Author: admin

  • Botschaft an den Sadhak

    Tatsächlich liegt die Kraft in dir.
    Was du brauchst, ist Vertrauen,
    und ein wenig Übung.
    Sogar jetzt besitzt du diese Kraft,
    obwohl sie verborgen liegt.
    Verwirkliche diese Kraft
    durch direkte Intuition.
    In dir ist die Weisheit.
    Tauche tief ein, geh in dich hinein,
    und du wirst die Perle verwirklichen.
    Wenn du Konzentration übst und meditierst,
    wirst du die Wahrheit tatsächlich erkennen.
    Das ist Siddhi.
    Wann immer du denkst,
    denke selbstbewusst.
    Du kannst sicher sein, das,
    was du denkst, wird eintreten.
    Du musst das Höchste verwirklichen.
    Unwesentliche Siddhis können dich nicht leiten.
    Halte dieses Verständnis aufrecht
    um dein Üben zu stärken.
    Lass die Form beständig werden
    und die Bewusstheit konstant,
    dann wirst du das Licht sehen.
    Die Form wird bewusst.
    Auf diese Weise zeigt sich der Fortschritt:
    Dies ist der Schlüssel.

    Hari Om Tat Sat

     

    Link zum Yogamag (November 2021)

  • Bewusstheid im täglichen Leben

    Bewusstheit im täglichen Leben 1/3 14.04.2022

    Es reicht nicht, inneres Gewahrsein durch Meditation zu entwickeln. Die Anwendung im
    täglichen Leben ist notwendig. Sonst ist es, als würde man einen Kuchen backen, ohne ihn je
    zu essen. Durch Meditation schärfst und reinigst du dein Bewusstsein, aber wenn es darum
    geht, es im täglichen Leben anzuwenden, tust du es nicht. Aus diesem Grund werden das
    tägliche Leben und das spirituelle Leben zu zwei verschiedenen und widersprüchlichen
    Realitäten. Wenn du willst, dass dir die Bewusstheit, die du entwickelt hast, sowohl im
    spirituellen wie auch im materiellen Leben hilft, musst du eine Methode anwenden, um ein
    wenig Energie aus dieser grundlegenden Quelle des Gewahrseins zu nehmen und sie mit
    deinen täglichen Aktivitäten in Verbindung zu bringen. Sonst wirst du niemals dein volles
    Potenzial verwirklichen. Im Yoga und in anderen Wissenschaften, die mit Yoga zu tun haben,
    gibt es Methoden, mit denen das höchste Bewusstsein auf das tägliche Leben angewendet
    werden kann.
    —1974, Sivanandashram, Munger published in Early Teachings of Swami Satyananda Volume II

    Bewusstheit im täglichen Leben 2/3 21.04.2022

    Die Visionen, die Erfahrungen des Unterbewussten, die du während der Meditation erlebst,
    sind nicht alles. Sie sind nur Anzeichen für eine wachsende Konzentration. Sie beweisen, dass
    dein Bewusstsein verschiedene Dimensionen und verschiedene Stadien deines Seins
    durchschreitet. Viele spirituell Suchende, Entsagende oder Übende, die mitten in der
    Gesellschaft leben, sind während der Meditation tief nach innen gegangen. Einigen gelingt es
    die Bewusstheit für den physischen Körper vollständig zu transzendieren. Dennoch waren sie
    nicht in der Lage, irgendetwas zu erreichen. Sie waren nicht in der Lage, irgendetwas im Leben
    zu verstehen. Wenn man ihnen etwas erklärt, vergessen sie es. Ihnen fehlt die Kraft der
    Erinnerung und die Fähigkeit zu verstehen. Sie haben die Kraft der ständigen Bewusstheit
    komplett reduziert.
    Dies geschieht, weil ihr Alltag — das sinnliche und weltliche Leben — und ihr spirituelles
    Leben, zu zwei verschiedenen Leben werden. Parallel zu den Meditationstechniken sollten die
    Methoden des Hatha Yoga, des Bhakti Yoga, des Jnana Yoga und vor allem des Karma Yoga
    geübt werden. Es ist falsch zu behaupten, dass man zuerst Karma Yoga üben muss, und erst
    wenn man darin erfahren ist, geht man zu Bhakti Yoga oder Raja Yoga über. Nein, so verhält es
    sich nicht. Alle diese Aspekte des Yogas sollten kombiniert geübt werden. Man muss auch
    verstehen, wie man sie zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge einsetzt. Die richtige
    Dauer, Tiefe, Intensität und Gewichtung muss für jede einzelne Methode festgelegt werden.

    Bewusstheit im täglichen Leben 3/3 27.04.22

    Wenn du ein emotionaler Mensch bist und nicht weißt, wie du deine überschüssigen Emotionen
    nutzen kannst, wirst du mehr auf Bhakti Yoga Methoden zugreifen. Wenn du überwiegend
    psychisch veranlagt bist, liegt der Schwerpunkt mehr auf der Meditation. Wenn du von deinem
    Temperament her rational bist, wirst du den Schwerpunkt auf Jnana Yoga legen müssen. Und
    genauso wird Karma Yoga für alle spirituell Suchenden wichtig. Nicht nur, weil Karma
    notwendig ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Karma ist notwendig, um das formlose
    Bewusstsein, das reine Bewusstsein, in tatsächlicher Arbeit auszudrücken.
    Ich möchte dir vermitteln, dass die Wurzel der Kraft im Menschen, das Bewusstsein ist. Wenn
    dieses spezielle Gewahrsein durch allmähliche Übung und Bemühung entwickelt werden kann,
    erlaubt es dir, in den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit — physisch, mental, psychisch
    und spirituell — zu zirkulieren, zu wirken und mit ihnen zu korrespondieren.
    Manchmal kommt es vor, dass Menschen eine erhabenere spirituelle Persönlichkeit entwickeln,
    so sehr, dass sie das Göttliche überall und in allem erkennen. Sie sehen überall das Einssein.
    Es ist ein Stadium im spirituellen Leben, in dem sie sich der Einheit von allem bewusst werden.
    Man mag es eine Halluzination oder eine subjektive Vorstellung nennen, aber es ist reines
    Bewusstsein. Man sieht keinen Unterschied mehr zwischen sich und den anderen. In diesem
    Moment verschwinden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen. Man sieht
    keinen Unterschied zwischen Religionen, ethnischer Herkunft, Hautfarben, Geschlechern,
    Gruppen und so weiter. Dies ist eine große Errungenschaft für den Menschen und die größte
    Kraft, die wir auf diese Erde bringen können.

     

    Link zum Yogamag Dezember 2021

  • Auszüge aus dem Buch Mere Aradhya

    Swami Dharmashakti Saraswati war die erste Schülerin von Swami Satyananda Saraswati. In
    den mehr als 50 Jahren der Verbundenheit und Zusammenarbeit mit ihm, konnte sie miterleben
    mit welchem Fokus, mit welcher Hingabe und mit welch unerschütterlichem Einsatz er die
    ursprüngliche Lehre des Yoga – das Yoga Vidya – erforschte und den Menschen der heutigen
    Zeit zugänglich machte.

