdrucksweisen
    von Bhakti. Versuche nicht, andere Leute mit falscher Zurschaustellung von Hingabe zu
    beeindrucken. Drücke nur das aus, und folge nur dem, was direkt aus deinem Herzen kommt.
    Sei deiner eigenen Persönlichkeit treu. Wenn du derzeit kein Bhakti fühlst, mach dir keine
    Sorgen, es ist etwas, das spontan entsteht, wenn du aufrichtig andere Formen von Yoga übst.
    Wie Shakespeare so weise sagte: “Steh aufrichtig zu deinem eigenen Selbst.“ Das ist wichtig.
    Weshalb Hingabe an irgendetwas ausdrücken, ohne dass es aus deinem Innersten kommt?
    Wenn du Hingabe ohne ein dazugehöriges inneres Gefühl ausdrückst, dann ist das Heuchelei
    und Selbstbetrug, was die beiden größten Hindernisse auf dem Bhakti Yoga Weg sind. Sie sind
    die größten Steine auf dem Weg zu erweitertem Bewusstsein.

    Die Bedeutung von Erwartungslosigkeit
    Habe keine Erwartungen an das Üben von Bhakti Yoga. Das gilt auch für andere Formen von
    Yoga. Wenn du Asanas, Pranayama, Meditation usw. übst, versuche nichts zu erwarten. Denn
    je mehr man erwartet, desto weniger wird man erhalten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass
    Erwartungen gleichzeitig Ego bedeuten und je grösser das Ego ist, desto weniger Fortschritte
    wird man mit Yoga machen. Das ist sehr wichtig.

    Die Welt ist ein Spielplatz. Sie ist eine Schule, in der du etwas über dich lernen kannst, in der
    du deine Schwächen und inneren Probleme erkennen und eliminieren kannst. Alle Personen
    und Situationen sind deine Lehrer. Ohne die Auseinandersetzung mit anderen Personen und
    Situationen wärst du niemals fähig, deine eigenen Schwierigkeiten und Einschränkungen zu
    erkennen.
    Keine Erwartung zu haben ist ein fundamentaler Aspekt von Bhakti Yoga. Chaitanya, der große
    bengalische Bhakta, sagte dazu in prägnanten Worten: „Ich bete nicht für Reichtum, ich bete
    nicht für Anerkennung, ich bete nicht für Vergnügen und nicht einmal für die Freuden der
    Poesie. Ich bete nur dafür, dass ich während meines ganzen Lebens Liebe und Hingabe
    habe… Dass ich reine Liebe besitze, DICH zu lieben.“

    Das Ego zerschmettern
    Sobald jemand den Weg von Bhakti Yoga beschreitet, beginnt das Eigeninteresse zu ver
    blassen. Es findet ein Wandel statt hin zum Geben und immer mehr Geben. Diese Hingabe
    vergrößert sich fortlaufend, da sich das Bewusstsein des Bhaktas ausdehnt und er seine
    Beschränkungen und Unzulänglichkeiten erkennt und diese immer weiter beseitigt. Das Gefühl
    von Bhakti wird dadurch verstärkt und die Bewusstheit intensiviert sich entsprechend. Je höher
    die Stufe von Bhakti, desto geringer ist das Ego. Schliesslich gibt es einen Punkt der totalen
    Identifikation mit dem Objekt der Verehrung. Sobald Bhakti beginnt das Herz zu beeinflussen,
    wird jede Erfahrung zu einer Lehre, zu einer Methode, um Stolz und die Macht des Egos zu
    verringern. Das Ego schwillt so leicht an, doch das Merkwürdige ist, dass wenn man sich
    egoistisch fühlt, sehr schnell etwas geschieht, was das Ego wieder eindämmt. Das heisst, wenn
    man im Gefühl von egoistischem Stolz schwelgt, geschieht üblicherweise etwas, was diesen
    falschen Stolz hervorhebt. Dadurch erkennt man das Spiel des Egos und realisiert, wie es
    einem überwältigt hat. Auf dem Weg von Bhakti Yoga scheint immer wieder etwas aufzu
    tauchen, was das Ego vor Selbstgefälligkeit bewahrt. Das ist die Gnade, selbst wenn man nur
    entfernt ein Bhakta ist. Das ist der Weg, wie die Geschehnisse zu fließen scheinen, wie sie
    fortwährend dem egoistischen Geisteszustands den Boden entziehen.

    In gewissem Sinne sind diese Gefühle, etwas erreicht zu haben, Stolz, Status, etc. nötig auf
    dem spirituellem Weg. Durch sie werden die eigenen Unzulänglichkeiten erkannt. Das führt zu
    größerer Bescheidenheit, was wiederum zu intensiverem Bhakti und tieferer Verbindung führt.
    Seltsamerweise kann es während Zeiten von spirituellem Rückschritt dazu kommen, dass
    Bhakti sich verstärkt. Man wird deutlich mit einem Hindernis, einer falschen Vorstellung oder
    einem starken Ego, das vorher nicht klar ersichtlich war, konfrontiert. Man realisiert, dass man
    einer weiteren Unzulänglichkeit begegnet, die nun beseitigt werden kann.

    Selbstlose und egoistische Liebe
    Es gibt unterschiedliche Formen von Liebe. Erstens gibt es die egoistische Liebe, in der man
    eine andere Person, eine Gottheit oder einen Heiligen mit der Erwartung liebt, zurück geliebt zu
    werden. Das ist die häufigste Form der Liebe, und eigentlich ist es Liebe für sich selbst, nicht
    für jemand anderen oder etwas anderes, sei es Gott, Guru oder ein Mensch.

    Zweitens kommt die selbstlose Liebe. Das ist Liebe um der Liebe willen, ohne jegliche
    Erwartung von erwiderter Liebe. Diese Liebe ist Bhakti und sie wird empfunden, selbst wenn
    die Liebe nicht erwidert wird. Diese Form der Liebe mag aus unerklärlichen Gründen existieren,
    oder vielleicht durch die Erkenntnis der tieferen Natur der anderen Person, der anderen
    Menschen, der Gottheit, etc. Im höheren Sinne kann es keine Liebe für eine Person, für andere
    Menschen, für eine Gottheit, etc. geben, weil verstanden wird, dass alles und jedes im
    Äusseren das eigene Selbst ist. Etwas anderes existiert nicht. Diese Liebe hat keine Richtung;
    es ist Liebe, die vom Bhakta ausgeht und zu im wieder zurückkehrt.

    Egoistische Liebe wird einen an das Begrenzte ketten, während Bhakti, intensive selbstlose
    Liebe, einen zur Unendlichkeit führt. Bhakti sollte man fühlen, auch wenn man zurückgewiesen
    wird. Dies ist ein Test, wie aufrichtig die Hingabe ist. Der große indische Bhakta Rasakhan (als
    Muslim geboren, verehrte er aber Krishna) sagte: „Bhakti ist die Quelle aller Süße. Sie ist nicht
    von Jugend, Tugend, Schönheit oder Reichtum abhängig, noch ist sie getrübt von Eigen
    interesse oder den Gedanken an persönlichen Gewinn.“ Egoistische Liebe hat die Tendenz
    sich rasch aufzulösen, während Bhakti sich steigert und mit jeder verstreichenden Minute
    wächst.

    Konzentrierte Bhakti
    “Was ist der Weg zum Erfolg in Bhakti Yoga?” Es ist überwältigende Hingabe zu deiner Gottheit
    oder zu deinem Guru. Je größer die Sehnsucht ist, desto schneller wirst du fähig sein, die
    gewöhnliche Wahrnehmung zu transzendieren um eine Erfahrung zu machen, die jenseits des
    Alltäglichen liegt. Swami Ramdas sagt dazu: „Ohne brennende Sehnsucht kann der Geist nicht
    auf das Höchste fixiert werden. Wo deine Liebe ist, ist auch dein Geist. Genau wie ein Geizhals
    an Geld denkt und an Geld alleine, genauso hat ein Bhakta ausschließlich Hingabe für das
    Höchste.“ Das ist der Weg zu erweiterter Wahrnehmung. Man muss versuchen zu handeln,
    fühlen und denken während man dem Göttlichen, der Gottheit oder dem Guru bewusst ist. Sei
    dir immer bewusst, dass es das Göttliche ist, das dich fühlen, handeln und denken lässt. Du
    bist nicht der Handelnde. Dieses Erinnern wird den Einfluss und die Macht des Egos
    reduzieren. Dies wird Hingabe genannt, und es ist der Weg zu höheren Stufen des
    Bewusstseins.

    Es ist merkwürdig genug, dass es seelischer Schmerz ist, der zur Intensivierung von Bhakti
    führen kann. Leid und Qual, die durch das Fehlen von göttlicher Vereinigung entstehen, können
    zum Aufwallen von Bhakti und zu einer verfeinerten Wahrnehmung führen, doch nur wenn diese
    Seelenqual vom tiefsten, innersten Selbst aufsteigt. Die Unzufriedenheit führt zu dieser
    Intensivierung. Der Bhakta nimmt alles, was ihm begegnet als Gabe an, welche dazu bestimmt
    ist, ihn in höhere Bereiche der Wahrnehmung zu erheben. Ob seelischer Schmerz, Freude oder
    was auch immer, alles ist dazu bestimmt, die Wahrnehmungsstufe des Bhaktas anzuheben, um
    seinen Weg zu höherem Wissen zu beschleunigen. Auch du musst den Schmerz der Trennung
    spüren und die gleiche tiefe Sehnsucht haben.

    Bhakti – das Mittel zur erhöhten Sensibilität
    Emotionen verstärken jedes Erlebnis. Sie erhöhen die Kraft der Gedanken und Handlungen.
    Jeder kennt das aus eigener Erfahrung. Normalerweise jedoch sind die Emotionen in alle
    möglichen Richtungen zerstreut. Nur selten haben sie Kraft, außer in Fällen von starker Wut
    oder großer Angst. Gewöhnlich werden sie durch viele verschiedene Interessen und Vorlieben
    erschöpft. Auf dem Weg von Bhakti Yoga sind die Emotionen auf eine Sache konzentriert.
    Emotionen werden in Hingabe verwandelt.

    Diese konzentrierte Emotion führt zu erhöhter Sensibilität. Körper und Geist werden sehr fein
    eingestimmt. Sie werden wie eine Radio-Antenne. Das führt zu einem erhöhten
    Einfühlungsvermögen für andere Menschen, deren Gedanken, Gefühle und so weiter. Und es
    führt auch zu Empfindsamkeit gegenüber der inneren Landschaften des Geistes und zu
    höchsten Erfahrungen.

    Nur eine dieser höchsten Erfahrungen reicht aus, um die ganze Einstellung und das ganze
    Verständnis vom Leben zu verwandeln. Es führt zu einer Kehrtwendung von hundertachtzig
    Grad. Man realisiert, dass das, was vorher so offensichtlich, richtig und akzeptabel schien,
    völlig falsch war. Die Beziehung zum Leben erfährt eine totale Veränderung. Sie wird
    vollkommen umorientiert. Diese herausragenden Erfahrungen leiten den Weg zur Perfektion.
    Sie sind die Wegweiser auf dem Pfad.

