Author: admin

  • Karma

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die ursprüng
    lichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die folgenden
    Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von Schülern,
    in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher Genehmigung
    des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Was ist Karma?
    Wörtlich bedeutet Karma Handlung, aber Handlung für sich genommen hat keine Bedeutung.
    Angenommen, ich muss in den Krieg ziehen und töte viele Menschen, dann ist das meine
    Handlung aber nicht mein Karma. Wenn ich aber im Gegensatz dazu Menschen aus Hass töte,
    dann ist das Karma, weil es meinen Geist und meine Persönlichkeit beeinflusst. Demnach
    bezieht sich der Ausdruck Karma sowohl auf eine Handlung als auch auf den Eindruck, den ein
    Ereignis im Leben, im Geiste eines Individuums hinterlässt.

    Laut der östlichen Philosophie erzeugst du Karma, selbst wenn du nicht arbeitest, kochst, dein
    Zimmer reinigst oder überhaupt gar nichts tust. Sogar in der Nacht im Tiefschlaf arbeitet der
    Mensch auf den tieferen Ebenen. In erster Linie arbeitet der Mensch in seinem Unbewussten,
    die bewusste Handlung ist vielmehr ein Ausdruck unbewusster Motivation. Auch die Organe im
    Körper können nicht inaktiv sein, arbeiten doch mehr als 10 Körpersysteme zur gleichen Zeit.
    So gibt es keinen einzigen Moment im Leben, in dem der Mensch untätig bleiben kann.

    Gibt es verschiedene Arten von Karma?
    Ja, es gibt verschiedene Arten von Karma. Gewisse nennen wir alltägliche Karmas. Diese
    haben praktisch keine Bedeutung für das Innenleben einer Person, sie sind automatisch und
    routinemässig. Wahrscheinlich ist der einzige Einfluss, den sie auf dich ausüben können,
    Eintönigkeit und Ermüdung. Eine andere Form von Karma ist bekannt als motiviertes Karma. Es
    wird mit einem bestimmten Beweggrund im Geist verrichtet und erzeugt Samen. Diese Samen
    hinterlassen Eindrücke im Geist und beeinflussen die gesamte Persönlichkeit, den Geist, den
    Körper und die Emotionen. Nehmen wir beispielsweise an, ich beginne ein Geschäft. Läuft das
    Geschäft erfolgreich, bin ich glücklich, läuft es nicht gut, bin ich sehr unglücklich. Demzufolge
    wird meine Gemütsverfassung nicht vom Geschäftsverlauf bestimmt, sondern durch meine
    Motivation. Mit anderen Worten, aus unserer Grundmotivation ergeben sich die Konsequenzen.

    Wenn ich Richter bin und einen Mann zum Tode verurteile um die Allgemeinheit vor einem
    gefährlichen Kriminellen zu schützen, dann verursache ich kein Karma, das auf mich
    zurückfallen wird. Wenn mein Beweggrund einen Mann hinzurichten jedoch ein persönlicher ist,
    oder ich voreingenommen bin, dann werde ich die Folgen des Karmas zu erleiden haben. Das
    ist ein universelles Gesetz.

    Gibt es Techniken, die wir nutzen können um Karma loszuwerden oder zu kontrollieren?
    Es ist nicht einfach Karma loszuwerden, denn jeder Mensch ist ihm unterworfen. Jede Aktion
    erzeugt eine Reaktion, die gleich gross und entgegengesetzt ist. Das ist das erste Gesetz der
    Wissenschaft, das erste Gesetz von Newton. Je mehr du das Pendel nach rechts stösst, desto
    mehr wird es nach links schwingen, und dann wieder nach rechts – Aktion und Reaktion. Keine
    Handlung im Leben bleibt unbeglichen, du kannst nichts vor dir selbst verstecken. Du bist dein
    eigener Zeuge und Beobachter. Du weisst, was du denkst, fühlst und tust, und du kennst deine
    wahren Absichten. Durch Selbstbeobachtung kannst du dein Karma kontrollieren.

    Es gibt verschiedene Wege um Karma loszuwerden. Der kürzeste ist durch Busse und
    Entbehrung, allerdings ist das sehr schwierig. Meditation ist eine einfache Methode, aber es
    gibt einen noch einfacheren Weg. Suche dir einen spirituell verwirklichten Guru und empfange
    ein Mantra von ihm. Lebe mit ihm für eine bestimmte Zeit, und allmählich werden alle Karmas
    anfangen wegzufallen.

    Was ist der Unterschied zwischen der eigenen Entscheidungsfreiheit und Karma?
    Entscheidungsfreiheit ist auch Karma. Es gibt zwei Kräfte im Universum. Die eine wird Karma
    genannt – Aktion und Reaktion und die andere freier Wille. Freier Wille ist nicht Karma, es ist
    dein Wille, du bestimmst und es geschieht. Der Wille ist unabhängig von Karma. Aber das
    Entstehen der Willenskraft braucht Zeit im spirituellen Leben. Wenn ein menschliches Wesen
    sich weiterentwickelt und Meister seines eigenen Geistes wird, ist es fähig, seinen Willen
    durchzusetzen.

    Wenn der Geist kraftvoll wird, ist er manchmal fähig, die Ereignisse im Leben zu gestalten, aber
    auch das ist ein Bestandteil der Kettenreaktion von Karma. Wenn du dich intensiv auf: „Ich
    werde das tun“ konzentrierst und es geschieht, ist das nicht das Ergebnis einer starken
    Willenskraft sondern einer kraftvollen mentalen Entscheidung, die du getroffen hast. Es gibt
    einen grossen Unterschied zwischen Willenskraft und mentaler Entscheidung. Willenskraft ist
    eine gewaltige Stärke und wenn du sie voll entwickelt hast, kannst du die Schwerkraft von
    Karma transzendieren. Dann ist deine Evolution abgeschlossen, und dann wirst du zu einem
    Mit-Schöpfer, einem Junior-Gott.

    Muss jemand, der durch die Auflösung von Karma befreit wird, sein Handeln ein
    schränken um zu verhindern, mehr Karma zu erzeugen?
    Befreiung bedeutet nicht auf Handlungen oder Karma zu verzichten. Ein befreiter Mensch führt
    seine Handlungen auf der körperlichen, geistigen, intellektuellen, emotionalen und
    sensorischen Ebene fort. Er kann das Feld pflügen oder irgend eine andere Arbeit verrichten,
    denn es sind nicht die Handlungen, die einen Menschen binden, sondern das Ego. Wenn Ego
    an deinen Handlungen beteiligt ist, eignest du dir Karma an und musst die Verantwortung dafür
    übernehmen.

    Ein befreiter Mensch hat sein Ego von seinen Handlungen, seinem Karma, losgelöst. Er arbeitet
    wie ein Diener oder ein Verkäufer in einem Ladengeschäft. Obgleich der Verkäufer mit seinem
    Geist, Körper und Intellekt arbeitet, trägt er keine Verantwortung für das, was im Geschäft
    geschieht. Andererseits ist der Geschäftsinhaber nicht fähig sein Ego von seinem Laden zu
    lösen und ist dadurch verantwortlich für die guten und schlechten Karmas, die dort entstehen.
    Der Gewinn gehört ihm, genauso wie der Verlust, denn seine Persönlichkeit und sein Ego sind
    involviert. Wo Ego beteiligt ist, ist Karma, wo kein Ego beteiligt ist, gibt es kein Karma.

    Ist es möglich, das Karma von jemand anderem zu übernehmen?
    Wenn eine tiefe Kommunikation oder eine psychische Verbindung zwischen zwei Personen
    besteht, findet eine Übertragung von Karma statt. Die Tiefe der Bewusstheit ist dafür
    verantwortlich. Wenn du jemanden sehr liebst, sei es einen Freund, Ehemann, Ehefrau, Kind
    oder Geliebten, passiert es automatisch. Du kannst sogar Karma von deinem Feind
    übernehmen, wenn er dir ständig bewusst ist.

    Wenn in der Meister-/Schülerbeziehung beide in Geist und Bewusstsein vereint sind, werden
    die Karmas des Schülers automatisch auf den Meister übertragen und ebenso das Wissen des
    Meisters automatisch zum Chela (Schüler) übermittelt. Aber wenn Meister und Schüler im
    Bewusstsein nicht vereint sind, findet dies nicht statt.

    Sind Tiere in gleicher Weise durch Karma gebunden wie Menschen?
    Jedes einzelne Wesen in dieser Welt, einschliesslich derer des mineralischen und pflanzlichen
    Reiches, bewegt sich entsprechend der klar vorgegebenen Gesetze der Natur. Solange ein
    Mensch unfähig sowie geistig und körperlich schwach ist, ist auch er den Gesetzen des
    Schicksals unterworfen. Doch während er mehr Bewusstheit entwickelt, überwindet er
    allmählich das Diktat von Schicksal und Karma, und er wird fähig, für sich neues Recht und
    Ordnung zu schaffen. Wenn ein Wesen als Mensch inkarniert, bringt es eine höhere Form von
    Bewusstheit, Gyanam, mit, das kein anderes Wesen besitzt. Gyanam ist die Bewusstheit der
    eigenen Existenz in Beziehung zu Raum und Zeit. “Ich weiss, dass ich bin; ich weiss, dass ich
    weiss, dass ich bin”, das ist Gyanam.

    Wenn ein Mensch etwas Falsches macht, wird er leiden, denn er weiss, dass er etwas Falsches
    gemacht hat. Wenn er jemanden tötet, wird er dafür büssen, vielleicht nicht rechtlich, aber
    definitiv mental. Wenn er etwas stiehlt oder tut von dem er weiss, dass es falsch ist, wird er
    mentale Qualen leiden. Weshalb? Wegen seines Bewusstseins. Ein Hund dagegen besitzt
    keine Schuldgefühle. Wenn er jemanden beisst, wird er nicht leiden oder irgendwelche
    Probleme haben. Tiere können dich verletzen oder dir dienen, doch die Natur wird sie weder
    belohnen noch bestrafen. Ihre Handlungen erzeugen keine Gegenwirkungen.

    Bewegt sich der Mensch während seiner spirituellen Entwicklung immer vorwärts oder
    zwingt ihn Karma manchmal auch rückwärts zu gehen?
    Gemäss der hinduistischen Philosophie ist Evolution fortschreitend, aber manchmal musst du
    aufgrund von Karma zurückgehen. Nehmen wir an, du bist eine spirituelle Person und willst
    hoch hinaus, doch auf einer gewissen Stufe wird dir klar, dass du Leidenschaften in dir hast,
    ein Verlangen nach sinnlichem Vergnügen oder einen rachsüchtigen Ehrgeiz. Was wirst du
    tun? Das Gleiche, was du tun würdest, wenn du auf dem Weg zum Flughafen feststellst, dass
    du deinen Pass zu Hause vergessen hast. Du würdest kehrtmachen, deine Angelegenheiten
    regeln und dann weitergehen.

    Wenn du im spirituellen Leben zurückgehen musst, wirst du körperlich nicht zu einem Tier, du
    bleibst ein menschliches Wesen. Du verhältst dich vielleicht wie ein Tiger aber dein Körper hat
    sich nicht verändert, es ist einfach eine Erfahrung. Wenn du wegen Karma umkehren musst, ist
    das nur temporär. Und es ist nicht um des Leidens Willen, sondern um die Erfahrung zu
    machen.

    Existiert Schicksal oder wählen wir unser eigenes Los?
    Schicksal existiert. Wenn du nach Bombay gehen willst, ist das dein Bestimmungsort, es ist
    dein Schicksal. Schicksal basiert auf dem Gesetz von Handlung und Reaktion. Jede Handlung,
    jedes Karma, hat eine Gegenwirkung. Genauso wie wenn du einen Stein in einen See wirfst und
    dabei Wellen entstehen, so entstehen Wellen im Kosmos, wenn du Karma verursachst.
    Karma ist nicht nur Handlung, ein Gedanke oder ein Gefühl sind auch Karma. Karma bedeutet
    Bewegung. Wo immer Bewegung ist, da ist Karma. Jedes Karma verursacht Wellen oder
    Vibrationen, und diese bewegen sich weiter in einer Kettenreaktion. Jede Handlung verursacht
    eine Reaktion und diese Gegenreaktion verursacht eine nächste Aktivität. Im Laufe der Zeit
    vervielfacht sich diese Kettenreaktion in millionenfache reaktive Kräfte im Leben und das
    erzeugt das Schicksal. Schicksal ist ein Gesetz der Natur, und du kannst es nicht ignorieren.
    Alle Tiere, genau genommen das ganze Universum, sind dem Gesetz des Schicksals
    unterworfen.

    Was ist die Notwendigkeit von Karma Yoga?
    Als ich in meinen frühen Tagen mit meinem Meister im Sivanandashram lebte, dachte ich, dass
    ich, wenn ich den Ashram verlassen würde, ruhig und in mich versunken bleiben könnte.
    Jedoch, als ich 1964 den Ashram in Monghyr gründete, kamen viele Leute um mit mir zu leben,
    aber niemand blieb mehr als drei oder vier Monate. Das war weil es für sie im Ashram keine
    Arbeit gab. Sie lernten und übten nur viele Asanas, Pranayama, Mantra, Meditation etc. Doch
    dies erzeugte keine Stabilität in ihnen, weil ihr Geist nicht geläutert war.

    Nach einigen Jahren begannen wir mit etwas Arbeit im Ashram – Gärtnern, Drucken, Editieren,
    Buchdruck, Maschinenschreiben oder Küchenarbeit – und seither ist die Anzahl der Bewohner
    mit jeder Woche gestiegen. Jetzt bleiben Leute jahrelang. Manchmal bleiben sie fünf, zehn
    oder zwölf Jahre, mit all den Schwierigkeiten des Ashramlebens. An Sonntagen weise ich die
    Swamis oft an, alle Abteilungen zu schliessen. Manchmal erlaube ich ihnen an drei
    aufeinanderfolgenden Tagen nicht zu arbeiten, und sie werden dermassen unruhig. Viele von
    ihnen kommen immer wieder zu meinem Zimmer und bitten mich um Arbeit. Inzwischen haben
    die Swamis und Gäste erkannt, dass die Natur im Menschen ein Verlangen und einen Drang
    nach Arbeit erzeugt. Das ist die positive Seite von Verlangen im Leben.

