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  • Yoga und Tantra

    Obwohl Yoga weltweit eine grössere Akzeptanz findet als Tantra, muss man zugleich wissen,
    dass Yoga ein Nebenzweig, ein Teil von Tantra ist. Wir können deshalb erkennen dass viele
    Komponenten des Tantra, wie etwa Mantra und die Konzentration auf ein Yantra, Bestandteil
    der yogischen Tradition sind. Die Definition von Yoga ist, die Einheit von Körper, Verstand und
    Geist zu erfahren. Diese drei Erfahrungszustände sind ein integraler Bestandteil der
    menschlichen Entwicklung.

    Die gesamte Struktur des Yogas ist unermesslich. Sie ermöglicht uns ein Verständnis dafür, wie
    der physische Körper funktioniert und wie wir die Energien aktiv in unserer physischen Dimen
    sion leiten können. Das ist das Wissen um Annamaya und Pranamaya Kosha. Sie ermöglicht
    uns ein Verständnis der Energien und der Funktionen der verschiedenen Eigenschaften des
    Verstandes; das ist das Wissen um Manomaya Kosha. Sie ermöglicht uns ein Verständnis über
    das menschliche Bewusstsein, nicht nur in seiner begrenzten Form, sondern auch in seiner
    kosmischen, universellen Form; das ist das Wissen um Vijnanamaya Kosha. Und sie ermöglicht
    uns die Erkenntnis, dass unsere wahre, essentielle Natur nicht auf die weltliche, sensorische
    und sinnliche Erfahrung beschränkt ist, sondern, dass es über die Sinne hinaus eine Dimension
    gibt, in der wir die optimale, homogene und integrative Form des menschlichen Bewusstsein
    erfahren. Eine Dimension, in der Schmerz und Leid, entstehend im Zusammenhang mit der
    Dimension von Namen, Formen und Ideen, nicht existiert, sondern Einsicht, Erfahrung und
    gelebte Glückseligkeit herrscht; das ist das Wissen um Anandamaya Kosha.

    Um eine Einsicht in diese verschiedenen Dimensionen der menschlichen Erfahrung zu ermögli
    chen, nutzt Yoga unterschiedliche Techniken. Gewisse sind eigene Techniken, andere kommen
    aus dem übergeordneten Wissenskörper, dem Tantra, wieder andere aus den Traditionen des
    Vedanta und Samkhya. Tatsächlich ist Yoga der Faden, der die verschiedenen Gedanken
    systeme, Traditionen und Philosophien zusammenbringt. Eine Mala besteht aus einzelnen
    Perlen, doch sind diese mit einem Faden zusammengebunden. Genauso wie Tantra, Samkhya,
    Vedanta und andere Philosophien als individuell und eigenständig angesehen werden. Was sie
    für die menschliche Verwendbarkeit sinnvoll macht, ist das Element Yoga, das sie zusammen
    bringt und ein klares Bild der Vorstellungen, Philosophien, Techniken und Prinzipien dieser
    verschiedenen Gedankensysteme schafft. Zu denken, dass Yoga ein unabhängiges und indivi
    duelles Glaubenssystem oder Philosophie ist, ist deshalb unangebracht und wird dem Ziel und
    Zweck des Yogas nicht gerecht.

    Mantra
    Die Aufgabe des Mantras ist es, die geistige Dimension von ihrem selbst erschaffenen Zwang
    zu befreien. Das ist die Definition des Wortes Mantra. Mantra ist die Kraft, die den Geist von der
    Macht der Illusion und Ignoranz befreien kann und den Horizont erweitert, um seine wahre
    Natur erfahrbar zu machen. In diesem Zusammenhang wird das Mantra mit der Verwirklichung
    von Manomaya Kosha verbunden. Es sind nicht nur Klänge und Worte mit Kraft, die mit ver
    schiedenen Gottheiten in Verbindung gebracht werden. Mantras haben verschiedene Bedeu
    tungen; manche sind yogische Mantras, andere sind universelle Mantras, wieder andere sind
    religiöse Mantras. Wir erschufen diese unterschiedlichen Assoziationen zu einer bestimmten
    Person, einem Konzept oder einem Glauben, doch existierten diese Mantras schon bevor wir
    dazu in der Lage waren, unsere eigenen Assoziationen zu schaffen.

    Mantras wurden in jeder Kultur und Tradition, sei es Hinduismus, Islam, Christentum, Vedanta
    oder Samkhya, anerkannt. So lautet es im christlichen Gedanken: „Am Anfang war das Wort
    und das Wort war mit Gott.“ Das Wort ist das Mantra. Gemäß des Upanishadischen Gedankens
    ist es das „Om“. Die Mandukyopanishad stellt in ihrem ersten Vers fest:

    Omityetatadaksharamidam Sarvam Tasyopavyaakhyaanam
    Bhootam Bhavadbhavishyaditi Sarvamonkaara Eva,

    was folgendes bedeutet: „Das Wort Om, der uranfängliche Klang, repräsentiert Vergangenheit,
    Gegenwart, Zukunft und Unendlichkeit.“ Das sind einige Eigenschaften des Klanges Om. Auf
    diese Weise wirst du feststellen, wenn du die verschiedenen Traditionen betrachtest, dass das
    Konzept von Mantra schon existierte bevor die menschlichen Wesen auf diesem Planeten
    erschaffen wurden.

    Mantra stellt die göttliche, kosmische Energie, die transformierende, übermenschliche Kraft
    dar. Wörter übermitteln immer eine Bedeutung. Klänge übermitteln immer eine Bedeutung; sie
    haben eine bestimmt Höhe, Frequenz und Vibration. Diese Höhe, Frequenz und Vibration wird
    vom menschlichen Geist verstanden, nicht nur intellektuell sondern auch psychisch. Die
    Menschen haben den Fehler gemacht zu versuchen, alles mit Hilfe des Intellekts zu rationali
    sieren. Das ist der größte Fehler, den ein Mensch machen kann. Der Intellekt ist nur ein
    Bestandteil des Geistes. Es gibt viele Bestandteile und Eigenschaften des Geistes, welche die
    vom Individuum aufgenommen Informationen in Form von Wörtern, Vibrationen und in der Form
    der bestehenden Umwelt, empfangen, filtern und verarbeiten. So, der Punkt der hervorgehoben
    werden muss ist, dass das Mantra ein kraftvolles, transformatives Werkzeug ist.

    Yantras
    Yantras sind ebenfalls mächtige Symbole des tiefen Unbewussten; sie sind Symbole der
    psychischen Persönlichkeit. So wie wir mit unserem Wachbewusstsein Bilder mit Objekten in
    unserer Welt in Verbindung bringen können, genauso repräsentieren Yantras Symbole, die in
    der Schöpfung enthalten sind, die Archetypen des menschlichen Bewusstseins sind und das
    Wachstum des menschlichen Geistes repräsentieren. Es wurde noch nicht viel Aufwand
    betrieben um die wirkliche Bedeutung von Yantras zu verstehen, weil unser gegenwärtiger
    Verstand limitiert ist. Yantras sind die eigentlichen Symbole, die das Individuum mit dem
    wahrhaftigen Bewusstsein verbinden. Yantras sind Werkzeuge, mit dem du das transzendente
    Bewusstsein erfahren kannst. Die Verwendung von Yantra im Yoga ist dazu da, die
    Verwirklichung von Vijnanamaya Kosha zu ermöglichen.

    Tantra ist definitiv der Vater von Yoga, doch unglücklicherweise wird Tantra im heutigen,
    sozialen System und der heutigen Glaubensstruktur falsch verstanden. Es gab einen Zerfall
    unserer Glaubensstruktur und das gilt für alle Bereiche unseres Lebens. Wir sind nicht fähig,
    die Essenz von Religion oder die Essenz von Philosophie zu erkennen, wir sind nicht einmal in
    der Lage zu wissen, was normale menschliche Beziehungen sind. Unsere Glaubensstruktur
    dreht sich um das menschliche Individuum – was „ICH“ als wahr ansehe – das ist alles. Es gibt
    keine Anerkennung mehr dafür, was wirklich und universell anwendbar ist, es gibt nur
    Akzeptanz für das, was „ICH“ für mich als angemessen finde, und nichts darüber hinaus. In
    Folge von selbst geschaffenem Ungleichgewicht, Disharmonie und Egoismus sind wir nicht in
    der Lage, die Wahrheit hinter dem Schein zu sehen.

    Das geschah mit Tantra. Viele Leute denken heute, dass Tantra eine Praxis sei, die Wein
    trinken, Fleisch essen, Geschlechtsverkehr und die Anwendung von Mantra und Yantra um
    andere zu kontrollieren und manipulieren, beinhalte. Leute verbinden Tantra mit Magie – gute
    und schlechte – je nach dem wie man Gebrauch davon macht. Wie auch immer, Tantra hat drei
    Aspekte: sattwisch, rajasisch und tamasisch. Tamasisches Tantra kann mit Manipulation und
    Macht verbunden werden. Rajasisches Tantra wird mit persönlichen Projektionen assoziiert.
    Sattwisches Tantra ist einzig alleine ein Werkzeug, um die eigenen Beschränkungen zu
    transzendieren. Unglücklicherweise wird in der Welt heute nur tamasisches Tantra als Tantra
    wahrgenommen. Sattwisches Tantra ist das lohnenswerte, doch nur wenige Menschen wissen
    davon.

    Trotzdem ist Yoga ein Teil von Tantra. Tatsächlich gibt es ein System im Tantra, das als
    Yogachara, auf die yogische Weise leben, bekannt ist. Alle Yogapraktiken, sei es Hatha Yoga,
    Raja Yoga, Patanjalis Yoga, Sivanadas Yoga, das Satyananda oder Iyengar Yoga System, alle
    fallen unter die Kategorie von Yogachara. Im Laufe der Zeit, wenn das Bewusstsein der
    Menschen steigt, wird vielleicht die wahre Lehre des Tantra wieder ans Licht kommen. Bis
    dahin solltest du dein Verständnis von Yoga vervollkommnen.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Werkzeuge für die tägliche Disziplin

    Es gibt keinen Unterschied zwischen spirituellem und weltlichem Leben. In dem Moment, in
    dem wir versuchen, unser spirituelles und unser alltägliches Leben voneinander zu trennen, im
    einen Bereich meditieren, uns konzentrieren und Yoga machen, während wir im anderen
    Bereich Sklaven unseres Geistes sind, abhängig von sinnlichem Vergnügen, Glück und
    Befriedigung, haben wir ein Problem. Wenn wir dagegen überzeugt sind, dass unser
    spirituelles Leben unser alltägliches Leben ist und unser alltägliches Leben unser spirituelles
    Leben, dann gibt es keinen Konflikt. Der ganze Prozess des spirituellen Lebens bedeutet
    Offenheit und Freundlichkeit gegenüber unseren Mitmenschen, zu helfen, zu begleiten, zu
    lieben und in Harmonie miteinander zu leben.

    Sechs yogische Kapseln
    Negativität ist ein Unkraut, das die Kraft des Positiven vernichtet und unterdrückt. Hass,
    Eifersucht und Neid sind Unkraut, das die wohlwollenden Eigenschaften des Geistes
    unterdrückt. Wenn wir uns mit dem Unkraut identifizieren und unter dem Einfluss unserer
    negativen mentalen Einstellungen stehen, verlieren wir die Verbindung mit der positiven Natur.
    So wie ein Rasen regelmäßig gepflegt werden muss, muss auch der Geist in regelmäßigen
    Abständen gepflegt werden. Man muss sich um ihn kümmern, mit positiven Gedanken und
    positiven Sankalpas, die dann zu unseren Stärken im Leben werden. Wir müssen den Geist vor
    Einflüssen schützen, die seinen Frieden, seine Ausgeglichenheit und Harmonie stören.
    Menschen, die das können, sind die wahren Yogis.

    Sechs Übungen müssen zur täglichen Angewohnheit werden. Die erste ist das Rezitieren von
    Mantra, was innere Stärke, Optimismus und Kreativität schafft. Das Mahamrityunjaya, das
    Gayatri und das Durga Mantra sind die drei Sankalpas oder Samen. Die Samen werden im
    Unterbewussten gepflanzt, wenn der Geist still ist, schlummernd, noch nicht aktiv im
    Wachzustand und noch nicht mit den Sinnen und mit der Welt und ihren Objekten verbunden.
    Deshalb sollten diese drei Mantras geübt werden, sobald man am Morgen aufwacht und noch
    im Bett ist. Mit regelmäßiger Übung erleben wir, dass diese drei Mantras massgeblich beteiligt
    sind, innere Stärke, Optimismus und eine positive Lebenseinstellung zu kultivieren.