    Das Buch Mere Aradhya – Mein geliebter Guru ist ein einzigartiges Zeugnis. Swami
    Satyananda hat Swami Dharmashakti, in vielen persönlichen Gesprächen, Episoden aus
    seinem eigenen Leben offenbart und ihr auf diese Weise unzählige, praktische Lehren erteilt.
    Das Buch gibt einen Einblick in alle Lebensphasen dieses grossen Meisters des integralen
    Yogas.

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda wie er als Teenager die erst Begegnung mit
    einer Tantrischen Yogini hatte und von ihr in verschiedene esoterische Wissenschaften und
    Erfahrungen eingeweiht wurde.

    Das Buch Mere Aradhya – My Beloved Guru ist auf Satyam Yoga Prasad in Deutscher Sprache
    publiziert. Du findest es bei den eBooks, unter 1st Chapter Books in der Abteilung “Spiritual
    Life”.

    Begegnung mit einer tantrischen Yogini 10.5.2023

    Im Alter von siebzehn oder achtzehn Jahren hatte ich eine zufällige Begegnung mit einer
    tantrischen Yogini in Nainital. Sie war viel älter als ich. Damals hatte ich keine Ahnung, worum
    es bei der Beziehung zwischen Guru und Schüler geht. Ich wollte nicht einmal ein Sannyasin
    sein. Als unbekümmerter Jugendlicher, der die Schule besuchte, interessierte ich mich mehr für
    die schulischen Aktivitäten und Sportarten wie Kricket, Fußball und Hockey. Da ich aus einer
    Kshatriya Familie stamme, hatte ich auch ein gewisses Maß an Stolz und Eitelkeit. Ich glaubte,
    alles tun zu können, was ich wollte. Aber irgendwie hat die Yogini die Oberhand über mich
    gewonnen.

    Eines Tages, als ich am See in Nainital spazieren ging, sah ich sie von weitem. Sie saß auf
    einem Felsen und wie eine Sannyasini hatte sie ihr Chillum, ihre Tabakpfeife, neben sich. Ein
    paar Leute saßen um sie herum. Ich beachtete sie nicht, schenkte ihr keine große
    Aufmerksamkeit und setzte meinen Weg fort. Aber sie sah mich und rief: „He, junger Mann!
    Komm her!“ Ich drehte mich um und sah in ihre Richtung. Ja, sie hatte mich tatsächlich
    gerufen. Ich war es nicht gewohnt, Befehle zu erhalten. In meinem ganzen Leben hatte mich
    noch nie jemand herumkommandiert.

    Aber diese Frau hatte gerufen: „Hey! Komm her.“ Ich empfand dies als den Gipfel der
    Unhöflichkeit. Ihre Worte und ihr Tonfall hatten meinen Stolz verletzt. Aber überraschenderweise
    gehorchte ich ihr wie ein sanftes Lamm. Ruhig ging ich zu ihr hinüber. Sie reichte mir ein Gefäß
    und sagte: „Geh und hol mir etwas Milch. Ich möchte gerne einen Tee trinken.“ Sie gab mir
    nicht einmal Geld.

    Jedenfalls ging ich zum nahen gelegenen Basar von Nainital und kaufte Milch für sie. „Setz
    dich“, befahl sie, als ich mit der Milch zurückkam. Wieder gehorchte ich sanftmütig. Sie reichte
    mir ihr Chillum, aber ich sagte: „Nein, ich rauche nicht.“

    „Was!“, rief sie. „Wenn ich dir etwas anbiete, solltest du es besser annehmen.“ Zögernd nahm
    ich einen langen, tiefen Zug. Es schmeckte mir überhaupt nicht. Ich sagte mir: „Tee ist gut,
    Kaffee ist gut, sogar Schokolade ist gut. Aber dieses Chillum? Das ist nichts als
    geschmackloser Rauch.“ Dennoch nahm ich gehorsam noch ein paar Züge.

    Es waren auch ein paar andere Menschen da, aber keine gebildeten Leute, nur Dorfbewohner
    ohne Bildung. Sie erzählte ihnen von Ajna Chakra, Kundalini, Nadis, Lokas und anderen
    esoterischen Themen. Damals las ich Bücher von bedeutenden Swamis und Sannyasins wie
    Swami Dayananda, Swami Vivekananda und Acharya Satyadev von der Aryasamaj. Ich las
    Bücher über Kundalini und die Chakras. Während ich ihr zuhörte, erklärte sie jedes Thema sehr
    genau. Ihre Beschreibungen waren äußerst verständlich und klar.

    „Wovon in aller Welt redet sie?“ Ich war erstaunt. Ich hatte sie für eine rüpelhafte, törichte
    Dorfbewohnerin gehalten, aber ihr Wissen über die esoterischen Wissenschaften war
    erstaunlich. Ich schaute sie mir genauer an. Sie sprach über die Brahma und die Chitrini Nadis.
    Nachdem ich endlich nach Hause zurückgekehrt war, gingen mir ihre Worte nicht mehr aus
    dem Kopf. Sie war wirklich eine außergewöhnliche Frau.

    Ich, der ich in einer Kshatriya Familie geboren und aufgewachsen war und nie von jemandem
    einen Befehl angenommen hatte, begann ihr zu gehorchen wie ein Schoßhund. Bis zu diesem
    Tag hatte mir niemand befohlen, ich solle dies oder jenes tun. Wenn es jemand wagte, dies zu
    tun, lautete meine Antwort: „Pass auf! Wer erlaubt dir, mir zu sagen, was ich tun soll?“ Ich habe
    immer wie ein König gelebt, der anderen befiehlt und sie herumkommandiert. Selbst wenn mein
    Vater mir eine Anweisung gab, hörte ich nicht auf ihn. Einmal sagte er mir, ich solle die Gita
    studieren. „Vergiss es, das tue ich nicht“, antwortete ich. Er versuchte mich zu zwingen. Ich
    nahm eine Pistole, zielte auf ihn und sagte: „Ich werde sie nur lesen, wenn ich es will. Sprich
    kein einziges Wort mehr davon.“

    Doch nun folgte ich jeder einzelnen Anweisung, die mir die Yogini gab. Sie rief mich und ich
    ging zu ihr. Sie sagte mir, ich solle Milch holen und ich brachte ihr die Milch. Sie bat mich,
    hinzusitzen und ich setzte mich. Sie reichte mir das Chillum und ich nahm es. Alles, was ich tat,
    ging gegen meine Natur. Erst als ich nach Hause zurückkehrte, wurde mir klar, wie mächtig und
    beherrschend ihre Persönlichkeit war.

    Am nächsten Tag suchte ich sie wieder auf und so begann eine Reihe von Begegnungen. Ich
    traf sie jeden Abend und sie erzählte mir ungefähr das Gleiche über Mooladhara Chakra, Ida
    und Pingala Nadis, Prana und Swara, über das viele Swamis in ihren Büchern geschrieben
    hatten. Manchmal sprach sie auch über die verschiedenen Zweige des Tantras wie Vamachara,
    Kaulachara und Dakshinachara. Ihrer Meinung nach war Vamachara, der linke Pfad, der beste.
    Das wollte mir nicht in den Kopf. Wenn Vama Marga tatsächlich der überlegene Pfad war, dann
    müsste jeder, der dem „natürlichen Lauf der Dinge“ folgte, erleuchtet werden. Aber niemand
    erlebte irgendeine Art von Kundalini Erwachen, es wurden nur immer mehr Kinder gezeugt!
    Ihre Argumente in diesem Punkt befriedigten mich nicht.

