Author: admin

  • Frei von den sechs Untugenden

    Die sechs Untugenden sind deine Lebenspartner, sie werden mit dir geboren. Liebe,
    Sensibilität und Mitgefühl wurden nicht mit dir geboren. Die sechs Untugenden sind die
    Bausteine deines Lebens. So wie ein Gebäude mit Zement, Sand, Ziegeln, Wasser und Metall
    gebaut wird, nimmt dieses Leben nicht nur durch den Verstand und die Sinne Gestalt an,
    sondern auch durch diese sechs Untugenden, die bei der Geburt deine Freunde waren.

    Ohne diese sechs Freunde wird man in dieser Welt nicht überleben. Während der Zeit, in dem
    das Kind noch nicht lesen und schreiben kann und noch auf allen Vieren geht, erlebt es bereits
    Wut, Gereiztheit, Aggression und Angst in seinem Verstand. Wo hat es das gelernt? Es sind
    natürliche Ausdrucksformen seines Lebens. Ein Kind hat ein Verlangen nach Schokolade und
    Spielzeugen. Ein Kind erfährt Wut und Zorn in seinem Verstand und aufgrund dieses Zorns
    schreit und schmollt es und erlebt Wutanfälle. Wo wurde ihm das beigebracht?

    Diese sechs Zustände des Verstandes: Kama, Krodha, Lobha, Moha, Mada und Matsarya
    (Leidenschaft, Zorn, Gier, Verblendung, Arroganz und Eifersucht) schlummern bereits in einem
    neugeborenen Baby. Beeinflusst durch diese sechs Zustände formt es zukünftige Beziehungen
    zu Geschwistern, Freunden, der Familie und der Gemeinschaft. Durch sie erntet es die Früchte
    seiner Handlungen, während es sein Leben erkundet. Das Kind ist mit Spielen beschäftigt, ist
    sorglos und genießt sein Leben zusammen mit den sechs Freunden.

    An einem bestimmten Punkt im Leben beginnen diese sechs Freunde (Kama – Leidenschaft,
    Krodha – Zorn, Lobha – Gier, Moha – Verblendung, Mada – Arroganz und Matsarya – Eifersucht)
    verzerrt zu wirken. Es ist die Zeit des Grihastha Ashrama, wenn die Phase der Ausbildung und
    Freiheit abgeschlossen ist und durch die Stabilität und Verantwortung des Ehelebens abgelöst
    wird und man beginnt in der Gesellschaft aktiv mitzuwirken. Bildung und Freiheit gehen mit
    dem Junggesellenleben einher. Mit der Stabilität und Verantwortung des Familienlebens
    verwandeln sich die sechs Freunde in sechs Verzerrungen.

    Im Brahmacharya Ashrama (Anmerkung des Übersetzerteams: Hier ist die Kindheit, Jugend
    und Lehrzeit bis zum ca. 25 Lebensjahr gemeint) genoss man das Leben wegen der sechs
    Freunde. Jetzt, der eigenen Familie zuliebe, muss man sich zurückhalten und man versucht,
    alte Gewohnheiten zu kontrollieren. Alte Gewohnheiten und Konditionierungen zeigen sich in
    Form von Blockaden, Abwehrhaltungen oder verzerrten Formen der Wahrnehmung. Sie werden
    als Störungen bezeichnet.

    Diese Verzerrungen bringen Chitta Vritti – Bewegungsmuster des Geistes – hervor. Maharshi
    Patanjali sagt «Yogah chitta vritti nirodaha», was bedeutet, dass Yoga die Bewegungsmuster
    des Geistes stoppt. Die chitta vritti werden durch diese sechs Verzerrungen verändert.
    Manchmal ist man in einer wütenden Stimmung, zu anderen Zeiten ist man ängstlich, dann
    voller Leidenschaft, neidisch, eifersüchtig oder erlebt Abneigung gegen Menschen, Orte und
    Dinge. Diese sechs Verzerrungen machen den Geist aus und werden in Handlungen und
    Verhalten erfahren, ausgelebt und ausgedrückt. Sie wirken als Stressfaktoren. Die Ängste und
    Frustrationen im Leben sind auf einen dieser sechs Freunde zurückzuführen. Man kämpft mit
    ihnen, bemüht sich, sie zu bewältigen und versucht, das geistige Gleichgewicht aufrecht zu
    halten.

