Das nächste Kapitel von Yoga

Heute ist das erste Mal seit dem Welt Yoga Kongress im Oktober, dass wir die Gelegenheit
haben, uns alle zusammen zu treffen. Viele Dinge sind in Bezug auf Yoga und in Bezug auf
Munger seit dem Kongress geschehen. Der Welt Yoga Kongress markierte einen äusserst
wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Bihar School of Yoga.

Die Verbreitung von Yoga
Die Bihar School of Yoga hat eine 50-jährige Geschichte – der Kongress feierte das Goldene
Jubiläum der Bihar School of Yoga. In dieser 50-jährigen Geschichte der Bihar School of Yoga,
dem ersten Kapitel im Buch der Bihar Yoga Tradition, war der Fokus auf die Verbreitung von
Yoga gerichtet.

Von der Gründung der Bihar School of Yoga im Jahr 1963 bis 1983, als ich hierher kam, hatte
Sri Swami Satyananda nur ein Ziel und eine Vision und Mission: die Verbreitung der yogischen
Techniken als Wissenschaft und als Lebensstil. Um das zu erreichen, reiste er für mehrere
Jahre unermüdlich durch alle Teile Indiens und der Welt und inspirierte Menschen, Yoga zu
verstehen, zu erfahren und im Leben zu integrieren. Er wandte sich den Menschen aller
Gemeinschaften rund um Erdball zu, lehrte ihnen die Grundlagen und Übungen des Yoga und
gab jedem ein Ziel und eine Vision, die durch Yoga erreicht werden sollten.

Als Ergebnis seiner Bemühungen, trugen die Menschen, die durch ihn inspiriert wurden, auf
ihre eigene Weise zu seiner Vision bei. Einige wurden Yogalehrer mit eigenen Zentren um eine
kleine Anzahl von Menschen zu unterrichten, andere schufen Schulungszentren, um Yoga
Ausbildungen zu ermöglichen.

Auf diese Weise wurden die Samen von Bihar Yoga überall auf der Welt von Sri Swamiji gesät,
doch realisierten die Menschen nicht, was die wahre Absicht von Bihar Yoga war. Leute
begriffen es bloss als eine Übung, die sie tun können um ihre Gesundheit zu verbessern:
physisch, psychologisch und vielleicht auch spirituell.

Yoga in die Gesellschaft bringen
Dann kam ich 1983 an die Bihar School of Yoga und übernahm die Verantwortung, und für 25
Jahre war der Fokus darauf gerichtet, Yoga in andere Bereiche der Gesellschaft zu bringen.
Von 1983 bis 2008 wurde Yoga in viele verschiedene Bereiche der Gesellschaft eingeführt. Das
brachte denen, die an diesem Prozess beteiligt waren, fantastische Erkenntnisse und
Ergebnisse und auch den Menschen, die die Yoga Techniken in verschiedenen Situationen
übten. Yoga ging zu Fachpersonen in der Industrie, im Militär, in der Bahngesellschaft, in
Gefängnissen, in medizinische Hochschulen, Vereine und in Dörfer und ländliche Gebiete.
Yoga fand ebenso Zugang in akademische und medizinische Gebiete und war an der
medizinischen, wissenschaftlichen und physiologischen Forschung beteiligt.

Das sind die Errungenschaften der letzten 50 Jahre. Der von Swami Sivananda an unseren
Guru Sri Swamiji gegebene Auftrag „Verbreite die Botschaft von Yoga von Tür zu Tür und von
Kontinent zu Kontinent“ ist erfüllt. Das Ergebnis davon war während des Welt Yoga Kongresses
im Oktober 2013 in Munger zu sehen, einem Event, den die Welt so noch nie gesehen hat und
der nicht wiederholt werden kann, selbst wenn wir es wollten.

Das nächste Kapitel: das klassische, integrale System von Yoga erhalten
Jetzt, nach dem Welt Yoga Kongress, hat sich meine Aufmerksamkeit und mein Fokus auf die
Entwicklung von Yoga in den nächsten 20 bis 50 Jahren gerichtet; dem nächsten Kapitel. Zu
Beginn des nächsten Kapitels von Yoga müssen von jedem einzelnen viele Dinge von altem
Ballast befreit werden, um die eigene Aufrichtigkeit, Hingabe und Ernsthaftigkeit zu Yoga und
zur Tradition zu bestätigen. Viele der Strukturen und Prozesse der Institution werden
weiterentwickelt, um auf die zukünftigen Bedürfnisse und die sich verändernde Umwelt
einzugehen. Viele andere Dinge werden neu abgestimmt, um unser Verständnis und unsere
Verinnerlichung von yogischen Übungen und Prinzipien zu fördern. Lasst es uns kurz fassen;
unsere Arbeit ist festgelegt, der Fokus unserer beständigen Arbeit in den nächsten 20 bis 30
Jahre wird sein, die von Sri Swami Sivananda und Sri Swami Satyananda vergegenwärtigte
Vision eines integralen Systems von Yoga zu erhalten und zu verbreiten.