    Die zweite Übung, die Teil unseres Alltags werden sollte, ist Yoga Nidra. Das Üben von Yoga
    Nidra hilft psychologische und psycho-emotionale Spannungen und Stress zu reduzieren und
    hält den Geist aktiv, kreativ, stressfrei und klar.

    Die dritte Komponente ist pranische Stimulierung. Die Pranas im Körper sollten aktiviert und
    ausgeglichen werden. Wenn die Pranas aktiv sind und das Energiesystem richtig reguliert ist,
    kann eine Menge der psychologischen, psycho-emotionalen und psycho-physiologischen
    Stressfaktoren vermieden werden. Körper und Geist sind dann immer voller Energie, ohne triste
    Momente im Leben, ohne Lethargie oder Isolation. Sie befinden sich in einem in sich ruhenden
    Zustand, in dem das Optimum an Kreativität von Körper und Geist erreicht, erlebt und
    ausgedrückt werden kann.

    Die vierte Komponente ist einfache Meditation. Im Yoga kommt als erstes Pratyahara, Rückzug
    der Sinne. Wir arbeiten uns durch die oberflächlichen Ebenen unserer Gefühle und Gedanken,
    wie in der Übung Antar Mouna, innere Stille. Um den Zustand der Stabilität des Körpers kennen
    zu lernen, üben wir Kaya Sthairyam, Körperstille. Wahrnehmung der subtilen Bewegungen
    kommt mit Ajapa Japa und Chidakasha Dharana. Wir beginnen mit zehn Minuten Trataka,
    blasen dann die Kerze aus, machen weiter mit zehn Minuten Antar Mouna, um die innere
    Aktivität zu beobachten und beenden die Übung mit zehn Minuten Ajapa Japa.

    Asana ist die fünfte Komponente. Es steht uns offen, so viel zu machen, wie wir wollen und wo
    wir wollen, aber die Übung von Asana soll einen Zweck erfüllen. Wenn Flexibilität und
    Körperarbeit das Ziel sind, sollte das im Fokus bleiben. Wenn Stabilität und Wohlbefinden das
    Ziel sind, sollte das im Vordergrund stehen.

    Bei der sechsten Komponente nehmen wir uns ein Yama und ein Niyama vor, welche wir überall
    zu befolgen versuchen. Im System von Patanjali sind Yamas und Niyamas mentale Übungen,
    Übungen der inneren Haltung um unser Leben zu disziplinieren und regulieren, um eine
    Änderung im äußeren Verhalten und im Mentalen zu bewirken.
    Wenn wir dieses Yogasystem regelmäßig anwenden, werden wir den Prozess von Yoga
    Sadhana verstehen. Das Verständnis für unseren Geist, Verhalten, Charakter, unsere
    Einstellungen und unsere Natur wird sich immer weiter entwickeln. Wenn wir das ein Jahr lang
    regelmäßig einhalten können oder sechs Monate oder selbst drei Monate lang, werden wir mit
    Sicherheit eine Transformation in unserem Leben entdecken.

    Die Reihenfolge ist wichtig und deshalb kommt das Mantra nach dem Aufwachen, Asana und
    Pranayama morgens, Yoga Nidra während des Tages, wenn wir uns gestresst fühlen und eine
    Erholung oder neue Energie brauchen, und Meditation am Abend.

    Drei Einstellungen anpassen
    Ob wir Mediation üben oder nicht, ob wir Yoga üben oder nicht, wenn wir ein yogisches Leben
    führen wollen, sollten wir versuchen, in allen Situationen eine gelassene Natur zu bewahren.
    Gelassenheit kultivieren und nicht nervös oder überängstlich zu werden, führt zu innerer
    Achtsamkeit und innerem Frieden.

    Regelmäßigkeit ist die zweite Qualität. Wir müssen regelmäßig und konstant in unseren
    Bemühungen sein und Stetigkeit aufrechthalten, bis wir unser Ziel erreichen. Regelmäßiges,
    ununterbrochenes, anhaltendes Bemühen muss Teil unserer Natur werden um Vollkommenheit
    zu erreichen, ob in einem Beruf oder auf unserem spirituellen Weg.

    Die dritte Qualität ist Fehlen von Eitelkeit. Eitelkeit bedeutet, dass wir eine Maske aufsetzen.
    Manche Menschen setzen andauernd, je nach Gelegenheit wieder eine andere Maske auf. Wir
    alle verstecken uns um unsere eigene Eitelkeit zu schützen. Wir mögen uns vor anderen
    verstecken, aber vor uns selbst sollten wir uns nicht verstecken. Wenn wir uns selbst nichts
    mehr vormachen, werden wir unsere wahre Natur erkennen.

    Wenn wir Gelassenheit, Regelmäßigkeit und Fehlen von Eitelkeit als drei einfache Einstellungen
    anwenden, wird unser inneres Leben reich und auch unser äußeres Leben wird ausgewogen
    und verbessert sich.

    Vier Qualitäten
    In den Yoga Sutras (1:33) sagt Patanjali, dass vier Qualitäten das Fundament menschlicher
    Beziehungen sein sollten. Die vier Qualitäten sind Maitri oder Freundschaft, Karuna oder
    Sympathie und Mitgefühl, Mudita oder Glück und Freude, und Upeksha oder Gleichgültigkeit.
    Mit denen, die zufrieden sind, sollte die Grundlage unserer Beziehung Freundschaft sein. Ein
    Mensch sollte freundlich zu denen sein, die keine Ansprüche haben, sondern erfüllt sind.

    Einfühlsamkeit, Sympathie und Mitgefühl in der Beziehung zu Menschen, die bedürftig sind
    oder leiden. Wenn jemand leidet, dann wird die Beziehung getragen von Sympathie und
    Mitgefühl. Wir sollten Glück für diejenigen empfinden, die herausragend sind und sich den
    tugendhaften Werten des Lebens verschreiben. Und schließlich sagt Patanjali, dass wir
    unehrliche Menschen ignorieren, verlassen und aufgeben sollten. Er benutzt das Wort
    ignorieren. Er sagt nicht, anpassen und sich darauf einstellen. Habe keinen Umgang mit
    negativen, destruktiven Menschen, die nicht nur deinen Frieden, sondern den Frieden überall
    zerstören. Sie haben ihr Schicksal und du kannst daran nichts ändern.

    Diese vier Ideen werden zur Grundlage des Verhaltens und der Beziehungen eines Yogis.
    Jedoch, sobald du Hass begegnest, fängst du an zu denken, warum sollte ich diesen
    Menschen ignorieren, warum kann ich diesem Menschen nicht helfen? Das untersteht deiner
    Urteilsfähigkeit, deiner Weisheit und deiner Wahl. Wenn du dich einem schwarzen Loch
    näherst, wirst auch du davon verschluckt werden. Wenn du ein Kohlebergwerk betrittst, werden
    auch deine Kleider schwarz. Deshalb gab Patanjali eine sehr klare Anweisung für die Grund
    lage von Beziehungen und den Umgang mit Menschen, selbst mit Kameraden, mit Ehe
    männern, Ehefrauen und Kindern, mit jedem.

    Die vier Prinzipien von Patanjali, Maitri, Karuna, Mudita und Upeksha führen zu Losgelöstheit.
    Losgelöstheit führt zu besserem und qualitativ höherem Verständnis als Anhaftung.
    Ein Mensch geht eine begrenzte Periode seines Lebens Beziehungen zu anderen Menschen
    ein, ein paar Jahre, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig oder fünfzig Jahre. Beim Zeitpunkt des
    Todes ist die Beziehung beendet. Diese Beziehung geht nicht weiter. Wer heute ein Ehemann
    oder eine Ehefrau war, kann im nächsten Leben ein Sohn, eine Tochter oder der schlimmste
    Feind werden, oder ein Vater oder Großvater in einem anderen Leben. Beziehungen im Leben
    sind nur zeitlich begrenzt. Sie führen nicht über dieses Leben hinaus, außer es ist eine
    spirituelle Beziehung. Eine spirituelle Beziehung ist erleuchtet, es ist eine lebendig gewordene
    Verbindung. Sie ist nicht emotional, stellt keine Forderungen. Es ist nicht Erwartung sondern
    das Verschmelzen zweier Seelen und zweier Geister.

    Im Jetzt leben
    Durch Yoga können wir die Fähigkeit entwickeln, in der Gegenwart zu leben ohne von der
    Vergangenheit oder Zukunft beeinträchtigt zu werden. Es gibt zwei wichtige Faktoren im Leben,
    zum einen sind es die Erinnerungen, zum anderen Sorgen und Befürchtungen. Erinnerungen
    sind immer mit der Vergangenheit verbunden. Sie sind die Faktoren, die die menschliche
    Entwicklung entscheiden, denn sie erzeugen Samskaras, Archetypen, Konditionierungen,
    Gedankenmuster, Verhalten, Einstellungen und legen unsere menschliche Natur fest. Unsere
    Persönlichkeit und Mentalität sind aus verschiedenen zusammengesetzten Erinnerungen
    gemacht. Unsere Reaktionen und Antworten sind nichts anderes als Erinnerungen.

    Der zweite Faktor sind die Sorgen, die Ängste, die durch das Verlangen nach Leben entstehen.
    Da, wo Verlangen nach Leben ist, da ist auch Unsicherheit, weil Sehnsucht immer mit der
    Zukunft verbunden und verknüpft ist. Wenn ich Wohlstand möchte, ist die Idee von Wohlstand,
    mit der ich mich jetzt identifiziere, zukunftsgerichtet. Wenn ich heute arm bin, stelle ich mir für
    die Zukunft vor, wohlhabend zu sein. Diese Wünsche entstehen durch Identifikation mit
    unserem Lebenshunger oder mit der Liebe zum Leben, sowie durch die Identifikation mit dem
    Gefühl der Unsicherheit, im Bezug zu dem, was morgen wohl passieren könnte. Unsicherheit,
    Sorgen und Existenzängste sind die Faktoren, die uns in die Zukunft planen lassen.

    Das Pendel
    Wir bewegen uns zwischen Erinnerung und Besorgnis, dem Hin und Her des wild schwingen
    den Pendels. Das Pendel schwingt von einer Seite zur anderen und wieder zurück, hin und her;
    es steht nie still. Wo ist die Gegenwart in diesem Prozess? In der Vergangenheit, in die sich das
    Pendel bewegt, gibt es einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel umkehrt. In
    der Zukunft gibt es genauso einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel die
    Reise zurück beginnt. Die Vergangenheit hat einen Punkt, an dem die Erinnerungen aufhören
    und die Zukunft hat einen Punkt, an dem das Planen und die Sorgen stoppen. Die Gegenwart
    hat keinen Punkt, an dem alles anhält; es existiert nur beständige Bewegung. Sich der Gegen
    wart bewusst zu sein heißt, das Schwingen des Pendels zu stoppen, damit das Jetzt nicht von
    Erinnerungen oder durch Sorgen an die Zukunft beeinflusst wird.

    Der Zustand des still stehenden Pendels ist in Raja Yoga als Samadhi bekannt. Wenn wir frei
    von Erinnerungen und Plänen sind, fähig uns auf unsere Stabilität zu fokussieren und uns
    bemühen, an uns selbst zu arbeiten, ist das die Gegenwart. Es ist ein sehr langer Prozess und
    wir müssen uns, unser Leben, unseren Geist und unsere Bemühungen neu ausrichten. Sie
    müssen von Neuem strukturiert werden, und das ist ein schwieriger Prozess.

    Das Pendel anhalten
    Gibt es eine einfachere Methode? Yoga kann als Werkzeug verwendet werden, um Kreativität
    und Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment zu entwickeln. Gleichzeitig erlangen wir Ver
    ständnis aus unseren Erinnerungen und nutzen es, um Karmas und Samskaras, die uns
    gegenwärtig blockieren, zu überwinden. Einen kreativen und optimistischen Geisteszustand zu
    haben, stellt uns eine vollkommenere Zukunft sicher.