    Gegenmaßnahme
    Es kommt ein Punkt im Leben, an dem man realisiert, dass man sich bewusst mit den fünf
    Freunden auseinandersetzen und sie bewältigen muss, wenn man frei werden möchte. Man
    erkennt sie schließlich als die wahren Feinde im Leben. Je mehr man jedoch versucht, sich von
    ihnen zu distanzieren, desto stärker werden sie. Hier kommt die Theorie von Swami Sivananda
    ins Spiel. Swami Sivananda sagte, wenn man diese Untugenden in den Griff bekommen will,
    sollte man bestimmte positive Eigenschaften im Leben kultivieren. Man sollte Pratipaksha
    Bhavana (Anmerkung des Übersetzerteams: Das bewusste Erzeugen von entgegengesetzten
    Empfindungen, Gefühlen und Gedanken) üben.

    Er hat ein Lied in Englisch geschrieben, “The Song of the 18 ITIES”, das einen anweist,
    achtzehn Qualitäten im Leben zu kultivieren. Wenn man diese Qualitäten verinnerlicht, erlangt
    man Freiheit von den sechs Untugenden.

    Gelassenheit, Regelmäßigkeit, Fehlen von Eitelkeit,
    Ernsthaftigkeit, Schlichtheit, Aufrichtigkeit,
    Ausgeglichenheit, Beständigkeit, Fehlen von Reizbarkeit,
    Anpassungsfähigkeit, Ergebenheit, Beharrlichkeit,
    Integrität, Edelmut, Großherzigkeit,
    Wohltätigkeit, Großzügigkeit und Reinheit.

    Wenn man sich bemüht, jeden Monat eine Qualität zu kultivieren, wird man in der Lage sein, die
    sechs Feinde zu überwinden. Swami Sivananda erklärte: “Wenn man in der Lage ist, einigen
    dieser achtzehn Qualitäten im Leben Platz zu geben, dann wird der Einfluss der sechs Feinde
    schwinden oder sogar aufhören. Es ist nicht möglich, die sechs Untugenden fernzuhalten.
    Selbst im Leben eines Heiligen erheben sie manchmal ihr Haupt. Sie beherrschen das Leben.
    Sie sind die Bausteine unseres Lebens. Wenn wir uns jedoch auf die achtzehn Qualitäten
    konzentrieren können, werden wir frei von ihrem Einfluss.

     

    Link zum Yogamag (November 2016)

  • Die sechs Freunde

    Alle Interaktionen im Leben werden von einem der sechs Freunde geleitet und nicht von
    menschlicher Weisheit (Anmerkung des Übersetzerteams: Die sechs «Freunde» sind: kama,
    krodha, lobha, moha, mada und matsarya – Leidenschaft, Zorn, Gier, Verblendung, Arroganz
    und Eifersucht). Das Ergebnis ist Negativität, die sich in der Persönlichkeit ausbreitet. Weshalb
    wirst du mehr und mehr tamasisch? Es liegt daran, dass du dem Einfluss dieser sechs
    Geisteszustände unterliegst. Das Ziel von Yoga ist, die sechs Zustände des Geistes zu
    meistern und nicht nur die körperliche Verfassung zu bewältigen.

    Menschen nutzen Yoga für Gesundheit und Wohlbefinden, was physiologisch ist und für Ruhe
    und Entspannung, was psychologisch ist. Das ist gut so. Du solltest Yoga aber nicht nur darauf
    beschränken. Übe Yoga, um deine Bedürfnisse zu erfüllen. Denke aber auch daran, dass es
    das Bestreben des Yoga ist, die sechs Zustände des Geistes zu beherrschen. Es sind diese
    Zustände, die dich in die Düsterheit des Leidens, der Unsicherheit, Ignoranz und der
    Negativität führen.