    Bhakti und Guru
    Wenn du einen Guru hast, dann ist Bhakti essentiell, es ist die Grundlage der Beziehung. Ohne
    Bhakti kann die Guru-Schüler Beziehung nicht existieren. Wenn du einen Guru hast und du
    keine Hingabe empfindest, dann ist er nicht wirklich DEIN GURU. Es ist besser, einen anderen
    zu finden. Ohne Bhakti ist der Schüler für die Anweisungen und die Schwingung des Gurus
    nicht empfänglich, und dem Guru ist es nicht möglich, die rohe Natur des Schülers in eine
    feinere Form zu verwandeln. Zuerst ist diese Hingabe vielleicht unbewusst, du erkennst sie
    nicht, doch sie muss existieren. Es muss eine natürliche Anziehung vorhanden ein. Der Weg
    hin zur Perfektion ist riskant und schwierig.

    Er wurde sehr treffend als “auf Messers Schneide” beschrieben: Wenn du zu weit auf die eine
    oder auf die andere Seite gehst, fällst du in den Abgrund der Täuschung. Der Weg ist direkt
    und schmal. Es ist der Guru, der dem Schüler zeigt, wie man Hindernisse und Blockaden
    vermeidet oder überwindet. Es ist einfach, sich in falschen, unrealistischen Gedanken und
    Gefühlen zu verlieren. Das trifft nicht nur auf Bhakti Yoga zu, sondern auch auf alle anderen
    Wege. Es ist einfach, in Sackgassen fehl geleitet zu werden. Der Guru muss den Weg leiten.
    Wenn du bei einem weisen Menschen oder deinem Guru sitzt, dann sei still und höre zu, denn
    es sind sie, die dich aus dem Sumpf der Täuschungen ziehen werden. Vielleicht bist du eine
    berühmte Person, eine laute, eine sehr schlaue oder eine streitlustige Person, doch dort solltest
    du ruhig sein, sei still und höre zu. Jedes Wort, das der Guru sagt, ist voller Sinn und
    Bedeutung.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Yoga und Tantra

    Obwohl Yoga weltweit eine grössere Akzeptanz findet als Tantra, muss man zugleich wissen,
    dass Yoga ein Nebenzweig, ein Teil von Tantra ist. Wir können deshalb erkennen dass viele
    Komponenten des Tantra, wie etwa Mantra und die Konzentration auf ein Yantra, Bestandteil
    der yogischen Tradition sind. Die Definition von Yoga ist, die Einheit von Körper, Verstand und
    Geist zu erfahren. Diese drei Erfahrungszustände sind ein integraler Bestandteil der
    menschlichen Entwicklung.

    Die gesamte Struktur des Yogas ist unermesslich. Sie ermöglicht uns ein Verständnis dafür, wie
    der physische Körper funktioniert und wie wir die Energien aktiv in unserer physischen Dimen
    sion leiten können. Das ist das Wissen um Annamaya und Pranamaya Kosha. Sie ermöglicht
    uns ein Verständnis der Energien und der Funktionen der verschiedenen Eigenschaften des
    Verstandes; das ist das Wissen um Manomaya Kosha. Sie ermöglicht uns ein Verständnis über
    das menschliche Bewusstsein, nicht nur in seiner begrenzten Form, sondern auch in seiner
    kosmischen, universellen Form; das ist das Wissen um Vijnanamaya Kosha. Und sie ermöglicht
    uns die Erkenntnis, dass unsere wahre, essentielle Natur nicht auf die weltliche, sensorische
    und sinnliche Erfahrung beschränkt ist, sondern, dass es über die Sinne hinaus eine Dimension
    gibt, in der wir die optimale, homogene und integrative Form des menschlichen Bewusstsein
    erfahren. Eine Dimension, in der Schmerz und Leid, entstehend im Zusammenhang mit der
    Dimension von Namen, Formen und Ideen, nicht existiert, sondern Einsicht, Erfahrung und
    gelebte Glückseligkeit herrscht; das ist das Wissen um Anandamaya Kosha.

    Um eine Einsicht in diese verschiedenen Dimensionen der menschlichen Erfahrung zu ermögli
    chen, nutzt Yoga unterschiedliche Techniken. Gewisse sind eigene Techniken, andere kommen
    aus dem übergeordneten Wissenskörper, dem Tantra, wieder andere aus den Traditionen des
    Vedanta und Samkhya. Tatsächlich ist Yoga der Faden, der die verschiedenen Gedanken
    systeme, Traditionen und Philosophien zusammenbringt. Eine Mala besteht aus einzelnen
    Perlen, doch sind diese mit einem Faden zusammengebunden. Genauso wie Tantra, Samkhya,
    Vedanta und andere Philosophien als individuell und eigenständig angesehen werden. Was sie
    für die menschliche Verwendbarkeit sinnvoll macht, ist das Element Yoga, das sie zusammen
    bringt und ein klares Bild der Vorstellungen, Philosophien, Techniken und Prinzipien dieser
    verschiedenen Gedankensysteme schafft. Zu denken, dass Yoga ein unabhängiges und indivi
    duelles Glaubenssystem oder Philosophie ist, ist deshalb unangebracht und wird dem Ziel und
    Zweck des Yogas nicht gerecht.

    Mantra
    Die Aufgabe des Mantras ist es, die geistige Dimension von ihrem selbst erschaffenen Zwang
    zu befreien. Das ist die Definition des Wortes Mantra. Mantra ist die Kraft, die den Geist von der
    Macht der Illusion und Ignoranz befreien kann und den Horizont erweitert, um seine wahre
    Natur erfahrbar zu machen. In diesem Zusammenhang wird das Mantra mit der Verwirklichung
    von Manomaya Kosha verbunden. Es sind nicht nur Klänge und Worte mit Kraft, die mit ver
    schiedenen Gottheiten in Verbindung gebracht werden. Mantras haben verschiedene Bedeu
    tungen; manche sind yogische Mantras, andere sind universelle Mantras, wieder andere sind
    religiöse Mantras. Wir erschufen diese unterschiedlichen Assoziationen zu einer bestimmten
    Person, einem Konzept oder einem Glauben, doch existierten diese Mantras schon bevor wir
    dazu in der Lage waren, unsere eigenen Assoziationen zu schaffen.

    Mantras wurden in jeder Kultur und Tradition, sei es Hinduismus, Islam, Christentum, Vedanta
    oder Samkhya, anerkannt. So lautet es im christlichen Gedanken: „Am Anfang war das Wort
    und das Wort war mit Gott.“ Das Wort ist das Mantra. Gemäß des Upanishadischen Gedankens
    ist es das „Om“. Die Mandukyopanishad stellt in ihrem ersten Vers fest:

    Omityetatadaksharamidam Sarvam Tasyopavyaakhyaanam
    Bhootam Bhavadbhavishyaditi Sarvamonkaara Eva,

    was folgendes bedeutet: „Das Wort Om, der uranfängliche Klang, repräsentiert Vergangenheit,
    Gegenwart, Zukunft und Unendlichkeit.“ Das sind einige Eigenschaften des Klanges Om. Auf
    diese Weise wirst du feststellen, wenn du die verschiedenen Traditionen betrachtest, dass das
    Konzept von Mantra schon existierte bevor die menschlichen Wesen auf diesem Planeten
    erschaffen wurden.

    Mantra stellt die göttliche, kosmische Energie, die transformierende, übermenschliche Kraft
    dar. Wörter übermitteln immer eine Bedeutung. Klänge übermitteln immer eine Bedeutung; sie
    haben eine bestimmt Höhe, Frequenz und Vibration. Diese Höhe, Frequenz und Vibration wird
    vom menschlichen Geist verstanden, nicht nur intellektuell sondern auch psychisch. Die
    Menschen haben den Fehler gemacht zu versuchen, alles mit Hilfe des Intellekts zu rationali
    sieren. Das ist der größte Fehler, den ein Mensch machen kann. Der Intellekt ist nur ein
    Bestandteil des Geistes. Es gibt viele Bestandteile und Eigenschaften des Geistes, welche die
    vom Individuum aufgenommen Informationen in Form von Wörtern, Vibrationen und in der Form
    der bestehenden Umwelt, empfangen, filtern und verarbeiten. So, der Punkt der hervorgehoben
    werden muss ist, dass das Mantra ein kraftvolles, transformatives Werkzeug ist.

    Yantras
    Yantras sind ebenfalls mächtige Symbole des tiefen Unbewussten; sie sind Symbole der
    psychischen Persönlichkeit. So wie wir mit unserem Wachbewusstsein Bilder mit Objekten in
    unserer Welt in Verbindung bringen können, genauso repräsentieren Yantras Symbole, die in
    der Schöpfung enthalten sind, die Archetypen des menschlichen Bewusstseins sind und das
    Wachstum des menschlichen Geistes repräsentieren. Es wurde noch nicht viel Aufwand
    betrieben um die wirkliche Bedeutung von Yantras zu verstehen, weil unser gegenwärtiger
    Verstand limitiert ist. Yantras sind die eigentlichen Symbole, die das Individuum mit dem
    wahrhaftigen Bewusstsein verbinden. Yantras sind Werkzeuge, mit dem du das transzendente
    Bewusstsein erfahren kannst. Die Verwendung von Yantra im Yoga ist dazu da, die
    Verwirklichung von Vijnanamaya Kosha zu ermöglichen.

    Tantra ist definitiv der Vater von Yoga, doch unglücklicherweise wird Tantra im heutigen,
    sozialen System und der heutigen Glaubensstruktur falsch verstanden. Es gab einen Zerfall
    unserer Glaubensstruktur und das gilt für alle Bereiche unseres Lebens. Wir sind nicht fähig,
    die Essenz von Religion oder die Essenz von Philosophie zu erkennen, wir sind nicht einmal in
    der Lage zu wissen, was normale menschliche Beziehungen sind. Unsere Glaubensstruktur
    dreht sich um das menschliche Individuum – was „ICH“ als wahr ansehe – das ist alles. Es gibt
    keine Anerkennung mehr dafür, was wirklich und universell anwendbar ist, es gibt nur
    Akzeptanz für das, was „ICH“ für mich als angemessen finde, und nichts darüber hinaus. In
    Folge von selbst geschaffenem Ungleichgewicht, Disharmonie und Egoismus sind wir nicht in
    der Lage, die Wahrheit hinter dem Schein zu sehen.

    Das geschah mit Tantra. Viele Leute denken heute, dass Tantra eine Praxis sei, die Wein
    trinken, Fleisch essen, Geschlechtsverkehr und die Anwendung von Mantra und Yantra um
    andere zu kontrollieren und manipulieren, beinhalte. Leute verbinden Tantra mit Magie – gute
    und schlechte – je nach dem wie man Gebrauch davon macht. Wie auch immer, Tantra hat drei
    Aspekte: sattwisch, rajasisch und tamasisch. Tamasisches Tantra kann mit Manipulation und
    Macht verbunden werden. Rajasisches Tantra wird mit persönlichen Projektionen assoziiert.
    Sattwisches Tantra ist einzig alleine ein Werkzeug, um die eigenen Beschränkungen zu
    transzendieren. Unglücklicherweise wird in der Welt heute nur tamasisches Tantra als Tantra
    wahrgenommen. Sattwisches Tantra ist das lohnenswerte, doch nur wenige Menschen wissen
    davon.