    Wenn der Mensch keine Sehnsüchte hätte, dann würde er sich nicht zu Arbeit verpflichtet
    fühlen, und wenn er nicht arbeiten würde, würde sein Geist nicht wachsen. Eine Person, die
    noch nicht Tamo Guna und Rajo Guna überwunden hat, ist gezwungen zu arbeiten. Sogar
    wenn sie über grossen Reichtum verfügt und alle lebensnotwendigen Güter im Überfluss
    vorhanden sind, muss sie immer noch arbeiten. Nur wenn du den Zustand von Sattwa erreicht
    hast, den höchsten Punkt von Ausgeglichenheit und Gelassenheit, dann kannst du ohne Arbeit
    sein, ohne Karma. Für die Läuterung des Geistes ist Karma unumgänglich, und wenn du Karma
    Yoga übst, dann erreichst du Reinheit viel schneller.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag.  

  • Hatha Yoga

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Beinhaltet Hatha Yoga Asana und Pranayama?
    Akademisch gesehen, nein. Hatha Yoga beinhaltet vorwiegend Neti, Dhauti, Basti, Kapalbhati,
    Nauli und Trataka, die Shatkarmas genannt werden. Aber Asana und Pranayama werden
    gängiger Weise als Teil von Hatha Yoga angesehen. In Raja Yoga gibt es Asanas und auch
    Pranayama. Ich nenne euch die akademische Unterscheidung, aber eigentlich gibt es keinen
    Unterschied. Hatha Yoga und Raja Yoga sind das Gleiche.

    Kapalbhati ist einer der Shatkarmas, es ist aber auch ein Pranayama und eine Kriya. Während
    andere Pranayamas ein einigermaßen gereinigtes System erfordern, ist dies für Kapalbhati
    nicht nötig, weil es selbst reinigend wirkt, deshalb fällt es unter die Shatkarmas.

    Welches ist die geeignetere Übung für eine gebildete Person, Hatha Yoga oder Gyana
    Yoga?
    Wenn eine gebildete Person ein körperliches Problem hat, sollte sie sicherlich Hatha Yoga
    üben. Wenn eine ungebildete Person philosophische Probleme hat, dann sollte sie sich Gyana
    Yoga zuwenden. Es kommt auf das Problem an. Wenn du krank bist, wirst du fragen: ‘Zu
    welchem Arzt soll ich gehen, einem Chirurgen, einem ayurvedischen Arzt, einem Homöo
    pathen, einem Schulmediziner usw.?’ Wenn du einen entzündeten Blinddarm hast, musst du zu
    einem Chirurgen gehen. Gleichermassen sollte sich eine Person bei körperlichen oder
    geistigen Beschwerden, wenn die Nadis nicht in vollendeter Harmonie arbeiten, zuerst Hatha
    Yoga Übungen widmen.

    Was ist der eigentliche Unterschied zwischen der Übung von Kapalbhati und Bhastrika
    Pranayama?
    In beiden Übungen, Kapalbhati und Bhastrika, ist die Atmung schnell, aber in Kapalbhati liegt
    der Schwerpunkt bei der Ausatmung, während bei Bhastrika die Einatmung und die Ausat
    mung ausgeglichen sind. Bei Bhastrika ist der Übende sich der Bewegung des Bauches
    bewusst und erlangt schrittweise die Kontrolle darüber, während in Kapalbhati die Aufmerk
    samkeit auf den frontalen Bereich des Gehirns gerichtet ist.

    Man erreicht den maximalen Nutzen von Pranayama wenn die Bandhas mit Kumbhaka (der
    Atempause) geübt werden. Pranayama stimuliert den Pranafluss und die Bandhas kontrollieren
    diesen Fluss und lenken ihn in die erforderlichen Bereiche. Wenn du Moola Bandha (Kontrak
    tion im Perineum) und Jalandhara Bandha (Halsverschluss) durchführst, dann zwingst du
    Apana (die Vitalenergie im unteren Bereich des Körpers, unterhalb des Bauchnabels) nach
    oben zu fließen und sich mit Prana (der Vitalenergie im Bereich zwischen Kehlkopf und
    Herzansatz) zu vereinigen.

    Wenn sich Prana und Apana vereinen ist das eine fantastische Erfahrung, die Vitalität erzeugt
    und dabei hilft, die Kundalini zu erwecken.

    Neti klärt den Nasenkanal und hilft bei der Heilung von Erkältungen und Nasennebenhöhlen
    entzündungen, sowie bei verschiedenen Erkrankungen des Gehirns und wirkt daher heilsam
    bei Epilepsie, Hysterie, Migräne und Depression. Es erzeugt ein allgemeines Gefühl von
    Leichtigkeit und Frische im Kopf und beseitigt Schläfrigkeit. Spirituell gesehen hilft es bei der
    Erweckung von Ajna Chakra. In Jala Neti wird Wasser verwendet und in Sutra Neti wird ein mit
    Wachs versehener Baumwollfaden oder ein dünner Gummikatheter in ein Nasenloch eingeführt
    und durch den Mund herausgezogen.

    Erzählen Sie uns etwas über Trataka.
    Das Sanskritwort ‘Trataka’ bedeutet stetiges Blicken. Wenn dich jemand für eine lange Zeit an
    starrt, dann nennst du das Trataka. Es gibt viele Wege Trataka zu üben. Manche Leute üben
    Trataka mit einer Kerzenflamme, mit einem schwarzen Punkt, einem Kristall, dem Mond, einem
    Bild oder Symbol, mit den Reflexionen auf der Wasseroberfläche oder dem eigenen
    Spiegelbild.

    Trataka ist eine sehr wichtige Übung und eine direkte Methode, um den Geist zu beeinflussen.
    Das Auge ist eigentlich eine Verlängerung des Gehirns und der optische Nerv ist einer der
    zwölf Hirnnerven, die direkt aus dem Gehirn hervorgehen, nicht aus der Wirbelsäule. Deshalb,
    wenn wir den Sehappart in Anspruch nehmen, beeinflussen wir das Gehirn. Die Yogis
    entdeckten, dass das Ruhigstellen der Augen beim Starren auf einen Punkt, entweder auf das
    Augenbrauenzentrum, die Nasenspitze oder auf einen Punkt außerhalb des Körpers, sich
    unmittelbar und positiv auf das Gehirn auswirkt. Dies wiederum hat eine wechselseitige
    Wirkung auf die Augenbewegung, auf die Netzhaut und den ganzen visuellen Apparat.
    Wenn du eine schlafende Person beobachtest, kannst du feststellen, ob sie tief schläft oder
    träumt. Du kannst aufgrund der Augenbewegung sofort sagen, ob sie sich sorgt, fürchtet,
    ängstigt, träumt, nachdenkt, schläft oder in Samadhi ist. Im Tiefschlaf können die Augen
    automatisch Shambavi Mudra einnehmen. Wenn eine Person träumt, dann gibt es Augenbe
    wegungen, die gesehen, gefühlt und durch Maschinen auch gemessen werden können. Im
    Zustand von tiefer Meditation sind die Augäpfel normalerweise auf den Punkt zwischen den
    Augenbrauen oder die Nasenspitze zentriert, und wenn ein Mensch stirbt, rollen die Augäpfel
    im Allgemeinen direkt nach oben, sie bleiben niemals im Zentrum. Die Augen einer ängstlichen
    Person sind unstet, und durch das Beruhigen der Augen können wir gewöhnlich die
    unkontrollierten Schwankungen eines ängstlichen Gehirns überwinden.

     

    Du findest die Zitate Original im Yogamag. 

  • Geistige Gesundheit

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Wie kann ich einen freien Geist haben?
    Es ist sehr schwierig einen freien Geist zu haben, und darüber hinaus ist es sehr gefährlich.
    Wenn ein Tiger nicht im Käfig gehalten wird, könnte er frei herum laufen und Menschen töten.
    Bevor du daran denkst, deinen Geist zu befreien, muss dieser erzogen, geschult und
    diszipliniert werden, ansonsten könnte er zerstörerisch auf dich und andere wirken.

    Der Geist ist sehr mächtig. Er ist die Basis von Gut und Böse und er kann Angstzustände oder
    Ausgeglichenheit hervorbringen. Der gleiche Geist möchte in einem Moment Selbstmord
    begehen und im nächsten das Göttliche realisieren. Das bedeutet, dass es zwei Geistes
    zustände gibt – den des ungezähmten Geistes und den des geschulten Geistes. Ein Yogi hat
    einen geschulten Geist, nicht aber das Tier. Nun, im Menschen steckt das Tierische, das
    Menschliche und das Göttliche. Sobald ein Mensch seine Gedanken und Emotionen geschult
    hat sind seine Handlungen kontrolliert, und ab dann kann er daran denken, seinen Geist zu
    befreien.

    Wenn Du dich nicht disziplinierst bevor du deinen Geist befreist, wird dich das unglücklich und
    depressiv machen. Es wird Hass erzeugen, Vorlieben und Abneigungen, Anhaftung und
    Ablehnung, und es könnte dich in Richtung Selbstzerstörung beeinflussen. Heutzutage leiden
    wir alle, weil unser Geist undiszipliniert ist. Wenn wir also von geistiger Freiheit reden, sollten
    wir die Disziplin nicht vergessen. Geistige Disziplin und geistige Freiheit sollten Hand in Hand
    gehen. Sie sind nicht unabhängig voneinander.

    Ist es besser im Leben zu agieren oder die Dinge einfach geschehen zu lassen?
    Du musst die Dinge geschehen lassen, aber zur gleichen Zeit musst du dich bemühen. Man
    sollte weder die Hoffnung aufgeben noch den Mut verlieren. Man sollte sein Bestes geben und
    so seinen Teil zum Erfolg beitragen. Es ist immer gut, sich mit den Umständen und Gegeben
    heiten des Lebens auseinanderzusetzen. Zugleich sollte man aber wissen, dass es, um sich im
    Leben zu behaupten, am besten ist, eine ausgeglichene Grundhaltung beizubehalten, anstatt
    sich aufzuregen, neurotisch oder unnötig aufgedreht zu sein.

    Wenn du ein Haus, eine Fabrik, einen Laden oder eine Familie aufbauen möchtest, musst du
    positive Anstrengungen unternehmen, um dies zu erreichen. Trotzdem kann es manchmal
    vorkommen, dass die Dinge nicht gelingen. Dies wirkt sich negativ auf den menschlichen Geist
    aus. In dem Moment wird man durch psychologische, mentale und körperliche Probleme
    beeinflusst. Das ist der Zeitpunkt, an dem du die Dinge geschehen lassen solltest. Die Dinge
    einfach laufen zu lassen, ist eine sehr gute Philosophie, aber sie sollte nur angewandt werden,
    wenn die Dinge nicht mehr in deiner Hand liegen. Solange die Situation unter deiner Kontrolle
    ist, versuche alles so reibungslos und intelligent wie möglich auszuarbeiten.

    Wenn Eheleute zusammen leben, sollten sie versuchen so glücklich wie möglich zu sein. Wenn
    es gelegentliche Schwierigkeiten gibt, sollten sie ihr Bestes geben um diese Unstimmigkeiten
    zu beheben. Wenn sich ein grosser Bruch zwischen beiden anbahnt, sollten sie trotzdem
    versuchen, diesen zu verhindern. Und falls es zur Trennung kommt, sollten sie darüber
    nachdenken sich zu ändern und die Beziehung zueinander wieder aufzunehmen. Aber wenn
    die Beziehung wirklich am Ende ist, dann sollten sie dies schlichtweg akzeptieren. Dies ist der
    beste Weg um psychologische, mentale und körperliche Probleme zu vermeiden. Obwohl dies
    nur ein Beispiel ist, lässt es sich auf alle Lebenssituationen übertragen.

    Warum bringen uns unsere Emotionen oft zum Weinen? Ist es gut zu weinen?
    Es gibt bestimmte Naturgesetze, über die wir gesteuert werden. Wenn jemand in der Familie
    stirbt, weinen alle. Wenn dich deine Freunde dann zu dieser Zeit besuchen kommen, beginnst
    du auch zu weinen. Warum? Es ist nicht wirklich weil jemand gestorben ist, dass du weinst,
    sondern der Tod hat zu ganz bestimmten Stauungen im Organismus geführt, die durch Weinen
    wieder gelöst werden.

    Nun, wenn du sehr viel Schmerz in deinem Körper empfindest, beginnst du zu weinen und zu
    stöhnen. Warum? Weil du, wenn du stöhnst, Rechaka, Ausatmen, praktizierst. Wenn du
    Rechaka übst, wird der Schmerz im Schmerzzentrum des Gehirns entfernt. Wenn dir also zum
    Weinen zumute ist, dann solltest du deine Tränen nicht unterdrücken. Versuche nicht gegen
    deine natürlichen Reaktionen anzukämpfen. Die Natur verfügt über ein sehr wohlorganisiertes
    System, in das du vertrauen solltest.

    Bitte erörtere die verschiedenen Ebenen von Angst, und wie diese angenommen und
    überwunden werden können.
    Es gibt verschiedenste Formen von Angst und sie sind so zahlreich, dass wir ihnen während all
    unseren Lebensabschnitten begegnen – Angst vor Krankheit, Angst vor Kränkung, Angst vor
    dem Tod, Angst davor Geld zu verlieren etc. Angst regiert unser Leben. Der beste Weg um
    Angst zu beseitigen ist, sie zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen. Und jedesmal, wenn du das
    tust, wirst du feststellen, dass Unwissen die Quelle von Angst ist.

    Wenn dein Bewusstsein unfähig dazu ist, tiefer als zu dem jeweiligen Geisteszustand, in dem
    du dich befindest, vorzudringen, kommt Angst auf. Ein Kind hat seine ganz eigenen
    Begrenzungen des Geistes, und jenseits dieser Begrenzungen liegt Angst. Wenn ein Kind
    nachts ins Badezimmer geht, hat es Angst, weil es dunkel ist. Aber wenn ich ins Badezimmer
    gehe, habe ich keine Angst, weil ich weiss, dass dort nichts zu fürchten ist. Wenn ich von dir
    verlangen würde, neben einem Toten zu schlafen, würdest du dazu wahrscheinlich nicht in der
    Lage sein. Selbst wenn du sicher wärst, dass er wirklich tot ist, wärst du vermutlich dennoch
    von Angst erfüllt. Aber ich könnte neben ihm schlafen, weil ich weiss, dass er tot ist, seine
    Seele sich zurückgezogen hat und mir nichts geschehen wird.