    Es spielt keine Rolle, wie gut deine Gesundheit ist und es ist egal, wie viel Geld du hast. Wenn
    du diesen Zuständen zum Opfer fällst, dann erfährst du niemals Glück, Zufriedenheit oder
    Erfüllung. Daher ist die Anwendung von Vidya, dem Verständnis, notwendig, um den Lebensstil
    zu verbessern und um eine qualitative Veränderung der Wahrnehmung zu bewirken. Das ist die
    Bemühung des zweiten Kapitel.
    (Das Buch «Yoga: das zweite Kapitel» von Swami Niranjan ist unter diesem Link erhältlich.)

     

    Link zum Yogamag (September 2020)

  • Schlichtheit

    Es ist wichtig für dich zu verstehen, dass während deiner Entwicklung im Yoga, das Üben
    immer schlichter werden sollte. Wenn du mit Yoga beginnst, dann kann dein Üben durchaus
    komplex sein. Zu diesem Zeitpunkt erlernst du Yoga, deshalb gehst du durch die ganze Palette
    von Techniken. Das ist der Lernprozess. Wenn es jedoch um das persönliche Sadhana geht,
    dann brauchst du keine komplexe Auswahl an Yoga Übungen, sondern einfache, welche die
    Kräfte in Körper und Geist neu ausrichten und ausgleichen.

    Die Schlichtheit in den Asanas bezieht sich auf die Wahl der Übungen in Anbetracht der
    Bedürfnisse des Körpers. In der Regel braucht dein Körper nur einige Grundbewegungen:
    Dehnen und Strecken, wie in Tadasana; um die eigene Achse drehen, wie es in Kati
    Chakrasana geschieht; seitliches Beugen, wie in Tiryaka Tadasana; Vor- und Rückbeugen, wie
    es in Surya Namaskara geschieht. Wenn dein Üben diesen Bewegungsumfang abdeckt, ist
    das für einen normal Praktizierenden ausreichend.

     

    Link zum Yogamag (August 2019)

  • Sich mit Positivität verbinden

    Mit den Yamas und Niyamas bleibt Yoga keine isolierte Übung, sie machen die Momente, die
    du im gesellschaftlichen Leben verbringst, zu yogischen Momenten. Sie bilden das Konzept
    von Yoga Dharma und helfen dir deine “unyogischen” Momente in yogische zu verwandeln.
    Yamas und Niyamas sind Ausdrucksformen, Verhaltensweisen und Konditionierungen, die den
    Geist mit Positivität und Inspiration füllen. Die Meisten denken bei Yamas und Niyamas an
    ethische und moralische Belehrungen. Sie repräsentieren jedoch das Entstehen deiner
    Verbindung mit der positiven Dimension deiner Natur und stellen ein Gegenmittel zur
    Negativität dar. Sie führen dich in die positivste Richtung, die du anstreben kannst. Yamas
    reichen nach innen und verändern dich von innen, während Niyamas die äusseren Handlungen
    sind, die du ausführst, um die positive Veränderung im Inneren zu erfahren. Yamas und
    Niyamas sind der Weg, der zu Positivität und Kreativität in normalen Alltagssituationen führt.