    Eine Auswahl von vielleicht vier oder fünf Asanas und zwei Pranayamas wird die Energien des
    Körpers harmonisieren und ausrichten. Wenn du Yoga Nidra für die Entspannung übst, wirst du
    Stress und Anspannung nicht erlauben, im Unterbewussten und Unbewussten Wurzeln zu
    schlagen; eher wirst du einen Prozess für deren Beseitigung einleiten. Wenn Du etwas isst,
    dann wird das Essen verdaut und die Abfallprodukte ausgeschieden. Die gleiche Regel gilt
    auch für den Geist, nur wird unglücklicherweise nichts vom Geist ausgeschieden; die
    Abfallprodukte häufen sich an. Das ist der Grund für geistige „Verstopfung“ oder geistigen
    „Durchfall“, für Depression, Frustration, Neurosen und Psychosen. All die mentale
    Unausgeglichenheit entsteht durch die Ansammlung von Giftstoffen, die vom Geist nicht auf
    gleiche Art ausgeschieden wurden, wie das der Körper mit seinem Abfall tut.

    Um den Geist von seiner Verstopfung zu befreien, um den verbitterten und gereizten Geist
    wieder leicht, gesund und ausgeglichen zu machen, ist eine zwanzigminütige Übung von Yoga
    Nidra und 20 Minuten Meditation wichtig. Übe in deiner Meditation Atemwahrnehmung mit
    Mantra für zehn Minuten und für weitere zehn Minuten analysiere deine Stärken und
    Schwächen. Was sind die schwachen Bereiche in deinem Leben, die du diesen Monat stärken
    möchtest, was sind die positiven Bereiche in deinem Leben, die du weiter kultivieren möchtest?
    Kultiviere eine Qualität pro Monat und versuche eine negative Qualität pro Monat zu
    überwinden. Es ist möglich, dein Leben Schritt für Schritt zu verwandeln, bessere
    Gewohnheiten zu entwickeln und diejenigen, die ungesund und destruktiv sind, zu überwinden.
    Kultiviere Gewohnheiten, die Frieden und Gesundheit fördern. Anstatt dich mit Problemen und
    Gedanken zu beschäftigen, befasse dich mit deiner menschlichen Natur und stelle sie feiner
    ein. Spüre wie du dich auf diesem Weg, im Jetzt, für eine reichere Zukunft vorbereitest und
    veränderst.

    Was ist die wichtigste Qualität und die richtige Einstellung, die ein vollkommener
    Anfänger, der den spirituellen Weg gehen möchte, entwickeln sollte?
    Die Frage zielt auf einen Anfänger im spirituellen Leben. Ich glaube nicht, dass es ein Anfang
    oder ein Ende im spirituellen Leben gibt, weil die ganze Idee vom spirituellen Leben auf einem
    reinen und einfachen Prinzip beruht. Das passendste Prinzip für uns selbst ist in der Bhagavad
    Gita (2:48) als Samatvam Yoga uchyate beschrieben, Yoga heisst Gleichgewicht in sich selbst
    zu finden. Diese Gleichgewicht bedeutet ausgeglichen zu sein zwischen dem, was erreicht
    werden kann und dem, was nicht erreicht werden kann, zwischen dem, was vollendet werden
    kann und dem, was nicht vollendet werden kann, zwischen dem, was glücklich macht und
    dem, was unglücklich macht. Es ist das Gleichgewicht zwischen den Polaritäten des Lebens
    und der erste Schritt in das spirituelle Leben.

    Das Leben ist ein Ausdruck von Gegensätzen, vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Tod. Selbst
    im Todeszeitpunkt muss man die Kraft finden, ausgeglichen zu sein. Man muss die Stärke
    finden, in einer harmonischen Weise zu arbeiten. Harmonisch zu leben bedeutet mit
    Aufmerksamkeit für den Körper, für Krankheit und Gesundheit zu leben, mit Bewusstheit für den
    Geist und die Tendenzen des Geistes und mit der Achtsamkeit um Harmonie und Frieden zu
    finden. Es ist die Entdeckung dieser Harmonie und dieses Friedens, welche den Grundstein für
    das spirituelle Leben legt. Gewisse Personen haben gesagt, dass Yoga mit Asanas und
    anderen Techniken beginnt, und andere haben gesagt, dass das spirituelle Leben mit Disziplin
    beginnt. Doch in der Erfahrung von Meistern und Lehrern entwickelt sich echtes spirituelles
    Leben und wird erfahrbar, erst wenn man beginnt Kontrolle über die sich ständig verändernden
    Zustände von Körper und Geist und deren Ausdrucksformen zu gewinnen.

    Du musst dich bemühen und den Versuch starten, diese Harmonie im Denken, Verhalten,
    Handeln, Leben und in der Umgebung von Arbeit und Zuhause zu erreichen. Die
    verschiedenen Übungen von Yoga und Sadhana helfen, doch die Verwirklichung von
    spirituellem Leben beginnt, wenn man anfängt sich selbst auszugleichen. Als Anfänger und als
    fortgeschrittener Übender, immer musst du versuchen Harmonie im Handeln und Nicht
    Handeln, in Schmerz und Vergnügen, in Freude und im Unangenehmen zu finden. Das ist der
    ultimative Test von menschlichem spirituellen Bemühen.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Die Vrittis

    Bei Yoga Nidra denken wir an eine Entspannungstechnik, an eine Vorbereitungsübung für die
    Meditation, aber eigentlich ist Yoga Nidra die einfachste Methode, um die logische Struktur des
    menschlichen Geistes in seiner ganzen Tiefe zu erfahren. Yoga Nidra ist das Markenzeichen
    von Satyananda Yoga. Was bewirkt er? In der Vergangenheit haben wir über das Konzept von
    Pratyahara und Mind Management geredet. Ashtanga Yoga zielt darauf ab, sich des Geistes
    bewusst zu werden. Er gibt uns die Möglichkeit, die verschiedenen Neigungen des Geistes, die
    ohne unser bewusstes Wissen an die Oberfläche kommen, zu bewältigen.

    Diese Aktivitäten, welche an die Oberfläche des Geistes gelangen, sind bekannt unter dem
    Begriff Vrittis. Das Wort Vritti bedeutet ‘ein Wirbel’, ‘eine kreisförmige Bewegung, ohne Anfang
    und Ende’. Yoga beschreibt fünf verschiedene Arten von Vrittis. Wie auch immer, eher als auf
    deren Verstehen einzugehen, wollen wir uns den Bestandteilen, welche ein Vritti ausmachen,
    widmen.

    Der erste Bestandteil eines Vritti
    Der erste Bestandteil ist Wissen, Verstehen. Wir verstehen nur teilweise, wie wir uns verhalten
    und in unserem Leben interagieren. Verstehen ist die Fähigkeit zu erkennen, in welche
    Richtung wir uns bewegen. Die zweite Komponente eines Vritti ist das Reagieren. In diesem
    Fall findet keine logische Beurteilung statt, sondern eine spontane Reaktion auf Dinge von
    aussen, in der Form von Freude und Schmerz, Glück und Frustration.

    Der dritte Bestandteil eines Vritti sind Gefühle. Wir nehmen unser eigentliches Befinden in einer
    bestimmten Situation oder Umgebung wahr. Dies kann viele Formen annehmen und durch die
    Gunas positiv, negativ oder neutral eingefärbt sein. Es kann durch unsere Projektionen, unser
    Ego, unsere Ambitionen eingefärbt sein, und so sehen wir die Welt diesen Gefühlseinfärbungen
    entsprechend. Der vierte Bestandteil eines Vritti besteht aus den Erinnerungen oder Ein
    drücken, welche wir einst gemacht und in unserem Geist gespeichert haben und zur
    Richtschnur unserer zukünftigen Äusserungen und Verhaltensweisen werden. Verstehen,
    Reaktionsmuster, Gefühle und Erinnerungen sind also die vier Komponenten eines Vritti.
    Die Harmonisierung der Vrittis

    Die Vrittis sind ständig aktiv in unserem Geist. Ich gehe nicht auf die bewusste, unterbewusste
    oder unbewusste Ebenen des Geistes ein, da die Intensität der Vrittis auf allen Ebenen
    unterschiedlich ist. Wir betrachten eher, wie die Vrittis den gesamten Geist beeinflussen. Um
    die Vrittis zu harmonisieren, zu klären und zu beseitigen, müssen wir einen bestimmten
    Prozess, eine bestimmte Sequenz einhalten.

    Dazu müssen wir zuerst ein objektives Bewusstsein entwickeln, um genau zu sehen, was rund
    um uns und in uns vor sich geht, ohne davon beeinflusst zu werden. Durch Bewusstwerdung
    Immunität gegenüber den Aktivitäten der Vrittis zu entwickeln, ist das erste Sadhana. Zweitens
    sollten wir lernen loszulassen, zu entspannen und uns ohne bewusstes Kontrollieren vom
    Stress, welcher in unserem Geist, im Körper und in den Emotionen gebildet wird, zu befreien.

    Jedes Ereignis im Leben birgt Spannungen in sich. Spannung ist also ein natürliches Ergebnis
    des Lebens. Wenn diese Spannung jedoch heftig wird, beginnt sie das Verhalten des Geistes
    und des Körpers negativ zu beeinflussen. Das zweite Sadhana besteht also darin, zu lernen,
    wie innere und äussere Spannungen losgelassen werden können. Drittens ist es nötig ein
    Sankalpa zu verwenden, damit unsere kreativen Kräfte eine Richtung erhalten und sich ent
    falten können. Diese Richtung entsteht aus dem bewussten Verständnis für das Positive im
    Leben. Das Streben nach dieser positiven Qualität wird zu unserer Richtung.

    Als vierter Schritt ist es wichtig, durch den Prozess des Visualisierens Konzentrationsfähigkeit
    zu entwickeln. Dies ist möglicherweise der wichtigste Bestandteil einer jeden Pratyahara
    Technik, Yoga Nidra inbegriffen. Wie konzentrieren wir uns? Wie fokussieren wir unseren Geist?
    Wir neigen dazu, zu denken und dann dieses Denken zu intensivieren. Wir neigen dazu, uns
    einer Sache bewusst zu werden und dann diese Bewusstheit zu intensivieren. Wir neigen dazu,
    unseren Geist auf einen Punkt hin zu fixieren und intensivieren dieses Fixieren. Dies ist, was
    üblicherweise unter Konzentration verstanden wird, nämlich etwas sehr intensiv durch die
    Augen des Geistes zu betrachten, ohne ihm zu erlauben nach rechts oder links abzudriften.

    Diese Art von Konzentration ruft jedoch im Geist und in der Psyche zusätzlichen Stress hervor.
    Konzentration muss eine einheitliche Erfahrung von absolutem Fokus sein, ohne irgendeine
    innere Reaktion oder Spannung zu erzeugen.

    Die drei Zustände des Geistes
    Es gilt, drei Zustände des Geistes zu erleben: Imagination, Visualisierung und Darshan. In
    jedem Geisteszustand ändert sich die Qualität des Geistes. Während einer Imagination gibt es
    vielerlei Ideen, Ereignisse oder Gefühlsregungen. Im Gesiteszustand der Visualisierung
    nehmen diese Assoziationen ab und es bleibt eine einzige Bewusstheit. Wenn alle Assozi
    ationen aufhören und sich die Bewusstheit intensiviert, entsteht Darshan, die eigentliche
    Manifestation der Blume in deinem Inneren.

    Um auf diese Ebene zu gelangen, müssen wir mit den grundlegenden Pratyahara Übungen
    beginnen. Pratyahara bedeutet Achtsamkeit zu entwickeln, Dharana heisst Konzentration zu
    entwickeln und Dhyana ist die Entwicklung der Erfahrung von Einssein, innerer Harmonie und
    Ausgewogenheit. Achtsamkeit ist das Erkennen der inneren Vorgänge im Körper, der
    Dimension der sinnlichen Wahrnehmung, der Tätigkeit des Gehirns, sowie des bewussten und
    unterbewussten Geistes. Ebenso wird man sich über die Zusammenhänge verschiedener
    Lebensbereiche klar. Wenn wir uns all dieser Aktivitäten bewusst sind, gelangen wir auf die
    nächste Ebene geistiger Zustände. Dort lernen wir loszulassen, zu entspannen und mentale
    Reaktionen nicht an die Oberfläche kommen zu lassen. Zu dem Zeitpunkt, an dem wir fähig
    sind mentale Reaktionsmuster zu beobachten, beginnt der dritte Teil von Pratyahara.