    Trotzdem ist Yoga ein Teil von Tantra. Tatsächlich gibt es ein System im Tantra, das als
    Yogachara, auf die yogische Weise leben, bekannt ist. Alle Yogapraktiken, sei es Hatha Yoga,
    Raja Yoga, Patanjalis Yoga, Sivanadas Yoga, das Satyananda oder Iyengar Yoga System, alle
    fallen unter die Kategorie von Yogachara. Im Laufe der Zeit, wenn das Bewusstsein der
    Menschen steigt, wird vielleicht die wahre Lehre des Tantra wieder ans Licht kommen. Bis
    dahin solltest du dein Verständnis von Yoga vervollkommnen.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Werkzeuge für die tägliche Disziplin

    Es gibt keinen Unterschied zwischen spirituellem und weltlichem Leben. In dem Moment, in
    dem wir versuchen, unser spirituelles und unser alltägliches Leben voneinander zu trennen, im
    einen Bereich meditieren, uns konzentrieren und Yoga machen, während wir im anderen
    Bereich Sklaven unseres Geistes sind, abhängig von sinnlichem Vergnügen, Glück und
    Befriedigung, haben wir ein Problem. Wenn wir dagegen überzeugt sind, dass unser
    spirituelles Leben unser alltägliches Leben ist und unser alltägliches Leben unser spirituelles
    Leben, dann gibt es keinen Konflikt. Der ganze Prozess des spirituellen Lebens bedeutet
    Offenheit und Freundlichkeit gegenüber unseren Mitmenschen, zu helfen, zu begleiten, zu
    lieben und in Harmonie miteinander zu leben.

    Sechs yogische Kapseln
    Negativität ist ein Unkraut, das die Kraft des Positiven vernichtet und unterdrückt. Hass,
    Eifersucht und Neid sind Unkraut, das die wohlwollenden Eigenschaften des Geistes
    unterdrückt. Wenn wir uns mit dem Unkraut identifizieren und unter dem Einfluss unserer
    negativen mentalen Einstellungen stehen, verlieren wir die Verbindung mit der positiven Natur.
    So wie ein Rasen regelmäßig gepflegt werden muss, muss auch der Geist in regelmäßigen
    Abständen gepflegt werden. Man muss sich um ihn kümmern, mit positiven Gedanken und
    positiven Sankalpas, die dann zu unseren Stärken im Leben werden. Wir müssen den Geist vor
    Einflüssen schützen, die seinen Frieden, seine Ausgeglichenheit und Harmonie stören.
    Menschen, die das können, sind die wahren Yogis.

    Sechs Übungen müssen zur täglichen Angewohnheit werden. Die erste ist das Rezitieren von
    Mantra, was innere Stärke, Optimismus und Kreativität schafft. Das Mahamrityunjaya, das
    Gayatri und das Durga Mantra sind die drei Sankalpas oder Samen. Die Samen werden im
    Unterbewussten gepflanzt, wenn der Geist still ist, schlummernd, noch nicht aktiv im
    Wachzustand und noch nicht mit den Sinnen und mit der Welt und ihren Objekten verbunden.
    Deshalb sollten diese drei Mantras geübt werden, sobald man am Morgen aufwacht und noch
    im Bett ist. Mit regelmäßiger Übung erleben wir, dass diese drei Mantras massgeblich beteiligt
    sind, innere Stärke, Optimismus und eine positive Lebenseinstellung zu kultivieren.

    Die zweite Übung, die Teil unseres Alltags werden sollte, ist Yoga Nidra. Das Üben von Yoga
    Nidra hilft psychologische und psycho-emotionale Spannungen und Stress zu reduzieren und
    hält den Geist aktiv, kreativ, stressfrei und klar.

    Die dritte Komponente ist pranische Stimulierung. Die Pranas im Körper sollten aktiviert und
    ausgeglichen werden. Wenn die Pranas aktiv sind und das Energiesystem richtig reguliert ist,
    kann eine Menge der psychologischen, psycho-emotionalen und psycho-physiologischen
    Stressfaktoren vermieden werden. Körper und Geist sind dann immer voller Energie, ohne triste
    Momente im Leben, ohne Lethargie oder Isolation. Sie befinden sich in einem in sich ruhenden
    Zustand, in dem das Optimum an Kreativität von Körper und Geist erreicht, erlebt und
    ausgedrückt werden kann.

    Die vierte Komponente ist einfache Meditation. Im Yoga kommt als erstes Pratyahara, Rückzug
    der Sinne. Wir arbeiten uns durch die oberflächlichen Ebenen unserer Gefühle und Gedanken,
    wie in der Übung Antar Mouna, innere Stille. Um den Zustand der Stabilität des Körpers kennen
    zu lernen, üben wir Kaya Sthairyam, Körperstille. Wahrnehmung der subtilen Bewegungen
    kommt mit Ajapa Japa und Chidakasha Dharana. Wir beginnen mit zehn Minuten Trataka,
    blasen dann die Kerze aus, machen weiter mit zehn Minuten Antar Mouna, um die innere
    Aktivität zu beobachten und beenden die Übung mit zehn Minuten Ajapa Japa.

    Asana ist die fünfte Komponente. Es steht uns offen, so viel zu machen, wie wir wollen und wo
    wir wollen, aber die Übung von Asana soll einen Zweck erfüllen. Wenn Flexibilität und
    Körperarbeit das Ziel sind, sollte das im Fokus bleiben. Wenn Stabilität und Wohlbefinden das
    Ziel sind, sollte das im Vordergrund stehen.

    Bei der sechsten Komponente nehmen wir uns ein Yama und ein Niyama vor, welche wir überall
    zu befolgen versuchen. Im System von Patanjali sind Yamas und Niyamas mentale Übungen,
    Übungen der inneren Haltung um unser Leben zu disziplinieren und regulieren, um eine
    Änderung im äußeren Verhalten und im Mentalen zu bewirken.
    Wenn wir dieses Yogasystem regelmäßig anwenden, werden wir den Prozess von Yoga
    Sadhana verstehen. Das Verständnis für unseren Geist, Verhalten, Charakter, unsere
    Einstellungen und unsere Natur wird sich immer weiter entwickeln. Wenn wir das ein Jahr lang
    regelmäßig einhalten können oder sechs Monate oder selbst drei Monate lang, werden wir mit
    Sicherheit eine Transformation in unserem Leben entdecken.

    Die Reihenfolge ist wichtig und deshalb kommt das Mantra nach dem Aufwachen, Asana und
    Pranayama morgens, Yoga Nidra während des Tages, wenn wir uns gestresst fühlen und eine
    Erholung oder neue Energie brauchen, und Meditation am Abend.

    Drei Einstellungen anpassen
    Ob wir Mediation üben oder nicht, ob wir Yoga üben oder nicht, wenn wir ein yogisches Leben
    führen wollen, sollten wir versuchen, in allen Situationen eine gelassene Natur zu bewahren.
    Gelassenheit kultivieren und nicht nervös oder überängstlich zu werden, führt zu innerer
    Achtsamkeit und innerem Frieden.

    Regelmäßigkeit ist die zweite Qualität. Wir müssen regelmäßig und konstant in unseren
    Bemühungen sein und Stetigkeit aufrechthalten, bis wir unser Ziel erreichen. Regelmäßiges,
    ununterbrochenes, anhaltendes Bemühen muss Teil unserer Natur werden um Vollkommenheit
    zu erreichen, ob in einem Beruf oder auf unserem spirituellen Weg.

    Die dritte Qualität ist Fehlen von Eitelkeit. Eitelkeit bedeutet, dass wir eine Maske aufsetzen.
    Manche Menschen setzen andauernd, je nach Gelegenheit wieder eine andere Maske auf. Wir
    alle verstecken uns um unsere eigene Eitelkeit zu schützen. Wir mögen uns vor anderen
    verstecken, aber vor uns selbst sollten wir uns nicht verstecken. Wenn wir uns selbst nichts
    mehr vormachen, werden wir unsere wahre Natur erkennen.

    Wenn wir Gelassenheit, Regelmäßigkeit und Fehlen von Eitelkeit als drei einfache Einstellungen
    anwenden, wird unser inneres Leben reich und auch unser äußeres Leben wird ausgewogen
    und verbessert sich.

    Vier Qualitäten
    In den Yoga Sutras (1:33) sagt Patanjali, dass vier Qualitäten das Fundament menschlicher
    Beziehungen sein sollten. Die vier Qualitäten sind Maitri oder Freundschaft, Karuna oder
    Sympathie und Mitgefühl, Mudita oder Glück und Freude, und Upeksha oder Gleichgültigkeit.
    Mit denen, die zufrieden sind, sollte die Grundlage unserer Beziehung Freundschaft sein. Ein
    Mensch sollte freundlich zu denen sein, die keine Ansprüche haben, sondern erfüllt sind.

    Einfühlsamkeit, Sympathie und Mitgefühl in der Beziehung zu Menschen, die bedürftig sind
    oder leiden. Wenn jemand leidet, dann wird die Beziehung getragen von Sympathie und
    Mitgefühl. Wir sollten Glück für diejenigen empfinden, die herausragend sind und sich den
    tugendhaften Werten des Lebens verschreiben. Und schließlich sagt Patanjali, dass wir
    unehrliche Menschen ignorieren, verlassen und aufgeben sollten. Er benutzt das Wort
    ignorieren. Er sagt nicht, anpassen und sich darauf einstellen. Habe keinen Umgang mit
    negativen, destruktiven Menschen, die nicht nur deinen Frieden, sondern den Frieden überall
    zerstören. Sie haben ihr Schicksal und du kannst daran nichts ändern.

    Diese vier Ideen werden zur Grundlage des Verhaltens und der Beziehungen eines Yogis.
    Jedoch, sobald du Hass begegnest, fängst du an zu denken, warum sollte ich diesen
    Menschen ignorieren, warum kann ich diesem Menschen nicht helfen? Das untersteht deiner
    Urteilsfähigkeit, deiner Weisheit und deiner Wahl. Wenn du dich einem schwarzen Loch
    näherst, wirst auch du davon verschluckt werden. Wenn du ein Kohlebergwerk betrittst, werden
    auch deine Kleider schwarz. Deshalb gab Patanjali eine sehr klare Anweisung für die Grund
    lage von Beziehungen und den Umgang mit Menschen, selbst mit Kameraden, mit Ehe
    männern, Ehefrauen und Kindern, mit jedem.

    Die vier Prinzipien von Patanjali, Maitri, Karuna, Mudita und Upeksha führen zu Losgelöstheit.
    Losgelöstheit führt zu besserem und qualitativ höherem Verständnis als Anhaftung.
    Ein Mensch geht eine begrenzte Periode seines Lebens Beziehungen zu anderen Menschen
    ein, ein paar Jahre, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre. Beim Zeitpunkt des
    Todes ist die Beziehung beendet. Diese Beziehung geht nicht weiter. Wer heute ein Ehemann
    oder eine Ehefrau war, kann im nächsten Leben ein Sohn, eine Tochter oder der schlimmste
    Feind werden, oder ein Vater oder Großvater in einem anderen Leben. Beziehungen im Leben
    sind nur zeitlich begrenzt. Sie führen nicht über dieses Leben hinaus, außer es ist eine
    spirituelle Beziehung. Eine spirituelle Beziehung ist erleuchtet, es ist eine lebendig gewordene
    Verbindung. Sie ist nicht emotional, stellt keine Forderungen. Es ist nicht Erwartung sondern
    das Verschmelzen zweier Seelen und zweier Geister.

    Im Jetzt leben
    Durch Yoga können wir die Fähigkeit entwickeln, in der Gegenwart zu leben ohne von der
    Vergangenheit oder Zukunft beeinträchtigt zu werden. Es gibt zwei wichtige Faktoren im Leben,
    zum einen sind es die Erinnerungen, zum anderen Sorgen und Befürchtungen. Erinnerungen
    sind immer mit der Vergangenheit verbunden. Sie sind die Faktoren, die die menschliche
    Entwicklung entscheiden, denn sie erzeugen Samskaras, Archetypen, Konditionierungen,
    Gedankenmuster, Verhalten, Einstellungen und legen unsere menschliche Natur fest. Unsere
    Persönlichkeit und Mentalität sind aus verschiedenen zusammengesetzten Erinnerungen
    gemacht. Unsere Reaktionen und Antworten sind nichts anderes als Erinnerungen.

