Ich arbeite in einem negativen, düsteren Umfeld und mit Kollegen, die starke Persönlichkeiten haben. Wie lasse ich mich von dieser Situation nicht runterziehen?
Zu diesem Zeitpunkt musst du ein Yogi werden. Erfülle deine Aufgaben als Karma Yoga, ohne jegliche Erwartung und tiefe Assoziation. Wenn du das tust, bist du von diesem Problem und dieser Frage befreit. Wenn dir das nicht gelingt, wird dies für lange Zeit Anlass zur Sorge sein. Die offensichtliche Antwort liegt darin, wie du die Welt um dich herum wahrnehmen kannst.
An einem sonnigen Tag, wenn alles grell ist, setzt du eine dunkle Brille auf. Das schwächt das Blenden ab und es ist einfacher zu sehen. Doch während du die dunkle Brille aufsetzt, beginnt alles dunkel auszusehen. Wenn du eine gelbe Brille aufsetzt, sieht alles gelb aus. Wenn du eine rote Brille aufsetzt, sieht alles rot aus. Du hast die Wahl, welche Art von Glas du aufsetzen möchtest, wenn du die Welt betrachtest. Wenn du das Blenden reduzieren möchtest, setze die dunkle Brille auf. Wer besser sehen will, setzt die gelbe Brille auf. Wer auffallen will, setzt die rote Brille auf.
Das ist die Fähigkeit ein Yogi zu sein. Ich war schon oft versucht, ein andersfarbiges Glas aufzusetzen, aber ich versuche mich immer zurückzuhalten. Ich kann die klare Brille tragen. Es gibt schwierige Situationen im Leben, und einige Situationen können kurzfristig sein, andere können langfristige Situationen sein. Die wirkliche Fähigkeit besteht darin, wie wir in der Lage sind, mit unserer Umgebung und verschiedenen Situationen umzugehen.
Wie kannst du in Frieden sein, ohne dich tagtäglich von Gedanken wie diesen stören zu lassen? Schlechte Kollegen, ein schlechter Chef, ein destruktives und negatives Umfeld – aber du musst darin überleben. Warum nicht mit einem lächelnden Gesicht überleben und glücklich sein, anstatt jahrelang darüber zu weinen, wie du deinen Arbeitsplatz oder dein Arbeitsumfeld ändern kannst? Verwende das gleiche Prinzip, das Menschen anwenden, wenn sie im Nebel fahren: Schalte die gelben Lichter ein, dann kannst du besser sehen.
Gibt es Anzeichen für Fortschritte im spirituellen Leben?
Es gibt Hinweise auf Fortschritte im spirituellen Leben. Aber sie sind nicht das, was
du normalerweise erwarten würdest. Es gibt Menschen, die sehr früh morgens aufwachen, um 2:30 Uhr oder 3:00 Uhr, um ihre Asanas, Pranayamas und ihre Meditation zu üben. Das betrachte ich nicht als einen Fortschritt im spirituellen Leben.
Fortschritte im spirituellen Leben beginnen mit der Anwendung des gesunden Menschenverstandes, mit dem Erkennen des Zustandes von Körper und Geist und der positiven Bewältigung der Einschränkungen von Körper und Geist. In dem Moment,
in dem du die Achtsamkeit kultivierst, um die Grenzen von Körper und Geist anzuerkennen, und beginnst, mit ihnen zu arbeiten, geschehen bestimmte Dinge ganz natürlich. Die Kultivierung der Achtsamkeit führt zu einer größeren Wahrnehmung der äußeren Dimension, der äußeren Welt. Es gibt mehr Engagement und auch mehr Objektivität.
Im spirituellen Leben gibt es keine Isolation. Mit der Kultivierung von Achtsamkeit gibt es mehr Fortschritt, mehr Verbindung, mehr Objektivität. Diese Objektivität bringt ein gewisses Verständnis für das Wesen und die Qualitäten aller Menschen um uns herum hervor. Die persönlichen Wünsche und Erwartungen nehmen ab. Am Anfang dreht sich alles um einen selbst und das nimmt allmählich ab. Dies sind einige grundlegende Anzeichen und Symptome der spirituellen Entwicklung. Das sind die Meilensteine.
Buddha wurde einmal dieselbe Frage gestellt und er gab dieselbe Antwort: „Das
Nachlassen von Wünschen ist ein Hinweis. Verringerung der subjektiven Partizipation und bewussteres Handeln mit objektiver Erkenntnis der Situation sind die Kennzeichen einer Person, die spirituell voranschreitet.“ Das ist es in aller Kürze.
— 9 November 2011, Ganga Darshan, Munger
Link zum Yogamag (November 2021).