    Yoga Nidra und Antar Mouna
    Yoga Nidra ist der erste Bereich von Pratyahara. Hierbei geht es um das Entwickeln und Aus
    dehnen der Bewusstheit bezüglich unserer gesamten Persönlichkeit. Weiter geht es darum,
    Bewusstheit nicht nur in Bezug zur körperlichen Ebene, sondern auch hinsichtlich der mentalen
    Eindrücke und allmählich der Samskaras, welche in den tiefen Schichten des Geistes
    eingelagert sind, zu entwickeln.

    Der Prozess von Yoga Nidra ist in drei Gruppen eingeteilt: Pratyahara Yoga Nidra, Dharana
    Yoga Nidra und Dhyana Yoga Nidra. Bis anhin haben wir nur die grundlegendenTechniken von
    Pratyahara Yoga Nidra geübt. Die Literatur beschreibt einzig Pratyahara Yoga Nidra, nicht
    Dharana Yoga Nidra oder Dhyana Yoga Nidra. Bei Dhyana Yoga Nidra wird Nidra Vritti, das
    Vritti des Schlafes, überwunden und sublimiert. Bei Dharana Yoga Nidra, wird das Vritti des
    Schlafes unter die Kontrolle der Übenden gebracht. Pratyahara Yoga Nidra bezeichnet den
    schlaflosen Schlaf. Dabei wird einfach mit dem, was uns passiert, experimentiert. Yoga Nidra
    ist ein wichtiger Schritt, um Pratyahara zu perfektionieren, da er uns erlaubt, uns mit
    verschiedenen Ebenen unserer Persönlichkeit in systematischer Art und Weise zu arbeiten.

    Ich bin mir sicher, dass du bei ernsthaftem Üben von Yoga Nidra die Tiefe der Entspannung,
    die Bewusstheit und geistige Harmonie, welche diese Technik ermöglichen kann, erfahren
    wirst. Tatsächlich unterrichte ich keine Meditation mehr, insbesondere seit wir durch die Yoga
    Universität in eine neue Ära des Unterrichtens übergegangen sind. Meditation ist nun ein
    Tabuthema und die Vorbereitung zur Meditation erfolgt ausschliesslich durch Yoga Nidra. Wenn
    Yoga Nidra nicht perfektioniert ist, kann der Zustand von Pratyahara nicht erreicht werden.
    Um den Prozess zu unterstützen, Pratyahara zu perfektionieren, üben wir die grundlegende
    Konzentrationstechnik Antar Mouna im Anschluss an Yoga Nidra. Antar Mouna heisst
    wortwörtlich übersetzt ‘innere Stille’. Durch diese Technik können wir anhand von
    Gedankenbeobachtung, die Tätigkeiten des bewussten Geistes betrachten. Die Techniken von
    Yoga Nidra und Antar Mouna zusammengenommen befassen sich mit dem vordergründigen
    menschlichen Geist.

    Aus yogischer Perspektive gibt es zwei Arten von menschlichem Bewusstsein, einerseits das
    manifestierte oberflächliche Bewusstsein und andererseits das unmanifestierte, reale Bewusst
    sein. Wir erfahren das manifestierte, oberflächliche Bewusstsein in all seinem Glanz. Die letzte
    Etappe der Erfahrung des manifestierten, oberflächlichen Bewusstseins ist die Auseinander
    setzung mit dem Ego, und bei diesem Ego handelt es sich um das negative Ego. Daher sollten
    wir beim Üben von Yoga Nidra und Antar Mouna die einzelnen Bestandteile des manifesten
    Bewusstseins und des negativen Egos genau anschauen.

     

    Du findest das Original im Yogamag.

  • Treppenstufen in den Himmel

    Glaube an dich selbst. Wisse, dass du die Kraft hast, die Fähigkeit, den Mut und den Willen,
    dich selbst zu verwandeln. Der beste Weg diesen Punkt zu erreichen ist durch Stille, nicht
    durch Logik oder Intellekt, oder Fragen und Diskussion. So viele Bücher sind dazu schon
    geschrieben worden, und immer noch stellen die Menschen Fragen.

    Die Antworten wurden in all den Schriften und von verschiedenen Meistern und Heiligen
    gegeben, doch fragen wir weiterhin nach den Gründen: dem Warum, Wann und Wie. Wir
    stellen immer wieder die gleichen Fragen, obwohl uns die Antworten schon gegeben wurden.
    Lerne in der Stille von den Mysterien des Lebens, indem du verstehst und daran glaubst, dass
    du die Kraft, den Mut und die Fähigkeit in dir hast.

    Du kannst zweifellos ein ödes Stück Land zu einem blühenden Garten umwandeln. Die
    Methode kannst du dir selbst aussuchen. Wenn es kein Wasser in der Nähe gibt, wirst du einen
    Brunnen graben müssen oder einen Kanal zu einem nahen Fluß. Du weißt, dass du den Garten
    bewässern mußt, daher mußt du deine eigene Methode finden. Du wirst den Weg finden
    müssen, die richtigen Samen zu beschaffen und sie zu beschützen, indem du alles, was ihr
    Wachstum fördert, zur Verfügung stellst.

    Es wird leicht und einfach, wenn du an dich glaubst und du Willen und Ernsthaftigkeit
    aufbringst. Es ist zwecklos, dich mit dem Kopf in den Händen hinzusetzen und zu denken ‘Gott,
    was soll ich mit meinem Stück Land machen? Es ist voller Felsen, und es gibt kein Wasser in
    der Nähe.’ Diese fatalistische Haltung ist der Weg zur Hölle. Das ist das größte Hindernis,
    welches man überwinden muß. Die Haltung des Vertrauens sind die Treppenstufen zum
    Himmel. Sei daher nie ein Fatalist. Habe immer Vertrauen in dich selbst.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Karma Yoga im täglichen Leben

    Bisher wurde Yoga immer als eine Serie von Übungen angesehen, die abseits der normalen
    sozialen Lebenssituationen durchgeführt werden – in einem Unterrichtsumfeld oder an einem
    Rückzugsort in Gesellschaft von „spirituellen Wesen“. Wir dachten, dass wenn wir diese oder
    jene Yogatechnik üben, wir dieses oder jenes Resultat erreichen würden. Tatsächlich haben wir
    Yoga zu einem mechanischen Prozess gemacht, der nur zur Selbstwahrnehmung führt. Wir
    müssen von dieser Idee Abstand nehmen und Yoga zu einem Teil unseres natürlichen
    Ausdrucks werden lassen. Nur dann kann Yoga zu einem Prozess werden der zur
    Selbstverwirklichung führt.

    Wenn wir Yoga als eine Methode üben, um uns gut zu fühlen, dann werden wir uns definitiv für
    eine kurze Weile gut fühlen. Wenn wir Yoga üben um uns zu entspannen, dann werden wir uns
    definitiv entspannen. Wenn wir Yoga üben um uns mit unserem Inneren zu verbinden, wird das
    ebenfalls möglich sein. Aber was auch immer wir erreichen mögen, es wird vorübergehend
    sein, eine vorübergehende Phase. Denn, wenn wir wieder den Realitäten des Lebens, den
    Spannungen und Frustrationen gegenübertreten müssen, dann wird der Effekt von Yoga in den
    Hintergrund verlagert. Daher müssen wir verstehen, dass die wahre Erfahrung von Yoga durch
    Karma Yoga geschieht. Auch wenn du Hatha Yoga, Raja Yoga, Kundalini oder Kriya Yoga übst,
    musst du es mir Karma Yoga kombinieren um eine umfassende Erfahrung des Prozesses zu
    erhalten.

    Drei Einstellungen anpassen
    Ob wir Mediation üben oder nicht, ob wir Yoga üben oder nicht, wenn wir ein yogisches Leben
    führen wollen, sollten wir versuchen, in allen Situationen eine gelassene Natur zu bewahren.
    Gelassenheit kultivieren und nicht nervös oder überängstlich zu werden, führt zu innerer
    Achtsamkeit und innerem Frieden.

    Regelmäßigkeit ist die zweite Qualität. Wir müssen regelmäßig und konstant in unseren
    Bemühungen sein und Stetigkeit aufrechthalten, bis wir unser Ziel erreichen. Regelmäßiges,
    ununterbrochenes, anhaltendes Bemühen muss Teil unserer Natur werden um Vollkommenheit
    zu erreichen, ob in einem Beruf oder auf unserem spirituellen Weg.

    Die dritte Qualität ist Fehlen von Eitelkeit. Eitelkeit bedeutet, dass wir eine Maske aufsetzen.
    Manche Menschen setzen andauernd, je nach Gelegenheit wieder eine andere Maske auf. Wir
    alle verstecken uns um unsere eigene Eitelkeit zu schützen. Wir mögen uns vor anderen
    verstecken, aber vor uns selbst sollten wir uns nicht verstecken. Wenn wir uns selbst nichts
    mehr vormachen, werden wir unsere wahre Natur erkennen.

    Wenn wir Gelassenheit, Regelmäßigkeit und Fehlen von Eitelkeit als drei einfache Einstellungen
    anwenden, wird unser inneres Leben reich und auch unser äußeres Leben wird ausgewogen
    und verbessert sich.

    Sich bewusst werden
    Es gibt fünf Komponenten von Karma Yoga. Die erste Komponente ist Bewusstheit. Bewusstheit
    beginnt beim Körper, wenn wir Asana üben. Die Bewusstheit wird zu einem Teil des Übens der
    Asanas und der physischen Bewegungen. Wenn du einen Finger bewegen musst, dann wirst
    du dir der Bewegung des Fingers bewusst und ebenfalls des Zugs der Muskeln und der
    Bewegungen der Gelenke. Die hervorgehende Bewusstheit zergliedert die Finger in Knochen,
    Muskeln und Nerven. Die Muskeln und Knochen bewegen sich auf eine bestimmte Art, die
    Nerven und die Bänder ziehen in ihrer eigenen Weise, und das Bewusstsein wird immer
    schärfer und subtiler. Was du vorher beobachtet hast, ist die eine Erfahrung. Später siehst du
    es in seinen verschiedenen Komponenten und Formen. Das Ziel von Asanas ist, sich des
    Körpers bewusst zu werden und wie er sich in alltäglichen Situationen ausdrückt. Bewusstsein
    in Asana wird zu Mühelosigkeit und Stabilität führen.

    In den Yoga Sutras definiert Patanjali Asana als eine Haltung, in der man bequem und stabil ist.
    Du sitzt hier seit 20 Minuten. Bist du stabil und bequem? Manche von euch sind es, manche
    nicht. Und die, die es sind, werden sich in 10 Minuten unwohl fühlen. Im Moment sind wir nicht
    mit unserem Körper verbunden. Wir sitzen, sind uns aber des Sitzens nicht bewusst. Wir
    gehen, sind uns aber des Gehens nicht bewusst. Wir bewegen unseren Körper, sind uns
    seinen Bewegungen aber nicht bewusst. Der Zweck von Asanas ist es, dich in einen Zustand
    von Komfort und Stabilität zu führen. Die Wahrnehmung von Komfort und Stabilität entsteht nur
    durch Bewusstsein.

    Im Jetzt leben
    Durch Yoga können wir die Fähigkeit entwickeln, in der Gegenwart zu leben ohne von der
    Vergangenheit oder Zukunft beeinträchtigt zu werden. Es gibt zwei wichtige Faktoren im Leben,
    zum einen sind es die Erinnerungen, zum anderen Sorgen und Befürchtungen. Erinnerungen
    sind immer mit der Vergangenheit verbunden. Sie sind die Faktoren, die die menschliche
    Entwicklung entscheiden, denn sie erzeugen Samskaras, Archetypen, Konditionierungen,
    Gedankenmuster, Verhalten, Einstellungen und legen unsere menschliche Natur fest. Unsere
    Persönlichkeit und Mentalität sind aus verschiedenen zusammengesetzten Erinnerungen
    gemacht. Unsere Reaktionen und Antworten sind nichts anderes als Erinnerungen.

