Karma Yoga und Seva

Gibt es einen Unterschied zwischen Seva und Karma Yoga? 

Seva und Karma Yoga sind zwei verschiedene Dinge. Karma Yoga bedeutet zu lernen, wie man die täglichen Aktivitäten, Verhaltensweisen und inneren Einstellungen in Einklang bringt und seinen inneren Frieden findet, während man all seinen Pflichten und Aktivitäten nachgeht. Seva bedeutet, anderen mit Mitgefühl zu dienen und mit dem Besten, was man geben kann. Sowohl Seva als auch Karma Yoga werden im Ashram gelehrt.

Was ist Karma Yoga? Karma bedeutet Handlung. Jede Person ist Karma unterworfen – man kann nicht ohne Aktivität leben. Es ist ein subtiler, physischer Prozess, der laufend stattfindet und von den Sinnesorganen, dem Verstand, den Emotionen und auch vom höheren Geist ausgeführt wird. Yoga ist Harmonie, Integration. Wenn Yoga also alle Dimensionen von Leistung und Handlung harmonisiert und integriert, dann wird es zu Karma Yoga.

Was bedeutet es, die Handlungen zu harmonisieren und zu integrieren? Wir alle führen Handlungen aus unterschiedlichen Gründen aus und jede Handlung wird von einer inneren Haltung geleitet. Zwei Menschen können unterschiedliche Einstellungen zu ein und derselben Arbeit haben. Der eine hält die Arbeit für eine Last, der andere für eine Freude. Obwohl beide Menschen ein und dieselbe Handlung ausführen, verändert die innere Haltung die Eigenschaften und die Qualität der Handlung. Wer von beiden ist in der Lage, Karma zu verstehen? Derjenige, der die Arbeit als Freude betrachtet, ist in einer besseren Lage das jeweilige Karma zu würdigen und sicherzustellen, dass es mit ganzem Herzen, Verständnis und Gefühl ausgeführt wird. Derjenige hingegen, der die Arbeit als Problem betrachtet, wird nicht in der Lage sein, sein Bestes für diese Handlung zu geben. Wenn man in der Lage ist, alle Aufgaben gleichwertig und mit demselben Gefühl zu betrachten, wenn man in einer Aufgabe völlig aufgeht, egal ob man am Schreibtisch sitzt oder die Toiletten putzt und dabei einen ruhigen Geist bewahrt, dann ist das Karma Yoga. Dann hast du Harmonie in deinen Handlungen erlangt. Diese Harmonie besteht zwischen dem Geist und dem Körper. Der Körper und die Sinnesorgane führen die Handlung aus und der Geist motiviert zur Handlungen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Seva und Karma Yoga? 

Fortsetzung… Karma Yoga wirkt sich auf die Ebene der inneren Haltung aus. Er versucht die Betrachtungsweise zu ändern, von egoistischer Aktivität zu selbstloser Aktivität. Er versucht den Einfluss und die Auswirkungen der Tätigkeit umzuwandeln, von der selbstbezogenen zur universellen Ausrichtung. Diese Einstellung muss nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis angewendet werden. Karma Yoga bedeutet, sich mit der Aktivität zu verbinden, anstatt sich darüber zu stellen, denn dann kommt das Ego ins Spiel. Das Ego sagt: „Oh, warum sollte ich das tun? Das können auch andere tun!“ Im Karma Yoga tritt die Haltung der Selbstlosigkeit in den Vordergrund. Karmas sind von Natur aus selbstbezogen. Wenn das Wort Yoga zu Karma hinzugefügt wird, ändert sich die Qualität von selbstbezogen zu selbstlos. Aus diesem Grund wird gesagt, dass selbstloses Karma, Karma Yoga ist.

Seva ist anders. Im Englischen gibt es kein Wort, das Seva wirklich definiert. Dienen ist nicht Seva. Seva bedeutet, anderen mit Mitgefühl zu dienen und zu helfen. Ihnen nicht zur persönlichen Befriedigung zu dienen, sondern um sie zu erheben. Seva bedeutet, nicht nach seinen eigenen Zielen zu streben, sondern diesen Dienst als Homa, als Opfergabe im Yajna des Lebens, darzubieten. Seva beinhaltet das Beste, was in dir steckt. Wenn es einem anderen Wesen angeboten wird und deine besten Gedanken und Gefühle, deine Liebe und Zuneigung, Sympathie und Mitgefühl enthält, dann wird diese Handlung zu einem wahren Segen, um ein anderes Wesen zu erheben. Das ist Seva.

Im Ashram werden sowohl Seva als auch Karma Yoga gelehrt. Viele Menschen, die kommen, um Yoga zu erlernen, sind mit dem Konzept des Karma Yoga vollständig unvertraut und empfinden es als Anstrengung, als Kampf. Wenn wir ihnen sagen: „Dies ist deine Pflicht“, sagen sie: „Dafür bin ich nicht hergekommen, ich bin gekommen, um einen Abschluss zu machen, ich bin zur Ausbildung gekommen.“ Es besteht eine Ablehnung gegenüber Karma Yoga, weil sie es als harte körperliche Arbeit betrachten. Sobald sie jedoch den Prozess des Karma Yoga verstehen und erkennen, wie er dazu beiträgt, ihre eigenen Betrachtungsweisen und Einstellungen umzuwandeln und ihre eigene Kreativität zu entwickeln, fangen sie im Laufe der Zeit an, ihn zu mögen. Und wenn sie den Ashram verlassen, sind sie mit Herz und Seele im Karma Yoga dabei.

Diese Erfahrung des Karma Yoga erlangt in Rikhia eine weitere Dimension, wo Karma Yoga zu Seva wird. Diejenigen, die diesen Prozess verstehen können, werden weiter inspiriert und motiviert. Dann wird Seva zu einer Lebensweise – für andere zu leben und nicht für sich selbst.

Das ist der Unterschied zwischen Karma Yoga und Seva. Im Ashram, um die Erfahrung des Karma Yoga zu vertiefen, muss die Komponente von Seva Yoga hinzugefügt werden. Zuerst übst du Karma Yoga, dann gehst du zu Seva über. Du führst weiterhin die gleichen Arbeiten aus, ob du nun Briefe abtippst oder in der Küche arbeitest. Aber die Einstellung, die Idee ändert sich von Karma Yoga zu Seva. Dann erkennst du das schöne Gemälde, welches Karma Yoga und Seva Yoga kombiniert, im Leben eines Individuums gestalten können.

— 18. Dezember 2002 in Ganga Darshan, Munger

Das Original findest du im Yoga Magazin vom November 2003

 

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