Hatha Yoga

Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

Beinhaltet Hatha Yoga Asana und Pranayama?
Akademisch gesehen, nein. Hatha Yoga beinhaltet vorwiegend Neti, Dhauti, Basti, Kapalbhati,
Nauli und Trataka, die Shatkarmas genannt werden. Aber Asana und Pranayama werden
gängiger Weise als Teil von Hatha Yoga angesehen. In Raja Yoga gibt es Asanas und auch
Pranayama. Ich nenne euch die akademische Unterscheidung, aber eigentlich gibt es keinen
Unterschied. Hatha Yoga und Raja Yoga sind das Gleiche.

Kapalbhati ist einer der Shatkarmas, es ist aber auch ein Pranayama und eine Kriya. Während
andere Pranayamas ein einigermaßen gereinigtes System erfordern, ist dies für Kapalbhati
nicht nötig, weil es selbst reinigend wirkt, deshalb fällt es unter die Shatkarmas.

Welches ist die geeignetere Übung für eine gebildete Person, Hatha Yoga oder Gyana
Yoga?
Wenn eine gebildete Person ein körperliches Problem hat, sollte sie sicherlich Hatha Yoga
üben. Wenn eine ungebildete Person philosophische Probleme hat, dann sollte sie sich Gyana
Yoga zuwenden. Es kommt auf das Problem an. Wenn du krank bist, wirst du fragen: ‘Zu
welchem Arzt soll ich gehen, einem Chirurgen, einem ayurvedischen Arzt, einem Homöo
pathen, einem Schulmediziner usw.?’ Wenn du einen entzündeten Blinddarm hast, musst du zu
einem Chirurgen gehen. Gleichermassen sollte sich eine Person bei körperlichen oder
geistigen Beschwerden, wenn die Nadis nicht in vollendeter Harmonie arbeiten, zuerst Hatha
Yoga Übungen widmen.

Was ist der eigentliche Unterschied zwischen der Übung von Kapalbhati und Bhastrika
Pranayama?
In beiden Übungen, Kapalbhati und Bhastrika, ist die Atmung schnell, aber in Kapalbhati liegt
der Schwerpunkt bei der Ausatmung, während bei Bhastrika die Einatmung und die Ausat
mung ausgeglichen sind. Bei Bhastrika ist der Übende sich der Bewegung des Bauches
bewusst und erlangt schrittweise die Kontrolle darüber, während in Kapalbhati die Aufmerk
samkeit auf den frontalen Bereich des Gehirns gerichtet ist.

Man erreicht den maximalen Nutzen von Pranayama wenn die Bandhas mit Kumbhaka (der
Atempause) geübt werden. Pranayama stimuliert den Pranafluss und die Bandhas kontrollieren
diesen Fluss und lenken ihn in die erforderlichen Bereiche. Wenn du Moola Bandha (Kontrak
tion im Perineum) und Jalandhara Bandha (Halsverschluss) durchführst, dann zwingst du
Apana (die Vitalenergie im unteren Bereich des Körpers, unterhalb des Bauchnabels) nach
oben zu fließen und sich mit Prana (der Vitalenergie im Bereich zwischen Kehlkopf und
Herzansatz) zu vereinigen.

Wenn sich Prana und Apana vereinen ist das eine fantastische Erfahrung, die Vitalität erzeugt
und dabei hilft, die Kundalini zu erwecken.

Neti klärt den Nasenkanal und hilft bei der Heilung von Erkältungen und Nasennebenhöhlen
entzündungen, sowie bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns und wirkt daher heilsam
bei Epilepsie, Hysterie, Migräne und Depression. Es erzeugt ein allgemeines Gefühl von
Leichtigkeit und Frische im Kopf und beseitigt Schläfrigkeit. Spirituell gesehen hilft es bei der
Erweckung von Ajna Chakra. In Jala Neti wird Wasser verwendet und in Sutra Neti wird ein mit
Wachs versehener Baumwollfaden oder ein dünner Gummikatheter in ein Nasenloch eingeführt
und durch den Mund herausgezogen.

Erzählen Sie uns etwas über Trataka.
Das Sanskritwort ‘Trataka’ bedeutet stetiges Blicken. Wenn dich jemand für eine lange Zeit an
starrt, dann nennst du das Trataka. Es gibt viele Wege Trataka zu üben. Manche Leute üben
Trataka mit einer Kerzenflamme, mit einem schwarzen Punkt, einem Kristall, dem Mond, einem
Bild oder Symbol, mit den Reflexionen auf der Wasseroberfläche oder dem eigenen
Spiegelbild.

Trataka ist eine sehr wichtige Übung und eine direkte Methode, um den Geist zu beeinflussen.
Das Auge ist eigentlich eine Verlängerung des Gehirns und der optische Nerv ist einer der
zwölf Hirnnerven, die direkt aus dem Gehirn hervorgehen, nicht aus der Wirbelsäule. Deshalb,
wenn wir den Sehappart in Anspruch nehmen, beeinflussen wir das Gehirn. Die Yogis
entdeckten, dass das Ruhigstellen der Augen beim Starren auf einen Punkt, entweder auf das
Augenbrauenzentrum, die Nasenspitze oder auf einen Punkt außerhalb des Körpers, sich
unmittelbar und positiv auf das Gehirn auswirkt. Dies wiederum hat eine wechselseitige
Wirkung auf die Augenbewegung, auf die Netzhaut und den ganzen visuellen Apparat.
Wenn du eine schlafende Person beobachtest, kannst du feststellen, ob sie tief schläft oder
träumt. Du kannst aufgrund der Augenbewegung sofort sagen, ob sie sich sorgt, fürchtet,
ängstigt, träumt, nachdenkt, schläft oder in Samadhi ist. Im Tiefschlaf können die Augen
automatisch Shambavi Mudra einnehmen. Wenn eine Person träumt, dann gibt es Augenbe
wegungen, die gesehen, gefühlt und durch Maschinen auch gemessen werden können. Im
Zustand von tiefer Meditation sind die Augäpfel normalerweise auf den Punkt zwischen den
Augenbrauen oder die Nasenspitze zentriert, und wenn ein Mensch stirbt, rollen die Augäpfel
im Allgemeinen direkt nach oben, sie bleiben niemals im Zentrum. Die Augen einer ängstlichen
Person sind unstet, und durch das Beruhigen der Augen können wir gewöhnlich die
unkontrollierten Schwankungen eines ängstlichen Gehirns überwinden.

 

Du findest die Zitate Original im Yogamag.