    Der Hauptgrund für Angst ist also der Mangel an Wissen. Wenn jemand über Wissen und
    Einsicht verfügt wird er furchtlos.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag.  

  • Chakras

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamags übersetzt und veröffentlicht.

    Was ist die Beziehung zwischen Chakra-Konzentration und Kundalini-Erwachen?
    Konzentration auf die Chakras ist ein Teil von Kundalini Yoga. Aber Konzentration auf die
    Chakras alleine wird Kundalini Shakti nicht erwecken. Bevor Kundalini erwachen kann, muss
    Sushumna Nadi gereinigt und aktiviert werden.

    Wie werden wir uns den Chakras bewusster?
    Sich den Chakras bewusst zu sein, hängt von der individuellen spirituellen Evolution ab. Wenn
    das Bewusstsein durch spirituelle Bemühungen gereinigt wurde, ist die Bewusstheit für die
    Chakras in hohem Masse gestärkt.

    In unseren mannigfaltigen Inkarnationen haben wir verschiedene Chakras entwickelt. Wenn du,
    während du Chakrakonzentration übst, ein Chakra mehr spürst als die anderen, heisst das,
    dass deine Evolution von diesem Punkt aus beginnen sollte.

    Können Sie uns eine kurze Beschreibung von jedem Chakra geben?
    Mooladhara Chakra ist die subtile Wurzel oder Grundstruktur der menschlichen Existenz. Moola
    bedeutet “die Wurzel”, adhara bedeutet “Stütze”. Im männlichen Körper befindet sich dieses
    Chakra zwischen dem After und den Geschlechtsorganen. Im weiblichen Körper befindet es
    sich am Muttermund, dort wo die Scheide und die Gebärmutter sich verbinden. Als nächstes
    kommt Swadhisthana, das sich an der Basis der Wirbelsäule beim Steissbein befindet.

    Swadhisthana bedeutet “der eigene Sitz”; es ist die Grundlage aus der die meisten Menschen
    sich in der Welt ausdrücken.

    Manipura Chakra befindet sich innerhalb der Wirbelsäule direkt hinter dem Nabel. Das Wort
    Mani bedeutet “Juwel” und Pura bedeutet “Stadt”. Daher ist Manipura bekannt als “Stadt der
    Juwelen”. Es ist das Zentrum, in dem die Vitalenergie im Körper gespeichert ist. Danach kommt

    Anahata, das sich in der Wirbelsäule hinter dem Herz befindet. Anahata bedeutet “nicht
    angeschlagen” oder “ungebrochen”. Es ist das Zentrum des ununterbrochenen Klanges.

    Vishuddhi Chakra ist als das Reinigungszentrum bekannt, weil es alle Gegensätze und alle
    Gifte reinigt und harmonisiert. In Vishuddhi werden Gifte und Nektar getrennt und verfeinert. Es
    befindet sich in der Wirbelsäule hinter der Kehle.

    Ajna Chakra ist das Befehlszentrum, in dem du die Instruktionen von deinem inneren oder
    äusseren Guru erhältst. Das Wort Ajna bedeutet tatsächlich “Befehl”. Dieses Chakra befindet
    sich hinter dem Augenbrauenzentrum am oberen Ende der Wirbelsäule.

    Bindu ist der Punkt an dem die Hindu Priester einen Haarbüschel stehen
    lassen. Das Wort Bindu kommt aus der Sanskritwurzel “bind” und bedeutet “spalten” oder
    “trennen”. Es ist der Punkt an dem sich die Einheit zum ersten Mal teilt um Viele zu werden.
    Bindu ist der (kraniale) Punkt am Schädel, welcher das gesamte optische System nährt.

    Sahasrara ist der göttliche vielblättrige Lotus. Seine Natur ist unendlich. Die körperliche
    Zuordnung dieses Zentrums liegt bei der Hirnanhangsdrüse, welche jede Hormondrüse und
    alle Systeme im Körper kontrolliert.

    Das sind die Hauptchakras, und sie alle haben einen zugehörigen Aktivierungspunkt, den man
    an der Vorderseite des Körper findet. Für Mooladhara ist es das Chakra selbst, für
    Swadhisthana befindet er sich am Schambein, für Manipura ist es der Bauchnabel, für
    Anahatha das Herz, für Vishuddhi die Kehle und für Ajna das Augenbrauenzentrum. Bindu hat
    eine direkte Verbindungslinie zu Sahasrara.

    Es ist auch interessant zu erwähnen, dass das Ajna Chakra das Symbol der Hindus ist, Bindu
    das Symbol der Muslime, Anahatha das Symbol der Christen und Manipura ist das Symbol der
    Buddhisten.

    Gibt es auch andere Chakras im menschlichen Körper?
    Unterhalb vom Mooladhara-Chakra befinden sich andere Chakras, die zum Tierreich gehören.
    Sie stehen nur in Verbindung mit den Sinnesorganen und nicht mit dem geistigen Bewusstsein.
    Als sich dein Bewusstsein durch diese Chakras entwickelte, war dein Bewusstsein mit der
    Sinneswahrnehmung verbunden. Dort gab es kein individuelles Bewusstsein, kein Ego, das
    fing beim Mooladhara Chakra an. Diese unteren Zentren arbeiten nicht mehr, weil du sie
    transzendiert hast und sie keinerlei Bedeutung mehr für dich haben.

    Tatsächlich gibt es 7 höhere und 7 niedrigere Chakras, stellvertretend für die 14 Ebenen des
    Bewusstseins.

    Weshalb haben die Lotus der verschiedenen Chakras verschiedene Farben?
    Genauso wie die Blumen, die aussen in der Natur wachsen, verschiedene Farben haben
    entsprechend ihrer Sorte und der Region, in der sie wachsen, so befinden sich im
    Evolution repräsentieren. Sie symbolisieren das innere Wesen, die innere Pracht. Man kann
    sich selbst als eine Mischung von vielfarbigen Blumen verstehen.

    Könnten Sie uns etwas mehr über Sahasrara Chakra sagen?
    Sahasrara ist das Höchste, es der finale Kulminationspunkt von Kundalini Shakti. Der
    ursprüngliche Sitz von Kundalini ist Mooladhara, während der Sitz von Shiva, Purusha oder
    dem höheren Bewusstsein Sahasrara ist. Shiva und Shakti sind die zwei ewigen Urkräfte.
    Sahasrara ist der Sitz des höheren Bewusstseins und ist einfach nur reines Bewusstsein. Es
    besitzt keine Beweglichkeit, Aktivität, Bewegung oder Vibration, es ist absolut still. Shakti
    hingegen, ist dynamisch, kreativ, beweglich und voller Vibration. Wenn Shakti zu Sahasrara
    aufsteigt und sich mit Shiva vereint, dann wird ein grosses Erwachen erlebt und eine neue
    Bewusstheitsdimension verwirklicht.

    Gibt es einen einfachen Weg der Konzentration auf die Chakras für diejenigen, die Mühe
    haben sie zu lokalisieren?
    Ja, es gibt ein paar Schlüsselpunkte. Wie kannst du den genauen Lokalisierungspunkt für
    Mooladhara Chakra kennen? Eine Nadel dorthin zu stecken ist sicherlich nicht der richtige
    Weg. Du kannst das Fixieren des Blickes auf die Nasenspitze üben, oder Nasikagra Mudra,
    und dann wird sich dein Bewusstsein von selbst auf den exakten Punkt von Mooladhara
    richten. Das ist ein Beispiel eines Schlüsselpunktes.

    Wie kannst du dich auf Ajna Chakra konzentrieren? Du kannst es nicht lokalisieren, du kannst
    es dir nur vorstellen. Konzentriere dich zuerst auf das Augenbrauenzentrum und versuche
    diesen Konzentrations-bereich auf einen Punkt zu reduzieren. Wenn du damit Schwierigkeiten
    hast, gib etwas rote Paste (Sindhoor) auf das Augenbrauenzentrum, schliesse deine Augen
    und die Haut wird sich dort leicht zusammenziehen. Und ohne jegliche Anstrengung wirst du
    die Empfindung spüren und die Achtsamkeit von diesem Punkt so sehr entwickeln, dass du ihn
    wie eine kleine strahlende Sonne siehst. Sobald du das erlebt hast, wird dein Geist sich zurück
    bewegen und sich an diesem am schwierigsten zu lokalisierenden Punkt fixieren, dem Ajna
    Chakra.

    Es gibt verschiedene Methoden wie diese, welche es dir ermöglichen, den exakten Punkt zu
    entdecken, ohne ihn dir vorzustellen und ohne Anstrengung oder Anspannung.

    Können Sie eine Technik zur Konzentration auf alle Chakras empfehlen?
    Ich werde euch ein paar Methoden angeben. Du kannst dich still hinsetzen und dich entweder
    auf die Chakras selbst oder auf deren Verbindungspunkte an der Körperoberfläche
    konzentrieren. Spiele mit einem Musikinstrument die Tonleiter sa re ga ma pa dha ni sa oder do
    re me fa so la ti do.

    Setze diese Noten den Chakras gleich, und wenn du die Tonleiter hoch und runter gehst, führe
    deine Achtsamkeit von Chakra zu Chakra, von Mooladhara zu Sahasrara.

    Eine andere Methode schliesst den Gebrauch von Mantras mit ein. Jedes Chakra hat ein Bija
    Mantra: lam, vam, ram, yam, ham und aum, jeweils von Mooladhara zu Ajna. Übe Japa,
    wiederhole das zugehörige Mantra während du deine Achtsamkeit im entsprechenden Bereich
    hältst. Lenke deinen Geist zum Beispiel zu Mooladhara und wiederhole Lam immer und immer
    wieder. Dann konzentriere dich auf Swadhistana und wiederhole Vam für einige Zeit. Fahre fort
    mit dem Wiederholen des entsprechenden Mantras für jedes Chakra.

    Du kannst ausserdem Yantras und Mandalas benutzen, die in Verbindung mit dem entspre
    chenden Chakra stehen, oder die Tattwas, die Elemente der Chakras. Du wirst entdecken,
    dass es in den verschiedenen Religionen Techniken gibt, welche Konzentration auf die
    Elemente involvieren, sei es Feuer, Wasser, Erde, Luft oder Äther.

    Das sind nur einige Beispiele, aber es gibt viele verschiedene Techniken.

    Ist es von Vorteil, sich nur auf ein Chakra zu konzentrieren, anstatt auf mehrere?
    Wenn du dich auf ein Chakra konzentrierst, dann erfolgt das Erwachen bezogen auf dieses
    Chakra. Jedes Chakra ist der Sitz von bestimmten Erfahrungen. Wenn du dich auf das
    Manipura Chakra konzentrierst, erlebst du ein grosses Erwachen von Energie. Wenn du dich
    auf das Anahata Chakra konzentriert, erlebst du Gefühle von Frieden. Wenn du dich auf Ajna
    Chakra konzentrierst, machst du die Erfahrung von innerem Leuchten und wenn du dich auf
    Swadhisthana konzentrierst, machst du die Erfahrung von Glückseligkeit, welche mit
    orgiastischer Wonne verglichen werden kann.

    Das sind einige der Erfahrungen, die du machen kannst, wenn du dich auf die verschiedenen
    Chakras konzentrierst. Und so wie sich deine Konzentration entwickelt, so werden die
    entsprechenden Bereiche im Geist ebenfalls beeinflusst. Die Chakras korrespondieren mit
    übersinnlichen Wahrnehmungen wie Telepathie, Hellsehen, Hellhören und Vorahnungen etc.
    Falls eine Person in der Vergangenheit viele Drogen konsumierte, hindert sie das beim
    Erwecken der Chakras?

    Nein, aber sobald du die Drogen aufgegeben hast, musst du den Körper durch Hatha Yoga
    und Pranayama reinigen. Nervensystem, Gehirn, Blut, Atmungssystem, Drüsen und eigentlich
    der gesamte Körper müssen komplett frei sein von Giften damit das Erwachen stattfinden kann.

    Würde sich eine Operation an der Wirbelsäule auf die Chakras und die Nadis in der OP
    Region auswirken?
    Ich persönlich kannte einen jungen  Mann, der eine Krebserkrankung des Rückenmarks hatte.
    Ich traf ihn zum ersten Mal nachdem er für eine Wirbelsäulenoperation in London war. Er hatte
    damals immer noch Krebs und ich begann ihm Yogasanas, Pranayama, Prana Vidya und
    einige tantrische Übungen zu unterrichten. Er wurde geheilt und machte im Verlauf seines
    Sadhanas wunderschöne spirituelle Erfahrungen. Er sah in tiefer Meditation die Göttin Durga
    und spürte Empfindungen im Mooladhara Chakra, wenn er sich auf die Nasenspitze
    konzentrierte.

    Ich habe ausserdem viele Menschen beobachtet, die Operationen an der Wirbelsäule hatten
    und ich fand heraus, dass das vegetative Nervensystem, der Sympathikus und der Para
    sympathikus weiterhin in perfekter Ausgewogenheit funktionieren. Aufgrund dieser Erfahrungen
    glaube ich, dass sogar grosse Operationen die Nadis und Chakras nicht stören. Das ist aber
    nicht abschliessend, natürlich muss in diesem Bereich noch mehr Forschung betrieben
    werden.

     

    Du findest die Zitate im Original im Yogamag. 

     

  • Allgemeine Erläuterungen zu Yoga 2

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda
    Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den
    Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er
    zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die
    ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die
    folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von
    Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher
    Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Wie wichtig ist Mouna für die spirituelle Entwicklung?
    Die Übung von Mouna, Stille, reduziert erhöhten Druck im Gehirn und führt zu erfolgreicher
    Meditation. Sie bewahrt Energie, die für höhere spirituelle Erfahrung genutzt werden kann. Mit
    der Übung von Mouna kann die innere Temperatur gesenkt und körperliche Ruhe erzielt
    werden. Dies ermöglicht, während der Meditation einen Zustand der Ausgeglichenheit
    aufrechtzuerhalten, frei von Störungen und Ablenkungen. Während der Meditation werden
    Alphawellen verstärkt. Wenn der Übende Mouna einhält, wird seine innere Wahrnehmung
    dynamisch und gleichmäßig, und bringt ihn spirituellen Einsichten näher. Die Übung von Stille
    erzeugt einen Zustand von Selbsteinsicht und Kontemplation. Lange Zeiten von Stille über
    Wochen hinweg in einem Kloster, Ashram, einer Höhle oder in den Bergen, in Verbindung mit
    einer spirituellen Praxis, kann intuitive Erkenntnis erzeugen. Menschen, die an nervösen
    Erkrankungen, hohem Blutdruck und Herzproblemen leiden, sollten es sich zum Prinzip
    machen, Stille zu üben, wenn nicht für mehrere Wochen am Stück, dann wenigstens für eine
    Woche oder sogar nur für einen Tag in der Woche.

