Der Wunsch nach Veränderung und Verbesserung ist angeboren und Selbstakzeptanz ist ein Prozess. Selbstakzeptanz und der Wunsch sich zu verbessern stehen nicht im Widerspruch. Selbstakzeptanz bedeutet, unser Wesen anzuerkennen oder zu verstehen, wie es gegenwärtig ist und dieses Wesen dann zu verfeinern.
Wir haben unsere Charaktereigenschaften, unsere einzigartige Persönlichkeit und unsere Art, uns auszudrücken. Wir verspüren das Bedürfnis uns zu verbessern, wenn wir erkennen, dass uns etwas fehlt, dass wir in uns etwas verfeinern müssen. Wenn ich das Gefühl habe, ich sollte mich verbessern, setze ich mir ein Ziel, um mich kreativer, positiver und effizienter auszudrücken. Der Wunsch nach Veränderung oder Verbesserung ist jedem Menschen auf natürliche Weise angeboren. Solche Wünsche und die Idee der Selbstakzeptanz werden nur dann unvereinbar, wenn wir die Augen vor unserem eigenen Wesen und der Realität, in der wir leben, verschliessen.
Was ist die Bedeutung von Selbstakzeptanz? Selbstakzeptanz bedeutet nicht, sich zu sagen: „Okay, ich bin halt wie ich bin und genieße es so zu sein.“ Selbstakzeptanz bedeutet, die verschiedenen Aspekte unserer Persönlichkeit so anzuerkennen, wie sie sich manifestieren. Selbstakzeptanz gibt eine Richtung vor, um Harmonie zu erreichen und zu bewahren. Das Ziel von Selbstakzeptanz ist es, im Leben harmonisch zu werden.
Selbstakzeptanz ist ein Prozess, durch den wir uns selbst betrachten, ohne uns über Situationen, mit denen wir konfrontiert sind, aufzuregen, ohne uns von Ereignissen oder Menschen frustrieren zu lassen. Stattdessen bewahren wir unseren inneren Frieden und unsere Ruhe. Wer in allen widrigen, widersprüchlichen und beunruhigenden Lebenssituationen Harmonie, Optimismus und Glück bewahren kann, gilt als Sadhaka, eine übende Person, die gelernt hat, sich selbst zu akzeptieren. Wenn wir nicht in der Lage sind, uns selbst zu akzeptieren, dann gibt es Konflikte, Verwirrung, Probleme und Schwierigkeiten.
Selbstakzeptanz ist somit die Anerkennung des menschlichen Wesens und das Aufrechterhalten der Harmonie, während des natürlichen, spontanen Ausdrucks unserer Persönlichkeit. Der Wunsch sich zu verändern, zu wachsen, sich zu entwickeln, ist angeboren und gibt uns Motivation, Inspiration, Willenskraft, Durchhaltevermögen und Energie. Dies muss das Ziel von Yoga sein.
Wenn es überhaupt eine Errungenschaft im Yoga gibt, dann ist es nicht Samadhi, nicht Moksha, nicht Freiheit, sondern die Entwicklung einer bestimmten Qualität – Verständnis. Die Qualität von Verständnis führt zu Selbstakzeptanz und zum Ausdruck oder zur Erfahrung von Harmonie im Leben.
— 9. September 1999, Ganga Darshan
Das Original findest du im Yoga Magazin vom Januar 2021