    Der zweite Faktor sind die Sorgen, die Ängste, die durch das Verlangen nach Leben entstehen.
    Da, wo Verlangen nach Leben ist, da ist auch Unsicherheit, weil Sehnsucht immer mit der
    Zukunft verbunden und verknüpft ist. Wenn ich Wohlstand möchte, ist die Idee von Wohlstand,
    mit der ich mich jetzt identifiziere, zukunftsgerichtet. Wenn ich heute arm bin, stelle ich mir für
    die Zukunft vor, wohlhabend zu sein. Diese Wünsche entstehen durch Identifikation mit
    unserem Lebenshunger oder mit der Liebe zum Leben, sowie durch die Identifikation mit dem
    Gefühl der Unsicherheit, im Bezug zu dem, was morgen wohl passieren könnte. Unsicherheit,
    Sorgen und Existenzängste sind die Faktoren, die uns in die Zukunft planen lassen.

    Das Pendel
    Wir bewegen uns zwischen Erinnerung und Besorgnis, dem Hin und Her des wild schwingen
    den Pendels. Das Pendel schwingt von einer Seite zur anderen und wieder zurück, hin und her;
    es steht nie still. Wo ist die Gegenwart in diesem Prozess? In der Vergangenheit, in die sich das
    Pendel bewegt, gibt es einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel umkehrt. In
    der Zukunft gibt es genauso einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel die
    Reise zurück beginnt. Die Vergangenheit hat einen Punkt, an dem die Erinnerungen aufhören
    und die Zukunft hat einen Punkt, an dem das Planen und die Sorgen stoppen. Die Gegenwart
    hat keinen Punkt, an dem alles anhält; es existiert nur beständige Bewegung. Sich der Gegen
    wart bewusst zu sein heißt, das Schwingen des Pendels zu stoppen, damit das Jetzt nicht von
    Erinnerungen oder durch Sorgen an die Zukunft beeinflusst wird.

    Der Zustand des still stehenden Pendels ist in Raja Yoga als Samadhi bekannt. Wenn wir frei
    von Erinnerungen und Plänen sind, fähig uns auf unsere Stabilität zu fokussieren und uns
    bemühen, an uns selbst zu arbeiten, ist das die Gegenwart. Es ist ein sehr langer Prozess und
    wir müssen uns, unser Leben, unseren Geist und unsere Bemühungen neu ausrichten. Sie
    müssen von Neuem strukturiert werden, und das ist ein schwieriger Prozess.

    Das Pendel anhalten
    Gibt es eine einfachere Methode? Yoga kann als Werkzeug verwendet werden, um Kreativität
    und Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment zu entwickeln. Gleichzeitig erlangen wir Ver
    ständnis aus unseren Erinnerungen und nutzen es, um Karmas und Samskaras, die uns
    gegenwärtig blockieren, zu überwinden. Einen kreativen und optimistischen Geisteszustand zu
    haben, stellt uns eine vollkommenere Zukunft sicher.

    Eine Auswahl von vielleicht vier oder fünf Asanas und zwei Pranayamas wird die Energien des
    Körpers harmonisieren und ausrichten. Wenn du Yoga Nidra für die Entspannung übst, wirst du
    Stress und Anspannung nicht erlauben, im Unterbewussten und Unbewussten Wurzeln zu
    schlagen; eher wirst du einen Prozess für deren Beseitigung einleiten. Wenn Du etwas isst,
    dann wird das Essen verdaut und die Abfallprodukte ausgeschieden. Die gleiche Regel gilt
    auch für den Geist, nur wird unglücklicherweise nichts vom Geist ausgeschieden; die
    Abfallprodukte häufen sich an. Das ist der Grund für geistige „Verstopfung“ oder geistigen
    „Durchfall“, für Depression, Frustration, Neurosen und Psychosen. All die mentale
    Unausgeglichenheit entsteht durch die Ansammlung von Giftstoffen, die vom Geist nicht auf
    gleiche Art ausgeschieden wurden, wie das der Körper mit seinem Abfall tut.

    Um den Geist von seiner Verstopfung zu befreien, um den verbitterten und gereizten Geist
    wieder leicht, gesund und ausgeglichen zu machen, ist eine zwanzigminütige Übung von Yoga
    Nidra und 20 Minuten Meditation wichtig. Übe in deiner Meditation Atemwahrnehmung mit
    Mantra für zehn Minuten und für weitere zehn Minuten analysiere deine Stärken und
    Schwächen. Was sind die schwachen Bereiche in deinem Leben, die du diesen Monat stärken
    möchtest, was sind die positiven Bereiche in deinem Leben, die du weiter kultivieren möchtest?
    Kultiviere eine Qualität pro Monat und versuche eine negative Qualität pro Monat zu
    überwinden. Es ist möglich, dein Leben Schritt für Schritt zu verwandeln, bessere
    Gewohnheiten zu entwickeln und diejenigen, die ungesund und destruktiv sind, zu überwinden.
    Kultiviere Gewohnheiten, die Frieden und Gesundheit fördern. Anstatt dich mit Problemen und
    Gedanken zu beschäftigen, befasse dich mit deiner menschlichen Natur und stelle sie feiner
    ein. Spüre wie du dich auf diesem Weg, im Jetzt, für eine reichere Zukunft vorbereitest und
    veränderst.

    Was ist die wichtigste Qualität und die richtige Einstellung, die ein vollkommener
    Anfänger, der den spirituellen Weg gehen möchte, entwickeln sollte?
    Die Frage zielt auf einen Anfänger im spirituellen Leben. Ich glaube nicht, dass es ein Anfang
    oder ein Ende im spirituellen Leben gibt, weil die ganze Idee vom spirituellen Leben auf einem
    reinen und einfachen Prinzip beruht. Das passendste Prinzip für uns selbst ist in der Bhagavad
    Gita (2:48) als Samatvam Yoga uchyate beschrieben, Yoga heisst Gleichgewicht in sich selbst
    zu finden. Diese Gleichgewicht bedeutet ausgeglichen zu sein zwischen dem, was erreicht
    werden kann und dem, was nicht erreicht werden kann, zwischen dem, was vollendet werden
    kann und dem, was nicht vollendet werden kann, zwischen dem, was glücklich macht und
    dem, was unglücklich macht. Es ist das Gleichgewicht zwischen den Polaritäten des Lebens
    und der erste Schritt in das spirituelle Leben.

    Das Leben ist ein Ausdruck von Gegensätzen, vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Tod. Selbst
    im Todeszeitpunkt muss man die Kraft finden, ausgeglichen zu sein. Man muss die Stärke
    finden, in einer harmonischen Weise zu arbeiten. Harmonisch zu leben bedeutet mit
    Aufmerksamkeit für den Körper, für Krankheit und Gesundheit zu leben, mit Bewusstheit für den
    Geist und die Tendenzen des Geistes und mit der Achtsamkeit um Harmonie und Frieden zu
    finden. Es ist die Entdeckung dieser Harmonie und dieses Friedens, welche den Grundstein für
    das spirituelle Leben legt. Gewisse Personen haben gesagt, dass Yoga mit Asanas und
    anderen Techniken beginnt, und andere haben gesagt, dass das spirituelle Leben mit Disziplin
    beginnt. Doch in der Erfahrung von Meistern und Lehrern entwickelt sich echtes spirituelles
    Leben und wird erfahrbar, erst wenn man beginnt Kontrolle über die sich ständig verändernden
    Zustände von Körper und Geist und deren Ausdrucksformen zu gewinnen.

    Du musst dich bemühen und den Versuch starten, diese Harmonie im Denken, Verhalten,
    Handeln, Leben und in der Umgebung von Arbeit und Zuhause zu erreichen. Die
    verschiedenen Übungen von Yoga und Sadhana helfen, doch die Verwirklichung von
    spirituellem Leben beginnt, wenn man anfängt sich selbst auszugleichen. Als Anfänger und als
    fortgeschrittener Übender, immer musst du versuchen Harmonie im Handeln und Nicht
    Handeln, in Schmerz und Vergnügen, in Freude und im Unangenehmen zu finden. Das ist der
    ultimative Test von menschlichem spirituellen Bemühen.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Die Vrittis

    Bei Yoga Nidra denken wir an eine Entspannungstechnik, an eine Vorbereitungsübung für die
    Meditation, aber eigentlich ist Yoga Nidra die einfachste Methode, um die logische Struktur des
    menschlichen Geistes in seiner ganzen Tiefe zu erfahren. Yoga Nidra ist das Markenzeichen
    von Satyananda Yoga. Was bewirkt er? In der Vergangenheit haben wir über das Konzept von
    Pratyahara und Mind Management geredet. Ashtanga Yoga zielt darauf ab, sich des Geistes
    bewusst zu werden. Er gibt uns die Möglichkeit, die verschiedenen Neigungen des Geistes, die
    ohne unser bewusstes Wissen an die Oberfläche kommen, zu bewältigen.

    Diese Aktivitäten, welche an die Oberfläche des Geistes gelangen, sind bekannt unter dem
    Begriff Vrittis. Das Wort Vritti bedeutet ‘ein Wirbel’, ‘eine kreisförmige Bewegung, ohne Anfang
    und Ende’. Yoga beschreibt fünf verschiedene Arten von Vrittis. Wie auch immer, eher als auf
    deren Verstehen einzugehen, wollen wir uns den Bestandteilen, welche ein Vritti ausmachen,
    widmen.

    Der erste Bestandteil eines Vritti
    Der erste Bestandteil ist Wissen, Verstehen. Wir verstehen nur teilweise, wie wir uns verhalten
    und in unserem Leben interagieren. Verstehen ist die Fähigkeit zu erkennen, in welche
    Richtung wir uns bewegen. Die zweite Komponente eines Vritti ist das Reagieren. In diesem
    Fall findet keine logische Beurteilung statt, sondern eine spontane Reaktion auf Dinge von
    aussen, in der Form von Freude und Schmerz, Glück und Frustration.

    Der dritte Bestandteil eines Vritti sind Gefühle. Wir nehmen unser eigentliches Befinden in einer
    bestimmten Situation oder Umgebung wahr. Dies kann viele Formen annehmen und durch die
    Gunas positiv, negativ oder neutral eingefärbt sein. Es kann durch unsere Projektionen, unser
    Ego, unsere Ambitionen eingefärbt sein, und so sehen wir die Welt diesen Gefühlseinfärbungen
    entsprechend. Der vierte Bestandteil eines Vritti besteht aus den Erinnerungen oder Ein
    drücken, welche wir einst gemacht und in unserem Geist gespeichert haben und zur
    Richtschnur unserer zukünftigen Äusserungen und Verhaltensweisen werden. Verstehen,
    Reaktionsmuster, Gefühle und Erinnerungen sind also die vier Komponenten eines Vritti.
    Die Harmonisierung der Vrittis

    Die Vrittis sind ständig aktiv in unserem Geist. Ich gehe nicht auf die bewusste, unterbewusste
    oder unbewusste Ebenen des Geistes ein, da die Intensität der Vrittis auf allen Ebenen
    unterschiedlich ist. Wir betrachten eher, wie die Vrittis den gesamten Geist beeinflussen. Um
    die Vrittis zu harmonisieren, zu klären und zu beseitigen, müssen wir einen bestimmten
    Prozess, eine bestimmte Sequenz einhalten.

