Religion, Yoga und Liebe

Im Katholizismus heißt es, dass die Feinde des Menschen das Weltliche, der Teufel und die fleischlichen Gelüste seien. Was halten Sie von diesen Dogmen?

Dies wird nicht nur im Katholizismus gesagt, sondern auch im Yoga. Im Yoga verwenden wir nicht das Wort Feind. Wir sagen, dass es drei Hindernisse auf dem Weg zum Göttlichen gibt. Maya ist ein Hindernis, der Verstand ein weiteres und die körperlichen, materiellen Bedürfnisse sind das dritte Hindernis. Wenn du dich zur Meditation hinsetzt, treibt der Verstand alle möglichen Spiele. Du musst die ganze Zeit mit ihm kämpfen. Jahrelang ringst du mit dem Verstand auf alle möglichen Arten.

Dann meldet sich wieder der Körper. Probleme wie Schlaf, Hunger, Erschöpfung oder Müdigkeit sind da. Dazu kommen körperliche Verlangen. Essen ist ein Drang, Schlaf ein anderer, Angst ist der dritte und der sexuelle Drang ist der vierte. Was also im Katholizismus gesagt wird, ist wahr und wird auch im Yoga gesagt. Es ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Diejenigen, die sich in Bhakti üben und versuchen, ihrem eigenen Selbst oder Gott näher zu kommen, müssen sich trotz aller Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit diesen drei Formen von Krankheit stellen. Das Weltliche, der Teufel und das Fleisch sind in meinen Worten – Maya, der Geist und das physische Bewusstsein.

Was ist göttliche Liebe?

Liebe hat zwei Seiten. Die eine ist, das Weltliche zu lieben, die andere, das Transzendente zu lieben. Die transzendente Liebe ist als göttliche Liebe und Bhakti bekannt. Bhakti wird mit Hingabe übersetzt, aber eigentlich ist es Liebe. Wenn du das höhere Selbst liebst und dein Geist völlig von ihm durchdrungen ist, nennt man das göttliche Liebe.

Wenn der Verstand und die Emotionen auf die weltlichen Objekte gerichtet sind, wenn die Emotionen nach vergänglichen Dingen und der Verstand nach den belanglosen Dingen des Lebens streben, dann nennt man das weltliche Liebe. Das ist weltliche Anhaftung. Weltliche Liebe befriedigt den Körper und bringt den Geist durcheinander. Weltliche Liebe bricht das Herz.

Dem gegenüber führt die göttliche Liebe zu innerem Glück. Sie gibt dem Herzen Frieden, bringt dem Geist Konzentration und reinigt schließlich den gesamten Körper. Wenn dein Geist auf Gott, deinen Guru, die Schöpfung Gottes, die Schülerinnen und Schüler deines Gurus und die hilfsbedürftigen Menschen gerichtet ist, dann ist das die Verkörperung göttlicher Liebe. Wenn du dich selbst, deine Frau, deinen Mann, deine Kinder und deine eigenen Dinge liebst und genießt, wenn der Zweck der Liebe der persönliche Genuss ist, dann wird das weltliche Liebe genannt. Im Yoga ist Bhakti die höhere Liebe.

–9. Januar 1981, Satsang mit einer Gruppe aus Kolumbien

Das Original findest du im Yoga Magazin vom Oktober 2022

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