Glücklichsein – das erste yogische Yama

Aus Yoga Chakra 2: Cultivating Spiritual Samskara
Vor vielen tausend Jahren fragte Parvati ihren Gefährten und Guru Lord Shiva: „In dieser
Schöpfung, dieser manifesten Dimension, dieser Welt, dieser Natur ist alles vergänglich, nichts
ist von Dauer. Es gibt hier so viel Schmerz, Leid, Angst und Frustration. Wie kann man damit
umgehen?“ Shiva antwortete: „Es gibt Methoden und Übungen, durch die man den Schmerz
und das Leiden überwinden kann und die im jeweiligen Zeitpunkt helfen, die Ursachen vom
Schmerz oder dem Leiden zu erkennen und zu überwinden. Der beste Weg jedoch, um
jeglichen Schmerz und jedes Leid zu verhindern, ist fröhlich und glücklich zu sein. Aus diesem
Grund: Sei immer fröhlich!“ Auf diese Weise ist Glücklichsein zum ersten Yama geworden.
Jeder negative Zustand des Geistes kann überwunden werden, indem man glücklich ist,
lächelt und lacht. Selbst Depressionen können durch Glücklichsein bewältigt werden. Vielleicht
wunderst du dich, wie du glücklich sein kannst, wenn du leidest, unglücklich und depressiv
bist? Ja, du kannst es – denn Glück ist dein natürlicher Seinszustand. Es ist ein beschränktes
Verständnis von Glück, wenn du denkst, dass du einen Grund oder einen Auslöser benötigst
um glücklich zu sein, oder dass du nicht glücklich sein kannst, wenn die Umstände schwierig
sind.

Das kannst du besser verstehen, wenn du Kindern zuschaust. Sie weinen und werden auch
wütend, wollen dies oder das nicht essen, aber dieser Zustand hält nicht an. Unmittelbar
danach lachen sie mit der ihnen eigenen Fröhlichkeit, denn die äußeren Umstände sind nur
oberflächlich und irrelevant für ihre Zufriedenheit. Denk an das Lachen von Kindern. Weshalb
klingt das so wundervoll? Weil es natürlich ist und nicht die Folge von äußeren Umständen oder
Scherzen.

Fröhlichkeit, wie sie Kinder ausdrücken, bleibt ein Teil von dir. Doch vergisst du sie im Laufe
des Erwachsenenleben. Mit dem Eintritt in die Teenager Jahre kommt die schlechte Laune.
Medizinisch betrachtet, mögen die Gründe dafür die Hormone sein. Eigentlich ist es aber der
Moment, in dem du beginnst, dich in eine andere Richtung zu bewegen. Dein Bewusstsein
verbindet sich mehr und mehr mit den äußeren Gegebenheiten und diese beginnen dich zu
beeinflussen. Spirituell zu sein bedeutet, in diesen natürlichen Zustand des Glücks ohne
Ursache zurückzufinden. Das ist es, was du lernen musst. Lerne dich damit zu verbinden, ihn
zu erfahren und auszudrücken.

Glücklichsein ohne Anlass
So lange du von einem Anlass, der dich glücklich macht, abhängig bist, wird dich dessen
Abwesenheit unglücklich machen. Wenn du zum Beispiel einen schönen Kirtan singst, loben
dich alle und du fühlst dich sehr glücklich. Am nächsten Tag singst du nicht gut und ein
anderer singt viel besser und erhält das ganze Lob, dann fühlst du dich niedergeschlagen und
unglücklich. Wenn du also, um glücklich zu sein, abhängig bist von äußeren Umständen, wirst
du immer zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit hin und her pendeln. Das ist Samsara.
Um das Samskara zu entwickeln, das Gleichgewicht zwischen den Gegensätzen aufrechtzu
erhalten und ein Yogi zu werden, musst du in die Positivität, die keine Ursache kennt und im
Innern existiert, eintauchen.

Wenn du lernst, bewusst in die natürliche Erfahrung von Glück und Fröhlichkeit zu wechseln, in
eine Zufriedenheit, die nicht abhängig ist von irgendeinem Auslöser, wirst du in der Lage sein,
deine Stimmung, das Verhalten deines Geistes, deinen Charakter, deine Eigenschaften und die
ganze Persönlichkeit zu verändern. Deine Ängste, Anspannungen, Depression und Frustration
werden sich auflösen.

Das ist auch die Niranjan-Challenge. Sei 12 Stunden deiner wachen Zeit glücklich. Wenn du
das schaffst, werde ich in dein Tagebuch schreiben, dass du Frieden im Leben erlangt hast.
Wenn du das nicht kannst, wirst du immer und immer wieder zurückkommen müssen, nicht nur
in den Ashram, sondern auch in dieses Leben, solange bis du deinen Frieden gefunden hast.

 

Du findest das Original im Yogamag