    Dazu müssen wir zuerst ein objektives Bewusstsein entwickeln, um genau zu sehen, was rund
    um uns und in uns vor sich geht, ohne davon beeinflusst zu werden. Durch Bewusstwerdung
    Immunität gegenüber den Aktivitäten der Vrittis zu entwickeln, ist das erste Sadhana. Zweitens
    sollten wir lernen loszulassen, zu entspannen und uns ohne bewusstes Kontrollieren vom
    Stress, welcher in unserem Geist, im Körper und in den Emotionen gebildet wird, zu befreien.

    Jedes Ereignis im Leben birgt Spannungen in sich. Spannung ist also ein natürliches Ergebnis
    des Lebens. Wenn diese Spannung jedoch heftig wird, beginnt sie das Verhalten des Geistes
    und des Körpers negativ zu beeinflussen. Das zweite Sadhana besteht also darin, zu lernen,
    wie innere und äussere Spannungen losgelassen werden können. Drittens ist es nötig ein
    Sankalpa zu verwenden, damit unsere kreativen Kräfte eine Richtung erhalten und sich ent
    falten können. Diese Richtung entsteht aus dem bewussten Verständnis für das Positive im
    Leben. Das Streben nach dieser positiven Qualität wird zu unserer Richtung.

    Als vierter Schritt ist es wichtig, durch den Prozess des Visualisierens Konzentrationsfähigkeit
    zu entwickeln. Dies ist möglicherweise der wichtigste Bestandteil einer jeden Pratyahara
    Technik, Yoga Nidra inbegriffen. Wie konzentrieren wir uns? Wie fokussieren wir unseren Geist?
    Wir neigen dazu, zu denken und dann dieses Denken zu intensivieren. Wir neigen dazu, uns
    einer Sache bewusst zu werden und dann diese Bewusstheit zu intensivieren. Wir neigen dazu,
    unseren Geist auf einen Punkt hin zu fixieren und intensivieren dieses Fixieren. Dies ist, was
    üblicherweise unter Konzentration verstanden wird, nämlich etwas sehr intensiv durch die
    Augen des Geistes zu betrachten, ohne ihm zu erlauben nach rechts oder links abzudriften.

    Diese Art von Konzentration ruft jedoch im Geist und in der Psyche zusätzlichen Stress hervor.
    Konzentration muss eine einheitliche Erfahrung von absolutem Fokus sein, ohne irgendeine
    innere Reaktion oder Spannung zu erzeugen.

    Die drei Zustände des Geistes
    Es gilt, drei Zustände des Geistes zu erleben: Imagination, Visualisierung und Darshan. In
    jedem Geisteszustand ändert sich die Qualität des Geistes. Während einer Imagination gibt es
    vielerlei Ideen, Ereignisse oder Gefühlsregungen. Im Gesiteszustand der Visualisierung
    nehmen diese Assoziationen ab und es bleibt eine einzige Bewusstheit. Wenn alle Assozi
    ationen aufhören und sich die Bewusstheit intensiviert, entsteht Darshan, die eigentliche
    Manifestation der Blume in deinem Inneren.

    Um auf diese Ebene zu gelangen, müssen wir mit den grundlegenden Pratyahara Übungen
    beginnen. Pratyahara bedeutet Achtsamkeit zu entwickeln, Dharana heisst Konzentration zu
    entwickeln und Dhyana ist die Entwicklung der Erfahrung von Einssein, innerer Harmonie und
    Ausgewogenheit. Achtsamkeit ist das Erkennen der inneren Vorgänge im Körper, der
    Dimension der sinnlichen Wahrnehmung, der Tätigkeit des Gehirns, sowie des bewussten und
    unterbewussten Geistes. Ebenso wird man sich über die Zusammenhänge verschiedener
    Lebensbereiche klar. Wenn wir uns all dieser Aktivitäten bewusst sind, gelangen wir auf die
    nächste Ebene geistiger Zustände. Dort lernen wir loszulassen, zu entspannen und mentale
    Reaktionen nicht an die Oberfläche kommen zu lassen. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir fähig
    sind mentale Reaktionsmuster zu beobachten, beginnt der dritte Teil von Pratyahara.

    Yoga Nidra und Antar Mouna
    Yoga Nidra ist der erste Bereich von Pratyahara. Hierbei geht es um das Entwickeln und Aus
    dehnen der Bewusstheit bezüglich unserer gesamten Persönlichkeit. Weiter geht es darum,
    Bewusstheit nicht nur in Bezug zur körperlichen Ebene, sondern auch hinsichtlich der mentalen
    Eindrücke und allmählich der Samskaras, welche in den tiefen Schichten des Geistes
    eingelagert sind, zu entwickeln.

    Der Prozess von Yoga Nidra ist in drei Gruppen eingeteilt: Pratyahara Yoga Nidra, Dharana
    Yoga Nidra und Dhyana Yoga Nidra. Bis anhin haben wir nur die grundlegendenTechniken von
    Pratyahara Yoga Nidra geübt. Die Literatur beschreibt einzig Pratyahara Yoga Nidra, nicht
    Dharana Yoga Nidra oder Dhyana Yoga Nidra. Bei Dhyana Yoga Nidra wird Nidra Vritti, das
    Vritti des Schlafes, überwunden und sublimiert. Bei Dharana Yoga Nidra, wird das Vritti des
    Schlafes unter die Kontrolle der Übenden gebracht. Pratyahara Yoga Nidra bezeichnet den
    schlaflosen Schlaf. Dabei wird einfach mit dem, was uns passiert, experimentiert. Yoga Nidra
    ist ein wichtiger Schritt, um Pratyahara zu perfektionieren, da er uns erlaubt, uns mit
    verschiedenen Ebenen unserer Persönlichkeit in systematischer Art und Weise zu arbeiten.

    Ich bin mir sicher, dass du bei ernsthaftem Üben von Yoga Nidra die Tiefe der Entspannung,
    die Bewusstheit und geistige Harmonie, welche diese Technik ermöglichen kann, erfahren
    wirst. Tatsächlich unterrichte ich keine Meditation mehr, insbesondere seit wir durch die Yoga
    Universität in eine neue Ära des Unterrichtens übergegangen sind. Meditation ist nun ein
    Tabuthema und die Vorbereitung zur Meditation erfolgt ausschliesslich durch Yoga Nidra. Wenn
    Yoga Nidra nicht perfektioniert ist, kann der Zustand von Pratyahara nicht erreicht werden.
    Um den Prozess zu unterstützen, Pratyahara zu perfektionieren, üben wir die grundlegende
    Konzentrationstechnik Antar Mouna im Anschluss an Yoga Nidra. Antar Mouna heisst
    wortwörtlich übersetzt ‘innere Stille’. Durch diese Technik können wir anhand von
    Gedankenbeobachtung, die Tätigkeiten des bewussten Geistes betrachten. Die Techniken von
    Yoga Nidra und Antar Mouna zusammengenommen befassen sich mit dem vordergründigen
    menschlichen Geist.

    Aus yogischer Perspektive gibt es zwei Arten von menschlichem Bewusstsein, einerseits das
    manifestierte oberflächliche Bewusstsein und andererseits das unmanifestierte, reale Bewusst
    sein. Wir erfahren das manifestierte, oberflächliche Bewusstsein in all seinem Glanz. Die letzte
    Etappe der Erfahrung des manifestierten, oberflächlichen Bewusstseins ist die Auseinander
    setzung mit dem Ego, und bei diesem Ego handelt es sich um das negative Ego. Daher sollten
    wir beim Üben von Yoga Nidra und Antar Mouna die einzelnen Bestandteile des manifesten
    Bewusstseins und des negativen Egos genau anschauen.

     

    Du findest das Original im Yogamag.

  • Treppenstufen in den Himmel

    Glaube an dich selbst. Wisse, dass du die Kraft hast, die Fähigkeit, den Mut und den Willen,
    dich selbst zu verwandeln. Der beste Weg diesen Punkt zu erreichen ist durch Stille, nicht
    durch Logik oder Intellekt, oder Fragen und Diskussion. So viele Bücher sind dazu schon
    geschrieben worden, und immer noch stellen die Menschen Fragen.

    Die Antworten wurden in all den Schriften und von verschiedenen Meistern und Heiligen
    gegeben, doch fragen wir weiterhin nach den Gründen: dem Warum, Wann und Wie. Wir
    stellen immer wieder die gleichen Fragen, obwohl uns die Antworten schon gegeben wurden.
    Lerne in der Stille von den Mysterien des Lebens, indem du verstehst und daran glaubst, dass
    du die Kraft, den Mut und die Fähigkeit in dir hast.

    Du kannst zweifellos ein ödes Stück Land zu einem blühenden Garten umwandeln. Die
    Methode kannst du dir selbst aussuchen. Wenn es kein Wasser in der Nähe gibt, wirst du einen
    Brunnen graben müssen oder einen Kanal zu einem nahen Fluß. Du weißt, dass du den Garten
    bewässern mußt, daher mußt du deine eigene Methode finden. Du wirst den Weg finden
    müssen, die richtigen Samen zu beschaffen und sie zu beschützen, indem du alles, was ihr
    Wachstum fördert, zur Verfügung stellst.

    Es wird leicht und einfach, wenn du an dich glaubst und du Willen und Ernsthaftigkeit
    aufbringst. Es ist zwecklos, dich mit dem Kopf in den Händen hinzusetzen und zu denken ‘Gott,
    was soll ich mit meinem Stück Land machen? Es ist voller Felsen, und es gibt kein Wasser in
    der Nähe.’ Diese fatalistische Haltung ist der Weg zur Hölle. Das ist das größte Hindernis,
    welches man überwinden muß. Die Haltung des Vertrauens sind die Treppenstufen zum
    Himmel. Sei daher nie ein Fatalist. Habe immer Vertrauen in dich selbst.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Karma Yoga im täglichen Leben

    Bisher wurde Yoga immer als eine Serie von Übungen angesehen, die abseits der normalen
    sozialen Lebenssituationen durchgeführt werden – in einem Unterrichtsumfeld oder an einem
    Rückzugsort in Gesellschaft von „spirituellen Wesen“. Wir dachten, dass wenn wir diese oder
    jene Yogatechnik üben, wir dieses oder jenes Resultat erreichen würden. Tatsächlich haben wir
    Yoga zu einem mechanischen Prozess gemacht, der nur zur Selbstwahrnehmung führt. Wir
    müssen von dieser Idee Abstand nehmen und Yoga zu einem Teil unseres natürlichen
    Ausdrucks werden lassen. Nur dann kann Yoga zu einem Prozess werden der zur
    Selbstverwirklichung führt.

    Wenn wir Yoga als eine Methode üben, um uns gut zu fühlen, dann werden wir uns definitiv für
    eine kurze Weile gut fühlen. Wenn wir Yoga üben um uns zu entspannen, dann werden wir uns
    definitiv entspannen. Wenn wir Yoga üben um uns mit unserem Inneren zu verbinden, wird das
    ebenfalls möglich sein. Aber was auch immer wir erreichen mögen, es wird vorübergehend
    sein, eine vorübergehende Phase. Denn, wenn wir wieder den Realitäten des Lebens, den
    Spannungen und Frustrationen gegenübertreten müssen, dann wird der Effekt von Yoga in den
    Hintergrund verlagert. Daher müssen wir verstehen, dass die wahre Erfahrung von Yoga durch
    Karma Yoga geschieht. Auch wenn du Hatha Yoga, Raja Yoga, Kundalini oder Kriya Yoga übst,
    musst du es mir Karma Yoga kombinieren um eine umfassende Erfahrung des Prozesses zu
    erhalten.