    Einmal fragte ich sie: „Woher hast du all dieses Wissen? Welche Bücher hast du gelesen?“
    „Bücher?“, erwiderte sie scharf. „Ich weiß nicht einmal, wie man ein Buch hält!“
    Das stimmte tatsächlich. Sie war Analphabetin und sehr hässlich, fett wie ein Büffel und
    schwarz wie Kohle. Ihr Körpergeruch war äußerst widerwärtig. Sie badete nie, wechselte ihre
    Kleidung nicht und putzte sich nie die Zähne. Ihre Sprache war sehr ungehobelt und vulgär.
    Jeder zweite Satz endete mit einem Kraftausdruck. Jeder und Jede in ihrer näheren Umgebung
    konnte Ziel einer Standpauke werden. Dennoch sprach sie mit großartiger Kompetenz über
    Tantra, Kundalini und Nadis. Sie sprach ausführlich über die verschiedenen Stufen der
    Selbstverwirklichung, erklärte den Ursprung der Unwissenheit und ihre endgültige Auflösung.
    Sie sprach über Dinge, die in den erhabensten Schriften erwähnt werden, ohne den Bezug zu
    diesen Schriften zu kennen.

    „Würdest du mir Tantra beibringen?“ fragte ich sie eines Tages.
    „Ja“, antwortete sie.
    „Vama Marga, der linke Pfad? “ fragte ich erneut.
    „Ja.“
    „Shmashan Tantra, das Tantra, das auf dem Verbrennungsplatz geübt wird?“
    „Ja.“
    „Kapal Tantra, das Tantra, das mit Totenschädeln geübt wird?“
    „Ja.“

    Ich ging zu meinem Vater und erzählte ihm, dass ich eine tantrische Yogini nach Hause
    einladen und Tantra von ihr lernen wollte. „Gut“, sagte er, „wie du willst.“ Ich lud sie in unser
    Dorf ein und bald kam sie. Wir hatten eine wunderschöne Höhle am Fluss, in einer Ecke
    unseres Grundstücks, und sie begann dort zu leben. Sie hatte strikte Anweisungen gegeben,
    dass niemand dorthin kommen sollte. Sie begann schon am frühen Abend zu trinken, rauchte,
    aß Fleisch und das die ganze Nacht hindurch. Sie rauchte Tag und Nacht Ganja in ihrem
    Chillum, als ob es ihr eigener Atem wäre. Tagsüber warf sie alle ihre Kleider ab und schlief im
    Freien wie ein riesiger Büffel. Ich glaube, wenn jemand sie in diesem Zustand gesehen hätte,
    hätte er einen Herzinfarkt bekommen. So monströs und grotesk war ihr Aussehen.

    Nachdem ich alle notwendigen Vorkerungen für ihren Aufenthalt getroffen hatte, kehrte ich
    nach Almora zurück. Eine Woche später besuchte ich sie und fragte: „Was ist jetzt der Plan?“
    „Komm um Mitternacht hierher“, antwortete sie. „Aber bring kein Gewehr mit“, fügte sie hinzu.
    Im Dschungel von Kumaon kann man nachts nicht ohne Gewehr herumlaufen. Tiger,
    Leoparden, Wölfe und andere wilde Tiere streifen überall umher. In dieser dunklen Nacht
    musste ich ohne mein Gewehr 2,5 Kilometer durch den Dschungel laufen. Ich weiß nicht wie,
    aber ich habe es geschafft, ihre Höhle zu erreichen. Und in dieser Nacht hatte ich tiefe
    spirituelle Erfahrungen. Diese Erlebnisse waren nicht von dieser Welt, sie waren aber auch
    keine bloßen Träume. Sie hatten mit dem Erwachen von Shakti zu tun.

    Ich lernte Vama Marga von ihr und übte es etwa sechs Monate lang. Ich besuchte sie jedes
    Wochenende und während dieser Zeit hatte ich erstaunliche Erfahrungen. Ich verlor die
    Bewusstheit für meinen Körper und mein Bewusstsein schwebte über die irdische Ebene
    hinaus, wo weder Sonne noch Mond existieren. Ich muss sie in dieser Zeit etwa 50 mal besucht
    haben. Ich blieb die ganze Nacht bei ihr und kehrte am Morgen nach Hause zurück. Jede
    Nacht musste ich Schnaps trinken. Sie brauchte auch Fleisch, wofür ich sorgen musste.

    Obwohl ich in dieser Zeit viele überwältigende Erlebnisse hatte, verlor ich weder mein geistiges
    Gleichgewicht noch meine mentale Gesundheit. Ich behielt die Kontrolle über mich, ging zur
    Schule, erschien zu meinen Prüfungen und nahm an allen anderen Schulaktivitäten teil. Auch
    war ich Klassensprecher und Kapitän der Schulmannschaft und musste für vieles
    Verantwortung übernehmen. Ich verhielt mich normal und erfüllte alle meine Pflichten
    gewissenhaft.

    Aber innerlich hatte ich die gleiche Erfahrung, wie Kaka Bhushundi in Lord Ramas Mund. Erst
    nachdem ich über Kaka Bhushundi im Ramacharitamanas gelesen hatte, verstand ich meine
    eigene Erfahrung. Ich hatte genau die gleiche Erfahrung wie Ma Yashoda, als der kleine
    Krishna seinen Mund für sie öffnete. Ich verstand es, als ich die Beschreibung in der
    Bhagavata Purana las. Die Yogini schenkte mir eine transzendentale Erfahrung, die außerhalb
    der Grenzen meines Körpers, meiner Sinne, meines Verstandes und jenseits aller Definitionen
    und Beschreibungen lag, die in meinem gesamten Wortschatz existierten. Diese Erfahrung wird
    im Allgemeinen als Shaktipat bezeichnet, aber sie nannte es Gnade.

    Sie war eine sehr kompetente Lehrerin. Ihr Name war Sukhman Giri und sie war eine Sannyasini
    des Juna Akhara. Eines Tages sagte sie plötzlich: „Ich gehe.“
    „Dann weihe mich bitte ein, bevor du gehst“, flehte ich sie an.
    „Nein“, antwortete sie mit Nachdruck, „ich gebe niemandem eine Einweihung. Du musst
    deinen eigenen Guru finden.“

    Dann fügte sie hinzu: „Ich bin diejenige, die dir diese Erfahrungen geschenkt hat. Du hast sie
    nicht selbst verdient. Dies ist nur ein kleiner Einblick in die übersinnlichen Reiche, die ein
    Anwärter irgendwann auf seiner spirituellen Reise erfahren muss. Geh nun und erwirb dir diese
    Erfahrungen selbst.“

    „Wie?“ fragte ich.
    „Such deinen Guru“, sagte sie und ging rasch davon.
    Von diesem Zeitpunkt an suchte ich weiter nach demjenigen, der mir helfen würde, diese
    schwer fassbaren Erfahrungen wieder zu erlangen …

    •••••••

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda, wie Swami Sivananda ihm eine Lektion zum
    Thema Entsagung erteilte.