     

    Link zum Yogamag (September 2020)

  • Kirtan als Meditation

    Kirtan ist eine Form der Meditation, die deine Bewusstheit von der intellektuellen Ebene auf die
    Ebene der pranischen Schwingung lenken kann. Worte stimulieren einen Aspekt unserer
    Persönlichkeit. Kirtan stimuliert einen anderen Aspekt, so dass wir Energie in Bewegung
    erleben können. Emotionen sind Energie in Bewegung. Das ganze Leben, der Körper, der
    Kosmos, das Universum, ist nichts anderes als ein Ausdruck von Energie. Wenn du deinen
    Körper durch ein Hochleistungsmikroskop betrachten würdest, durch die verschiedenen
    Schichten von Haut, Muskeln und Knochen hindurch bis in die atomare Struktur dringen
    könntest, würdest du in der Mitte den pulsierenden Atomkern sehen. Dieses Pulsieren ist
    Energie. Wir sind diese Energie. Die Schwingungen von Musik und Mantra helfen uns, Dynamik
    und Aktivität in diesem Energiefeld zu erzeugen, und so sind wir in der Lage, den Geist zu
    verwandeln.

    Jenseits von Genuss
    Der Zweck von Kirtan ist es, den Geist vom Grobstofflichen ins Subtilere zu lenken und ihn mit
    spirituellen und transzendenten Zuständen zu verbinden. Der Zweck von Kirtan ist nicht nur,
    gute Musik zu genießen. Es gibt viele Arten von Vergnügen. Tanze in einer Diskothek oder
    mache Party. Aber warum muss man Yoga zu einer Form von Genuss machen? Genuss und
    Vergnügen binden den Geist an die eine Erfahrung, in der du gerade schwelgst. Es gibt
    Systeme und Traditionen, die unsere menschliche Wahrnehmung über das Genießen
    hinausführen. Yoga ist ein solches System.

    Musik kann uns dazu führen, unsere Erfahrung von Yoga zu vertiefen. Jenseits des Genusses
    liegt die Glückseligkeit, Ananda. Vergnügen und Genuss sind sinnlich. Glückseligkeit ist
    spirituell. Wollen wir genießen oder wollen wir Glückseligkeit erfahren, die höhere Form des
    Vergnügens? Lass uns nicht nur den Genuss in den Dingen suchen, die wir gerade tun.
    Sondern lass uns lernen, mit dem was gerade geschieht, im Einklang zu sein. Sobald wir in der
    Lage sind, diese Harmonie zu finden, dann erleben wir Glückseligkeit und Frieden. In Frieden
    und Glückseligkeit liegt Dynamik und Bewegung. Es besteht die Bewegung der Bio-Energie
    oder Prana Shakti. Diese Erfahrung ist weder stagnierend noch statisch.

    Eine Schwingungserfahrung
    Wenn wir singen, erzeugen wir eine Kraft, eine Energie. Genauso wie ein Baum an einem Ort
    steht und vom Wind bewegt werden kann, musst du an einem Punkt stehen und dich von der
    Energie bewegen lassen. Konzentriere dich darauf, was gesungen wird. Nimm teil und mache
    mit. Beobachte, was du singst. Ob du es verstehst oder nicht, macht keinen Unterschied, aber
    erlaube einem Teil des Geistes, den Singenden zu beobachten – dich selbst. Erlaube einem
    Teil des Geistes, zum Lied zu werden und erlaube einem Teil von dir, mit der Musik zu fließen
    und eine neue Form des Kirtans zu erleben. Kirtan ist eine Schwingungserfahrung.

    Wenn du dich ganz auf die Musik, den Kirtan oder das Mantra einlassen kannst, werden sich
    deine Denkweise und deine mentalen Muster verändern. Dein Körper wird sich verändern.
    Jedes Atom im Körper wird zu singen und zu tanzen beginnen. Es wird nicht nur ein Gefühl
    sein, auch nicht nur eine mentale oder eine emotionale Erfahrung, sondern eine
    Schwingungserfahrung. Wenn du einen Draht, der unter Strom steht, berührst, wird der
    elektrische Strom durch den ganzen Körper fließen. Kirtan ist dieser Energiestrom. Halte ihn
    und erlaube dem Strom zu fließen. Meditation bedeutet nicht, sich zu isolieren, sondern
    Harmonie zu finden. Es geht nicht darum, die Augen zu schließen und die Welt zu vergessen,
    sondern sich auf eine viel dynamischere und lebendigere Weise zum Teil der Welt zu machen.
    Das ist Absorption, Samadhi, die letzte Stufe der Meditation. Am Anfang müssen wir uns jedoch
    darin üben, die kopflastige Natur des Geistes zu überwinden.