    Was ist Materie für einen Yogi – ist es alles, was existiert, Greifbares und Ungreifbares?
    Nach Patanjali, einem Verfechter von Yoga, ist Materie die Manifestation der ursprünglichen
    Natur, Energie oder Kraft. Solange sich ein Yogi auf der materiellen Ebene bewegt, sieht er
    Materie. Doch wenn er sich über seinen Geistes hinausbewegt, bewegt er sich auch jenseits
    von Materie. Materie besteht nur solange wie der Geist besteht. Wenn der Geist ausgelöscht
    ist, dann gibt es keine Materie mehr. Geist ist Materie, Shakti, Energie. Mit der Übung von
    Meditation, wird die grobe Materie Stufe für Stufe verfeinert. In den Schichten des Geistes
    befinden sich Spuren von Bewusstheit und Erfahrungen. Wir sehen, verstehen und erfahren die
    Welt entsprechend unserer vergangenen Erlebnisse, egal ob angenehm oder unangenehm.
    Der Yogi trennt Erfahrungen von Materie – Karmas, Samskaras, oder Eindrücke, vom Geist. Es
    kommt ein Moment im Leben eines Yogis, in dem alles was der Geist angesammelt und gehegt
    hat, vollständig beseitigt wird. Auf diese Weise transzendiert der Geist sich selbst und wird in
    Energie zurückverwandelt. Dann ist der Geist nur „Geist“. Demzufolge existiert Materie nur auf
    der mentalen Ebene; sobald die Barrieren des Geistes überstiegen sind, existiert keine Materie
    mehr. Der Geist, ist vollkommen verwandelt und transformiert.

    Was ist der Zweck unserer Existenz – wieso ist der Mensch in dieses materielle Leben der
    Sinneswahrnehmungen hineingeboren?
    Der Sinn des Lebens ist, sich zu entwickeln. Der Mensch ist Teil einer fantastischen, endlosen
    Evolution. Er ist nicht vollkommen, er steht irgendwo mittendrin. Nach Millionen von Jahren der
    Existenz hat sich die Schöpfung, das Leben selbst, zu einem Punkt entwickelt, an dem es sich
    in der Form des Menschen manifestiert. Die innewohnende Lebensenergie im Menschen, den
    Pflanzen und Mineralien, in aller empfindungsfähiger und empfindungsloser Schöpfung, ist ein
    sich entwickelndes Sein, das es immer schon gab, vom Anbeginn des Universums, vom Anbe
    ginn des Planeten Erde. Indes, ist der Zweck von Evolution mir freilich unbekannt. Bis zum
    heutigen Tag konnte mich keine Philosophie weder logisch, intuitiv noch metaphysisch, je vom
    Zweck der Evolution überzeugen. Obwohl ich moderne und antike Philosophien aus allen
    Zeitaltern und Kulturen studiert habe. Ich kann dir nicht sagen, warum das Leben geboren
    wurde, warum es sich entwickelt, zu welchem Umfang es sich entwickeln wird, und den Grund
    für diese bedeutungslose Entwicklung, die zu einem Ende kommen wird. Wenn du möchtest,
    dass ich dir eine Antwort gemäß der Hindu Philosophie, der Bibel oder anderen Religionen
    gebe, dann kann ich das tun, aber meine Antwort zum Thema Evolution ist: Ich weiß es nicht.
    Ist Leben in dieser Welt wirklich oder unwirklich?

    Für einen praktischen Yogi ist die Welt, das Leben und seine Ereignisse konkrete Realität. Er
    sieht das Leben nicht als unwirklich, vorübergehend, als Illusion oder großen Traum. Weil das
    Leben sehr real ist, suchten die alten Yogis nach Lösungen für dessen Probleme und Ein
    schränkungen. Daher entdeckten sie das System der Yamas und Niyamas (Wahrheit, Gewalt
    losigkeit, Enthaltsamkeit etc.), Asanas und Pranayamas, Konzentration und Meditation. Nach
    yogischer Philosophie besteht die Welt in allen drei Abschnitten der Zeit. Die Vergangenheit hat
    ihren Einfluss auf die Gegenwart und vieles in der Zukunft hängt von der Gegenwart ab. Diese
    Erde, Gesellschaft, Kultur, ihre Gebräuche, Tabus, Beschränkungen und Komplexe sind real.
    Wir müssen diese Welt verstehen.

    Wenn Gott, die Wahrheit, der Weg und das Ziel eins sind, wieso unterscheiden sich die
    Meister und Vorbilder in ihren Vorstellungen und widersprechen sich manchmal sogar?
    Die selbstverwirklichten Meister sprachen nicht unterschiedlich über die Wahrheit. Sie waren
    einstimmig in ihren Äußerungen. Doch was sie sprachen wurde von ihren Schülern weiterge
    geben, die immer noch Beschränkungen und Vorurteile hatten. So kamen die Unterschiede
    zustande und so werden sie weiterbestehen. Die Wahrheit, der Weg und das Ziel sind eins;
    niemand hat etwas anderes gesagt. Aber die Schüler von Meistern haben ihre eigenen
    Philosophien, die sich unterscheiden und weiterhin unterscheiden werden. Da kann man nichts
    machen.

    Welchen Grund gibt es für spirituelle Namen?
    Du hast einen Körper, deshalb solltest du auch einen Namen entsprechend deiner Astrologie,
    deines Geistlichen, deines Geburtsdatums oder der Vorliebe deiner Eltern entsprechend
    haben. Der Name bezeichnet den physischen Menschen. Doch wie wirst du den anderen
    Menschen nennen, der in diesem Menschen geboren wird? Wenn das Kind des spirituellen
    Bewusstseins in dir geboren wird, wirst du ihm dann keinen Namen geben? Ein spiritueller
    Name wird dem Menschen gegeben, der entsprechend der tieferen und markanten Aspekte
    seiner Persönlichkeit erwacht. Dies kann durch die Intuition eines hoch entwickelten Wesens
    erkannt werden.

    Wie können Schüler, die nicht im Ashram leben, ihrem Meister dienen?
    Das Ziel vom Dienen ist die Selbstreinigung. Menschen, die in der Gesellschaft leben, können
    ihrem Meister dienen, indem sie ihren Mitmenschen mit einer losgelösten Einstellung dienen,
    und durch das Einhalten der Regeln, die ihnen der Meister während der Einweihung aufge
    tragen hat. In Indien gibt der Meister traditionsgemäß spirituelle Anweisungen; er wendet sich
    vollkommen dem spirituellen Leben zu und nicht dem Verdienen seines Lebensunterhalts. Der
    Meister widmet sein Leben der Kontemplation und Realisierung der höchsten Wahrheit, der
    tiefen Meditation und der Kultivierung göttlicher Kraft. Er ist umgeben von klösterlichen
    Schülern, und Menschen, die in der Gesellschaft leben, unterstützen sein gesamtes Schaffen.
    Sie leisten entweder monatlich oder jährlich etwas zu dessen Fortbestand. Am Geburtstag ihres
    Meisters organisieren sie Essen für die Armen, dafür bereiten sie ein opulentes Mahl vor und
    laden alle Leprakranken, Blinden, Waisen und hilflosen Menschen ihrer Umgebung ein, an dem
    Fest teilzunehmen. Und sie dienen ihrem Meister auch, durch die Weitergabe seiner Lehre an
    Familienmitglieder, Freunde und Bekannte.

    Wie kann Kunst genutzt werden um universelles Bewusstsein zu erlangen?
    Kunst selbst ist ein Weg, die Universalität von Bewusstsein zu erkennen und zu realisieren.
    Doch sollte ein Künstler, eine Person die sich der Kunst widmet, das Bewusstsein homogen
    entwickeln, damit er seiner Kunst universellen Ausdruck geben kann.

    Bitte beschreiben sie die sieben Stadien des Bewusstseins, besonders Paramahamsa.
    Die sieben Stadien des Bewusstseins sind fortschreitende evolutionäre Zustände, die man in
    tiefer Meditation erlebt. Wenn du sie wirklich verstehen möchtest, dann studiere die Yoga
    Sutras von Patanjali und ihre Kommentare, die diese im Detail beschreiben. Im Stadium von
    Paramahamsa ist man fähig zwischen echt und unecht, sterblich und unsterblich, wahr und
    unwahr zu unterscheiden. Es kommt gar eine Entwicklungsstufe in der jemand, der
    Paramahamsa erreicht hat, nicht einmal mehr das unterscheiden kann, weil er sogar diesen
    Zustand der Begrenzung überschritten hat.

    Jetzt, da unsere gemeinsame Zeit sich dem Ende neigt, möchte ich euch versichern, dass alle
    eure Fragen von euch selbst beantwortet werden können. Der Meister ist in euch. Setze dich
    als Schüler unter den Baum des Wissens, der in dir ist, und schließe die Augen. Lege alle
    Fragen in einen Ordner und schließe sie vorerst in einen Schrank. Entwickle dein Bewusstsein,
    erweitere deinen Horizont und erwecke deine Intuition. Genauso wie wir Antworten auf deine
    Fragen geben, wirst du erfahren, dass die Antworten zu deinen Fragen in dir selbst zu finden
    sind oder du möglicherweise keine Fragen mehr haben wirst

     

    Die Zitate findest du im Original im Yogamag.  

  • Raja Yoga Sutras

    Aus Teachings of Swami Satyananda Saraswati, Volume III

    Ich habe eine Vision, wie Yoga in unser gegenwärtiges Leben integriert werden kann. Obwohl
    behauptet wird, dass ursprünglich Yoga in den Bergen, in Abgeschiedenheit von Entsagenden
    und von Sannyasins geübt wurde, glaube ich irgendwie, dass es erst später dazu kam, und
    nicht zur Zeit als Yoga von weisen Menschen entdeckt und entwickelt wurde. Denn gemäß
    dem, was uns Yoga sagt und zeigt, scheint er für die Menschen zu sein, die sehr zerstreut,
    ruhelos und emotional unausgeglichen sind. Deshalb glaube ich nicht, dass Yoga in einer
    Kultur der Stille in einem friedvollen Umfeld entstanden ist.

    Es gibt viele Ärzte auf der Welt, weil es viele Krankheiten gibt. Ohne Krankheiten gäbe es keine
    Ärzte. Es gibt die Polizei, weil es so viele Diebe, Banditen und Kriminelle gibt. Glaubst du, dass
    es ohne Diebe, Banditen und Kriminelle ein Scotland Yard und so viele andere polizeiliche
    Organisationen gäbe? Auf ähnliche Weise lässt die Philosophie des Yoga auf eine zerstreute,
    ruhelose, ehrgeizige und zerrissene Kultur schließen.

    Schau dir die Raja Yoga Sutras von Patanjali an, die Bhakti Yoga Sutras von Narada and
    Shandhilya, die Jnana Yoga Sutras von Maharishi Badarayana oder die Samkhya
    Sutras der Bhagavad Gita, die Karma Yoga beschreiben und erklären. Diese Schriften sind
    klare Hinweise dafür, dass die Menschen, an die sich Yoga richtete, nicht unbedingt weise und
    fromme Menschen waren. Deshalb ist es völlig falsch zu behaupten, dass Yoga eine Kultur
    einer monastischen Zivilisation war, oder eine Kultur der Berge und Klöster. Warum brauchen
    Mönche Yoga? Ich brauche kein Yoga. Ich habe keine Spannungen, keinen Stress, keinen
    Druck. Ich kann weggehen, zu jeder Zeit, wohin auch immer. Auch wenn mir etwas zustößt,
    erleidet niemand einen Verlust, denn ich bin allein. Ich habe keine Frau, keine Familie, keine
    Kinder, keine Gesellschaft, Religion oder Kultur.

    In unserer Gesellschaft hingegen, wenn eine Person an mentalen oder körperlichen Problemen
    leidet, dann leidet auch ihr ganzes soziales Umfeld. Deshalb kam ich zu dem Schluss, dass
    Yoga für Menschen ist, die inmitten von Verzweiflung stehen und mentalen und körperlichen
    Zusammenbrüchen ausgesetzt sind. Das ist auch genau das Thema der Bhagavad Gita,
    dessen erstes Kapitel „Yoga der nervösen Depression“ oder des Nervenzusammenbruchs
    heisst.

    Den unruhigen Geist beruhigen
    Yoga beginnt, wenn der Geist aus dem Gleichgewicht geraten ist und wenn dir die völlige
    Kontrolle über dich selbst fehlt, du aber gleichzeitig versuchst, wieder ins Gleichgewicht zu
    kommen. Es ist in diesem Sinn und mit diesem Hintergrund, dass ich dir ein wenig über
    die Raja Yoga Sutras von Patanjali erzähle.

    Patanjali war ein grosser Gelehrter und Seher, der vor etwa 2500 Jahren ein Zeitgenosse
    Buddhas war. Es gab auch andere großartige Zeitgenossen von Buddha, aber im Moment be
    schäftigen wir uns nicht mit ihnen. Patanjali kodifizierte Raja Yoga in der Form von Aphorismen,
    die Sutras genannt werden. Das Wort Sutra bedeutet in Sanskrit „Faden“, und so wie ein Faden
    die 108 Perlen einer Mala (Rosenkranz) verbindet, so gibt es in den Yoga Sutras von Patanjali
    ein zentrales Thema, welches all die verschiedenen Ideen verbindet.

    Vor der Zeit von Patanjali existierte bereits eine Philosophie in Indien, die Buddha und die
    Buddhisten stark beeinflusste. Dieser philosophische Zweig, einer der sechs Systeme der
    indischen Philosophie, ist bekannt als die Samkhya Lehre.