    Drei Einstellungen anpassen
    Ob wir Mediation üben oder nicht, ob wir Yoga üben oder nicht, wenn wir ein yogisches Leben
    führen wollen, sollten wir versuchen, in allen Situationen eine gelassene Natur zu bewahren.
    Gelassenheit kultivieren und nicht nervös oder überängstlich zu werden, führt zu innerer
    Achtsamkeit und innerem Frieden.

    Regelmäßigkeit ist die zweite Qualität. Wir müssen regelmäßig und konstant in unseren
    Bemühungen sein und Stetigkeit aufrechthalten, bis wir unser Ziel erreichen. Regelmäßiges,
    ununterbrochenes, anhaltendes Bemühen muss Teil unserer Natur werden um Vollkommenheit
    zu erreichen, ob in einem Beruf oder auf unserem spirituellen Weg.

    Die dritte Qualität ist Fehlen von Eitelkeit. Eitelkeit bedeutet, dass wir eine Maske aufsetzen.
    Manche Menschen setzen andauernd, je nach Gelegenheit wieder eine andere Maske auf. Wir
    alle verstecken uns um unsere eigene Eitelkeit zu schützen. Wir mögen uns vor anderen
    verstecken, aber vor uns selbst sollten wir uns nicht verstecken. Wenn wir uns selbst nichts
    mehr vormachen, werden wir unsere wahre Natur erkennen.

    Wenn wir Gelassenheit, Regelmäßigkeit und Fehlen von Eitelkeit als drei einfache Einstellungen
    anwenden, wird unser inneres Leben reich und auch unser äußeres Leben wird ausgewogen
    und verbessert sich.

    Sich bewusst werden
    Es gibt fünf Komponenten von Karma Yoga. Die erste Komponente ist Bewusstheit. Bewusstheit
    beginnt beim Körper, wenn wir Asana üben. Die Bewusstheit wird zu einem Teil des Übens der
    Asanas und der physischen Bewegungen. Wenn du einen Finger bewegen musst, dann wirst
    du dir der Bewegung des Fingers bewusst und ebenfalls des Zugs der Muskeln und der
    Bewegungen der Gelenke. Die hervorgehende Bewusstheit zergliedert die Finger in Knochen,
    Muskeln und Nerven. Die Muskeln und Knochen bewegen sich auf eine bestimmte Art, die
    Nerven und die Bänder ziehen in ihrer eigenen Weise, und das Bewusstsein wird immer
    schärfer und subtiler. Was du vorher beobachtet hast, ist die eine Erfahrung. Später siehst du
    es in seinen verschiedenen Komponenten und Formen. Das Ziel von Asanas ist, sich des
    Körpers bewusst zu werden und wie er sich in alltäglichen Situationen ausdrückt. Bewusstsein
    in Asana wird zu Mühelosigkeit und Stabilität führen.

    In den Yoga Sutras definiert Patanjali Asana als eine Haltung, in der man bequem und stabil ist.
    Du sitzt hier seit 20 Minuten. Bist du stabil und bequem? Manche von euch sind es, manche
    nicht. Und die, die es sind, werden sich in 10 Minuten unwohl fühlen. Im Moment sind wir nicht
    mit unserem Körper verbunden. Wir sitzen, sind uns aber des Sitzens nicht bewusst. Wir
    gehen, sind uns aber des Gehens nicht bewusst. Wir bewegen unseren Körper, sind uns
    seinen Bewegungen aber nicht bewusst. Der Zweck von Asanas ist es, dich in einen Zustand
    von Komfort und Stabilität zu führen. Die Wahrnehmung von Komfort und Stabilität entsteht nur
    durch Bewusstsein.

    Im Jetzt leben
    Durch Yoga können wir die Fähigkeit entwickeln, in der Gegenwart zu leben ohne von der
    Vergangenheit oder Zukunft beeinträchtigt zu werden. Es gibt zwei wichtige Faktoren im Leben,
    zum einen sind es die Erinnerungen, zum anderen Sorgen und Befürchtungen. Erinnerungen
    sind immer mit der Vergangenheit verbunden. Sie sind die Faktoren, die die menschliche
    Entwicklung entscheiden, denn sie erzeugen Samskaras, Archetypen, Konditionierungen,
    Gedankenmuster, Verhalten, Einstellungen und legen unsere menschliche Natur fest. Unsere
    Persönlichkeit und Mentalität sind aus verschiedenen zusammengesetzten Erinnerungen
    gemacht. Unsere Reaktionen und Antworten sind nichts anderes als Erinnerungen.

    Der zweite Faktor sind die Sorgen, die Ängste, die durch das Verlangen nach Leben entstehen.
    Da, wo Verlangen nach Leben ist, da ist auch Unsicherheit, weil Sehnsucht immer mit der
    Zukunft verbunden und verknüpft ist. Wenn ich Wohlstand möchte, ist die Idee von Wohlstand,
    mit der ich mich jetzt identifiziere, zukunftsgerichtet. Wenn ich heute arm bin, stelle ich mir für
    die Zukunft vor, wohlhabend zu sein. Diese Wünsche entstehen durch Identifikation mit
    unserem Lebenshunger oder mit der Liebe zum Leben, sowie durch die Identifikation mit dem

    Gefühl der Unsicherheit, im Bezug zu dem, was morgen wohl passieren könnte. Unsicherheit,
    Sorgen und Existenzängste sind die Faktoren, die uns in die Zukunft planen lassen.

    Das Pendel
    Wir bewegen uns zwischen Erinnerung und Besorgnis, dem Hin und Her des wild
    schwingenden Pendels. Das Pendel schwingt von einer Seite zur anderen und wieder zurück,
    hin und her; es steht nie still. Wo ist die Gegenwart in diesem Prozess? In der Vergangenheit, in
    die sich das Pendel bewegt, gibt es einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel
    umkehrt. In der Zukunft gibt es genauso einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das
    Pendel die Reise zurück beginnt. Die Vergangenheit hat einen Punkt, an dem die Erinnerungen
    aufhören und die Zukunft hat einen Punkt, an dem das Planen und die Sorgen stoppen. Die
    Gegenwart hat keinen Punkt, an dem alles anhält; es existiert nur beständige Bewegung. Sich
    der Gegenwart bewusst zu sein heißt, das Schwingen des Pendels zu stoppen, damit das Jetzt
    nicht von Erinnerungen oder durch Sorgen an die Zukunft beeinflusst wird.

    Der Zustand des still stehenden Pendels ist in Raja Yoga als Samadhi bekannt. Wenn wir frei
    von Erinnerungen und Plänen sind, fähig uns auf unsere Stabilität zu fokussieren und uns
    bemühen, an uns selbst zu arbeiten, ist das die Gegenwart. Es ist ein sehr langer Prozess und
    wir müssen uns, unser Leben, unseren Geist und unsere Bemühungen neu ausrichten. Sie
    müssen von Neuem strukturiert werden, und das ist ein schwieriger Prozess.

    Das Pendel anhalten
    Gibt es eine einfachere Methode? Yoga kann als Werkzeug verwendet werden, um Kreativität
    und Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment zu entwickeln. Gleichzeitig erlangen wir
    Verständnis aus unseren Erinnerungen und nutzen es, um Karmas und Samskaras, die uns
    gegenwärtig blockieren, zu überwinden. Einen kreativen und optimistischen Geisteszustand zu
    haben, stellt uns eine vollkommenere Zukunft sicher.

    Eine Auswahl von vielleicht vier oder fünf Asanas und zwei Pranayamas wird die Energien des
    Körpers harmonisieren und ausrichten. Wenn du Yoga Nidra für die Entspannung übst, wirst du
    Stress und Anspannung nicht erlauben, im Unterbewussten und Unbewussten Wurzeln zu
    schlagen; eher wirst du einen Prozess für deren Beseitigung einleiten. Wenn Du etwas isst,
    dann wird das Essen verdaut und die Abfallprodukte ausgeschieden. Die gleiche Regel gilt
    auch für den Geist, nur wird unglücklicherweise nichts vom Geist ausgeschieden; die Abfall
    produkte häufen sich an. Das ist der Grund für geistige „Verstopfung“ oder geistigen
    „Durchfall“, für Depression, Frustration, Neurosen und Psychosen. All die mentale Unausge
    glichenheit entsteht durch die Ansammlung von Giftstoffen, die vom Geist nicht auf gleiche Art
    ausgeschieden wurden, wie das der Körper mit seinem Abfall tut.

    Um den Geist von seiner Verstopfung zu befreien, um den verbitterten und gereizten Geist
    wieder leicht, gesund und ausgeglichen zu machen, ist eine zwanzigminütige Übung von Yoga
    Nidra und 20 Minuten Meditation wichtig. Übe in deiner Meditation Atemwahrnehmung mit
    Mantra für zehn Minuten und für weitere zehn Minuten analysiere deine Stärken und
    Schwächen. Was sind die schwachen Bereiche in deinem Leben, die du diesen Monat stärken
    möchtest, was sind die positiven Bereiche in deinem Leben, die du weiter kultivieren möchtest?

    Kultiviere eine Qualität pro Monat und versuche eine negative Qualität pro Monat zu über
    winden. Es ist möglich, dein Leben Schritt für Schritt zu verwandeln, bessere Gewohnheiten zu
    entwickeln und diejenigen, die ungesund und destruktiv sind, zu überwinden. Kultiviere
    Gewohnheiten, die Frieden und Gesundheit fördern. Anstatt dich mit Problemen und Gedanken
    zu beschäftigen, befasse dich mit deiner menschlichen Natur und stelle sie feiner ein. Spüre
    wie du dich auf diesem Weg, im Jetzt, für eine reichere Zukunft vorbereitest und veränderst.

    Das Loslassen von Besessenheit
    Die fünfte Komponente von Karma Yoga ist das Loslassen von persönlichen Komplexen, das
    Loslassen von Besessenheit, die wir in uns selbst erschaffen. Dies ist bekannt als Hingabe.
    Denke bei Hingabe nicht an philosophische oder religiöse Definitionen, sondern an die
    Überwindung von Besessenheit und ans Freiwerden. In dem Moment, in dem du in der Lage
    bist, deine Obsessionen loszulassen, wirst du kreativ. Unsere Obsessionen erlauben es der
    kreativen Natur nicht, hervorzukommen. Kreativität bedeutet nicht nur künstlerischen Ausdruck.
    Kreativität bedeutet, dass Geist und Gefühle in voller Blüte sind. Diese Kreativität wird erreicht,
    wenn wir in der Lage sind, unsere Obsessionen und Komplexe loszulassen. Die nächste Stufe
    ist selbstloses Handeln, das spontan und natürlich geschieht. Damit etwas selbstlos wird, kann
    es keine Wünsche, kein Anhaften, keine Assoziation mit dem, was passiert, geben. Sonst
    versuchen wir alle bei der ersten Gelegenheit, die sich uns bietet, Wasser in Wein zu
    verwandeln. Nicht weil uns das auf irgendeine Art und Weise hilft, sondern weil es unser Ego
    stärkt. Die selbstsüchtige Natur ist normalerweise die vorherrschende. Selbstlos zu werden ist
    eine der schwierigsten Herausforderungen im Leben.

    Gott entschied einst, einem Heiligen, der viel Busse getan hatte, einen Segen zu geben. Aber
    der Heilige wünschte sich, nachdem ihm Gott erschienen war, nichts mehr im Leben und
    weigerte sich, irgendetwas anzunehmen. So gab Gott dem Schatten des Heiligen den Segen
    von Frieden, Wohlstand und Gesundheit. Der Heilige wusste nichts von diesem Segen, doch
    wo auch immer er hinging, herrschte Frieden, Wohlstand und Gesundheit. Das ist eine
    selbstlose Handlung.