    Der zweite Faktor sind die Sorgen, die Ängste, die durch das Verlangen nach Leben entstehen.
    Da, wo Verlangen nach Leben ist, da ist auch Unsicherheit, weil Sehnsucht immer mit der
    Zukunft verbunden und verknüpft ist. Wenn ich Wohlstand möchte, ist die Idee von Wohlstand,
    mit der ich mich jetzt identifiziere, zukunftsgerichtet. Wenn ich heute arm bin, stelle ich mir für
    die Zukunft vor, wohlhabend zu sein. Diese Wünsche entstehen durch Identifikation mit
    unserem Lebenshunger oder mit der Liebe zum Leben, sowie durch die Identifikation mit dem

    Gefühl der Unsicherheit, im Bezug zu dem, was morgen wohl passieren könnte. Unsicherheit,
    Sorgen und Existenzängste sind die Faktoren, die uns in die Zukunft planen lassen.

    Das Pendel
    Wir bewegen uns zwischen Erinnerung und Besorgnis, dem Hin und Her des wild
    schwingenden Pendels. Das Pendel schwingt von einer Seite zur anderen und wieder zurück,
    hin und her; es steht nie still. Wo ist die Gegenwart in diesem Prozess? In der Vergangenheit, in
    die sich das Pendel bewegt, gibt es einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das Pendel
    umkehrt. In der Zukunft gibt es genauso einen Punkt, an dem die Bewegung stoppt und das
    Pendel die Reise zurück beginnt. Die Vergangenheit hat einen Punkt, an dem die Erinnerungen
    aufhören und die Zukunft hat einen Punkt, an dem das Planen und die Sorgen stoppen. Die
    Gegenwart hat keinen Punkt, an dem alles anhält; es existiert nur beständige Bewegung. Sich
    der Gegenwart bewusst zu sein heißt, das Schwingen des Pendels zu stoppen, damit das Jetzt
    nicht von Erinnerungen oder durch Sorgen an die Zukunft beeinflusst wird.

    Der Zustand des still stehenden Pendels ist in Raja Yoga als Samadhi bekannt. Wenn wir frei
    von Erinnerungen und Plänen sind, fähig uns auf unsere Stabilität zu fokussieren und uns
    bemühen, an uns selbst zu arbeiten, ist das die Gegenwart. Es ist ein sehr langer Prozess und
    wir müssen uns, unser Leben, unseren Geist und unsere Bemühungen neu ausrichten. Sie
    müssen von Neuem strukturiert werden, und das ist ein schwieriger Prozess.

    Das Pendel anhalten
    Gibt es eine einfachere Methode? Yoga kann als Werkzeug verwendet werden, um Kreativität
    und Achtsamkeit im gegenwärtigen Moment zu entwickeln. Gleichzeitig erlangen wir
    Verständnis aus unseren Erinnerungen und nutzen es, um Karmas und Samskaras, die uns
    gegenwärtig blockieren, zu überwinden. Einen kreativen und optimistischen Geisteszustand zu
    haben, stellt uns eine vollkommenere Zukunft sicher.

    Eine Auswahl von vielleicht vier oder fünf Asanas und zwei Pranayamas wird die Energien des
    Körpers harmonisieren und ausrichten. Wenn du Yoga Nidra für die Entspannung übst, wirst du
    Stress und Anspannung nicht erlauben, im Unterbewussten und Unbewussten Wurzeln zu
    schlagen; eher wirst du einen Prozess für deren Beseitigung einleiten. Wenn Du etwas isst,
    dann wird das Essen verdaut und die Abfallprodukte ausgeschieden. Die gleiche Regel gilt
    auch für den Geist, nur wird unglücklicherweise nichts vom Geist ausgeschieden; die Abfall
    produkte häufen sich an. Das ist der Grund für geistige „Verstopfung“ oder geistigen
    „Durchfall“, für Depression, Frustration, Neurosen und Psychosen. All die mentale Unausge
    glichenheit entsteht durch die Ansammlung von Giftstoffen, die vom Geist nicht auf gleiche Art
    ausgeschieden wurden, wie das der Körper mit seinem Abfall tut.

    Um den Geist von seiner Verstopfung zu befreien, um den verbitterten und gereizten Geist
    wieder leicht, gesund und ausgeglichen zu machen, ist eine zwanzigminütige Übung von Yoga
    Nidra und 20 Minuten Meditation wichtig. Übe in deiner Meditation Atemwahrnehmung mit
    Mantra für zehn Minuten und für weitere zehn Minuten analysiere deine Stärken und
    Schwächen. Was sind die schwachen Bereiche in deinem Leben, die du diesen Monat stärken
    möchtest, was sind die positiven Bereiche in deinem Leben, die du weiter kultivieren möchtest?

    Kultiviere eine Qualität pro Monat und versuche eine negative Qualität pro Monat zu über
    winden. Es ist möglich, dein Leben Schritt für Schritt zu verwandeln, bessere Gewohnheiten zu
    entwickeln und diejenigen, die ungesund und destruktiv sind, zu überwinden. Kultiviere
    Gewohnheiten, die Frieden und Gesundheit fördern. Anstatt dich mit Problemen und Gedanken
    zu beschäftigen, befasse dich mit deiner menschlichen Natur und stelle sie feiner ein. Spüre
    wie du dich auf diesem Weg, im Jetzt, für eine reichere Zukunft vorbereitest und veränderst.

    Das Loslassen von Besessenheit
    Die fünfte Komponente von Karma Yoga ist das Loslassen von persönlichen Komplexen, das
    Loslassen von Besessenheit, die wir in uns selbst erschaffen. Dies ist bekannt als Hingabe.
    Denke bei Hingabe nicht an philosophische oder religiöse Definitionen, sondern an die
    Überwindung von Besessenheit und ans Freiwerden. In dem Moment, in dem du in der Lage
    bist, deine Obsessionen loszulassen, wirst du kreativ. Unsere Obsessionen erlauben es der
    kreativen Natur nicht, hervorzukommen. Kreativität bedeutet nicht nur künstlerischen Ausdruck.
    Kreativität bedeutet, dass Geist und Gefühle in voller Blüte sind. Diese Kreativität wird erreicht,
    wenn wir in der Lage sind, unsere Obsessionen und Komplexe loszulassen. Die nächste Stufe
    ist selbstloses Handeln, das spontan und natürlich geschieht. Damit etwas selbstlos wird, kann
    es keine Wünsche, kein Anhaften, keine Assoziation mit dem, was passiert, geben. Sonst
    versuchen wir alle bei der ersten Gelegenheit, die sich uns bietet, Wasser in Wein zu
    verwandeln. Nicht weil uns das auf irgendeine Art und Weise hilft, sondern weil es unser Ego
    stärkt. Die selbstsüchtige Natur ist normalerweise die vorherrschende. Selbstlos zu werden ist
    eine der schwierigsten Herausforderungen im Leben.

    Gott entschied einst, einem Heiligen, der viel Busse getan hatte, einen Segen zu geben. Aber
    der Heilige wünschte sich, nachdem ihm Gott erschienen war, nichts mehr im Leben und
    weigerte sich, irgendetwas anzunehmen. So gab Gott dem Schatten des Heiligen den Segen
    von Frieden, Wohlstand und Gesundheit. Der Heilige wusste nichts von diesem Segen, doch
    wo auch immer er hinging, herrschte Frieden, Wohlstand und Gesundheit. Das ist eine
    selbstlose Handlung.

    Selbstloses Dienen, die selbstlose Handlung, das ist das höchste Ziel von Karma Yoga. Wenn
    du Karma Yoga zu anderen Yogas in Beziehung setzt, wirst du seine Relevanz erkennen. Hatha
    Yoga ohne Karma Yoga hat keine Bedeutung. Sei dir auch bewusst, dass wir über Karma Yoga
    sprechen und nicht über Karma. Wenn das Wort Yoga zu Karma hinzugefügt wird, bedeutet es
    Harmonie in allen Lebenssituationen, in jedem Ausdruck des Körpers, des Geistes und der
    Gefühle. Das ist das Konzept von Karma Yoga – Verinnerlichung der Wahrnehmung, sich
    bewusst zu werden und sich von Zwangsvorstellungen und Negativität zu befreien.

    Natürlich müssen wir mit etwas Greifbarem und Erkennbarem beginnen, und das ist unser
    Körper, den wir von unserer Geburt bis zu unserem Tod mit uns tragen. Wenn wir Hatha und
    Raja Yoga mit Karma Yoga in Verbindung bringen, führt das zu tieferer Bewusstheit. In der
    Verbindung mit Bhakti Yoga führt Karma Yoga zum Gleichgewicht der Emotionen. In Beziehung
    zum Intellekt und zu Jnana Yoga bringt Karma Yoga größeres Wissen, Wahrnehmung,
    Beobachtung und Weisheit. Wie geht, lebt, isst, schläft ein perfektes Wesen? Denk darüber
    nach. Sogar bei Kriya und Kundalini Yoga muss Karma Yoga hinzugefügt werden. Die
    Erfahrungen, die du beim Erwachen der subtilen Kräfte und Energien der psychischen Zentren
    machen wirst, müssen durch das Loslassen von den negativen Tendenzen dieser Zentren,
    harmonisiert werden. Wie können wir anfangen Karma Yoga zu verstehen und es in unser
    Leben integrieren? Indem wir, durch die Übungen und das System von Yoga, unsere Haltungen
    und Vorstellungen ändern.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Jnana Yoga

    Aus „On the Wings of the Swan” – Volume VI
    Jnana bedeutet zu wissen, und ein Yogi ist jemand, der danach lebt, was er weiß. Somit ist ein
    Jnana Yogi jemand, der in Weisheit verankert ist, und eine solche Person wird keine dummen
    Fragen stellen. Wenn du in einem Zug sitzt und von einem Ort zum andern reist, ist es unlo
    gisch, dich selbst ständig zu fragen: „Wo bin ich?“, denn du weisst, dass du dich vorwärts
    bewegst und deinen Bestimmungsort erreichen wirst. Auf die gleiche Weise begann der Jnana
    Yogi, der in Weisheit verankert ist, seine Reise mit dem Fokus, zu erfahren: „Wer bin ich!?“
    Diese Frage stellt sich nur einmal im Leben, nicht jeden Tag. Wenn sie sich jeden Tag stellt,
    dann ist diese Person kein Jnana Yogi sondern steckt an einem Ort fest und kann sich nicht
    vorwärts bewegen. Wenn der Prozess der Erkenntnis beginnt, lässt man diese Frage hinter sich
    und jeder Tag ist eine neue Entdeckung. Dieser Prozess der Erkenntnis dauert an bis der Jnana
    Yogi in Weisheit verankert ist.

    Um sich in etwas zu verankern und dessen Bedeutung zu erkennen, ist es notwendig, durch
    eine Krise zu gehen. Wenn jeder auf der Welt gesund wäre, würde die medizinische
    Wissenschaft nicht existieren. Krankheit, Tod und Leiden haben zu Forschung und dem
    Fortschritt der medizinischen Wissenschaft geführt. Wenn wir eine Idee verändern, geschieht
    das, weil die vorherige Idee zerschlagen wurde. Wenn eine Veränderung im Denken stattfindet,
    geschieht das, weil der vorherige Gedanke keinen Sinn mehr macht. Krisen sind ein
    Katalysator für Veränderungen.

    Das erste Kapitel der Bhagavad Gita handelt vom Vishada Yoga, dem Yoga des Kummers. Es
    ist ein wunderbares Konzept. Wenn du trauerst und trotzdem in der Lage bist, eine Richtung für
    dich selbst zu bestimmen, wird das zu Yoga. Wenn du scheiterst, dir selbst eine Richtung zu
    geben und tiefer in die Verzweiflung sinkst, dann entsteht ein Ungleichgewicht. Es ist wie Aus
    geglichenheit bei Stress zu entwickeln. Negativer Stress bedeutet Leid, positiver Stress ist
    Eustress (guter Stress) und der Gleichgewichtspunkt ist null Stress. Wenn die Sehne eines
    Bogens zu locker ist, entsteht keine Spannung, es ist keine Kraft vorhanden und der Bogen
    wird nutzlos. Wenn die Sehne zu straff ist, kann sie durch die Spannung reißen und Leiden
    entsteht. Es muss die richtige Spannung vorhanden sein. Ebenso ist Trauer an sich nicht
    schlecht oder negativ, es ist der Umgang mit Trauer, der wichtig ist.