    Swami Sivanandas praktische Unterrichtstechniken 22.5.2023

    Eines Tages kam Swami Sivananda, um mein Zimmer zu inspizieren. Er schaute in meinen
    Schrank. Er war leer. Auch das Bett war leer. „Hast du nicht einmal ein Glas zum Trinken?“,
    fragte er.
    „Nein, das habe ich nicht“, antwortete ich.
    „Warum?“, fragte er.
    „Weil ich nicht gerne viele Dinge horte und aufbewahre“, entgegnete ich ihm.
    „Was! Wo hast du diesen Unsinn gelernt?“ rief Swami Sivananda. Er war ein Mann der wenigen
    Worte. Er sprach nur, was nötig war. Als er am Abend in sein Kutir hinunterging, wies er an,
    dass acht Matratzen, Steppdecken, Moskitonetze, acht Gläser, ein Petroleumkocher, eine
    Flasche Petroleum und ein Paket mit Tee und Zucker in mein Zimmer gebracht werden sollten.
    Ich konnte nicht verstehen, warum all diese Dinge in mein Zimmer geschickt worden waren. Ich
    dachte, dass mein Zimmer vielleicht als Lager dienen sollte. Also stellte ich die Sachen in eine
    Ecke und vergaß sie.

    Viele Tage später besuchte Swamiji wieder mein Zimmer. Er schaute sich alles an und fragte
    dann: „Brauchst du den Tee, den ich dir geschickt habe?“
    „Nein“, sagte ich.
    Swamiji hat mich so in die Enge getrieben, dass ich schon am nächsten Tag anfing, Tee zu
    kochen. Und ich begann auch, mein Zimmer abzuschließen.
    Eines Tages kam Swamiji wieder vorbei und fragte: „Ist der Tee aufgebraucht?“
    „Nein“, antwortete ich, „Ich mache jeden Tag nur wenig.“
    © Satyananda Yoga Freundeskreis. Vervielfältigung und Weiterverbreitung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung von SYF.
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    „Für wen machst du ihn?“, fragte er.
    „Für mich natürlich“, sagte ich.
    „Ach!“, schimpfte er, „warum rufst du nicht Madhavananda, Krishnananda und die anderen und
    gibst ihnen auch Tee?“
    „Was für eine Qual!“ sagte ich zu mir selbst. „Hier war ich ohne ein einziges Glas und jetzt
    muss ich Tee für zwei machen!“ Als Swami Sivananda schließlich erkannte, dass dieser dumme
    Schüler völlig blind für seine Lehren war, rief er mich zu sich und sagte: „Schau Satyam! Es ist
    nichts Falsches an Geld und Besitz, Matratzen und Decken, Tee und Zucker – du kannst alles
    haben, solange du es für andere nutzt. Diejenigen, die selbst keinen Tee trinken, können ihn
    trotzdem für Andere zubereiten.“

    Dann fragte er: „Studierst du die Gita?“
    „Ja“, antwortete ich und fügte hinzu, „regelmäßig.“
    „Von heute an hörst du auf, dieses Buch zu studieren. Beginne stattdessen, reichlich Geld bei
    dir zu haben. Beziehe fünf Zimmer statt eins. Behalte 30 Matratzen. Gib jedem, der in dein
    Zimmer kommt, Tee. Gib den Kranken Medizin.“
    „Ist dies das richtige Verhalten für einen Sannyasin?“, fragte ich skeptisch.
    „Sobald du erkennst, dass andere durch ein solches Verhalten große Freude und Trost
    erfahren, wird sich dein eigenes Glücklichsein vervielfachen. Deshalb sage ich zu dir, behalte
    alles. Behalte Medikamente und gib sie den Kranken, behalte Decken und gib sie den
    Bedürftigen.“
    „Das ist alles schön und gut, Swamiji“, sagte ich, immer noch nicht überzeugt, „aber es ist sehr
    heikel. Es ist sehr einfach, in die Falle von Maya zu tappen.“
    „Nein“, sagte Swamiji und schüttelte den Kopf. „Wenn du die Herrlichkeit von Seva, die Größe
    des Dienens, verstehen willst, dann ist dies mit Sicherheit der Weg, dem du folgen solltest.
    Andere erfahren durch solche Taten Trost und Glück. Wenn du das erkennst, wirst du dich
    selbst glücklich und zufrieden fühlen.“

    Von da an verwandelte sich mein Zimmer in ein wahres Museum – Medizin, Briefumschläge,
    Briefmarken, Bleistifte, Füller – einfach alles konnte man in meinem Zimmer erhalten. Jemand
    kam in mein Zimmer und sagte: „Ich brauche diese und jene Sache.“
    „Klar“, antwortete ich, „es ist in jener Ecke. Bediene dich.“
    Jemand kam stöhnend: „Swamiji, ich habe furchtbare Bauchschmerzen.“
    „Hier, nimm diese Medizin“, sagte ich, „Dann geht es dir bald wieder gut.“

    Allmählich wurde mir klar, dass Entsagung nicht bedeutet, dass man physische Objekte
    aufgibt. Vielmehr ist es der Verzicht auf Selbstsucht. Nicht für sich selbst, sondern für andere
    zu arbeiten, ist wahre Entsagung. Kaamyanam karmanaam nyaasam – „Die Entsagung von
    selbstsüchtigen Wünschen und Handlungen ist Sannyasa“; nun war ich in der Lage, diesen
    Vers aus der Gita vollständig zu würdigen.

    Im folgenden Artikel schildert Swami Satyananda, wie ihm Swami Sivananda eine Lektion zum
    Thema Gehorsam erteilte.

    Schlimme Folgen des Ungehorsams 12.6.2023

    In Haridwar fand gerade die Kumbha Mela statt. Die Menschen kamen und gingen in großer
    Zahl. Auch ich beschloss, zur Mela zu gehen und in der heiligen Ganga zu baden. Aber Guruji
    sagte: „Satyam, morgen findet eine besondere Puja statt und du bist für die Zubereitung des
    Prasad verantwortlich. Du wirst morgen nicht an der Mela teilnehmen können.“

    Das Kind in mir rebellierte gegen diese Anweisung. „Natürlich werde ich gehen“, sagte ich mir.
    „Ich werde meine Pflichten erfüllen und dann gehen, was sonst!“
    Um Mitternacht fing ich an, meine Aufgaben zu erledigen. Am frühen Morgen war das Prasad
    fertig und ich machte mich auf den Weg zur Mela …

    Als ich mich auf dem Weg zum Bade Ghat in Haridwar befand, drängte sich eine große
    Menschenmenge in meine Richtung und in dem daraus resultierenden Gedränge verlor ich
    mein Oberteil. Die Menschenmenge war so groß, dass es schwierig war, sich überhaupt
    umzudrehen, geschweige denn etwas zu suchen. Irgendwie schaffte ich es, das Ghat zu
    erreichen. Ich stieg ins Wasser, aber auch dort wimmelte es nur so von Pilgern. Jemand trat auf
    eine Ecke meines Dhotis (Anmerkung: Indisches Beinkleid, bestehend aus einem grossen
    Tuch). Bevor ich das Gleichgewicht meines Körpers oder die Kontrolle über mein Dhoti
    wiedererlangen konnte, strömte eine weitere große Menschenmenge herbei und siehe da, auch
    mein Dhoti verschwand. Die schmachvolle Entkleidung von Draupadi kam mir in den Sinn …
    Ich stand hüfttief im Wasser, ohne einen Fetzen Kleidung am Körper. Ich bedauerte mein
    Schicksal und erinnerte mich an die Ermahnung meines Gurus. Ich schaute mich um, in der
    Hoffnung, einen Bekannten zu finden, aber es war kein vertrautes Gesicht in der Nähe. Ich
    sprang aus dem Wasser und versuchte verzweifelt, meine Scham zu verbergen, indem ich
    schnell auf den nächsten Baum zusteuerte. Irgendein Pilger muss in der Nacht zuvor ein Feuer
    unter dem Baum angezündet haben. Die Asche kam mir sehr gelegen. Schnell bestrich ich
    meinen ganzen Körper mit der Asche und tat mit geschlossenen Augen so, als wäre ich in
    tiefer Meditation versunken. „Da es so viele Naga Sadhus gibt“, sagte ich mir, „sollte einer mehr
    keinen Unterschied machen …“