    In Samkhya wird erklärt, was der Geist ist, welche seine Komponenten sind, was Bewusstsein
    und was Materie ist, und was dafür verantwortlich ist, dass Materie im Verlauf der
    Schöpfung an Bewegungsimpulsen gewinnt. Samkhya setzt sich mit dem Bewusstsein und
    seinen verschiedenen Stufen auseinander, angefangen bei seinem primitiven Zustand in
    Gesteinen, dann bei dem in der Fauna und Flora bis hin zu dem im Menschen. Dieses
    Bewusstsein wird Chitta genannt.

    Chitta scheint sich durch Materie in verschiedenen Stufen zu manifestieren. Auf einer Stufe ist
    dieses Chitta reine Existenz und es gibt keine Bewegung. In uns hingegen nimmt dieses Chitta
    Muster an, die Vrittis genannt werden. Diese Vrittis sind die Bewegungen des Bewusstseins,
    und es ist Chitta, in der Kombination mit den Vrittis, die Wissen und Erfahrung hervorbringen.
    Hier ein Beispiel: Du bist dir meiner Gegenwart jetzt bewusst, und ich bin mir deiner Gegenwart
    bewusst, jeder auf seine eigene Art und Weise. Dies ist eines der Muster deines Bewusstseins
    und wird objektives Erkennen genannt. Auf ähnliche Weise erkennst du eine Blume – einen
    Geruch, ein Bild, eine Berührung und so weiter. Diese objektive Form des Erkennens ist eine
    Qualität von Chitta.

    Insgesamt gibt es fünf Muster, durch die der Geist Wissen erlangt. Im Yoga werden sie die fünf
    Vrittis genannt. Vritti heisst „Muster“; es kommt von dem Wort Vritta, das „Kreis“ bedeutet. Wenn
    du einen Kieselstein in einen See wirfst, entstehen konzentrische kreisförmige Wellenmuster,
    die sich immer weiter nach außen bewegen. Auf diese Weise bewegen sich auch die Muster im
    Geist. Die fünf Vritties sind i) objektive Bewusstheit, ii) subjektive Bewusstheit, iii) illusionäre
    Bewusstheit, iv) Bewusstheit von Vergangenem, und v) nicht vorhandene, abwesende
    Bewusstheit.

    Kaivalya
    Diese fünf Muster (Chitta Vrittis) sind wichtig, da Patanjali sagte: “Yoga ist ein Prozess, bei dem
    du diese Muster ausschaltest.” Es bedeutet, dass unsere Yogaübungen wie Asana, Prana
    yama, Meditation und so weiter, die fünffachen Vrittis aus dem Geist löschen sollten. Wenn
    dann die objektive, subjektive, eingebildete, auf das Vergangene gerichtete und abwesende
    Bewusstheit aufgehoben sind, entsteht eine Erfahrung, die frei von Beschränkung ist. Diese
    Erfahrung wird Kaivalya genannt.

    Das Wort Kaivalya kommt von dem Wort Kevala, das „einzig“ oder „absolut“ bedeutet, als
    Hinweis auf Nicht-Dualität. Wenn alle Vrittis entfernt sind, bleiben nur ICH, das Selbst, Purusha,
    das Bewusstsein, derjenige, der erfährt. Ich möchte betonen, dass derjenige, der erfährt, nicht
    der Geist ist. Derjenige, der erfährt, ist Purusha. Du magst es Selbst nennen; du magst es
    Bewusstsein nennen; du magst es das innere Wesen/Sein nennen. Du kannst es benennen wie
    du willst, denn es hat keinen Namen. Der Purusha erfährt die Dualität, die Vielfältigkeit, die
    Verschiedenheit der Materie durch den Geist, und dieser Geist ist wie eine Reflexionsfläche.
    Somit erlebt das Selbst die Materie durch diese Reflexionsfläche, die Chitta Vritti genannt wird.
    Aus diesem Grund wird zu Beginn der Yoga Sutras von Patanjali gesagt, Yoga Chitta Vritti
    Nirodhah – Yoga ist das Ausschalten von Chitta Vritti. Du hebst die subjektive Bewusstheit, die
    objektive Bewusstheit, die illusionäre Bewusstheit, die auf Vergangenes gerichtete Bewusstheit
    und das Unbewusste auf, und wenn all diese fünf entfernt sind, dann erfährt das Selbst sich
    selbst. Es erfährt nichts anderes. Dieser Zustand heisst Kaivalya, und du kannst dir bestimmt
    vorstellen, wie schwierig er zu erreichen ist.

     

    Du findest das Original im Yogamag. 

  • Patanjalis Raja Yoga

    Patanjalis Yoga ist ein in der Menschheitsgeschichte einzigartiges System. Es ist äußerst klar
    und strukturiert. Religiöse Erfahrungen und Rituale werden nicht thematisiert. Patanjali dringt
    sofort zum Kern der Problematik durch. Die Anleitungen in seinem Raja Yoga System sind
    konfessionsungebunden, wissenschaftlich und vollkommen spirituell, darüber besteht kein
    Zweifel. Es spielt keine Rolle, ob man Hindu, Moslem, Parse, Christ oder Atheist ist, die Lehren
    von Patanjali beschäftigen sich ausschließlich mit der Frage, wie die höheren, strahlenderen
    Dimensionen unseres Bewusstseins erfahren werden können.

    In der Samkhya Philosophie hat Rishi Kapila deutlich gemacht, dass das Bewusstsein
    entsprechend der verschiedenen Graden seiner Manifestation, eigene Grenzen hat. Aus Sicht
    der Physik verfügt Materie über Grenzen unterschiedlicher Ausprägung, bis sie schliesslich, in
    kleinste Teilchen umgewandelt, Energie freisetzt. Diese Energie löst sich in der Unendlichkeit
    auf, die ausserhalb unseres Vorstellungsvermögens liegt. Vergleichbar zeigt Patanjali den
    spirituellen Entwicklungsprozess von endlich zu unendlich auf.

    Gemäss Patanjali ist die höchste Stufe von Achtsamkeit oder Bewusstsein reine Erfahrung.
    Diese Erfahrung ist weder psychischer Natur, noch ist sie die Erfahrung einer Göttin (Devi) oder
    eines Gottes (Devata). Sie ist auch nicht Sonne oder Mond oder Dämonen. Nein! Sie ist nicht
    kategorisierbar, sondern einfach eine Erfahrung an sich, frei von Bildern oder Konzepten.
    Desweiteren kann dieser Zustand von Anubhav nicht durch den Geist erfahren werden. Der
    Geist hat seinen ihm eigentümlichen und ihn einschränkenden Charakter. Der Geist ist nicht
    absolut, sondern hat seine eigenen Gesetze und seine eigene Bestimmtheit.

    Anubhav, die ultimative spirituelle Erfahrung, unterliegt keiner Gesetzmässigkeit. Die Gesetze
    der Bestimmtheit und Unbestimmtheit müssen korrekt verstanden werden. Da Natur und
    Ursprung der Erfahrung von Anubhav nicht mit herkömmlicher Sprache oder Logik erklärt
    werden können, stellt sich die Frage: „Wer war denn der Erfahrende?“. Ich sage, niemand. Und
    doch, wenn wir von Erfahrung sprechen, implizieren wir Dualität, namentlich der Erfahrende
    und die Erfahrung. Da Dualität im Bereich von Anubhav nicht existieren kann, entsteht hier ein
    Konflikt zweier unterschiedlicher Standpunkte. Im Zustand von Samadhi können die Regeln der
    Logik nicht gelten. Das Raja Yoga Sadhana ist also nicht dazu bestimmt, den Zweck einer
    logischen, puritanischen Philosophie oder einer religiösen Norm oder Moral zu erfüllen.

    Yama und Niyama
    Yama (soziale Richtlinie) und Niyama (persönliche Richtlinie) sind die ersten zwei Stufen, das
    Fundament von Raja Yoga. Man möchte als erstes dazu tendieren, sie mit religiösen
    Verpflichtungen zu assoziieren. Satyam zum Beispiel, was Wahrheit bedeutet, ist ein Yama.
    Wahrheit wird in allen Religionen gelehrt. So könnte man sich die Frage stellen, wenn es im
    Raja Yoga so wichtig ist, in Wahrheit zu leben, dann muss hier doch ein religiöses Befolgen
    gemeint sein? Auf dieser Annahme beruhend, lehnen viele Menschen, die Religion ablehnen,
    auch gleichzeitig Raja Yoga sofort ab. Das ist aber falsch.

    Yama umfasst Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Ehrlichkeit),
    Brahmacharya (sinnliche Enthaltsamkeit) und Aparigraha (keine Bereicherung). Niyama
    beinhaltet Saucha (Reinlichkeit), Santosha (Zufriedenheit), Tapas (Entbehrung), Swadhyaya
    (Selbststudium) und Ishwara Pranidhana (Vertrauen in Gott). Diese fünf Yamas und Niyamas
    sind in erster Linie dazu da, die Probleme des Geistes – die negativen Beeinflussungen auf der
    emotionalen, psychischen und mentalen Ebene – aufzulösen. Die negativen Samskaras, welche
    in den hintersten Winkeln des Bewusstseins eingebettet liegen und uns daran hindern höhere
    Meditationszuständen zu erreichen, werden durch sie beseitigt.

    Samskaras können auf negative oder positive Art und Weise beseitigt werden. Mit der positiven
    Methode werden all die mentalen, emotionalen und physischen Qualitäten gefördert, welche
    den Geist mit Sattva Guna (perfektes Gleichgewicht) erfüllen. Diese Qualitäten sind Maitri
    (Freundlichkeit), Karuna (Mitgefühl), Mudita (Freude), Upeksha (Gleichmut). Diese positiven
    Qualitäten können in der allgemeine Struktur unserer Persönlichkeit hervorgerufen werden.
    Denke an eine Person, deren Persönlichkeit im Licht von Freundlichkeit, Mitgefühl, Freude und
    Gleichmut strahlt. Diese Person wird im Zustand von Dhyana Yoga sicher weniger Probleme
    haben, als eine Person, welche eifersüchtig, voller gewalttätiger, melancholischer und hitziger
    Gedanken und mit sich und der Welt unglücklich ist. Solch eine Person wird in der Meditation
    mit vielen psychotischen Erfahrungen zu kämpfen haben. Sie kann von Angst und Schrecken
    befallen werden und in Tränen ausbrechen oder heulen wie ein Hund.

    Yama und Niyama halten den allgemeinen Raum des Bewusstseins rein, so als würde man
    einen staubigen Ort sauber halten, in dem man die Türen und Fenster des Hauses geschlossen
    hält. Bloss kann man die Türen vor den Vasanas, den Wünschen, Verlangen und Anhaftungen,
    nicht schliessen. Jeder spirituell Suchende muss seine Schwächen oder Einschränkungen im
    Umgang mit Yama und Niyama, entsprechend seiner eigenen Persönlichkeit, erkennen und
    definieren. Für die einen führt die Befolgung aller Yamas und Niyamas in tiefe Meditation, für
    andere jedoch in Hysterie oder psychotische Anfälle. Demzufolge muss Adhikara eingehalten
    werden, d.h. die eigenen persönlichen Voraussetzungen müssen berücksichtigt werden. Um
    die geistige Gesundheit zu erhalten, beachte, dass alles, was den Geist und das Bewusstsein
    krank macht, den Yamas und Niyamas entgegengesetzt ist. Genauso ist alles, was dein
    Bewusstsein und deinen Geist unterdrücken und einengen kann und Rastlosigkeit und
    Depression in einer Persönlichkeit hervorruft, den Yamas und Niyamas entgegengesetzt.

    Wie man Mantra Yoga übt.
    Die Erfahrung sollte angenehm und natürlich sein. Wenn bei der Anwendung von Yama und
    Niyama Anspannung entsteht, was wird dann im Zustand von Pratyahara geschehen, oder erst
    im Zustand der Meditation? Aus diesem Grund sollte die Anwendung von Yama und Niyama
    mit Mantra Yoga unterstützt werden. Ein Mantra ist ein Wort, eine Schwingung, welche den
    Geist von Samskaras befreit, genauso wie Energie aus Materie freigesetzt wird. Dies ist die
    etymologische Bedeutung von Mantra. Mantra hat nur ein Ziel: geistige und spirituelle
    Befreiung (Moksha).

    Laut Nada Yoga besteht die Struktur von Materie aus Millionen von Klängen, sowohl bekannter
    wie unbekannter Art. Jedes Objekt besteht aus einer dichten Komposition von Klangpartikeln.
    Die Gesamtsumme dieser Partikel wird von den Yogis in Form eines Klanges oder Mantras
    wahrgenommen. So arbeitest du durch das Rezitieren des Mantras tatsächlich an Problemen
    deiner Achtsamkeit und deines Geistes. Dies ist eine äusserst kraftvolle Übung.

    Nehmen wir z.B. das Mantra OM. Dieses besteht aus zwei Klängen, O und M und kann auf vier
    verschiedene Arten wiederholt werden: hörbar, geflüstert, mental oder spontan. Schlussendlich
    wird es Teil unseres Bewusstseins. Wie eine Leinwand, auf der ein Künstler ein wunderschönes
    Gemälde malt, so wird auf dieselbe Art das Mantra in die allgemeine Bewusstseinsstrukur
    eingearbeitet.

    Das Mantra soll in vier Stufen geübt werden: Zuerst gut hörbar, entweder als Ommmmmm oder
    Ooooomm, damit der Klang durch das Gehirn absorbiert wird, welches dadurch seine
    Wellenstruktur ändert, und Frieden im Geist und Pratyahara spontan entstehen können. Nach
    ein paar Monaten soll das Mantra geflüstert, dann gedanklich und schlussendlich im Einklang
    mit der Atmung rezitiert werden. Pratyahara wird erfolgreich, wenn Mantra zur Grundlage des
    Sadhanas wird.

    Pratyahara
    Im Zustand von Pratyahara ist die Bewusstheit temporär von den Sinnesnerven und den
    motorischen Nerven getrennt. Impulse, die in Richtung Karmendriyas (Sinnesfunktionen, die
    sich auf Handlungen beziehen) und Gyanendriyas (Sinnesfunktionen, die sich auf Wahrnehmen
    und Aneignen von Wissen beziehen) fliessen, werden zurückgezogen. In der Folge ist die
    Bewusstheit von der Wahrnehmung äusserer Stimuli isoliert. Im Inneren jedoch nimmt man
    andere Aspekte wahr, die Samskaras.