    Wenn wir fähig sind, unseren Gedanken und Energien eine Richtung zu geben, wird das Leid
    zu einem Faktor des Schaffens von positiven Veränderungen und größerem Erfolg im Leben.
    Das gleiche Leid, wenn schlecht gehandhabt, wird zu Krankheit oder Ungleichgewicht führen.
    Es steuert dann die Reaktionsweise des Körpers, des Gehirns und des Geistes, und es entsteht
    Schwitzen, trockener Mund, vermehrter Harndrang, Schlaflosigkeit und ein
    Nervenzusammenbruch.

    Jeder sollte positives Leid erleben, nicht Leiden wie wir es verstehen sondern im positiven
    Sinne, wenn es in uns den Wunsch nach Veränderung nährt, wenn es uns hilft, die Sinnlosigkeit
    des Zustands zu erkennen, in dem wir gelebt haben. Wenn dieser Punkt erreicht ist, beginnt
    der Prozess der Reinigung. Dies widerfuhr Sri Rama, Arjuna, Buddha, Christus, dem Propheten
    Mohammed, es geschah so vielen Menschen, die zu außergewöhnlichen Persönlichkeiten in
    der Welt wurden.

    Im Wissen, dass wir mit Kummer nicht umgehen können, setzen wir uns ihm nicht aus. Unsere
    intensive Bemühung, Tapasya, ist nicht Leiden, es ist Vergnügen. Wir meditieren, weil wir an
    der Meditation Freude haben. Wir wiederholen unser Mantra, weil es uns Spaß macht. Wenn wir
    aus Meditation keine Freude gewinnen könnten, würden wir es nicht tun. Wenn uns etwas keine
    Freude macht, zieht es uns nicht an. Wir sprechen hier jedoch nicht von den Dingen, die uns
    Freude bereiten und aus diesem Grund zu unserer Sadhana werden, sondern von den Dingen,
    die uns die Möglichkeit geben, ein bestehendes Muster zu verändern, das der Grund war für
    unsere frühere Konditionierung. Leiden ist der Katalysator für diese innere Transformation. Als
    Suchende, als Aspiranten, müssen wir diesem Leiden in uns begegnen und uns damit eine
    Richtung geben.

    In Tantra gib es ein wunderschönes Konzept. Die Tradition sagt, dass es elf Rudras gibt,
    welche die Manifestation von Shiva sind. Rudra bedeutet „einer, der weint“. Wie kann eine
    Person, welche die ganze Zeit weint, eine Manifestation von Shiva sein? Shiva ist Bewusstsein,
    und es gibt verschiedene Schichten und Stufen der Entwicklung in diesem Bewusstsein,
    welche die verschiedenen Ebenen der Existenz und Erfahrung definieren. Auf die gleiche
    Weise repräsentieren die elf Rudras elf Stufen des Bewusstseins und jede hat ein spezielles
    Muster, eine spezielle Erscheinung, ein spezielles Yantra und ein spezielles Mandala. Wenn wir
    uns von einem zum anderen bewegen entsteht ein Loslassen von Dingen, die uns vorher
    zurückgehalten haben. Wenn wir diese Dinge hinter uns lassen, dann entsteht Trauer.
    Trauer kann auf unterschiedliche Weise erlebt werden. Du kannst ein Drastha, ein Zeuge sein,
    das wird in Yoga gelehrt. Du kannst einen meditativen Prozess wie z.B. Antar Mouna anwenden
    und so ihren wahren Ursprung herausfinden. Oder du übst Swadhyaya um den Zustand, in
    dem du dich hilflos fühlst, zu analysieren und zu sehen, welche Optionen du hast, darüber
    hinauszuwachsen und dich aus der Situation hinauszubewegen. In dieser Welt sind uns immer
    verschiedene Möglichkeiten gegeben. Die Weisheit, die uns die richtige Entscheidung treffen
    lässt, muss die Oberhand gewinnen, um nicht der falschen Entscheidung zu folgen. Um die
    richtige Entscheidung zu treffen, müssen wir in der Lage sein, das ganze Bild zu sehen.

    Wenn ein Foto von dir auf dem Boden liegt und eine Ameise darüber läuft, wird sie nur
    Farbkleckse sehen und nicht dein Gesicht. Wenn du willst, dass die Ameise dein Gesicht sieht,
    dann musst du sie hochheben damit sie das ganze Bild sehen kann. Auf die gleiche Weise
    sehen wir nicht das ganze Bild, wenn wir in eine Situation verwickelt sind, wir sehen nur
    Kleckse. Wir fürchten uns vor diesen nichtssagenden Klecksen und wissen nicht, wie wir uns in
    der Situation verhalten sollen. Das ist als Sogwirkung von Freude und Schmerz, von Vorlieben
    und Abneigungen bekannt. Wir verwickeln uns so stark darin, dass wir uns fühlen, als seien wir
    ein Teil davon. In der Lage zu sein einen Schritt zurück zu treten und uns zu betrachten, ist es
    das Konzept des Drasthas. Fähig zu sein, Situationen zu bewältigen und mit einem positiven
    Gemütszustand durch Veränderungen, Krisen und Leid zu gehen, das ist Viveka. Viveka
    bedeutet, mit dem Geist weise umzugehen, unberührt von den verschiedenen Einflüssen.

    Wenn jemand sagt, du seist hässlich oder schön, verändern diese Worte deinen Geist und du
    reagierst. Dies ist nur ein unbedeutendes Beispiel dafür, was Worte bewirken können. In der
    Lage zu sein, das Gleichgewicht aufrecht zu halten, ist Sanyam. Wenn wir eine ausgewogene
    Beobachterhaltung bewahren können, ist das Vairagya, sachliche Gelassenheit. Wir können
    von Geld umgeben sein und dennoch hat es keine Anziehungskraft auf uns. Wir können von
    Menschen umgeben sein und völlig entkoppelt bleiben, in der Welt sein und doch nicht Teil von
    ihr sein. Das klassische Beispiel ist die Lotusblüte. Sie ist von Wasser umgeben und kann nicht
    ohne Wasser existieren. Dennoch bleiben die Blätter und die Blüte absolut unberührt vom
    Wasser und sind vollständig trocken. So sollte ein Yogi sein. Ein Yogi ist wie ein Magier, der
    imstande ist, das Psychische, das Unsichtbare und Spirituelle und das Physische, Materielle
    und Sensorische zu meistern und darin Ausgeglichenheit zu finden.

     

    Du findest das Original im Yogamag.

  • Hatha Yoga

    Hatha Yoga ist nicht nur Yoga für den physischen Körper. Das zeigt schon der Name selbst:
    „Ha“ und „Tha“, „Hatha“. Diese beiden Wörter, Ha und Tha, repräsentieren zwei unterschied
    liche Kräfte im Körper, die solare oder vitale Kraft und die lunare oder mentale Kraft. Diese
    beiden Kräfte ins Gleichgewicht zu bringen, ist das Ziel von Hatha Yoga. Die solare Kraft ist
    bekannt als Prana Shakti und die lunare Kraft als Chitta Shakti. Die solare Energie wird
    assoziiert mit der Aktivität des symphatischen Nervensystems und die lunare Energie mit der
    des parasympathischen Nervensystems. Diese beiden Ströme kontrollieren die Vitalität, Energie
    und Gesundheit des Körpers, des Geistes, der Emotionen und der Seele. Diese beiden Kräfte
    zu harmonisieren, um nicht nur körperliche, sondern auch mentale, emotionale und spirituelle
    Gesundheit zu erlangen, ist das Ziel von Hatha Yoga.

    Shatkarmas
    Aus dieser Perspektive beginnt Hatha Yoga mit den Shatkarmas – bestimmte Übungen, deren
    Zweck es ist, den Körper und seine inneren Systeme zu reinigen und zu entgiften. Mit der
    Entgiftung des Körpers werden die Organsysteme reguliert. Im Körper auftretende
    Ungleichgewichte, die aus unregelmäßigem Lebensstil, unregelmäßiger Nahrungsaufnahme
    und unregelmäßigen Gewohnheiten im Allgemeinen resultieren, werden überwunden.

    Die ersten drei Shatkarmas der insgesamt sechs Übungen sind Neti, Dhauti und Basti. Sie
    reinigen den Kopf, den Magen und den Darm. Die Reinigung hilft dabei, die Gifte aus dem
    Körper zu entfernen. Wenn der Körper entgiftet ist, gewinnt er an Energie und Gesundheit. Die
    nächsten drei Übungen heißen Nauli, Kapalbhati und Trataka. Sie helfen die Energiestruktur zu
    regulieren. Nauli aktiviert das Zentrum der Energie im Solarplexus oder Manipura Chakra, die
    Quelle von Prana Shakti. Die Aktivierung des Manipura Chakras geschieht durch Nauli Kriya.
    Die zweite Übung ist Kapalbhati, nicht die Pranayama Technik, sondern die Übung, durch
    welche die linke und rechte Hirnhemisphere ins Gleichgewicht gebracht werden.

    Es gibt hierzu einen Witz in englischer Sprache: People have these two hemispheres of the
    brain, the left and right hemisphere, however, the problem is that in the right hemisphere there
    is nothing left and in the left hemisphere there is nothing right.

    Die Übung Kapalbhati hilft, die Funktionen dieser beiden Hirnhemispheren auszugleichen. Sie
    bringt dadurch Ruhe und Harmonie in die zerebrale Aktivität, wo verschiedene Gehirnwellen in
    Form von Beta, Alpha, Delta und Theta Wellen generiert werden. Die sechste Übung heißt
    Trataka. Sie bündelt die zerstreuten Energien und konzentriert sie in den Energiezentren des
    Körpers, wodurch inaktive Energiezentren angeregt und erweckt werden.

    Körperhaltung
    Die zweite Technik in Hatha Yoga ist Asana. Asana heißt nicht Übung sondern Körperhaltung.
    Diese Haltung des Körpers ist statisch und keine dynamische Bewegung. Wenn man liegt,
    dann ist das ein Asana. Wenn jemand ruhig sitzt, dann ist das eine Haltung, ein Asana. Daher
    versteht man unter Asana Haltung oder eine Bedingung im Körper, in der man die vielen
    verschiedenen Funktionen der inneren Organe regulieren und ins Gleichgewicht führen kann.
    Es wurde erkannt, dass durch das Ausführen von Asana viele Krankheiten, die aus
    unausgeglichenem Lebensstil resultieren, beseitigt werden. Die Bihar School of Yoga hat über
    die letzten fünfzig Jahre viele medizinische und wissenschaftliche Untersuchungen
    durchgeführt, um den Nutzen von Asanas für den menschlichen Körper zu studieren. An der
    Wirksamkeit von Asanas in der Langzeitpraxis wird noch geforscht.

    Die richtige Kombination der Asanas entsprechend des Alters, der Kraft des Körper und des
    Körpertyps hat sich als vorteilhaft erwiesen. Wenn die richtige Kombination von Asanas
    gewählt wird, können diese in der Behandlung von vielen Krankheiten wie Diabetes, Asthma,
    Arthritis, Krebs und HIV wirksam werden. Die Bihar School of Yoga ist weltweit in der Forschung
    involviert. Mit Hilfe von vielen medizinischen Fachleuten, Institutionen und Krankenhäusern und
    Kliniken werden regelmäßig Untersuchungen durchgeführt. Die Forschungsergebnisse wurden
    von der Bihar School of Yoga veröffentlicht.

    Pranayama
    Die dritte Hatha Yoga Übung ist Pranayama. Pranayama wird geübt, um die Vitalität des
    Körpers zu steigern. Vor fünfzig Jahren wusste noch niemand von Pranayama; nur die Weisen
    wussten es. Die Bihar School of Yoga war die erste Institution, die Pranayama klassifizierte und
    veröffentlichte. Pranayama kreiert drei Arten von Zuständen im Geist. Eine Gruppe von Prana
    yama stimuliert den Körper, Geist, Prana und die Sinne. Es intensiviert die Empfindungen und
    der Körper erlebt Stimulation. Der Körper wird durch Kapalbhati und Bhastrika Pranayama
    stimuliert. Im Körper wir Hitze generiert, der Blutdruck und die Herzrate steigen. Deshalb
    werden diese Übungen als stimulierende Pranayama bezeichnet.