    Meine List tat ihre Wirkung. Einige Pilger hielten mich für einen großen Siddha Naga und legten
    mir Geld und Essbares zu Füßen. Bald wurde aus dem Rinnsal ein Wolkenbruch und vor mir
    sammelte sich ein Haufen Geld, Früchte und Süßigkeiten. Es vergingen Stunden, aber ich
    bekam keine Tücher als Spende. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass jemand vor mir stand und
    mich ansah. Als ich meine Augen öffnete, fiel mein Blick auf einen Bekannten. Er war
    schockiert, mich in diesem Zustand zu sehen.

    „Ich habe jetzt keine Zeit zum Reden“, sagte ich ungeduldig. „Hole mir schnell ein paar
    Klamotten und befreie mich aus diesem Dilemma. Ich werde dir später alles erklären.“
    Als ich mich schließlich auf den Weg zurück zum Ashram machte, sah ich Swami Sivananda
    am Tor stehen. Vielleicht hatte er auf mich gewartet. Sobald er mich sah, fragte er lächelnd: „So
    Satyam, wie geht es dir? Du siehst aus, als könntest du einen Kleiderwechsel gebrauchen …“
    Inzwischen lachte er.

    Ich fiel ihm zu Füßen und sagte: „Ich habe den Preis dafür bezahlt, dass ich deine
    Anweisungen nicht befolgt habe. Bitte verzeih mir. Ich werde nie wieder den Fehler begehen,
    dir nicht zu gehorchen.“ Abschließend kann ich nur sagen, dass sein innerer Blick jede Minute,
    jeden Augenblick auf seine Lernenden gerichtet war, sie bewachte und beschützte.

  • Sannyasi Jyotiratna – Andrea Zwyssig

    Sannyasi Jyotiratna – Andrea Zwyssig

    Meine langjährige persönliche Yoga Praxis sowie die fundierte Yoga Ausbildung an der Bihar School of Yoga in Indien und an den Satyananda Yoga Akademien in Australien und Europa ermöglichen es mir die integralen Lehren von Swami Satyananda Saraswati praxisorientiert weiter zu geben. Die Förderung des ganzheitlichen Wohlbefindens sowie der Selbstwahrnehmung liegen mir dabei besonders am Herzen.

    Ich unterrichte in der Samatvam Yogaschule und biete in meiner eigenen Praxis Privatlektionen an, um beginnende und erfahrene Yoga Praktizierende auf ihrem “Yoga Weg” individuell zu unterstützen.

  • Sannyasi Satyam – Sascha Pfeifer

    Sannyasi Satyam – Sascha Pfeifer

    Satyam folgt seit 1994 den Weg des Satyananda Yogas und der Meditation. Er wurde in Schweden im Satyananda Yoga System ausgebildet und begann 2002 in Deutschland, Yoga, Meditation und Yoga Nidra in wöchentlichen Kursen, Fortbildungen, Schulen, Yogatherapie-Sitzungen und Unternehmen zu unterrichten.

    Von 2010 bis 2024 war er Teil der niederländischen Satyananda Yoga Familie und leitete dort das Yoga- und Retreat-Zentrum “Yoga Sadhana Vlissingen“. Jetzt lebt er wieder in Norddeutschland, wo er Unterricht und Workshops gibt und Ashram-Reisen organisiert.

    Sein Unterrichtsstil zeichnet sich durch Freude, individuelle Herangehensweise und tiefes Wissen über physische und psychologische Zusammenhänge aus.

  • Sannyasi Aradhana – Anke Dieter

    Sannyasi Aradhana – Anke Dieter

    Anke Aradhana Dieter ist seit 2001 mit der Satyananda Yoga Tradition verbunden. In den Yogic Studies und verschiedenen Kursen in Europa und Indien vertiefte sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen zu yogischen Themen. Als Diplompädagogin und Kitaleitung ist es ihr ein Anliegen ihre Erfahrungen mit Yoga weiterzugeben und Yoga im Alltag einfließen zu lassen, z.B. in ihrem Kindergarten. Seit 2021 unterrichtet sie in Leipzig in kleinen Gruppen Yoga Klassen, Yoga Nidra und Yoga für Kinder. Auf Anfragen gibt sie Workshops zu Yoga, Entspannung und Meditation für Kinder und Erwachsene.
  • Satsang am Sonntag (Q & A)

    Ist es möglich, ein Politiker oder ein Vertreter der Öffentlichkeit zu sein und gleichzeitig ein sattwisches Leben zu führen? Welchen Rat würden sie einer Person geben, die in die Politik einsteigt?
    Swami Niranjanananda: Politiker sind auch einfach nur Menschen, welche die Vorzüge des Yoga Übens erfahren wollen und dürfen. Politik ist ein Beruf, der weder gut noch schlecht ist. Heutzutage ist die Politik leider negativ behaftet. Die positiven Aspekte der Politik müssen hervorgehoben werden, indem Politiker rücksichtsvoller, bewusster und aktiver werden und an die Entwicklung und Verbesserung der menschlichen Kultur und Gesellschaft denken. Politik als Beruf wird vom Verstand geleitet und bedingt deshalb Klarheit des Denkens, der Absicht und der Richtung des eigenen Handelns. Dazu helfen Meditation, Reflexion, das Üben der SWAN Methode, Asana, Pranayama und Yoga Nidra. Werde deshalb ein übender Yogi während deiner Tätigkeit als Politiker und du wirst feststellen, dass diese Techniken dir dabei helfen, ein besserer Mensch und Politiker zu werden.