    Wenn der übliche Fluss von Erfahrungen unterbrochen ist, widmet sich der Geist den im
    inneren angesammelten Eindrücken vorangegangener Geburten und denjenigen, die in den
    letzten zwanzig bis sechzig Lebensjahren entstanden sind. Mit jedem Eindruck, der an die
    Oberfläche kommt, ereignet sich eine mentale Explosion. Normalerweise, wenn du z.B. im
    Supermarkt bist oder Fernsehen schaust, ist der Geist ruhig und es gibt kein Problem. Aber in
    dem Moment, wo du die Mala zur Hand nimmst und mit Mantra Japa beginnst und dich auf den
    Atem oder eines der Chakras konzentrierst, beginnt die Unruhe.

    Ist dies gut oder notwendig? Auf jeden Fall! Diese Störungen oder Vikshepas müssen sich in
    den Anfangsstadien von Pratyahara zeigen, sonst musst du ihnen im Zustand von Dharana,
    Dhyana oder sogar in Savikalpa Samadhi begegnen. Wenn du eine Magenverstimmung hast,
    macht es keinen Unterschied, ob du nach Kalkutta, Bombay oder Munger reist. Sie muss
    irgendwo behandelt werden, je früher desto besser. Die Reinigung des gesamten Bewusstseins
    ist im Zustand von Pratyahara einfacher. Lass alles rauskommen! Wenn Sadhakas Pranayama
    üben und mit Angst, Leidenschaft oder Sorgen konfrontiert werden, denken sie, ihr Sadhana
    sei falsch. Das ist ein Fehler. Glückseligkeit kann dich nicht sofort erreichen. Um eine Mahlzeit
    in vollen Zügen zu geniessen, muss zuerst der Magen in Ordnung sein. Genauso muss, um
    das Glück von Dhyana zu geniessen, der Geist zuerst geklärt werden. Dieser Reinigungs
    prozess ist zwangsläufig schmerzhaft und unangenehm.

    Dharana
    Stell dir eine brennende Kerze auf einem kleinen Tisch in einem Raum vor. Das Fenster ist offen
    und die Flamme flackert. Wenn du nun den Ventilator anstellst, geht die Flamme ganz aus.
    Wenn du aber das Fenster schliesst und den Ventilator abstellst, wird die Flamme ruhig. Deine
    Achtsamkeit ist wie diese Flamme. Sie muss beständig werden, indem du die Fenster der
    Sinnesorgane schliesst. Dann wirst du mühelos Dharana oder Konzentration erfahren. Dann
    wirst du einfach nur deine Augen schliessen und ohne einen mentalen Druck das Objekt
    wahrnehmen.

    Angenommen, du versuchst eine Kerzenflamme zu visualisieren. Im Zustand von Pratyahara
    kannst du deinen Geist nicht genug stabilisieren, um das Bild zu halten. In Dharana allerdings
    erscheint das Bild der Kerzenflamme sofort, jedoch durchsetzt von Gedanken, da der Geist
    abgelenkt ist. Grundsätzlich wird das Symbol in Dharana strahlend und stabil. Um dies zu
    erreichen, sind folgende Techniken wichtig.

    Die erste ist Trataka. Bei dieser Übung richtest du deinen Blick stetig auf einen Punkt, wie z.B.
    auf eine Kerzenflamme. Die schnellen Augenbewegungen (R.E.M. – Rapid Eye Movements),
    die während Dharana auftreten, unterbrechen zeitweise deine Konzentration und das Muster
    deines Symbols verschwindet. Du siehst die Flamme, dann verschwindet sie. Dies passiert, da
    die vom Gehirn unterstützte Struktur des Bewusstseins, durch die Bewegung der Augen
    beeinflusst wird. Die Konzentration auf einen bestimmten Punkt während Trataka gibt den
    Augen die nötigte Stabilität. Danach wirst du fähig sein, deine Konzentration mit geschlossenen
    Augen 3 bis 5 Minuten zu halten, ohne dass R.E.M. entsteht.

    Bei der zweiten Technik, Shambhavi Mudra, fokussiert man beide Augen auf den Raum
    zwischen den Augenbrauen.

    Bei der dritten Technik, Nasikagra Drishti, wird auf die Nasenspitze geschaut. Diese Übung
    stärkt die Fähigkeit R.E.M. zu kontrollieren und hilft, Stabilität beim Visualisieren des Symbols zu
    erlangen.

    Chaitanya
    Die gesamten Übungen des Raja Yoga Systems von Patanjali sind notwendig, um das
    Bewusstsein neu zu gestalten. Wie ein Bildhauer mit Hammer und Meißel aus einem rohen
    Stein ein wunderschönes Meisterwerk erschafft, so muss die grobe und noch urwüchsige
    Persönlichkeit eines Individuums bearbeitet und gereinigt werden. Die tamasischen und
    rajasischen Qualitäten müssen beseitigt werden. Nachdem man von unnötigen alten Karmas
    befreit ist, ist die Achtsamkeit vollständig isoliert, und das Bewusstsein kann sich selbst
    erfahren.

    Das Bewusstsein, als Chaitanya bekannt, findet auf vier verschiedenen Ebenen statt. In Jagriti,
    im Wachzustand, funktioniert das Bewusstsein mittels der Sinnesorgane und dem Geist.
    In Swapna, dem Schlafzustand, wirkt es auf der Ebene der Träume. Sushupti, bekannt als
    traumloser Schlaf, geschieht, wenn alle Stimuli entfernt sind und das Bewusstsein kein anderes
    Objekt, keine Erfahrung oder Vision wahrnimmt. Im vierten Zustand, Turiya genannt, ist das
    Bewusstsein frei von allen Eindrücken, alle Kanäle sind geschlossen und es erfährt sich selbst
    in seiner reinen Form. „Ich weiss, dass ich bin.“ Wenn dieses Wissen eintritt, haben wir das Ziel
    von Yoga erreicht – die Evolution menschlichen Lebens.

    Yoga in der heutigen Zeit
    In seiner Unwissenheit erfährt der Mensch die Schrecken seiner eigenen Persönlichkeit. Er
    kreiert Probleme, und in seinem Bemühen diese zu lösen, kreiert er weitere. Es ist so, als würde
    jemand eine Toilette mit seinen eigenen Fäkalien reinigen wollen. Wie können Probleme je
    Probleme lösen? Wie kann ein Geist, der schwach und unfähig ist, solche Turbulenzen
    beseitigen? Man kann das Dilemma des Konflikts nicht mit dem Geist lösen. Viele Menschen
    aus Ost und West, die wichtige Qualifikationen im Studium des Geistes und der Psyche
    vorweisen können, sind unfähig ihre eigenen Probleme zu lösen. Die Lösung liegt darin, den
    eigenen Geist zu transzendieren. Wenn man mentalen Stress, Psychosen oder Neurosen hat,
    muss man lernen, seinen Geist zu bewältigen. Es genügt nicht nur die Zusammensetzung des
    Geistes zu kennen. Dieses Ziel kann nicht durch religiöse Praxis, oder indem man sich einfach
    einem puritanischen Lebens aussetzt, erreicht werden.

    So, wie es Anleitungen zum Erlernen des Autofahrens und der Instandhaltung des Autos gibt,
    existiert eine Wissenschaft, durch die erlernt werden kann, wie dieses Vehikel, das Leben, am
    besten gehandhabt wird. Yoga ist die Wissenschaft, welche dich lehrt das Steuerrad richtig zu
    halten, wie und wann die Bremsen zu benutzen sind, wie dieses Leben mit unterschiedlichen
    Gängen zu befahren ist, sodass es in Harmonie fliessen und dich dorthin tragen kann, wo auch
    immer du hin möchtest.

    Der Körper und der Geist sind Fahrzeuge. Emotionen, Verlangen und Gedanken sind Vrittis,
    Modifikationen des Geistes, sie sind jedoch nicht der Geist. Der Geist ist weder gut noch
    schlecht, weder böse noch göttlich. Der Geist ist Nirguna, durch Brahman geboren. Seine
    Shakti ist jenseits aller Vorstellungen. So, wie Licht, das durch den Spalt einer Türe scheint,
    dich Dinge sehen lässt, so kann die höchste Macht durch den Geist strömen, und das ist die
    Erfahrung von Achtsamkeit und Bewusstsein.

    Der Geist ist kein boshaftes Bündel von Gewohnheiten. Er ist nicht sündig oder mit religiösem
    Dogma behaftet. Er ist das Leck im Bewusstsein und der Sinne, durch welches die trans
    zendente Realität dringt. Mit diesem kleinen Licht des Geistes kannst du wirklich sehen und
    bewusst sein. Dieses kleine Licht kann noch mehr zum Strahlen gebracht werden, sodass der
    Kosmos und das Allmächtige erfahren werden können. Das Raja Yoga System von Patanjali
    kann den Geist zu unendlichem Ausmass entwickeln. Es ist derart gestaltet, dass eine Vielzahl
    von Menschen in der Welt, welche eine brennende Sehnsucht nach der Erlösung von
    Schmerzen haben, den Weg begehen und Kaivalya – den höchsten Zustand der
    Selbstverwirklichung – erreichen können.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Den Geist vorbereiten

    Yoga bedeutet Karma Yoga, Bhakti Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga, und jeder Yoga hat etwas
    in deinem Leben zu vervollständigen. Bhakti Yoga kanalisiert deine Emotionen. Er sollte vor
    oder mit Raja Yoga geübt werden. Karma Yoga hilft dir, die Unreinheiten und Zerstreuungen
    des Geistes auszugleichen. Wenn du die Yogawege systematisch übst, wirst du nie auf
    Probleme stoßen, die dein Geist oder deine Emotionen während der Meditationspraxis
    erzeugen.

    Da wir den Geist nicht durch Bhakti Yoga und Karma Yoga vorbereiten, werden wir mit ihm
    während dem Meditieren konfrontiert. Im Yoga wird Meditation als das Höchste angesehen.
    Dennoch denke ich, dass in modernen Ländern Meditation überbetont und falsch bewertet
    wird. Meditation ist eine sehr hohe Übungsstufe und braucht daher viel Vorbereitung. Wenn du
    keine anderen Formen des Yoga praktizierst, wirst du während der Meditation Schwierigkeiten
    begegnen.

    Karma Yoga und Bhakti Yoga
    Karma Yoga ist die Philosophie deiner Beziehung mit dem Leben. Was ist deine Beziehung mit
    allem um dich herum und was sollte deine Haltung zu deiner Arbeit, Familie, Kinder,
    Problemen, Feinden und allem übrigen sein? Und wie solltest du bei Erfolg und Mißerfolg,
    Liebe und Hass, Sieg und Niederlage reagieren? Das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Karma
    Yoga ist die Philosophie, die deine Beziehung mit allem anderen in der Welt auf solche Weise
    regelt, dass nichts deinen Geist stört, zu keiner Zeit, egal was geschieht.

    Gleichermaßen ist Bhakti Yoga so wichtig, dass du ohne ihn deine Emotionen nicht richtig
    ausgleichen kannst. Daher müssen wir herausfinden, wen wir lieben sollen, wer für unsere
    ganze Liebe offen ist und nicht auf unangemessene Weise reagieren wird. Und genauso darf
    es uns dabei nicht langweilig werden. Die meisten Probleme, unter denen wir Menschen heute
    leiden, sind Probleme, die aufgrund von Liebe oder durch das Fehlen von Liebe entstehen.
    Genauso wie du deinen Geist ausbildests, ist es unerlässlich deine Emotionen zu schulen. Ob
    Geist, Emotionen oder Autofahrer, sind sie nicht geschult, verursachen sie Unfälle. Aus diesem
    Grund lernen wir durch Bhakti Yoga die Emotionen auf das Göttliche zu richten. Wir richten sie
    zu Gott, auf die Form einer Gottheit oder die Form des Gurus.

    Wenn du Karma Yoga und Bhakti Yoga geübt hast und dich Raja Yoga, oder sagen wir Yoga
    allgemein, hingibst, wird der Geist automatisch ruhig. Weil du weder Bhakti Yoga noch Karma
    Yoga übst, gibt es in der Meditation emotionale und mentale Probleme. Diese Probleme musst
    du annehmen, laß sie kommen, blockiere sie nicht. Sie zu blockieren wäre die größte
    Katastrophe.

     

    Du findest das Original findest im Yogamag

  • Brief an Swami Satyabrat

    Gesegnetes Selbst!
    Ein Zuhause in dem wechselseitiger Frieden herrscht, wo Ehemann und Ehefrau sich nicht
    streiten, wo bitterer Spott und harte Wörter vollkommen verboten sind, wo Mann und Frau sich
    gegenseitig in jeder Phase ihres Lebens respektieren, wo alle Familienmitglieder es verstehen,
    sich zu vergeben und zu vergessen, wo jede Angelegenheit in spirituellem Licht betrachtet und
    entsprechend behandelt wird, solch ein Zuhause ist wahrlich ein Himmel auf Erden, ein
    lieblicher, heiliger Garten voller schöner Blumen, die ewig duften.

    Bringe Frieden in dein Zuhause. Pflege deine Familie wie einen Garten, der immer grün und
    duftend ist. Organisiere die zerfahrenen Muster deines Zuhauses neu. Erbaue dein Haus neu
    auf das starke Fundament von Liebe, Frieden, Einheit und Stärke. Lass jeden von euch auf
    einer anderen Flöte spielen, aber lasse sie alle gleich gestimmt sein. Wenn alle anfangen in
    verschiedenen Tonlagen zu spielen, wird schnell ein Chaos entstehen. Ihr beide solltet im
    Leben ein gemeinsames Ziel haben und Euch in dessen Erfüllung gegenseitig unterstützen.
    Versucht den anderen zu verstehen. Tauscht niemals grobe Worte miteinander aus. Keine
    Kugel kann einen Menschen so verletzen wie die Zunge es vermag.

    Gott ist grenzenlos gnädig. Er vergibt uns unzählige Male. Selbst ein Dieb kann zum Heiligen
    werden, wenn er sein Leben gründlich umkrempelt. Eine Prostituierte kann zu ihm finden, wenn
    sie ihm ihr gesamtes Wesen offenbart und zu Füßen legt. Es gibt zu viele solcher Fälle, als dass
    sie hier alle genannt werden könnten.