Wenn man sich die Geschichten aller Yoga Organisationen in Indien und der Welt anschaut,
ihre Errungenschaften, ihre Tatkraft und Motivation der letzten 50 Jahre, oder von deren
Gründung bis Heute, wird man entdecken, dass die Bihar School of Yoga heraussticht. Sie ist
die eigentliche Institution, die dafür arbeitet, die klassische und traditionelle Wissenschaft des
Yoga in der heutigen modernen Welt, in moderner Sprache und im heutigen Lebensstil zu
erhalten, ohne die Grundsätze von Yoga zu verändern. Eine Vertiefung und Stärkung dieser
Arbeit wird ein wichtiger Beitrag sein, in der Geschichte des Yoga und für die Zukunft.
Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und Hingabe.

Was ich Euch allen damit sage ist, dass unsere Arbeit nicht beendet ist. Im Gegenteil, der
Gürtel muss noch enger geschnallt werden – nicht so sehr, dass wir nicht mehr atmen können,
doch eng genug damit jeder das Bedürfnis, die Dringlichkeit und die Motivation verspürt, nach
den Themen zu handeln, die während des Welt Yoga Kongresses definiert wurden: mit
Ernsthaftigkeit, Aufrichtigkeit und Hingabe. Die Zeit ist beschränkt, es sind noch viele Schritte
zu gehen, und die Reise sollte nicht unterbrochen werden. So wie Robert Frost schrieb:

“The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.“

„Die Wälder sind lieblich, dunkel und tief,
Doch ich muss tun, was ich versprach,
Und Meilen gehn bevor ich schlaf,
Und Meilen gehn bevor ich schlaf.”

Die Lieblichkeit der Welt sollte uns nicht mehr zurück halten. Es sollte die Entschlossenheit
sein, etwas zu erreichen, die uns motiviert. Die Errungenschaft ist keine äußerliche, es ist eine
innerliche.

Checkliste fürs tägliche Leben: die sechs Freunde
Als Individuum, Yoga Aspirant, Sadhaka und als Sannaysin muss man lernen mit den sechs
Freunden umzugehen: Kama – Leidenschaft und Begierde; Krodha – Wut; Lobha – Gier; Mada –
Arroganz; Moha – Verblendung und Anziehung und Matsarya – Neid, Eifersucht, Hass. Wir alle
werden von ihnen beeinflusst. Wenn man sich als Sannyasin nicht durch seinen eigenen
Irrgarten aus Problemen arbeiten kann, dann kann man weder Inspiration für sich selbst noch
für irgend jemand anderen sein. Für alle spirituellen Aspiranten sollte dies zur Checkliste im
Leben werden.

Hochfliegende Ideen einer abstrakten Spiritualität, wie sie von vielen Menschen präsentiert
werden, ehrfürchtig zu bewundern, nützt nichts. Es ist viel wichtiger, dass man die Grundsätze
lebt indem man sich selbst und seine eigene Natur, sein Verhalten und Reaktionen, die man im
täglichen Leben äussert, verfeinert. Warum denn nicht einfach das natürliche Verhalten
verbessern?

Es ist wichtig danach zu streben eine Person zu werden, die auf vielen Ebenen ernsthaft,
aufrichtig und mit Hingabe arbeiten kann: auf der persönlichen Ebene, auf der äußeren
organisatorischen Ebene, auf der yogischen Ebene, der spirituellen Ebene, individuell mit
Menschen, ohne Ehrgeiz, Neid, Gier oder Ego. Das ist in der Tat viel verlangt. Man kann nicht
perfekt sein, aber man kann einen Anfang machen.
Mit Selbstverpflichtung beginnen
Ganz offen gesagt, trotz all der über die Jahre gehaltenen Satsangs, habe ich nur wenige
Menschen gesehen, die die Verpflichtung eingegangen sind, einen Anfang zu machen. Die
Menschen wissen was richtig und was zu tun ist, aber sie machen es nicht. Stattdessen
erlauben sie Duryodhana in ihren Köpfen und Herzen zu sitzen. Und Duryodhana ist der König
von Neid, Eifersucht, Hass, Gier, Arroganz und Negativität. In der Mahabharata sagt
Duryodhana zu Sri Krishna, „Ich weiß was richtig und korrekt ist, aber ich bin dem nicht
zugeneigt.“ Ein Beispiel dazu: Menschen schieben ihre Verantwortung auf andere und
erzeugen ihnen Ärger und Probleme, anstatt mit ihnen zusammen zu arbeiten. Das ist
Duryodhana, der im Kopf einer jeden Person sitzt, und es sind gleichzeitig die sechs Freunde,
die die Menschen auf ihrem spirituellem Weg leiten und sie in die Irre führen. Menschen
akzeptieren ihre Hilfe und ignorieren die Hilfe, die die Gurus ihnen in Form von Beratung und
Anleitungen gegeben haben.

Deshalb muss man sich die Mühe machen und Einsatz zeigen. Gib Duryodhana einen Tritt und
erlaube den siegreichen Pandavas mit Krishna das Königreich zu betreten. Gewinne den
Frieden zurück.

Sannyasa Peeth, Paduka Darshan, Munger, 18th January 2014