    Wie bleibt man in einem Zustand der Ausgeglichenheit, ohne Raga (Zuneigung) und Dwesha (Abneigung) und schafft es dennoch, alle Arbeiten aussergewöhnlich gut auszuführen? Wenn man frei von Leidenschaft ist, wie ist es dann möglich, hervorragende Leistungen zu erbringen?Swami Niranjanananda: Das eine ist erkennen und wissen, das andere ist entsprechend zu handeln. Du erkennst etwas, entscheidest dich aber die entsprechende Handlung auszulassen. Oder du weißt um etwas und entscheidest dich angemessen zu handeln. Was ist besser? Besser ist es, wenn du um etwas weisst und dich zur entsprechenden Handlung entschliesst. Wissen ist ein intellektueller Vorgang und Handeln ist die Manifestation dieses Wissens. Manche Menschen fragen, warum man handeln sollte, wo doch alles nicht real sei? Warum sollte man überhaupt Teil eines Karmas sein? Das ist eine verkehrte Haltung. Dieselben Menschen essen weiterhin, dieses Karma geben sie nicht auf. Sie hören auf zu kochen, mit der Begründung, dass Kochen nicht ihr Karma sei. Gleichzeitig akzeptieren sie, von jemandem abhängig zu sein, der für sie kocht. Menschen, die wissen und entsprechend handeln, folgen ihrem Dharma und Kartavya, und diese Haltung ist Teil der Yogischen und der Sanatana Kultur und Tradition. Es gibt keine Verneinung, Ablehnung, Entsagung, kein Zurückweisen und kein Abstossen, stattdessen gibt es nur Akzeptanz von Dharma und Kartavya. Was ich tun muss, tue ich. Ich esse, ich gehe auf die Toilette, ich spreche, ich mach mit allem weiter. Ich tue alles, worauf ich Lust habe, gleichzeitig entscheide ich mich aber gegen bestimmte Pflichten. Das ist falsch. Du blockierst damit dein eigenes Dharma und Kartavya. Erkennen und Wissen ist eine Sache und die Verwirklichung von Dharma und Kartavya eine andere. Wenn beide zusammenkommen, wird man zum Yogi. Wenn sie auseinanderdriften, ist man ein Bhogi.

    Gibt es etwas, das als spirituelle Sünde angesehen wird?
    Swami Niranjanananda: Im Yoga und dem indischen Glaubenssystem existiert Sünde nicht. Es gibt kein Wort für Sünde, und deshalb sind die Inder auch nicht mit dem Konzept der Sünde vertraut. Paap bedeutet nicht Sünde, sondern untugendhafte Tat. Punya ist Tugend und Paap ist Untugend. Gemäss Swami Sivananda sind beide Ausdruck deiner Natur. Wenn du tamasisch bist, dann werden deine Ausdrucksformen negativ und destruktiv sein, und das kann als Sünde betrachtet werden. Wenn du sattwisch bist, werden dein Verhalten, deine Handlungen und deine Leistungen hilfreich, rücksichtsvoll, gütig, mitfühlend und aufbauend sein, und das kann als tugendhaft angesehen werden. Dein Leben ist Ausdruck deines Geistes. Ist dein Geist negativ, dann erlebst du in allem, was du tust, Negativität. Wenn du denkst, dass du eine Sünde begehst, dann ist es eine Sünde und wenn du deswegen das Gefühl von Schuld mit dir herumträgst, dann wirst du dich auch schuldig fühlen. Auch aufgrund von Erziehung, Denkweise und kulturellen, sozialen und religiösen Hintergründen formen sich ganz unterschiedliche Gedankenmuster und Glaubenssysteme. Als Individuen sollten wir möglichst einfach und frei leben und das Positive in unserem Geist kultivieren, dann gibt es keine Sünde.

    Ist Erleuchtung möglich?
    Swami Niranjanananda: Es zählen die Bemühungen des Einzelnen und nicht die Unterweisungen des Lehrers, erinnere dich immer daran. Vidya ist Vidya, Wissen ist Wissen. Wie du es verstehst und anwendest, hängt von deiner mentalen Beschaffenheit ab, und diesen Aspekt musst du betrachten. Bezüglich Erleuchtung fragte einmal jemand Paramahamsaji: «Ist Selbsterkenntnis möglich?» Er sagte: «Nein.» Der Journalist fragte: «Wieso? Alle sagen, dass Selbsterkenntnis die Bestimmung der Menschheit sei. Sie hingegen sagen, dass Selbsterkenntnis nicht möglich ist. Bedeutet dies, dass all die Religionen, Schriften und Heiligen falsch liegen?» Paramahamsaji antwortete: «Hören Sie zu, Selbsterkenntnis ist eine transzendentale Erfahrung. Der Geist ist nicht transzendentaler Natur. Wie soll ein nicht-transzendentaler Geist einen transzendentalen Zustand erfahren? Das ist nicht möglich.» Deswegen ist Selbsterkenntnis für jemanden mit einem nicht-transzendentalen Geist unmöglich. Es gibt jedoch die Möglichkeit, den Geist vorzubereiten, indem wir seine mentalen Fähigkeiten und seine Reinheit steigern und die Erfahrungskapazität ausdehnen. Wenn du deinen Geist auf diese Weise förderst, wirst du von alleine Zugang zur transzendentalen Realität erhalten. Wenn du dich hingegen mit dem Gedanken: «Ich will Selbsterkenntnis erlangen.» zur Meditation hinsetzt, wird das nie geschehen.

    Was bedeutet «alles ist göttlich»?
    Swami Niranjanananda: Es heißt, dass alles im Leben göttlich sei. Das hängt von der Färbung der Brillengläser ab, durch die du die Welt betrachtest. Wenn du eine Brille mit roten Gläsern aufsetzt, dann erscheint alles in Rot. Wenn du hingegen schwarzgefärbte Brillengläser trägst, dann erscheint alles schwarz. Genauso ist alles göttlich, da alles aus Sternenstaub entstanden ist – der Körper, die Planeten, auch das Auto und das Fahrrad. Das Material für das Auto ist derselbe Sternenstaub, aus dem auch wir entstanden sind und deshalb ist das Auto kein Modell aus dem Jahr 1920, sondern ein Milliarden Jahre altes Auto, weil es aus dem gleichen Sternenstaub besteht. Der Vedanta und alle spirituellen Traditionen sagen, dass alles göttlich ist. Es ist eine kulturübergreifende Aussage, die du im Islam, Christentum, in chinesischen, indischen, afrikanischen, keltischen und druidischen Traditionen findest. In der Ishavasya-Upanischad (Mantra 1) heißt es:

    Ishaavaasyamidam sarvam yatkincha jagatyaam jagat;
    
Tena tyaktena bhunjeethaa maa gridhah kasyavid dhanam.

    “Alles, was in diesem sich ständig verändernden Universum existiert, ist der Wohnsitz des Herrn (in welchem der Herr wohnt). Genieße, was auch immer der Herr dir gibt. Begehre nicht, denn wem gehört der Reichtum tatsächlich?”

    Führe deshalb dein Leben in Würde. Wenn du das Haus des Premierministers oder Präsidenten besuchtest, dann würdest du dich respektvoll verhalten und alles Unanständige und Unrechtmäßige unterlassen. Warum lebst du nicht gleichermaßen in Würde auf dieser Erde und unterlässt alles Unanständige und Unrechte? Denn dies hier ist das Haus Gottes. Wenn du in den Ashram kommst, gilt es einer Disziplin zu folgen und genauso solltest du einer Disziplin folgen, wenn du im Haus Gottes lebst. Diese Welt ist gemäß der Aussage der Ishavasya-Upanishad das Haus Gottes.