    Die zweite Gruppe von Pranayama kühlt die verschiedenen Körperbereiche, entspannt sie und
    erlaubt ihnen zu ruhen. Diese Gruppe wird beruhigende Pranayamas genannt, weil sie jegliche
    Stimulation des Körpers und der Sinne besänftigt. Die dritte Gruppe von Pranayama beinhaltet
    das Ausgleichen der Energien und der Sinne.

    Mudras
    Die vierte Hatha Yoga Übung ist Mudra. Mudras werden in der indischen Tradition auf viele
    verschiedene Arten benutzt – Tänzerinnen benutzen Hand Mudras, Augen Mudras und Gesicht
    Mudras. Die verschiedenen Mudras des Körpers werden im Tanz ausgedrückt. Und auch in
    Yoga werden Mudras angewendet.

    Mudras werden eingesetzt, um einen bestimmten Zustand zu erreichen, den man in Bezug zu
    Hatha Yoga verstehen kann. Man muss sich bewusst sein, dass dies mit dem Zustand der
    Pranas in Verbindung steht. Aus den Körperteilen, die an der Peripherie liegen, wie die Fingern,
    die Oberseite des Kopfes oder die Füße, wird ständig Energie abgeleitet und zerstreut.
    Die Kirlian Fotografie wurde von dem russischen Wissenschaftler Dr. Kirlian entwickelt. In den
    siebziger Jahren entwickelte er eine Kamera, die Fotos von Körperteilen macht. Darauf sind die
    eigentlichen Teile des Körpers nicht sichtbar, aber die Energie, die diese Körperteile umgibt, ist
    sichtbar.

    Mit diesem Gerät haben wir eine Untersuchung in einem Forschungsinstitut in Australien
    durchgeführt. Das Gerät hat eine spezielle Funktion. Ob es sich um eine Münze, ein Blatt oder
    die Hand eines Menschen handelt, es wird auf eine Platte gehalten, ein Licht blitzt auf, und die
    Kamera nimmt beispielsweise das Foto einer Hand auf. Doch auf dem Bild fand man keine
    Hand. Nur ein schwarzer Umriss wurde sichtbar und um jeden Finger herum konnten
    verschiedene Farben von Energien gesehen werden, welche anzeigten, wieviel Energie von
    diesen Körperteilen abstrahlt.

    Wenn Mudras wie Jnana Mudra geübt wurden, konnte beobachtet werden, dass die Energie
    wieder zurück in den Körper fließt. Das bedeutet, dass Recycling von Energie stattfindet. Die
    Energie wird nicht verschwendet, sondern die Energie, die Prana Shakti in unserem Körper,
    wird zurückgewonnen. Der Nutzen in der Anwendung von Mudras ist, dass Energie, die zuvor
    verschwendet wurde, resorbiert wird und erhalten bleibt.

    Bandhas
    Die fünfte Komponente des Hatha Yoga ist die Übung von Bandhas, Verschlüssen, durch
    welche die verschiedenen Energiezentren stimuliert und erweckt werden. Es gibt drei Arten von
    Bandhas: Halsverschluss – Jalandhara Bandha, Bauchverschluss – Uddiyana Bandha und der
    Beckenbodenverschluss – Moola Bandha.

    Bei diesen drei Bandhas gibt es einen physischen Faktor. In verschiedenen Körperbereichen
    existieren grosse Nervenansammlungen. In der Sprache des Yoga ist eine Gruppe von Nerven
    bekannt als Kanda. Eine Gruppe von Nerven befindet sich in der Nähe des Rektums, eine
    andere Gruppe hinter dem Nabel im Bauch und eine dritte Gruppe von Nerven in der Hals
    region. Alle Nerven des Körpers kommen im Halsbereich zusammen und münden ins Gehirn.
    Der Austausch von Empfindungen und Informationen zwischen dem Gehirn und den Sinnen
    und zwischen dem Gehirn und dem Geist findet durch diese Nerven statt.

    Durch die Bandhas wird der Fluss der Empfindungen umgekehrt. Wenn das geschieht, ist der
    Energiefluss auf nur einen Ort konzentriert. In Jalandhara Bandha wird der Hals verschlossen
    und die Blockierung der Empfindungen findet nur im Halsbereich statt. In Uddiyana Bandha
    wird der Bauch verschlossen durch ein Blockieren dieses Körperbereichs.

    Auf diese Weise wird durch die Anwendung verschiedener Techniken, durch welche die
    Empfindungen in bestimmten Körperteilen blockiert werden, Energie erzeugt.

    Hier ist ein Beispiel: Wenn ein laufender Wasserhahn zugedreht wird, entsteht Druck, der
    allmählich steigt. Wenn der Hahn dann wieder geöffnet wird, presst das Rohr das Wasser
    zuerst schnell durch den Hahn und der Wasserdruck normalisiert sich wieder. Auf ähnliche
    Weise vereint die Anwendung von Bandhas die Energie zuerst, indem sie sie blockiert, um
    danach, beim Lösen der Bandhas, die Energie wieder zu verteilen.

    Dies sind die fünf Komponenten von Hatha Yoga. Wenn man Hatha Yoga perfektioniert, wird
    dadurch der Körper, die physische Struktur und das Energiesystem harmonisiert, reorganisiert
    und ausgeglichen und es ermöglicht einem, in die Dimension des Geistes vorzudringen. Durch
    das Ausgleichen und Harmonisieren des Körpers und der Energie gelangt man in die
    Dimension des Geistes, und damit beginnt Raja Yoga.

     

    Du findest das Original im Yogamag.

  • Glücklichsein – das erste yogische Yama

    Aus Yoga Chakra 2: Cultivating Spiritual Samskara
    Vor vielen tausend Jahren fragte Parvati ihren Gefährten und Guru Lord Shiva: „In dieser
    Schöpfung, dieser manifesten Dimension, dieser Welt, dieser Natur ist alles vergänglich, nichts
    ist von Dauer. Es gibt hier so viel Schmerz, Leid, Angst und Frustration. Wie kann man damit
    umgehen?“ Shiva antwortete: „Es gibt Methoden und Übungen, durch die man den Schmerz
    und das Leiden überwinden kann und die im jeweiligen Zeitpunkt helfen, die Ursachen vom
    Schmerz oder dem Leiden zu erkennen und zu überwinden. Der beste Weg jedoch, um
    jeglichen Schmerz und jedes Leid zu verhindern, ist fröhlich und glücklich zu sein. Aus diesem
    Grund: Sei immer fröhlich!“ Auf diese Weise ist Glücklichsein zum ersten Yama geworden.
    Jeder negative Zustand des Geistes kann überwunden werden, indem man glücklich ist,
    lächelt und lacht. Selbst Depressionen können durch Glücklichsein bewältigt werden. Vielleicht
    wunderst du dich, wie du glücklich sein kannst, wenn du leidest, unglücklich und depressiv
    bist? Ja, du kannst es – denn Glück ist dein natürlicher Seinszustand. Es ist ein beschränktes
    Verständnis von Glück, wenn du denkst, dass du einen Grund oder einen Auslöser benötigst
    um glücklich zu sein, oder dass du nicht glücklich sein kannst, wenn die Umstände schwierig
    sind.

    Das kannst du besser verstehen, wenn du Kindern zuschaust. Sie weinen und werden auch
    wütend, wollen dies oder das nicht essen, aber dieser Zustand hält nicht an. Unmittelbar
    danach lachen sie mit der ihnen eigenen Fröhlichkeit, denn die äußeren Umstände sind nur
    oberflächlich und irrelevant für ihre Zufriedenheit. Denk an das Lachen von Kindern. Weshalb
    klingt das so wundervoll? Weil es natürlich ist und nicht die Folge von äußeren Umständen oder
    Scherzen.

    Fröhlichkeit, wie sie Kinder ausdrücken, bleibt ein Teil von dir. Doch vergisst du sie im Laufe
    des Erwachsenenleben. Mit dem Eintritt in die Teenager Jahre kommt die schlechte Laune.
    Medizinisch betrachtet, mögen die Gründe dafür die Hormone sein. Eigentlich ist es aber der
    Moment, in dem du beginnst, dich in eine andere Richtung zu bewegen. Dein Bewusstsein
    verbindet sich mehr und mehr mit den äußeren Gegebenheiten und diese beginnen dich zu
    beeinflussen. Spirituell zu sein bedeutet, in diesen natürlichen Zustand des Glücks ohne
    Ursache zurückzufinden. Das ist es, was du lernen musst. Lerne dich damit zu verbinden, ihn
    zu erfahren und auszudrücken.

    Glücklichsein ohne Anlass
    So lange du von einem Anlass, der dich glücklich macht, abhängig bist, wird dich dessen
    Abwesenheit unglücklich machen. Wenn du zum Beispiel einen schönen Kirtan singst, loben
    dich alle und du fühlst dich sehr glücklich. Am nächsten Tag singst du nicht gut und ein
    anderer singt viel besser und erhält das ganze Lob, dann fühlst du dich niedergeschlagen und
    unglücklich. Wenn du also, um glücklich zu sein, abhängig bist von äußeren Umständen, wirst
    du immer zwischen Zufriedenheit und Unzufriedenheit hin und her pendeln. Das ist Samsara.
    Um das Samskara zu entwickeln, das Gleichgewicht zwischen den Gegensätzen aufrechtzu
    erhalten und ein Yogi zu werden, musst du in die Positivität, die keine Ursache kennt und im
    Innern existiert, eintauchen.

    Wenn du lernst, bewusst in die natürliche Erfahrung von Glück und Fröhlichkeit zu wechseln, in
    eine Zufriedenheit, die nicht abhängig ist von irgendeinem Auslöser, wirst du in der Lage sein,
    deine Stimmung, das Verhalten deines Geistes, deinen Charakter, deine Eigenschaften und die
    ganze Persönlichkeit zu verändern. Deine Ängste, Anspannungen, Depression und Frustration
    werden sich auflösen.

    Das ist auch die Niranjan-Challenge. Sei 12 Stunden deiner wachen Zeit glücklich. Wenn du
    das schaffst, werde ich in dein Tagebuch schreiben, dass du Frieden im Leben erlangt hast.
    Wenn du das nicht kannst, wirst du immer und immer wieder zurückkommen müssen, nicht nur
    in den Ashram, sondern auch in dieses Leben, solange bis du deinen Frieden gefunden hast.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Die Welt zu einem besseren Ort machen

    Aus Yoga Chakra 2: Cultivating Spiritual Samskara
    Namaskara heisst Gruß, und Grüßen bedeutet, dass man sich mit der anderen Person
    verbindet, sie respektiert und ehrt.

    Du kannst einer anderen Person Beachtung schenken, lächeln und sagen: „Guten Morgen. Wie
    geht es Ihnen?“ Oder du kannst sie ignorieren und mit einem mürrischen Gesicht vorbei gehen.
    Es zeigt, dass du entweder bescheiden bist oder arrogant. Wenn du arrogant bist, dann sei
    bereit, die Konsequenzen deiner Arroganz zu empfangen, von Menschen, die deine Arroganz
    nicht akzeptieren. So entstehen Konflikte.

    Swami Sivananda sagt in seiner Autobiografie, dass er es sich in seinem Leben zur Regel
    machte, zu jedem, den er sah, „Om“ zu sagen. Wenn er auf der Straße spazieren ging, grüßte
    er jeden mit „Om“. Vor jedem Mann, jeder Frau und jedem Tier, das er auf der Straße sah,
    verneigte er sich innerlich. Dies war sein Bewusstsein und seine Haltung, durch die er Demut
    ausdrückte und nicht Härte oder Arroganz. Das war seine Inspiration. Es war kein intellektuelles
    Konzept; es war eine Inspiration, die von ihm gelebt wurde – und welch wundervolle Lebens
    weise das war!

    Begegne einfach jedem mit einem Lächeln, grüße, respektiere und ehre jeden. Namaskara ist
    ein Zeichen der Bescheidenheit. Wenn du Namaskara übst, dann wird Bescheidenheit ausge
    drückt und Arroganz tritt in den Hintergrund. Das Grüßen ist ein Ausdruck der Sinne, der dich
    mit einem Gefühl und einer Stimmung verbindet. Wenn du jemanden grüßt, wenn du „Hari Om“
    sagst und die Menschen ansiehst und lächelst, dann bringst du tatsächlich Freude in ihr
    Leben. Wenn du die Stirne runzelst und wütend bist, bringst du keine Freude. Was schadet es,
    wenn du jemanden anlächelst? Es kann tatsächlich Wunder bewirken.