    Messe der Vorgeschichte eines Heiligen kein Gewicht bei. Sieh was er dir jetzt sagt. Es ist sehr
    schwer ihn zu verstehen. Wir Sterblichen haben die schlechte Angewohnheit hauptsächlich die
    Fehler in anderen zu finden. Wir selbst machen den ersten Fehler indem wir das Wichtige
    ignorieren.

    Wir können unser Leben verändern indem wir die Art unseres Denkens ändern. Wie du denkst,
    so wirst du. Was immer du jetzt bist ist was du gestern gedacht hast; und was du morgen sein
    wirst ist das was du heute denkst. Ein Mensch gelangt zu wahrer Größe allein durch sein
    Handeln (Karma) und seinen Charakter (swabhava).

    3. Juli 1956, Delhi, Indien

    *Swami Satyabrat Saraswati war der Ehemann von Swami Dharmashakti Saraswati. Sie sind die
    Eltern von Swami Niranjanananda Saraswati.

     

    Du findest das Original im Yogamag

  • Bhakti Yoga

    Bhakti Yoga ist der Yoga der Liebe und Hingabe. Es ist die Hingabe zum Göttlichen in jeglicher
    Form oder nicht-Form in der du IHN oder SIE gerne sehen möchtest. Es kann Hingabe sein zur
    Wahrheit, zu Gott, an das Höchste, Brahman, an die absolute Realität oder zu jedem anderen
    Namen, den du dem Unbeschreiblichen geben möchtest. Es kann Hingabe zu Christus,
    Buddha, Mohammed, Krishna, Rama, Hanuman, Mahavira, Shakti, Shiva, Vishnu, Kali, Durga,
    Ahura Mazda oder sogar Zeus sein, wenn du das wünschst. Du kannst Hingabe an jeder
    beliebige Form ausdrücken, die du als Inkarnation des Göttlichen betrachtest. Es kann ein
    großer Heiliger sein, ob gestorben oder lebend. Es kann dein Guru sein. Die bestimmte Form
    ist unwichtig. Es ist die Hingabe, die du persönlich empfindest, die unentbehrlich ist. Ohne
    Hingabe, ob groß oder klein, ist Bhakti Yoga nicht möglich.

    Bhakti kann leicht als blinde Glaubenslehre angesehen werden und in vielen Fällen ist es
    genau dazu verkommen. In der Vergangenheit und bis zum heutigen Tag wurde Bhakti
    vollkommen missverstanden und missbraucht. Das hat zu Fanatismus und Intoleranz geführt.
    Darum geht es bei Bhakti aber genau nicht. Bhakti ist etwas, das der modernen intellektuellen
    Welt schwer zugänglich ist. Dies ist jedoch sehr bedauerlich, denn Bhakit Yoga ist eine
    unglaublich kraftvolle Methode, die zu höherem Wissen und Transzendenz führen kann. Und
    nicht nur das, Bhakti Yoga kann dir helfen, dein Leben zu harmonisieren und es zur Freude zu
    machen, die es sein sollte. Die Menschen haben den Missbrauch und die Verfälschung von
    Bhakti gesehen und haben dies irrtümlich als die Essenz von Bhakti Yoga verstanden. Bhakti
    Yoga hat umfangreiche Auswirkungen, die dein Leben transformieren können.

    Wenn du skeptisch bist, dann ist daran nichts auszusetzen; es wird von dir nicht verlangt, alles
    blind zu akzeptieren, was geschreiben wird. Weshalb solltest du? Aber es ist erstaunlich zu
    sehen, wie Menschen sich verändern und die Veränderung kommt nicht durch blinde
    Akzeptanz sondern durch besseres Verständnis und Erkennen der tieferen Bedeutung von
    Bhakti Yoga.

    Etwas anderes, woran es sich zu erinnern gilt ist, dass viele große Yogis, wenn nicht sogar alle,
    Bhakti zum Ausdruck gebracht haben. Einige von ihnen konnten nicht aufhören, über Bhakti zu
    sprechen. Waren sie alle fehlgeleitet? Das ist sehr unwahrscheinlich, da diese die Menschen
    waren, die als Weise galten. Wenn Weisheit zu Bhakti führen kann, oder Bhakti zu Weisheit,
    dann muss etwas am Weg von Bhakti Yoga sein, das nicht unmittelbar erkennbar ist. Des
    weiteren waren diese großen Yogis deutliche Indikatoren und Vorbilder dessen, was Bhakti
    herbeiführt: Toleranz, Frieden, Verständnis, Liebe gegenüber den Mitmenschen und viele
    andere Eigenschaften. Zu diesen Menschen solltest du schauen, wenn du einen deutlichen
    Beweis der Verdienste von Bhakti Yoga haben möchtest und nicht zu denen, die zu Eiferern
    oder Fanatikern werden.

    Was ist Bhakti?
    Bhakti Yoga bedeutet zwei Dinge: den Weg und die Erfahrung. Eine Person kann auf dem Weg
    von Bhakti Yoga sein und trotzdem keine positive Erfahrung von intensivem Bhakti haben.
    Gleichzeitig kann eine Person eine intensive Bhakti Erfahrung machen und trotzdem nicht zu
    erkennen geben, auf dem Weg von Bhakti Yoga zu sein. Lass uns das anhand von zwei
    Beispielen besser veranschaulichen:

    1. Wenn jemand zu Hingabe neigt, dann kann er dem Weg von Bhakti Yoga folgen. Das
    beinhaltet intensive Konzentration des gesamten Wesens auf das Objekt der Hingabe.
    Diese Methode kann schließlich zu einer transzendierenden Erfahrung von überwäl
    tigendem Bhakti führen. Mit Bhakti verbunden ist transzendentes Wissen. Bhakti wird mit
    der Zeit und mit mehr Erfahrung immer stärker und stärker werden.

    2. Wenn jemand nicht zur Hingabe neigt, dann können stattdessen andere Wege von
    Yoga verfolgt werden. Diese anderen Wege werden schließlich zu spiritueller Erfahrung
    führen. Dies wiederum wird automatisch zu Bhakti führen, denn du wirst etwas erkennen,
    was du vorher nicht wusstest. Die Wege von Hingabe und Nicht-Hingabe werden sich
    letztlich vereinigen.

    Bhakti überspannt die unendliche Kluft zwischen bloßem Glauben und göttlicher Erkenntnis. Es
    umfasst ebenfalls die Phase, in dem der Bhakta versucht, diese Erkenntnis im täglichen Leben
    umzusetzen und auszudrücken. Bhakti überbrückt den Abgrund zwischen dem bloßen
    Glauben, der den Mangel an göttlicher Erkenntnis kompensiert, und dem wahren, persönlichen
    Erleben und Erkennen des Göttlichen. Bhakti ist kein Thema für Diskussionen. Man muss es
    selbst fühlen, erkennen und erfahren. Wirkliches Bhakti entsteht spontan durch höheres
    Bewusstsein und Wissen, durch die Erkenntnis von etwas vorher Unbekanntem.

    Der Mechanismus von Bhakti
    Das Ziel von Bhakti ist es, intensive Konzentration auf ein Objekt zu entwickeln. Dies geschieht
    automatisch wenn ein Gefühl von Bhakti zu diesem Objekt vorhanden ist. Alle Energie ist in
    eine Richtung fokussiert. Dies wiederum führt zu erhöhter Sensibilität und Empfänglichkeit der
    Körper-Geist-Einheit zu den höheren Mächten. Man wird zu einem Bhakta durch Erfahrung und
    nicht durch bloßen Glauben.

    Diese Methode von Bhakti wurde in vielen Religionen verwendet, insbesondere im Christentum
    und im Hinduismus. In diesen Religionen ist es die Absicht, den Ausdruck von Bhakti bei den
    Anhängern zu fördern. Um dies zu tun, werden konkrete Figuren als Objekt der Verehrung
    bestimmt. Ist die Verehrung ausreichend, dann kann man intensives Bhakti, Glückseligkeit und
    transzendente Erfahrung erleben. Der Weg und der Zweck von Bhakti ist, dich von der
    Identifikation mit dem kleinen „ich“, der individuellen Körper-Geist-Einheit, wegzuführen. Es ist
    das Ziel, die persönlichen Launen, Konflikte, Disharmonien etc. zu reduzieren, die dazu neigen,
    das Bewusstsein gefangen zu halten und stark zu limitieren. Das Ziel ist es den Geist zu einem
    perfekten Reflektor, zu einem perfekten Spiegel, von Erfahrungen zu machen.

    Bhakti – Gleichgewicht für den Intellekt
    Bhakti ist eine exzellente Methode, einen Ausgleich zu einer allzu strickten Bindung an den
    Intellekt zu schaffen. Sie ist eine große Hilfe beim Beseitigen von intellektueller Verstopfung und
    ein Weg, Gefühle und Emotionen zu befreien und ihnen eine Ausrichtung zu geben. Eines der
    größten Probleme der modernen Welt ist das Unvermögen intellektueller Menschen, ihre
    Gefühle auszudrücken. Die Gefühle stauen sich auf und werden unterdrückt. Die Menschen
    vergessen zu lachen und ihre Gefühle auf positivem Weg und nicht in destruktiver Art und
    Weise zu lösen. Emotionen werden oft in Zornausbrüchen und Gewalt ausgedrückt. Der Weg
    von Bhakti bietet eine perfekte Methode, diese unbändigen Emotionen auszudrücken.
    Außerdem werden Emotionen nicht nur freigelassen, sondern sie werden in eine Richtung
    gelenkt, um den Geist auf einen Punkt zu konzentrieren. Das ist eine positive Nutzung
    emotionaler Kräfte. Die Emotionen werden ausgerichtet und zielen so auf höheres
    Bewusstseins und Erfahrung.

    Nicht jeder hat eine Neigung zur Hingabe
    Personen, die keine Form der Hingabe zu einer Gottheit oder Person empfinden, müssen nicht
    Hingabe oder Glaube kultivieren. Warum einen Glauben, oder Hingabe ohne Gehalt, künstlich
    erzwingen? Du würdest dich nur selbst betrügen und das unnötig. Alles, was du tun musst,
    sind andere Formen von Yoga intensiv zu üben. Bhakti wird schließlich spontan als Ergebnis
    von höherem Bewusstsein und Erfahrung entstehen. Du wirst irgendwann keine Wahl mehr
    haben als die, ein Bhakta zu sein, auf Grund dessen, was du erfahren hast. Es muss und wird
    passieren, so sicher wie auf die Nacht der Tag folgt. Das gilt ausnahmslos für alle. Es gilt auch
    für die Menschen, die derzeit nicht einmal die leiseste Spur von Gefühlen empfinden.

    Jene Menschen, die irgendeine Form von Hingabe oder Glauben erfahren, sollten definitiv dem
    Weg von Bhakti folgen, um ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Ihnen fehlt vielleicht die
    höhere Erfahrung, aber sie spüren eine spontane Hingabe zu etwas. Wenn du eine dieser
    Personen bist, dann solltest du deine Gefühle auf das Objekt der Hingabe richten. Für dich
    kann Bhakti Yoga der Expresszug zu einem erweiterten Bewusstsein sein. Aber sorge dafür,
    dass du ehrlich zu dir selbst bist. Wenn du dich hinsetzt und dich fragen musst: „An was soll
    meine Hingabe gerichtet sein?“ Dann ist das ein sicheres Zeichen, dass du nicht wirklich ein
    Objekt der Hingabe hast. Du solltest dich nicht hinsetzen und dir diese Frage stellen müssen.
    Wenn du Hingabe zu etwas spürst, dann wirst du es wissen. Es wird keinen Zweifel geben,
    dein Herz wird dir sofort sagen, welches Objekt dein Bhakti gewinnt. Wenn du eine starke
    Hingabe zu einer Sache spürst, dann ist Bhakti zweifellos der Weg für dich. Wenn du keine
    überwältigende Hingabe für etwas spürst, ist Bhakti auf dieser Stufe nichts für dich. Unter
    diesen Umständen wird Bhakti wohl eher zu einem bloßen Ritual und zur Selbsttäuschung
    führen, anstatt zu Transzendenz. Übe andere Formen von Yoga, und Bhakti wird in der Zukunft
    kommen.

    Bhakti und andere Yogawege
    Alle Yogawege führen zu derselben Erfahrung. Die Verwirklichung ist dieselbe, nur das Mittel
    dazu ist unterschiedlich. Alle Yogawege haben das Ziel, den zwanghaften Griff des aus dem
    Geist entstanden Egos zu reduzieren und schließlich zu eliminieren. Bhakti erlangt dies durch
    das Erkennen aller Impulse und deren umlenken auf das Objekt von Bhakti. Schließlich wird
    das Ego dem Guru, dem Höchsten, oder wem oder was auch immer, unterworfen. Das ist nicht
    einfach, aber es ist das Ziel. Gyana Yoga anderseits erzielt das gleiche Resultat durch die
    intuitive Erkenntnis, dass das Ego nicht die Totalität unseres Wesens ist. Dies reduziert
    automatisch den Griff des Egos und löst ihn schließlich auf.

    Durch Karma Yoga erreicht man das gleiche Ziel sobald man aufhört, der Handelnde zu sein.
    Raja Yoga reduziert die Kraft des Egos durch das Erforschen des Geistes. Dies führt zu einem
    Verstehen des unermesslichen, unter der Oberfläche jedes menschlichen Wesens und jedes
    manifestierten Objektes liegenden Urgrundes. Das scheinbar unüberwindbare Ego fällt
    plötzlich weg, wenn man anfängt die Natur des Geistes zu erkennen.

    Alle Pfade verschmelzen ineinander, denn sie sind wie verschiedene Blütenblätter derselben
    Blume. Gyana (revolutionäres Wissen) führt zu Bhakti und Bhakti führt zu Gyana. Karma Yoga
    führt zu Bhakti und vice versa. Am Anfang muss der Aspirant den Weg (oder die Wege) gehen,
    der seinem Charakter entspricht.

