Akzeptanz

Die Stimmung von Leichtigkeit und Glück spiegelt einen Zustand des menschlichen Geistes – die Akzeptanz. In letzter Zeit wird in der Gesellschaft, in politischen und sozialen Kreisen und in den Medien viel über die zunehmende Intoleranz und Nicht-Akzeptanz von Menschen gesprochen. Intoleranz und Nicht-Akzeptanz entstehen, wenn du dich nicht mit anderen Menschen, sondern nur mit dir selbst identifizierst. Intoleranz ist ein egoistischer, selbstbezogener, eigennütziger Ausdruck.

Ein Glas Milch

Toleranz ist der erste und Akzeptanz der letzte Schritt. Du kannst jemanden tolerieren, nicht aber akzeptieren. Doch wenn du akzeptierst, dann geht nichts über diese Akzeptanz hinaus. Wenn dein eigenes Kind schreit, tolerierst oder akzeptierst du es? Wenn ein anderes Kind schreit, tolerierst oder akzeptierst du es?

Im Allgemeinen gründet die menschliche Kultur ihre Evolution, ihren Fortschritt und ihr Wachstum in der materiellen Dimension auf den Prinzipien von Toleranz und Akzeptanz.

Wenn die menschliche Gesellschaft aus Stämmen bestünde, die alle isoliert wären, von Intoleranz und Nicht-Akzeptanz gesteuert, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Wir wären nicht am Leben. Verschiedene Stämme, Gruppen und Kulturen nutzten Integration, wenn Unterstützung und Hilfe benötigt wurden. Toleranz und Akzeptanz waren schon immer die Grundlage für Wachstum und Fortschritt der menschlichen Zivilisation.

Als die ersten Parsen, Menschen aus Persien, nach Indien kamen, landeten sie an der Küste von Gujarat. Sie beantragten beim König Asyl und baten um einen Platz zum Leben. Der König schickte ihnen ein volles Glas Milch und sagte zu dem Boten: „Gib das dem Anführer.“ Der persische Anführer betrachtete das Glas Milch, nahm etwas Zucker und verrührte es. Dann sagte er: „Bring es eurem König zurück.“ Der König nahm das Glas entgegen, kostete die Milch und sagte: „Sie sind willkommen.“

Es war eine einfache, bildliche Handlung. In diesem Ereignis jedoch, symbolisierte das Glas voller Milch die Aussage: „Es gibt keinen Platz für euch. Wir sind bereits voll.“ Doch die Perser nahmen etwas Zucker, mischten ihn und sagten damit: „Keine Sorge. Wir werden uns integrieren und ihr werdet uns akzeptieren. Wir werden eins werden.“ Und sie wurden eins und sind es bis heute. Das nennt man Akzeptanz, nicht Toleranz.

Achte auf die Warnglocke

Akzeptanz bedeutet, dass du mit der Idee, der Umgebung, denjenigen Gedanken und mit allem, was dir Wachstum ermöglicht, eins wirst. Nicht-Akzeptanz bedeutet das Gegenteil. Sie nimmt dir die Unterstützung für dein Wachstum. Akzeptanz schafft die Grundlage für Wachstum.

Toleranz lässt dich deine Individualität anerkennen. Das Anerkennen von Individualität führt zu Trennung, zwei bleiben zwei. Durch Akzeptanz werden die beiden getrennten Individualitäten eins.

Wann immer es Unfrieden gab, lag es an mangelnder Toleranz und an Nicht-Akzeptanz. Es ist ein klarer Hinweis, dass Toleranz und Akzeptanz zu Harmonie führen. In Harmonie gibt es bessere Möglichkeiten und Chancen für Menschen, sich auf ihr Wachstum, ihren Fortschritt und ihre Entwicklung zu konzentrieren. Im Streit ist es schwierig, dein Gleichgewicht zu finden, da du an vielen Fronten für deine geistige, ideologische, wirtschaftliche oder sonstige Befriedigung kämpfst.

Eine heitere und fröhliche Stimmung ist ein Zeichen für Akzeptanz. Im Zustand der Nicht-Akzeptanz gibt es keine Zuneigung und keine Lebensfreude. Die Menschen beobachten und überwachen sich nur gegenseitig. In der Nicht-Akzeptanz herrscht Trennung und fehlende Teilnahme – in Akzeptanz entsteht vollkommene Verschmelzung.

Darum ist es so wichtig, die Starrheit des Geistes und sein Wesen zu beobachten. Wann immer du in einer Situation erkennst, dass Intoleranz und Nicht-Akzeptanz aufkommen, sollte in deinem Verstand eine Warnglocke klingeln, die dir sagt: „Ich bin auf dem falschen Weg, ich bin auf dem falschen Weg.“

— 8. November 2015, Ganga Darshan, Munger

Das Original findest du im Yoga Magazin vom August 2016

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