    Selbstloses Dienen, die selbstlose Handlung, das ist das höchste Ziel von Karma Yoga. Wenn
    du Karma Yoga zu anderen Yogas in Beziehung setzt, wirst du seine Relevanz erkennen. Hatha
    Yoga ohne Karma Yoga hat keine Bedeutung. Sei dir auch bewusst, dass wir über Karma Yoga
    sprechen und nicht über Karma. Wenn das Wort Yoga zu Karma hinzugefügt wird, bedeutet es
    Harmonie in allen Lebenssituationen, in jedem Ausdruck des Körpers, des Geistes und der
    Gefühle. Das ist das Konzept von Karma Yoga – Verinnerlichung der Wahrnehmung, sich
    bewusst zu werden und sich von Zwangsvorstellungen und Negativität zu befreien.

    Natürlich müssen wir mit etwas Greifbarem und Erkennbarem beginnen, und das ist unser
    Körper, den wir von unserer Geburt bis zu unserem Tod mit uns tragen. Wenn wir Hatha und
    Raja Yoga mit Karma Yoga in Verbindung bringen, führt das zu tieferer Bewusstheit. In der
    Verbindung mit Bhakti Yoga führt Karma Yoga zum Gleichgewicht der Emotionen. In Beziehung
    zum Intellekt und zu Jnana Yoga bringt Karma Yoga größeres Wissen, Wahrnehmung,
    Beobachtung und Weisheit. Wie geht, lebt, isst, schläft ein perfektes Wesen? Denk darüber
    nach. Sogar bei Kriya und Kundalini Yoga muss Karma Yoga hinzugefügt werden. Die
    Erfahrungen, die du beim Erwachen der subtilen Kräfte und Energien der psychischen Zentren
    machen wirst, müssen durch das Loslassen von den negativen Tendenzen dieser Zentren,
    harmonisiert werden. Wie können wir anfangen Karma Yoga zu verstehen und es in unser
    Leben integrieren? Indem wir, durch die Übungen und das System von Yoga, unsere Haltungen
    und Vorstellungen ändern.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Jnana Yoga

    Aus „On the Wings of the Swan” – Volume VI
    Jnana bedeutet zu wissen, und ein Yogi ist jemand, der danach lebt, was er weiß. Somit ist ein
    Jnana Yogi jemand, der in Weisheit verankert ist, und eine solche Person wird keine dummen
    Fragen stellen. Wenn du in einem Zug sitzt und von einem Ort zum andern reist, ist es unlo
    gisch, dich selbst ständig zu fragen: „Wo bin ich?“, denn du weisst, dass du dich vorwärts
    bewegst und deinen Bestimmungsort erreichen wirst. Auf die gleiche Weise begann der Jnana
    Yogi, der in Weisheit verankert ist, seine Reise mit dem Fokus, zu erfahren: „Wer bin ich!?“
    Diese Frage stellt sich nur einmal im Leben, nicht jeden Tag. Wenn sie sich jeden Tag stellt,
    dann ist diese Person kein Jnana Yogi sondern steckt an einem Ort fest und kann sich nicht
    vorwärts bewegen. Wenn der Prozess der Erkenntnis beginnt, lässt man diese Frage hinter sich
    und jeder Tag ist eine neue Entdeckung. Dieser Prozess der Erkenntnis dauert an bis der Jnana
    Yogi in Weisheit verankert ist.

    Um sich in etwas zu verankern und dessen Bedeutung zu erkennen, ist es notwendig, durch
    eine Krise zu gehen. Wenn jeder auf der Welt gesund wäre, würde die medizinische
    Wissenschaft nicht existieren. Krankheit, Tod und Leiden haben zu Forschung und dem
    Fortschritt der medizinischen Wissenschaft geführt. Wenn wir eine Idee verändern, geschieht
    das, weil die vorherige Idee zerschlagen wurde. Wenn eine Veränderung im Denken stattfindet,
    geschieht das, weil der vorherige Gedanke keinen Sinn mehr macht. Krisen sind ein
    Katalysator für Veränderungen.

    Das erste Kapitel der Bhagavad Gita handelt vom Vishada Yoga, dem Yoga des Kummers. Es
    ist ein wunderbares Konzept. Wenn du trauerst und trotzdem in der Lage bist, eine Richtung für
    dich selbst zu bestimmen, wird das zu Yoga. Wenn du scheiterst, dir selbst eine Richtung zu
    geben und tiefer in die Verzweiflung sinkst, dann entsteht ein Ungleichgewicht. Es ist wie Aus
    geglichenheit bei Stress zu entwickeln. Negativer Stress bedeutet Leid, positiver Stress ist
    Eustress (guter Stress) und der Gleichgewichtspunkt ist null Stress. Wenn die Sehne eines
    Bogens zu locker ist, entsteht keine Spannung, es ist keine Kraft vorhanden und der Bogen
    wird nutzlos. Wenn die Sehne zu straff ist, kann sie durch die Spannung reißen und Leiden
    entsteht. Es muss die richtige Spannung vorhanden sein. Ebenso ist Trauer an sich nicht
    schlecht oder negativ, es ist der Umgang mit Trauer, der wichtig ist.

    Wenn wir fähig sind, unseren Gedanken und Energien eine Richtung zu geben, wird das Leid
    zu einem Faktor des Schaffens von positiven Veränderungen und größerem Erfolg im Leben.
    Das gleiche Leid, wenn schlecht gehandhabt, wird zu Krankheit oder Ungleichgewicht führen.
    Es steuert dann die Reaktionsweise des Körpers, des Gehirns und des Geistes, und es entsteht
    Schwitzen, trockener Mund, vermehrter Harndrang, Schlaflosigkeit und ein
    Nervenzusammenbruch.

    Jeder sollte positives Leid erleben, nicht Leiden wie wir es verstehen sondern im positiven
    Sinne, wenn es in uns den Wunsch nach Veränderung nährt, wenn es uns hilft, die Sinnlosigkeit
    des Zustands zu erkennen, in dem wir gelebt haben. Wenn dieser Punkt erreicht ist, beginnt
    der Prozess der Reinigung. Dies widerfuhr Sri Rama, Arjuna, Buddha, Christus, dem Propheten
    Mohammed, es geschah so vielen Menschen, die zu außergewöhnlichen Persönlichkeiten in
    der Welt wurden.

    Im Wissen, dass wir mit Kummer nicht umgehen können, setzen wir uns ihm nicht aus. Unsere
    intensive Bemühung, Tapasya, ist nicht Leiden, es ist Vergnügen. Wir meditieren, weil wir an
    der Meditation Freude haben. Wir wiederholen unser Mantra, weil es uns Spaß macht. Wenn wir
    aus Meditation keine Freude gewinnen könnten, würden wir es nicht tun. Wenn uns etwas keine
    Freude macht, zieht es uns nicht an. Wir sprechen hier jedoch nicht von den Dingen, die uns
    Freude bereiten und aus diesem Grund zu unserer Sadhana werden, sondern von den Dingen,
    die uns die Möglichkeit geben, ein bestehendes Muster zu verändern, das der Grund war für
    unsere frühere Konditionierung. Leiden ist der Katalysator für diese innere Transformation. Als
    Suchende, als Aspiranten, müssen wir diesem Leiden in uns begegnen und uns damit eine
    Richtung geben.

    In Tantra gib es ein wunderschönes Konzept. Die Tradition sagt, dass es elf Rudras gibt,
    welche die Manifestation von Shiva sind. Rudra bedeutet „einer, der weint“. Wie kann eine
    Person, welche die ganze Zeit weint, eine Manifestation von Shiva sein? Shiva ist Bewusstsein,
    und es gibt verschiedene Schichten und Stufen der Entwicklung in diesem Bewusstsein,
    welche die verschiedenen Ebenen der Existenz und Erfahrung definieren. Auf die gleiche
    Weise repräsentieren die elf Rudras elf Stufen des Bewusstseins und jede hat ein spezielles
    Muster, eine spezielle Erscheinung, ein spezielles Yantra und ein spezielles Mandala. Wenn wir
    uns von einem zum anderen bewegen entsteht ein Loslassen von Dingen, die uns vorher
    zurückgehalten haben. Wenn wir diese Dinge hinter uns lassen, dann entsteht Trauer.
    Trauer kann auf unterschiedliche Weise erlebt werden. Du kannst ein Drastha, ein Zeuge sein,
    das wird in Yoga gelehrt. Du kannst einen meditativen Prozess wie z.B. Antar Mouna anwenden
    und so ihren wahren Ursprung herausfinden. Oder du übst Swadhyaya um den Zustand, in
    dem du dich hilflos fühlst, zu analysieren und zu sehen, welche Optionen du hast, darüber
    hinauszuwachsen und dich aus der Situation hinauszubewegen. In dieser Welt sind uns immer
    verschiedene Möglichkeiten gegeben. Die Weisheit, die uns die richtige Entscheidung treffen
    lässt, muss die Oberhand gewinnen, um nicht der falschen Entscheidung zu folgen. Um die
    richtige Entscheidung zu treffen, müssen wir in der Lage sein, das ganze Bild zu sehen.

    Wenn ein Foto von dir auf dem Boden liegt und eine Ameise darüber läuft, wird sie nur
    Farbkleckse sehen und nicht dein Gesicht. Wenn du willst, dass die Ameise dein Gesicht sieht,
    dann musst du sie hochheben damit sie das ganze Bild sehen kann. Auf die gleiche Weise
    sehen wir nicht das ganze Bild, wenn wir in eine Situation verwickelt sind, wir sehen nur
    Kleckse. Wir fürchten uns vor diesen nichtssagenden Klecksen und wissen nicht, wie wir uns in
    der Situation verhalten sollen. Das ist als Sogwirkung von Freude und Schmerz, von Vorlieben
    und Abneigungen bekannt. Wir verwickeln uns so stark darin, dass wir uns fühlen, als seien wir
    ein Teil davon. In der Lage zu sein einen Schritt zurück zu treten und uns zu betrachten, ist es
    das Konzept des Drasthas. Fähig zu sein, Situationen zu bewältigen und mit einem positiven
    Gemütszustand durch Veränderungen, Krisen und Leid zu gehen, das ist Viveka. Viveka
    bedeutet, mit dem Geist weise umzugehen, unberührt von den verschiedenen Einflüssen.

    Wenn jemand sagt, du seist hässlich oder schön, verändern diese Worte deinen Geist und du
    reagierst. Dies ist nur ein unbedeutendes Beispiel dafür, was Worte bewirken können. In der
    Lage zu sein, das Gleichgewicht aufrecht zu halten, ist Sanyam. Wenn wir eine ausgewogene
    Beobachterhaltung bewahren können, ist das Vairagya, sachliche Gelassenheit. Wir können
    von Geld umgeben sein und dennoch hat es keine Anziehungskraft auf uns. Wir können von
    Menschen umgeben sein und völlig entkoppelt bleiben, in der Welt sein und doch nicht Teil von
    ihr sein. Das klassische Beispiel ist die Lotusblüte. Sie ist von Wasser umgeben und kann nicht
    ohne Wasser existieren. Dennoch bleiben die Blätter und die Blüte absolut unberührt vom
    Wasser und sind vollständig trocken. So sollte ein Yogi sein. Ein Yogi ist wie ein Magier, der
    imstande ist, das Psychische, das Unsichtbare und Spirituelle und das Physische, Materielle
    und Sensorische zu meistern und darin Ausgeglichenheit zu finden.