    Was ist die größte Herausforderung im Leben?
    Swami Niranjanananda: Die größte Herausforderung im Leben eines jeden Menschen ist Negativität. Wenn du Negativität bewältigen kannst, dann ist der Weg zum spirituellen Leben offen. Wenn du deine Negativität nicht in den Griff bekommst, welchen Sinn hat dann das Leben? Der Sinn des Lebens ist das Positive zu erfahren. Das ist die Anstrengung, die du in jedem Augenblick aufbringen musst. Sich die Mühe zu machen, Positivität in jedem Moment zu leben, das ist Yoga von Augenblick zu Augenblick. Negativität muss überwunden werden, der Rest ist nur Ausdruck des Geistes. Ahara, Nidra, Bhaya und Maithuna sind die vier grundlegenden Instinkte. Ahara ist physisches und psychologisches Verlangen. Essen, Glück, Freude, alles, was dich glücklich und gesund hält und nach was du dich sehnst, ist Ahara. Nidra, Schlaf und Abgrenzung, ist der zweite Instinkt. Bhaya, Angst vor dem Unbekannten, ist der dritte und Maithuna, Sexualität und Fortpflanzung, ist der vierte Instinkt. Alle vier Instinkte müssen bewältigt werden, nicht nur Sexualität. Wenn Menschen einen hervorheben und die anderen verneinen, dann deutet das darauf hin, dass sie die Realität des Lebens, die von diesen vier Instinkten bestimmt wird, nicht erkennen. Diese vier müssen unter Kontrolle und ins Gleichgewicht gebracht werden. Versteh sie nicht als Hindernis, versteh sie als Sadhana. Genauso wie du an bestimmten Tagen als Sadhana fastest oder Angst überwindest als Teil deiner Entschlossenheit stark zu sein, in der gleichen Weise müssen Schlaf, Sexualität, Angst vor dem Unbekannten und Verlangen bewältigt werden. Du musst die Kontrolle über die Instinkte erlangen und sie lenken lernen. Nichts wird als Hindernis verstanden, denn dein Sadhana bringt die geeigneten und richtigen Fähigkeiten hervor, um die Instinkte am effektivsten, effizientesten und auf die beste Weise zu steuern. Daher ist die größte Herausforderung in der spirituellen Entwicklung die Negativität.

    Ich möchte wissen, warum ich hier in diesem Universum bin.
    Swami Niranjanananda: Diese Frage gibt es schon seit Ewigkeiten und jeder hat versucht, darauf eine Antwort zu geben oder eine befriedigende Antwort für sich selbst zu finden. Wenn es eine einfache Antwort darauf gäbe, dann würde diese eine Frage und Antwort für alle Zeiten genügen. Es scheint, dass die Frage «Wieso sind wir hier?» keine einfache ist. Die Menschen haben versucht, sie anhand von Karma, Schicksal, Gottes Willen oder Gottes Lila, dem göttlichen Spiel, zu beantworten. Was können wir tun, solange wir hier sind und welchen Sinn können wir unserem Leben geben? Die erleuchteten Menschen der Vergangenheit sagten, dass der Zweck, den wir unserem Leben geben können, darin besteht, Exzellenz zu erlangen, in allem was wir tun, ohne die Erwartung zu haben irgendwo ein Meister sein zu müssen. Sich in allem größte Mühe geben, ohne die Notwendigkeit ein Meister zu werden, das ist Exzellenz. Das ist das Ziel meines Lebens, in jedem Moment das Beste zu geben, ohne zu erwarten, ein Meister zu sein. Es bedeutet, dass ich in allem, was ich tue – ob ich spreche, laufe, fahre oder fliege – Exzellenz entwickle. Das ist mein Fokus und nicht Gott. Wenn mich heute jemand fragt: «Was ist dein Lebensfokus?», sage ich «Exzellenz» und nicht Gott oder spirituelle Erleuchtung. Ich bin mir sicher, dass ich, wenn ich in allem mein Bestmögliches gebe, schnell fortschreiten werde, denn das ist der Lernprozess – mich selbst zu beherrschen und meine schönsten Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Ich glaube, dass ich deshalb hier bin. Wenn du einem anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst, hast du den Zweck deines Lebens erfüllt.

    — 19. Januar 2020, Satsang für Yogic Studies Teilnehmer (Ganga Darshan, Munger)

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Juni 2020 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Für Sadhakas

    Als Sri Swami Satyananda die International Yoga Fellowship initiierte, hatte er eine Vision von Menschen, die ein yogisches Leben pflegen, sich miteinander austauschen und diesen Lebensstil verkörpern. Das war die Idee des «Yoga Fellowship», der Yoga Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft stellt jedoch die Vollendung der Yoga Bewegung dar, nicht den Anfang. Der Auftakt der Yoga Bewegung war die Verbreitung, bei der immer mehr Menschen an Yoga herangeführt wurden. 90 Prozent dieser Menschen konzentrierten sich darauf, mit Hilfe von Yoga ihren körperlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Von den weltweit einer Million Menschen, die heute Yoga üben, sind 90 Prozent fitnessorientiert. Es sind all jene, die zu einer Yoga Stunde kommen, ein wenig mitmachen und dann ihren eigenen Weg gehen. Von den verbleibenden zehn Prozent werden viele Yoga Lehrer und gehen ebenfalls ihren eigenen Weg. Bei den Verbleibenden gibt es einige wenige, die ihr Wissen und ihre Erfahrung mit Yoga vertiefen wollen, und sie bilden den Kern dieser Gemeinschaft.

    Die Yoga Gemeinschaft bezeichnet eine Gruppe von Menschen, die Yoga erfahren und leben, und nicht nur einige Übungen ausführen. Das zweite Kapitel des Yoga bringt uns der Idee der Yoga Gemeinschaft einen Schritt näher. Bis heute gehörten die meisten von euch zur 90 Prozent Gruppe. Das Ergebnis des Munger Yoga Symposiums 2018 ist, dass eine Gruppe entsteht, die danach strebt, die Erfahrung zu vertiefen und Yoga zu leben. Sie werden den Grundstein der Yoga Fellowship bilden.

    Die Vision des ersten Kapitels war, zahlreiche Zentren zu schaffen und Lehrer herauszubringen, um Yoga verbreiten zu können. In den 50 Jahren des ersten Kapitels wurden tausende Lehrer ausgebildet und tausende Zentren sind entstanden. Die Vision des zweiten Kapitels ist nicht die Verbreitung, folglich werden keine Lehrer mehr gebraucht. Es werden Menschen gebraucht, die die Lehren leben können. Deshalb wurde während des Munger Yoga Symposiums betont, dass die Ausbildungen, die hier stattfinden, nicht dazu dienen, andere zu unterrichten.

    Wir haben die Vision, dass sich in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren drei oder vier Orte herauskristallisieren, an denen Yoga gelebt wird. Anstatt tausende von Zentren, wird es nur noch drei oder vier geben. Sie werden die Zentren des «Yoga von Augenblick zu Augenblick» sein. Sie werden keine Lehrer ausbilden. An diesen Orten werden Sadhakas (spirituelle Aspiranten) und Einzelpersonen inspiriert und begleitet, um Yoga in ihrem eigenen Zuhause und Umfeld leben zu können.

    —1. November 2018, Ganga Darshan, Satsang von Swami Niranjanananda Saraswati, aus Yoga Chakrodaya, Munger Yoga Symposium 2018, Buch 3/3

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom April 2020 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Yoga Chakra – Das Rad des Yoga

    Als Sri Swamiji die Bihar School of Yoga gründete, entwickelte er ein System. Dieses System ist unterteilt in Bahiranga Yoga, äusserer Yoga, zur Vervollkommnung der Persönlichkeit und Antaranga Yoga, innerer Yoga, um das spirituelle Erwachen auszudrücken. Der äusserliche Yoga ist das, was du tust, um die Qualität von Körper und Geist, den Ausdruck und das Verhalten der Sinne zu verbessern. Es handelt sich um die Bemühung, die du unternimmst. Innerer Yoga ist die Haltung, die du kultivierst. Es sind Veränderungen in deiner Betrachtungsweise und Wahrnehmung, die sich aufgrund deiner Erfahrung, deines Verständnisses und deines Übens zeigen. Im äusserlichen Yoga bereitest du dich vor, du löst deine konditionierten Muster auf und stimmst die Aspekte deiner Persönlichkeit fein aufeinander ab.