    Liebe für alles

    Es gibt einen Zustand von Bhakti, der Madhura (göttliche Süße) genannt wird. Das ist die Liebe
    für das Göttliche in allem. Man sieht überall Schönheit und Perfektion. Wohin man auch immer
    schaut sieht man die Form des Göttlichen. Es entsteht Liebe für alles. Man schaut nach außen
    und sieht nur das Schaffen und die Wesenheit des Höchsten. Das ist ein Rausch der Glück
    seligkeit, denn es gibt nichts, das nicht die Essenz des Höchsten ist. Es kann verglichen
    werden mit der Liebe, die ein Mann seiner Frau gegenüber empfindet, seiner Liebsten, oder
    die Liebe, die eine Frau ihrem Liebsten zeigt. Diese Liebe ist an alles gerichtet. Aber, und dies
    ist merkwürdig, es ist gleichzeitig Liebe, die richtungsunabhängig ist; es ist reine Liebe und
    Glückseligkeit an sich. Sie ist nicht auf etwas Bestimmtes gerichtet weil dies Getrenntsein und
    Verschiedenheit bedeuten würde. Es ist beides, Liebe für alles und Liebe für nichts
    Bestimmtes.

    Bhakti ist wie fortlaufend Liebe auf alles zu richten, von den Menschen zu den Vögeln zu den
    Blumen – alles, du hast keine Wahl, weil du ihre wahre Natur und deine eigene Natur erkennst
    und in dieser „unmöglichen“ Lage, wie ist es möglich, nicht Liebe für alles zu empfinden.
    Heuchelei und Selbsttäuschung

    Verlier dich nicht in falschen Gefühlen oder oberflächlichen prahlerischen Ausdrucksweisen
    von Bhakti. Versuche nicht, andere Leute mit falscher Zurschaustellung von Hingabe zu
    beeindrucken. Drücke nur das aus, und folge nur dem, was direkt aus deinem Herzen kommt.
    Sei deiner eigenen Persönlichkeit treu. Wenn du derzeit kein Bhakti fühlst, mach dir keine
    Sorgen, es ist etwas, das spontan entsteht, wenn du aufrichtig andere Formen von Yoga übst.
    Wie Shakespeare so weise sagte: “Steh aufrichtig zu deinem eigenen Selbst.“ Das ist wichtig.
    Weshalb Hingabe an irgendetwas ausdrücken, ohne dass es aus deinem Innersten kommt?
    Wenn du Hingabe ohne ein dazugehöriges inneres Gefühl ausdrückst, dann ist das Heuchelei
    und Selbstbetrug, was die beiden größten Hindernisse auf dem Bhakti Yoga Weg sind. Sie sind
    die größten Steine auf dem Weg zu erweitertem Bewusstsein.

    Die Bedeutung von Erwartungslosigkeit
    Habe keine Erwartungen an das Üben von Bhakti Yoga. Das gilt auch für andere Formen von
    Yoga. Wenn du Asanas, Pranayama, Meditation usw. übst, versuche nichts zu erwarten. Denn
    je mehr man erwartet, desto weniger wird man erhalten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass
    Erwartungen gleichzeitig Ego bedeuten und je grösser das Ego ist, desto weniger Fortschritte
    wird man mit Yoga machen. Das ist sehr wichtig.

    Die Welt ist ein Spielplatz. Sie ist eine Schule, in der du etwas über dich lernen kannst, in der
    du deine Schwächen und inneren Probleme erkennen und eliminieren kannst. Alle Personen
    und Situationen sind deine Lehrer. Ohne die Auseinandersetzung mit anderen Personen und
    Situationen wärst du niemals fähig, deine eigenen Schwierigkeiten und Einschränkungen zu
    erkennen.
    Keine Erwartung zu haben ist ein fundamentaler Aspekt von Bhakti Yoga. Chaitanya, der große
    bengalische Bhakta, sagte dazu in prägnanten Worten: „Ich bete nicht für Reichtum, ich bete
    nicht für Anerkennung, ich bete nicht für Vergnügen und nicht einmal für die Freuden der
    Poesie. Ich bete nur dafür, dass ich während meines ganzen Lebens Liebe und Hingabe
    habe… Dass ich reine Liebe besitze, DICH zu lieben.“

    Das Ego zerschmettern
    Sobald jemand den Weg von Bhakti Yoga beschreitet, beginnt das Eigeninteresse zu ver
    blassen. Es findet ein Wandel statt hin zum Geben und immer mehr Geben. Diese Hingabe
    vergrößert sich fortlaufend, da sich das Bewusstsein des Bhaktas ausdehnt und er seine
    Beschränkungen und Unzulänglichkeiten erkennt und diese immer weiter beseitigt. Das Gefühl
    von Bhakti wird dadurch verstärkt und die Bewusstheit intensiviert sich entsprechend. Je höher
    die Stufe von Bhakti, desto geringer ist das Ego. Schliesslich gibt es einen Punkt der totalen
    Identifikation mit dem Objekt der Verehrung. Sobald Bhakti beginnt das Herz zu beeinflussen,
    wird jede Erfahrung zu einer Lehre, zu einer Methode, um Stolz und die Macht des Egos zu
    verringern. Das Ego schwillt so leicht an, doch das Merkwürdige ist, dass wenn man sich
    egoistisch fühlt, sehr schnell etwas geschieht, was das Ego wieder eindämmt. Das heisst, wenn
    man im Gefühl von egoistischem Stolz schwelgt, geschieht üblicherweise etwas, was diesen
    falschen Stolz hervorhebt. Dadurch erkennt man das Spiel des Egos und realisiert, wie es
    einem überwältigt hat. Auf dem Weg von Bhakti Yoga scheint immer wieder etwas aufzu
    tauchen, was das Ego vor Selbstgefälligkeit bewahrt. Das ist die Gnade, selbst wenn man nur
    entfernt ein Bhakta ist. Das ist der Weg, wie die Geschehnisse zu fließen scheinen, wie sie
    fortwährend dem egoistischen Geisteszustands den Boden entziehen.

    In gewissem Sinne sind diese Gefühle, etwas erreicht zu haben, Stolz, Status, etc. nötig auf
    dem spirituellem Weg. Durch sie werden die eigenen Unzulänglichkeiten erkannt. Das führt zu
    größerer Bescheidenheit, was wiederum zu intensiverem Bhakti und tieferer Verbindung führt.
    Seltsamerweise kann es während Zeiten von spirituellem Rückschritt dazu kommen, dass
    Bhakti sich verstärkt. Man wird deutlich mit einem Hindernis, einer falschen Vorstellung oder
    einem starken Ego, das vorher nicht klar ersichtlich war, konfrontiert. Man realisiert, dass man
    einer weiteren Unzulänglichkeit begegnet, die nun beseitigt werden kann.

    Selbstlose und egoistische Liebe
    Es gibt unterschiedliche Formen von Liebe. Erstens gibt es die egoistische Liebe, in der man
    eine andere Person, eine Gottheit oder einen Heiligen mit der Erwartung liebt, zurück geliebt zu
    werden. Das ist die häufigste Form der Liebe, und eigentlich ist es Liebe für sich selbst, nicht
    für jemand anderen oder etwas anderes, sei es Gott, Guru oder ein Mensch.

    Zweitens kommt die selbstlose Liebe. Das ist Liebe um der Liebe willen, ohne jegliche
    Erwartung von erwiderter Liebe. Diese Liebe ist Bhakti und sie wird empfunden, selbst wenn
    die Liebe nicht erwidert wird. Diese Form der Liebe mag aus unerklärlichen Gründen existieren,
    oder vielleicht durch die Erkenntnis der tieferen Natur der anderen Person, der anderen
    Menschen, der Gottheit, etc. Im höheren Sinne kann es keine Liebe für eine Person, für andere
    Menschen, für eine Gottheit, etc. geben, weil verstanden wird, dass alles und jedes im
    Äusseren das eigene Selbst ist. Etwas anderes existiert nicht. Diese Liebe hat keine Richtung;
    es ist Liebe, die vom Bhakta ausgeht und zu im wieder zurückkehrt.

    Egoistische Liebe wird einen an das Begrenzte ketten, während Bhakti, intensive selbstlose
    Liebe, einen zur Unendlichkeit führt. Bhakti sollte man fühlen, auch wenn man zurückgewiesen
    wird. Dies ist ein Test, wie aufrichtig die Hingabe ist. Der große indische Bhakta Rasakhan (als
    Muslim geboren, verehrte er aber Krishna) sagte: „Bhakti ist die Quelle aller Süße. Sie ist nicht
    von Jugend, Tugend, Schönheit oder Reichtum abhängig, noch ist sie getrübt von Eigen
    interesse oder den Gedanken an persönlichen Gewinn.“ Egoistische Liebe hat die Tendenz
    sich rasch aufzulösen, während Bhakti sich steigert und mit jeder verstreichenden Minute
    wächst.

    Konzentrierte Bhakti
    “Was ist der Weg zum Erfolg in Bhakti Yoga?” Es ist überwältigende Hingabe zu deiner Gottheit
    oder zu deinem Guru. Je größer die Sehnsucht ist, desto schneller wirst du fähig sein, die
    gewöhnliche Wahrnehmung zu transzendieren um eine Erfahrung zu machen, die jenseits des
    Alltäglichen liegt. Swami Ramdas sagt dazu: „Ohne brennende Sehnsucht kann der Geist nicht
    auf das Höchste fixiert werden. Wo deine Liebe ist, ist auch dein Geist. Genau wie ein Geizhals
    an Geld denkt und an Geld alleine, genauso hat ein Bhakta ausschließlich Hingabe für das
    Höchste.“ Das ist der Weg zu erweiterter Wahrnehmung. Man muss versuchen zu handeln,
    fühlen und denken während man dem Göttlichen, der Gottheit oder dem Guru bewusst ist. Sei
    dir immer bewusst, dass es das Göttliche ist, das dich fühlen, handeln und denken lässt. Du
    bist nicht der Handelnde. Dieses Erinnern wird den Einfluss und die Macht des Egos
    reduzieren. Dies wird Hingabe genannt, und es ist der Weg zu höheren Stufen des
    Bewusstseins.

    Es ist merkwürdig genug, dass es seelischer Schmerz ist, der zur Intensivierung von Bhakti
    führen kann. Leid und Qual, die durch das Fehlen von göttlicher Vereinigung entstehen, können
    zum Aufwallen von Bhakti und zu einer verfeinerten Wahrnehmung führen, doch nur wenn diese
    Seelenqual vom tiefsten, innersten Selbst aufsteigt. Die Unzufriedenheit führt zu dieser
    Intensivierung. Der Bhakta nimmt alles, was ihm begegnet als Gabe an, welche dazu bestimmt
    ist, ihn in höhere Bereiche der Wahrnehmung zu erheben. Ob seelischer Schmerz, Freude oder
    was auch immer, alles ist dazu bestimmt, die Wahrnehmungsstufe des Bhaktas anzuheben, um
    seinen Weg zu höherem Wissen zu beschleunigen. Auch du musst den Schmerz der Trennung
    spüren und die gleiche tiefe Sehnsucht haben.

    Bhakti – das Mittel zur erhöhten Sensibilität
    Emotionen verstärken jedes Erlebnis. Sie erhöhen die Kraft der Gedanken und Handlungen.
    Jeder kennt das aus eigener Erfahrung. Normalerweise jedoch sind die Emotionen in alle
    möglichen Richtungen zerstreut. Nur selten haben sie Kraft, außer in Fällen von starker Wut
    oder großer Angst. Gewöhnlich werden sie durch viele verschiedene Interessen und Vorlieben
    erschöpft. Auf dem Weg von Bhakti Yoga sind die Emotionen auf eine Sache konzentriert.
    Emotionen werden in Hingabe verwandelt.

    Diese konzentrierte Emotion führt zu erhöhter Sensibilität. Körper und Geist werden sehr fein
    eingestimmt. Sie werden wie eine Radio-Antenne. Das führt zu einem erhöhten
    Einfühlungsvermögen für andere Menschen, deren Gedanken, Gefühle und so weiter. Und es
    führt auch zu Empfindsamkeit gegenüber der inneren Landschaften des Geistes und zu
    höchsten Erfahrungen.

    Nur eine dieser höchsten Erfahrungen reicht aus, um die ganze Einstellung und das ganze
    Verständnis vom Leben zu verwandeln. Es führt zu einer Kehrtwendung von hundertachtzig
    Grad. Man realisiert, dass das, was vorher so offensichtlich, richtig und akzeptabel schien,
    völlig falsch war. Die Beziehung zum Leben erfährt eine totale Veränderung. Sie wird
    vollkommen umorientiert. Diese herausragenden Erfahrungen leiten den Weg zur Perfektion.
    Sie sind die Wegweiser auf dem Pfad.

    Bhakti und Guru
    Wenn du einen Guru hast, dann ist Bhakti essentiell, es ist die Grundlage der Beziehung. Ohne
    Bhakti kann die Guru-Schüler Beziehung nicht existieren. Wenn du einen Guru hast und du
    keine Hingabe empfindest, dann ist er nicht wirklich DEIN GURU. Es ist besser, einen anderen
    zu finden. Ohne Bhakti ist der Schüler für die Anweisungen und die Schwingung des Gurus
    nicht empfänglich, und dem Guru ist es nicht möglich, die rohe Natur des Schülers in eine
    feinere Form zu verwandeln. Zuerst ist diese Hingabe vielleicht unbewusst, du erkennst sie
    nicht, doch sie muss existieren. Es muss eine natürliche Anziehung vorhanden ein. Der Weg
    hin zur Perfektion ist riskant und schwierig.

    Er wurde sehr treffend als “auf Messers Schneide” beschrieben: Wenn du zu weit auf die eine
    oder auf die andere Seite gehst, fällst du in den Abgrund der Täuschung. Der Weg ist direkt
    und schmal. Es ist der Guru, der dem Schüler zeigt, wie man Hindernisse und Blockaden
    vermeidet oder überwindet. Es ist einfach, sich in falschen, unrealistischen Gedanken und
    Gefühlen zu verlieren. Das trifft nicht nur auf Bhakti Yoga zu, sondern auch auf alle anderen
    Wege. Es ist einfach, in Sackgassen fehl geleitet zu werden. Der Guru muss den Weg leiten.
    Wenn du bei einem weisen Menschen oder deinem Guru sitzt, dann sei still und höre zu, denn
    es sind sie, die dich aus dem Sumpf der Täuschungen ziehen werden. Vielleicht bist du eine
    berühmte Person, eine laute, eine sehr schlaue oder eine streitlustige Person, doch dort solltest
    du ruhig sein, sei still und höre zu. Jedes Wort, das der Guru sagt, ist voller Sinn und
    Bedeutung.

     

    Du findest das Original im Yogamag.