     

    Du findest das Original im Yogamag.

  • Hatha Yoga

    Hatha Yoga ist nicht nur Yoga für den physischen Körper. Das zeigt schon der Name selbst:
    „Ha“ und „Tha“, „Hatha“. Diese beiden Wörter, Ha und Tha, repräsentieren zwei unterschied
    liche Kräfte im Körper, die solare oder vitale Kraft und die lunare oder mentale Kraft. Diese
    beiden Kräfte ins Gleichgewicht zu bringen, ist das Ziel von Hatha Yoga. Die solare Kraft ist
    bekannt als Prana Shakti und die lunare Kraft als Chitta Shakti. Die solare Energie wird
    assoziiert mit der Aktivität des symphatischen Nervensystems und die lunare Energie mit der
    des parasympathischen Nervensystems. Diese beiden Ströme kontrollieren die Vitalität, Energie
    und Gesundheit des Körpers, des Geistes, der Emotionen und der Seele. Diese beiden Kräfte
    zu harmonisieren, um nicht nur körperliche, sondern auch mentale, emotionale und spirituelle
    Gesundheit zu erlangen, ist das Ziel von Hatha Yoga.

    Shatkarmas
    Aus dieser Perspektive beginnt Hatha Yoga mit den Shatkarmas – bestimmte Übungen, deren
    Zweck es ist, den Körper und seine inneren Systeme zu reinigen und zu entgiften. Mit der
    Entgiftung des Körpers werden die Organsysteme reguliert. Im Körper auftretende
    Ungleichgewichte, die aus unregelmäßigem Lebensstil, unregelmäßiger Nahrungsaufnahme
    und unregelmäßigen Gewohnheiten im Allgemeinen resultieren, werden überwunden.

    Die ersten drei Shatkarmas der insgesamt sechs Übungen sind Neti, Dhauti und Basti. Sie
    reinigen den Kopf, den Magen und den Darm. Die Reinigung hilft dabei, die Gifte aus dem
    Körper zu entfernen. Wenn der Körper entgiftet ist, gewinnt er an Energie und Gesundheit. Die
    nächsten drei Übungen heißen Nauli, Kapalbhati und Trataka. Sie helfen die Energiestruktur zu
    regulieren. Nauli aktiviert das Zentrum der Energie im Solarplexus oder Manipura Chakra, die
    Quelle von Prana Shakti. Die Aktivierung des Manipura Chakras geschieht durch Nauli Kriya.
    Die zweite Übung ist Kapalbhati, nicht die Pranayama Technik, sondern die Übung, durch
    welche die linke und rechte Hirnhemisphere ins Gleichgewicht gebracht werden.

    Es gibt hierzu einen Witz in englischer Sprache: People have these two hemispheres of the
    brain, the left and right hemisphere, however, the problem is that in the right hemisphere there
    is nothing left and in the left hemisphere there is nothing right.

    Die Übung Kapalbhati hilft, die Funktionen dieser beiden Hirnhemispheren auszugleichen. Sie
    bringt dadurch Ruhe und Harmonie in die zerebrale Aktivität, wo verschiedene Gehirnwellen in
    Form von Beta, Alpha, Delta und Theta Wellen generiert werden. Die sechste Übung heißt
    Trataka. Sie bündelt die zerstreuten Energien und konzentriert sie in den Energiezentren des
    Körpers, wodurch inaktive Energiezentren angeregt und erweckt werden.

    Körperhaltung
    Die zweite Technik in Hatha Yoga ist Asana. Asana heißt nicht Übung sondern Körperhaltung.
    Diese Haltung des Körpers ist statisch und keine dynamische Bewegung. Wenn man liegt,
    dann ist das ein Asana. Wenn jemand ruhig sitzt, dann ist das eine Haltung, ein Asana. Daher
    versteht man unter Asana Haltung oder eine Bedingung im Körper, in der man die vielen
    verschiedenen Funktionen der inneren Organe regulieren und ins Gleichgewicht führen kann.
    Es wurde erkannt, dass durch das Ausführen von Asana viele Krankheiten, die aus
    unausgeglichenem Lebensstil resultieren, beseitigt werden. Die Bihar School of Yoga hat über
    die letzten fünfzig Jahre viele medizinische und wissenschaftliche Untersuchungen
    durchgeführt, um den Nutzen von Asanas für den menschlichen Körper zu studieren. An der
    Wirksamkeit von Asanas in der Langzeitpraxis wird noch geforscht.

    Die richtige Kombination der Asanas entsprechend des Alters, der Kraft des Körper und des
    Körpertyps hat sich als vorteilhaft erwiesen. Wenn die richtige Kombination von Asanas
    gewählt wird, können diese in der Behandlung von vielen Krankheiten wie Diabetes, Asthma,
    Arthritis, Krebs und HIV wirksam werden. Die Bihar School of Yoga ist weltweit in der Forschung
    involviert. Mit Hilfe von vielen medizinischen Fachleuten, Institutionen und Krankenhäusern und
    Kliniken werden regelmäßig Untersuchungen durchgeführt. Die Forschungsergebnisse wurden
    von der Bihar School of Yoga veröffentlicht.

    Pranayama
    Die dritte Hatha Yoga Übung ist Pranayama. Pranayama wird geübt, um die Vitalität des
    Körpers zu steigern. Vor fünfzig Jahren wusste noch niemand von Pranayama; nur die Weisen
    wussten es. Die Bihar School of Yoga war die erste Institution, die Pranayama klassifizierte und
    veröffentlichte. Pranayama kreiert drei Arten von Zuständen im Geist. Eine Gruppe von Prana
    yama stimuliert den Körper, Geist, Prana und die Sinne. Es intensiviert die Empfindungen und
    der Körper erlebt Stimulation. Der Körper wird durch Kapalbhati und Bhastrika Pranayama
    stimuliert. Im Körper wir Hitze generiert, der Blutdruck und die Herzrate steigen. Deshalb
    werden diese Übungen als stimulierende Pranayama bezeichnet.

    Die zweite Gruppe von Pranayama kühlt die verschiedenen Körperbereiche, entspannt sie und
    erlaubt ihnen zu ruhen. Diese Gruppe wird beruhigende Pranayamas genannt, weil sie jegliche
    Stimulation des Körpers und der Sinne besänftigt. Die dritte Gruppe von Pranayama beinhaltet
    das Ausgleichen der Energien und der Sinne.

    Mudras
    Die vierte Hatha Yoga Übung ist Mudra. Mudras werden in der indischen Tradition auf viele
    verschiedene Arten benutzt – Tänzerinnen benutzen Hand Mudras, Augen Mudras und Gesicht
    Mudras. Die verschiedenen Mudras des Körpers werden im Tanz ausgedrückt. Und auch in
    Yoga werden Mudras angewendet.

    Mudras werden eingesetzt, um einen bestimmten Zustand zu erreichen, den man in Bezug zu
    Hatha Yoga verstehen kann. Man muss sich bewusst sein, dass dies mit dem Zustand der
    Pranas in Verbindung steht. Aus den Körperteilen, die an der Peripherie liegen, wie die Fingern,
    die Oberseite des Kopfes oder die Füße, wird ständig Energie abgeleitet und zerstreut.
    Die Kirlian Fotografie wurde von dem russischen Wissenschaftler Dr. Kirlian entwickelt. In den
    siebziger Jahren entwickelte er eine Kamera, die Fotos von Körperteilen macht. Darauf sind die
    eigentlichen Teile des Körpers nicht sichtbar, aber die Energie, die diese Körperteile umgibt, ist
    sichtbar.

    Mit diesem Gerät haben wir eine Untersuchung in einem Forschungsinstitut in Australien
    durchgeführt. Das Gerät hat eine spezielle Funktion. Ob es sich um eine Münze, ein Blatt oder
    die Hand eines Menschen handelt, es wird auf eine Platte gehalten, ein Licht blitzt auf, und die
    Kamera nimmt beispielsweise das Foto einer Hand auf. Doch auf dem Bild fand man keine
    Hand. Nur ein schwarzer Umriss wurde sichtbar und um jeden Finger herum konnten
    verschiedene Farben von Energien gesehen werden, welche anzeigten, wieviel Energie von
    diesen Körperteilen abstrahlt.

    Wenn Mudras wie Jnana Mudra geübt wurden, konnte beobachtet werden, dass die Energie
    wieder zurück in den Körper fließt. Das bedeutet, dass Recycling von Energie stattfindet. Die
    Energie wird nicht verschwendet, sondern die Energie, die Prana Shakti in unserem Körper,
    wird zurückgewonnen. Der Nutzen in der Anwendung von Mudras ist, dass Energie, die zuvor
    verschwendet wurde, resorbiert wird und erhalten bleibt.

    Bandhas
    Die fünfte Komponente des Hatha Yoga ist die Übung von Bandhas, Verschlüssen, durch
    welche die verschiedenen Energiezentren stimuliert und erweckt werden. Es gibt drei Arten von
    Bandhas: Halsverschluss – Jalandhara Bandha, Bauchverschluss – Uddiyana Bandha und der
    Beckenbodenverschluss – Moola Bandha.

    Bei diesen drei Bandhas gibt es einen physischen Faktor. In verschiedenen Körperbereichen
    existieren grosse Nervenansammlungen. In der Sprache des Yoga ist eine Gruppe von Nerven
    bekannt als Kanda. Eine Gruppe von Nerven befindet sich in der Nähe des Rektums, eine
    andere Gruppe hinter dem Nabel im Bauch und eine dritte Gruppe von Nerven in der Hals
    region. Alle Nerven des Körpers kommen im Halsbereich zusammen und münden ins Gehirn.
    Der Austausch von Empfindungen und Informationen zwischen dem Gehirn und den Sinnen
    und zwischen dem Gehirn und dem Geist findet durch diese Nerven statt.

    Durch die Bandhas wird der Fluss der Empfindungen umgekehrt. Wenn das geschieht, ist der
    Energiefluss auf nur einen Ort konzentriert. In Jalandhara Bandha wird der Hals verschlossen
    und die Blockierung der Empfindungen findet nur im Halsbereich statt. In Uddiyana Bandha
    wird der Bauch verschlossen durch ein Blockieren dieses Körperbereichs.

    Auf diese Weise wird durch die Anwendung verschiedener Techniken, durch welche die
    Empfindungen in bestimmten Körperteilen blockiert werden, Energie erzeugt.

    Hier ist ein Beispiel: Wenn ein laufender Wasserhahn zugedreht wird, entsteht Druck, der
    allmählich steigt. Wenn der Hahn dann wieder geöffnet wird, presst das Rohr das Wasser
    zuerst schnell durch den Hahn und der Wasserdruck normalisiert sich wieder. Auf ähnliche
    Weise vereint die Anwendung von Bandhas die Energie zuerst, indem sie sie blockiert, um
    danach, beim Lösen der Bandhas, die Energie wieder zu verteilen.

    Dies sind die fünf Komponenten von Hatha Yoga. Wenn man Hatha Yoga perfektioniert, wird
    dadurch der Körper, die physische Struktur und das Energiesystem harmonisiert, reorganisiert
    und ausgeglichen und es ermöglicht einem, in die Dimension des Geistes vorzudringen. Durch
    das Ausgleichen und Harmonisieren des Körpers und der Energie gelangt man in die
    Dimension des Geistes, und damit beginnt Raja Yoga.

     

    Du findest das Original im Yogamag.