    Das Ziel von Bahiranga Yoga ist, zu lernen, die Sinne und den Geist zu lenken und ihren Zustand in Harmonie zu bringen. Bahiranga Yoga, der äusserliche Yoga, zielt darauf ab, dich mit Sanyam (Anm. der Übersetzer: Sanyam ist die Haltung des Verzichts, um eine innere Atmosphäre der Harmonie zu erlangen) auszustatten. Nachdem im Äusseren, auf der physischen Ebene, im Bereich von Körper und Geist durch fortwährendes Üben Disziplin erlangt wurde, werden die Emotionen durch fortwährendes Üben ausgeglichen, um dem Geist ein neues Verständnis zu ermöglichen. Dies ist der Anfang eines harmonischen, von Frieden erfüllten und kreativen Lebens. In dem Moment, in dem du damit beginnst, ein friedvolles, harmonisches und kreatives Leben zu führen, besänftigt sich dein inneres Selbst. Dein inneres Selbst erfährt eine Veränderung des radikalen Verhaltens der Sinne und erlebt seine reine Natur in der Sphäre der Seele.

    Durch den äusseren Yoga kannst du Disziplin in den Koshas erreichen, das heisst, dich von der physischen über die mentale zur spirituellen Ebene bewegen. Dafür definierte Sri Swamiji drei Wege: Hatha Yoga für Körper und Prana; Raja Yoga für den Geist und Kriya Yoga für das schrittweise Erwachen des Bewusstsein und schliesslich um das Strahlen des Selbst, der Seele, zu erfahren. Hatha Yoga zielt auf Annamaya Kosha und Pranamaya Kosha; Raja Yoga auf Manomaya Kosha und Kriya Yoga auf Vijnanamaya und Anandamaya Kosha.

    Diese drei Yoga Wege stellen die Disziplin dar, die nötig ist, die menschliche Natur, die Persönlichkeit und die Identität umzuwandeln. Selbst wenn du nur diese drei Yoga Wege lebst, ohne Jnana Yoga, Karma Yoga oder Bhakti Yoga anzutasten, wenn du sie in dein Leben integrierst, reicht das aus. Die angemessene, korrekte und fortdauernde Übung von Hatha Yoga, Raja Yoga und Kriya Yoga reicht aus, um von Punkt A nach Punkt E zu gelangen: A steht für Annamaya, B für Pranamaya, C für Manomaya, D für Vijnanamaya und E für Anandamaya (Kosha).

    Sobald du in deinem Leben, sowohl auf der äusserlichen, physischen, der psychischen und emotionalen Ebene Sanyam erreicht hast, verändern sich sowohl die Verhaltensweisen deines Geistes als auch deine natürliche Einstellung. Der Geist wird reiner und klarer, und dieser natürliche Ausdruck deines inneren, erleuchteten Verhaltens ist bekannt als Bhakti, Jnana und Karma Yoga.

    —Oktober 2015, Satsang von Swami Niranjanananda Saraswati

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Februar 2020 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Disziplin

    Disziplin heißt, Verantwortung zu übernehmen. Undiszipliniert sein heißt keine Verantwortung zu übernehmen. Es ist einfach: Du bist diszipliniert, wenn du dich verantwortungsbewusst verhältst und verantwortlich handelst. Verhältst du dich unverantwortlich, nennt man dich undiszipliniert – das geschieht von selbst. Das Problem ist, dass die Menschen auf ihre Rechte pochen: “Dies ist mein Recht. Jenes ist mein Recht.” Die Menschen sind sich weit mehr ihrer Rechte bewusst, als ihrer Verantwortung. Der Grundgedanke geht dadurch vergessen. Die Menschen wollen Rechte, sind aber nicht bereit Verantwortung zu tragen. Übernimmst du jedoch Verantwortung, bekommst du ganz selbstverständlich deine Rechte.

    Disziplin ist nichts anderes, als für sich selbst die Verantwortung zu tragen. Disziplin heißt nicht, dass du innerhalb dieser oder jener Frist handeln musst, innerhalb von gewissen Parametern oder Leitplanken, oder im Bezug zu lokalen Vorstellungen. All das kann sich ändern: heute bist du hier und morgen wirst du irgendwo anders sein. Wenn du jedoch für dich selbst Verantwortung übernimmst, für deine Entwicklung, dein Wohlergehen und deinen Frieden, dann wird diese Verantwortung als Disziplin gesehen – in Tat, Verhalten, Einstellung und Mentalität.

    Was ist Verantwortung? Ich brauche das nicht zu definieren. Du weisst, was Verantwortung bedeutet. Du kriegst einen stärkeren Sinn für Verantwortung, wenn du fühlst, dass du zu etwas dazu gehörst. Ein Beispiel: Ein Stück Abfall wurde auf den Gehweg geworfen. Jemand geht hin, hebt es auf und wirft es in den Mülleimer – eine einfache Handlung, welche niemandem etwas abverlangt. Wenn du den Müll liegen lässt und wartest, bis jemand anderes ihn aufhebt, handelst du dann verantwortungsbewusst? Wenn dir dann jemand sagt: „Bitte hebe den Müll auf“, entsteht sogar noch eine Reaktion.

    Disziplin ist keine strukturgebende Methode. Und es ist weder ein System noch eine Lebensweise, welche dir vorschreibt, dass du am Morgen dies tust, am Nachmittag das und am Abend jenes. Routinen ändern sich von Ort zu Ort. In deinem Zuhause hast du auch deine Routine, aber deswegen bist du nicht unbedingt diszipliniert. Du wirst diszipliniert, sobald du für deine Entwicklung Verantwortung übernimmst.

    Beginnst du Verantwortung zu tragen, erhältst du alle Rechte ganz von selbst. Keiner kann dir irgendwelche Rechte verweigern. Andererseits, wenn du Rechte einforderst, ohne Verantwortung zu übernehmen, dann wirst du überall Kämpfe austragen, sei es in deiner Familie oder mit den Behörden. Übernehme deshalb Verantwortung für dein Wachstum und deine Entwicklung. Das ist die beste Form von Disziplin. Sie befreit dich auch von deinen eigenen mentalen Komplexen, Reaktionen und Fesseln.Beginnst du Verantwortung zu tragen, erhältst du alle Rechte ganz von selbst. Keiner kann dir irgendwelche Rechte verweigern. Andererseits, wenn du Rechte einforderst, ohne Verantwortung zu übernehmen, dann wirst du überall Kämpfe austragen, sei es in deiner Familie oder mit den Behörden. Übernehme deshalb Verantwortung für dein Wachstum und deine Entwicklung. Das ist die beste Form von Disziplin. Sie befreit dich auch von deinen eigenen mentalen Komplexen, Reaktionen und Fesseln.

    —8. Januar 2008, Satsang von Swami Niranjanananda Saraswati, aus On the Wings of the Swan, Volume VIII

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Oktober 2019 auf der Website der Bihar School of Yoga.