    Wenn du auf der Straße spazieren gehst und einen vollkommen Unbekannten triffst, dann
    schaue ihn an und schenke ihm ein breites Lächeln. Diese Person wird für den Rest des Tages
    denken: „Wer war diese Person, die mich heute Morgen angelächelt hat?“ Und wann auch
    immer sich diese Person an das Lächeln erinnert, wird sie glücklich werden. Vielleicht lächelt
    sie am nächsten Tag jemand anderen an. Und diese dritte Person lächelt wieder jemand
    anderen an. Auf diese Weise, mit Respekt, Ehre und Bescheidenheit, wird die Welt zu einem
    besseren Ort werden.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Die Koshas

    Jnana In der Yoga Lehre gibt es fünf Dimensionen, die Koshas, die sogenannten Hüllen.
    Verständnis über die Koshas zu erlangen und sich ihrer bewusst zu werden hilft uns, die Tiefe
    des menschlichen Geistes und schließlich Dhyana, Meditation, zu verstehen.

    Annamaya Kosha
    Die erste Dimension ist der grobstoffliche Körper, Annamaya Kosha. Anna bedeutet „Nahrung“,
    „manifestierte Materie“ und Maya bedeutet „gefüllt mit“. Es gibt kein größeres Wunder als den
    menschlichen Körper. Während der physische Körper aus wissenschaftlicher Sicht aus
    verschiedenen Organsystemen bestehend betrachtet wird, welche die Körperfunktionen
    kontrollieren, vertritt die yogische Lehre die Ansicht, dass diese Körperfunktionen nichts als das
    manifestierte Zusammenspiel von Energie und Bewusstsein sind. Wenn wir beginnen, die
    inneren Dimensionen zu erfahren, manifestieren sich Energie und Bewusstsein auf subtilere Art
    und Weise. Annamaya Kosha ist somit eine Erfahrungsebene, auf der wir Materie, die eine
    Kombination aus Energie und Bewusstsein ist, wahrnehmen.

    Pranamaya Kosha
    Die nächste Erfahrungsebene ist Pranamaya Kosha, die Bewegung oder der Fluss der
    pranischen Energie, die unsere physischen und mentalen Aktivitäten steuert. Diese pranischen
    Bewegungen finden in den Nadis statt, den Kanälen oder Energiebahnen, die von den sechs
    Chakras gesteuert werden. Mooladhara Chakra steuert das Ausscheiden von im Körper und
    Geist angesammelten Giftstoffen. Körperlich betrachtet wird das, was wir essen, schließlich
    ausgeschieden, doch so lange die Nahrung in unserem Körper ist, beziehen wir von ihr Nähr
    stoffe und Energie. Entsprechend gibt es einen Ausscheidungsprozess auf der mentalen
    Ebene, den wir jedoch nicht verstehen. Wir neigen dazu, Erfahrungen in Form der fünf Kleshas
    anzusammeln – angefangen mit der Ignoranz bis hin zur Angst vor dem Tod. Wir eliminieren sie
    nicht aus unserem Geist, sondern behalten sie in Form von Erfahrungen. Aufgrund eines
    weiteren Faktors, dem Ego, kreist das menschliche Bewusstsein ständig um diese
    Erinnerungen und Erfahrungen.

    Wir müssen lernen, diese Dinge aus unserem Geist zu entfernen und Ruhe und Gelassenheit in
    uns zu bewahren. Dies geschieht, wenn wir beginnen, mit Pranamaya Kosha zu arbeiten. Um
    das Verständnis des inneren Loslassens zu fördern, müssen wir uns mit Swadhistana Chakra
    beschäftigen, das den inneren Geist, das Unbewusste und den Speicher von Erfahrungen und
    Erinnerungen repräsentiert. Wenn Erinnerungen und Erfahrungen im inneren Geist gespeichert
    werden, spricht man von Samskaras oder Eindrücken. Samskaras können beseitigt oder
    verwandelt werden, wenn wir lernen, mit unserem Pranamaya Kosha auf der Ebene von
    Swadhistana Chakra zu arbeiten.

    Manomaya Kosha
    Nach Pranamaya Kosha kommen wir zu Manomaya Kosha, die Dimension der mentalen
    Wahrnehmung. Diese mentale Dimension besteht aus zwei Qualitäten, Manas und Buddhi.
    Manas ist der Aspekt unseres Geistes, der rational, linear, sequenziell und aufmerksam ist.
    Buddhi bezeichnet die Fähigkeit zu differenzieren, welche dem Aneignen von Wissen folgen
    muss. Die Fähigkeit zu differenzieren bedeutet, dass Ignoranz, das Nicht-Verstehen, beseitigt
    wurde. Pratyahara-Techniken zielen darauf ab, die Natur von Manomaya Kosha zu erkennen
    und zu realisieren.

    Harmonie in Manomaya Kosha entsteht auch dadurch, dass Pranamaya Kosha ins
    Gleichgewicht gebracht wird. Wir können nicht sagen, dass Manomaya anders ist als
    Pranamaya, und Pranamaya sich von Annamaya unterscheidet; sie sind Erfahrungen und
    Gegebenheiten des Lebens, die nicht voneinander getrennt werden können. Jedoch, für unser
    Verständnis und um die Sequenz für das Üben festzulegen, haben Yogis die Funktionen
    Annamaya, Pranamaya und Manomaya Koshas getrennt voneinander definiert.

    Vijnanamaya Kosha
    Nun kommen wir zu Vijnanamaya Kosha. Jnana bedeutet „Weisheit“, „Wissen“; die Vorsilbe „vi“
    bekräftigt die Tiefe des Wissens, die nicht nur aus Erfahrungen und Erinnerungen aus diesem
    Leben stammt, sondern auch jene einschließt, die wir aus vorherigen Leben mitgebracht
    haben. In jedem von uns gibt es einen solchen Wissensspeicher, doch sind wir nicht dazu
    ausgebildet, diese innere Weisheit erfahren zu können.

    Die mentalen Aspekte von Chitta und Ahamkara stehen in Verbindung mit Vijnanamaya Kosha.
    Chitta ist die Fähigkeit zu wissen, Beobachter dessen zu sein, was gerade geschieht, in der
    Lage zu sein, die Realität zu leben und sich diese nicht nur auszumalen oder über diese zu
    mutmaßen. Ahamkara ist der Ego-Aspekt, nicht oberflächlich betrachtet, sondern im
    eigentlichen Sinne. Es ist das Wissen darum, dass ein “Ich” existiert, dass es die Identität des
    “Selbst” gibt. Dieses Verständnis wächst, wenn wir mit Vijnanamaya Kosha arbeiten.

    Unsere Arbeit fördert unser Verständnis für das “Ich”, die Identität des Selbst, das sich in der
    Welt als dritte Dimension manifestiert, in der wir Freude, Wohlbefinden, Kummer und Schmerz
    erleben. Durch diese Arbeit bewegen wir uns mehr und mehr in die Erfahrung von
    Anandamaya Kosha, die Dimension von Glückseligkeit, Glück und Freude, Vollkommenheit und
    Zufriedenheit.

    Umgang mit den Koshas aus yogischer Sicht
    Die Yogalehre beschreibt diese fünf Dimensionen des Seins, aus denen alle anderen
    Erfahrungen entspringen, seien sie körperlich oder emotional, oder auf der Ebene von Energie
    und Geist. Yoga bietet verschiedene Techniken, um jeden einzelnen Kosha zu entwickeln.
    Asana, Pranayama und Shatkarmas, welche die Reinigung und Entgiftung des Körpers
    unterstützen, helfen auszugleichen und ein Optimum an Gesundheit der verschiedenen
    Energien und Funktionen des physischen Körpers zu erfahren. Die Techniken von Pranavidya,

    Chakra Shuddhi, Kriya und Kundalini werden geübt, um mit Pranamaya Kosha zu arbeiten. Sie
    werden helfen, den Energiefluss im gesamten System auszurichten, um Prana zu erwecken
    und anzuregen.

    Um die Aktivitäten und die Unruhe auf der Ebene von Manomaya Kosha zu bewältigen, sollen
    Pratyahara-, Dharana-, Mantra-, Yantra- und Mandala-Meditationen geübt werden. Um die
    Macht und Kraft von Vijnanamaya Kosha zu erfahren, übe Dhyana-, Laya- und Nada-Yoga. Um
    den Zustand von Anandamaya Kosha zu erfahren, strebe den Zustand von Samadhi an, um
    Kundalini zu erwecken. Das gesamte Yogasystem hat sich um diese Konzepte, wie man mit
    den verschiedenen Dimensionen der menschlichen Erfahrung und Existenz umgehen kann,
    entwickelt.

    Das Abschalten des äußeren und inneren Geistes
    Es kommt ein Moment, in dem wir unseren Geist, unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit von
    den Dingen, die tagtäglich auf uns einströmen, lösen müssen. In den meisten von uns
    überwiegen die Qualitäten von Tamas und Rajas; den sattwischen Zustand haben wir noch
    nicht erlebt. Sattwa bedeutet nicht Einfachheit im Denken oder Leben, sondern es ist die
    Bewusstheit der wahren Natur unseres Selbst. Die verzerrte Wahrnehmung unseres Selbst
    erleben wir unter dem Einfluss von Rajas und Tamas. Wir befinden uns hier und versuchen den
    Zustand von Sattwa nachzuvollziehen und über die Konditionierungen von Rajas und Tamas
    hinaus zu wachsen. Die gesamte Erfahrung des Lebens lässt sich in Tamas und Rajas
    klassifizieren, nur Samadhi, nur das Erwachen von Kundalini, und nur die Erkenntnis des
    absoluten menschlichen Potentials ist der Zustand von Sattwa.

    Um den Zustand von Sattwa zu erreichen, ist eine Art Trennung oder sich loslösen von der
    Welt, in der wir leben, nötig. Wenn wir abends schlafen gehen, ziehen wir uns von der
    Außenwelt zurück und verbinden uns mit unserem inneren Geist. Das ist aber nicht genug.
    Wenn wir das wahre Selbst, den reinen Geist erleben möchten, müssen wir uns auch vom
    inneren Geist lösen. Der Ausdruck „innerer Geist“ steht für eine Aktivität, die wir im Moment
    nicht als bewusst wahrnehmen. Wenn ich sage: “Verbinde dich mit deinem Geist”, wirst du
    deine Gedanken, Gefühle und die verschiedenen Bewegungsmuster und Qualitäten, die sich
    im Geist manifestieren, wahrnehmen. Wenn wir tiefer gehen, werden wir auch Samsakras und
    Karmas wahrnehmen daraus schließen: “Das ist unser innerer Geist”.

    Den reinen Geist erfahren
    Was wir damit betrachten, ist der grobe innere Geist. Er arbeitet in der dritten Dimension, die
    den Gesetzen von Zeit und Raum unterliegt und ihre eigene Identität durch die Betrachtung
    verschiedener Formen, Ideen und Namen, erschafft. Das sind die Bereiche unseres inneren
    Geistes, auf die sich unser Geist projiziert. Gemäss Yoga existiert noch eine andere Form des
    Geistes – der reine Geist.

    Dieser reine Geist wird erfahren, wenn wir den Zustand von Anandamaya Kosha durch
    Samadhi und das Erwachen von Kundalini erreichen. Samadhi und Kundalini stehen für einen
    Seinszustand, in dem normale Lebensereignisse unser Verhalten, unsere Gefühle oder
    Gedanken nicht beeinflussen und gleichzeitig ist Harmonie in allem, was wir tun. Tamas und
    Rajas haben keinen Einfluss, nur das Erleben von Sattwa. Das ist das Ziel des menschlichen
    Lebens.

    Man muss vom Groben zum Transzendenten, von unreinen, verzerrten, verfärbten Eindrücken
    zur Erfahrung des kontinuierlichen Bewusstseins gelangen. Der Prozess ist sehr einfach,
    solange wir nicht von ihm abweichen. In Pratyahara beobachten wir die verschiedenen
    Erfahrungen des Geistes; und dies ist der erste Schritt, um den reinen Geist zu verstehen.

     

    Du findest das Original im Yogamag