Das schwierigste Sadhana

Wie wichtig ist es, eine positive Haltung zu pflegen?
Swami Niranjanananda: Yoga hat schon immer darauf hingewiesen, dass man Positivität
aufrechterhalten und vor negativen Einflüssen schützen muss. Genauso wie man seinen Garten
vor Nagetieren und Insekten schützt, muss man das Gute, das man im Leben zu kultivieren
versucht, vor den schädlichen, negativen Einflüssen schützen, die einen umgeben. Man muss
aufmerksam sein und die negativen Dingen im Leben erkennen. Ein fauler Apfel kann den
ganzen Korb verderben. Hingegen kann ein frischer Apfel keinen faulen wieder gutmachen.
Aus demselben Grund muss man negative, schädliche Einflüsse immer beobachten und
versuchen, Optimismus und Positivität zu bewahren und ständig zu lernen. Man sollte sich
keine Sorgen über Fehler machen, jeder macht sie. Menschen, die keine Fehler machen,
haben nie etwas Neues ausprobiert. Menschen, die Fehler machen, probieren immer wieder
neue Dinge aus.
Aus der Buchserie Gespräche über die Wissenschaft des Yoga:
Bhakti Yoga Buch 4 – In der Gegenwart von Bhakti

Was ist das schwierigste Sadhana im Leben?
Swami Niranjanananda: Eine positive und ausgeglichene Einstellung aufrechtzuerhalten, ist
eine wichtige Bemühung, die unternommen werden muss. Es ist möglicherweise die
schwierigste Übung, da wir unterschiedlichen Arten von Stress ausgesetzt sind. Stress trennt
uns von innerer Harmonie, Stärke, Optimismus, Klarheit, Kreativität und der konstruktiven
Teilnahme am Leben. Eine positive Perspektive aufrechtzuerhalten ist das Schwierigste, was
man sich im Leben aneignen kann. Man muss sich regelmässig einen Moment Zeit nehmen,
um zu analysieren und zu sehen, ob sich die eigene Natur optimistisch oder pessimistisch
verhält. Entsteht die Erfahrung von Glück oder Depression im Angesicht von Herausforderungen?
Welche Art von Geisteshaltung ist im jetzigen Moment vorherrschend?

Positiv zu bleiben ist das härteste Sadhana des Lebens. Der Aspirant muss versuchen, die
Komponenten der Achtsamkeit und der Positivität zu verstehen, die kultiviert werden sollten. So
wie Salz der Nahrung Geschmack verleiht, so verleiht Achtsamkeit den geistigen Ausdrücken
und Erfahrungen Geschmack. Man kann nur dann positiv sein, wenn ständige Bewusstheit

Was sind einige der Übungen, die einem helfen können, positiv zu bleiben?
Swami Niranjanananda: Positives Denken in allen Situationen und sich mit den eigenen inneren
Stärken verbinden und identifizieren, Sadvichara, ist ein Sadhana des Bhakti Yoga. Wenn man
irgendwelche Schwierigkeiten erlebt oder leidet, dann betet man zu Gott, damit er einem hilft,
Schwächen und Not zu überwinden. Man erlebt im Inneren Schmerz und Leid, und es gelingt
einem nicht sich mit der Quelle der Kraft zu verbinden. Also betet man zu einer äußeren Figur,
zu Gott, um Hilfe.

Ein anderer Ansatz ist, die eigene Stärke zu erkennen und positiv zu bleiben. Es ist schwierig,
in allen Situationen eine ausgeglichene Haltung zu bewahren. Arroganz muss unter Kontrolle
gehalten werden. Ist man arrogant, sieht man das Negative in allem, was gesagt und getan
wird und reagiert darauf. In dem Moment, in dem man in der Lage ist, das Ego unter Kontrolle
zu halten und man Demut lernt, wird man positiver und mit Demut entdeckt man die innere
Kraft. Während eines Sturmes kann ein Banyan-Baum durch die Kraft des Windes entwurzelt
werden. Ein bescheidener Grashalm hingegen biegt sich einfach und steht wieder aufrecht,
sobald der Wind vorbei ist. Wenn man unflexibel bleibt, wird man umgeworfen. Zu denken,
dass man so stark ist, dass einen nichts erschüttern kann, ist in Wirklichkeit eine Schwäche.
Wenn man jedoch beginnt, flexibel zu sein, wird diese Demut und Akzeptanz einen positiv
stimmen. Das gibt einem die vollständige Kontrolle über die eigenen Stärken, denn es erlaubt
einem, bescheiden zu sein und Situationen mit einer positiven Geisteshaltung zu begegnen.

Der Aspirant sollte im Jetzt leben, immer eine positive Einstellung aufrechterhalten und sich mit
Menschen umgeben, die ebenfalls immer positiv sind. Verkehrt man mit Menschen, die sich
negativ über andere äußern, werden auch die eigenen Gedanken nicht positiv bleiben. Sri
Rama legte dar, dass es keine Falschheit oder Unehrlichkeit im Leben geben sollte. Es ist der
Prozess, der zu Rechtschaffenheit, einem von Perversität freien Geist und absoluter
Zufriedenheit führt. In der Gegenwart leben, bedeutet zufrieden zu sein. Wenn man in der
Vergangenheit oder in der Zukunft lebt, entsteht Unzufriedenheit.

 

Link zum Yogamag (Oktober 2019)