    Schwingung und Energie
    Wie kam es, dass Kirtan ein Teil der Meditationstechniken wurde? Die Tradition sagt, dass
    Kirtan ein meditativer Prozess ist. Es ist ein meditativer Vorgang, weil wir auf einen anderen
    Bereich unserer Natur zugreifen, den Bereich der Schwingung und Energie. Wenn Soldaten
    über eine Brücke marschieren, müssen sie ihren Gleichschritt auflösen, sonst bringt die
    Vibration die Brücke zum Einsturz. Egal wie viele Tonnen oder wie viele Menschen gleichzeitig
    über die Brücke gehen, es ist die gleichmässig pochende Vibration, die die Brücke zum
    Einsturz bringt. Das ist die Kraft der Schwingung.

    Wenn du eine Saite einer Gitarre oder Sitar stimmst und diese einzelne Saite spielst, wirst du
    feststellen, dass die anderen Saiten automatisch zu schwingen beginnen, obwohl du sie nicht
    berührst. Allein der Klang dieser einen Saite wird die anderen zum Schwingen bringen und
    nach fünf oder zehn Minuten wirst du feststellen, dass alle Saiten der Sitar oder Gitarre in
    Harmonie schwingen. Diese Erfahrung kann auch mit uns geschehen. Allein das Stimmen einer
    Saite, wird alle anderen in Harmonie mitschwingen lassen. Allein das Verschmelzen des
    bewussten Geistes mit der Schwingung des Kirtans und des gesungenen oder gechanteten
    Mantras, wird auch die Ausdrücke des Unterbewusstseins und des Unbewussten beeinflussen
    und verändern. Das ist eine andere Form der Meditation, welche unsere Bewusstheit vom
    Intellekt auf die Schwingungsebene lenkt.

    Aktiviere die Erfahrung von Glückseligkeit
    Mantra chanten ist auch ein Teil der Übungen oder Sadhanas von Swara Yoga, Nada Yoga,
    Mantra Yoga und Laya Yoga. Nada Yoga, der Yoga der inneren Klangschwingung, gilt als
    Meditationsmethode. Mantra chanten wird als Meditationstechnik betrachtet, weil es
    ermöglicht, die Aufmerksamkeit zu fesseln. Wenn die Schwingungsdimension oder der
    Schwingungsaspekt unserer Persönlichkeit aktiviert ist und Einheit in den verschiedenen
    Geisteszuständen entsteht, welche sich momentan in alle Richtungen bewegen, kann
    schließlich der Zustand der Ekstase eintreten, der als Samadhi bekannt ist. Samadhi ist der
    Zustand, in dem die Erfahrung von Glückseligkeit oder innerem Vergnügen am aktivsten und
    dominantesten ist.

    Die Wirkung des Mantras kann verstärkt bzw. subtiler gemacht werden, je nachdem, wie es
    gechantet wird. Wenn du das Mantra laut rezitierst, wird es eine verbale Frequenz erzeugen,
    welche die Nadis beeinflusst. Wenn du dasselbe Mantra mental wiederholst, wird es eine
    subtile Frequenz erzeugen. Wenn du zum Beispiel das Mantra «Om Namah Shivaya» als Kirtan
    singst, wird der Klang eine Resonanz in der Umgebung erzeugen, die die physische Stimmung
    beeinflussen wird. Vielleicht beginnt dein Körper, sich mit dem Kirtan zu wiegen und du verlierst
    deine Hemmungen und stehst auf um zu tanzen.

    Kirtan kann zu spontaner Ekstase führen. Mantra chanten kann eine Welle von Energie
    erzeugen, die dich von einer Erfahrungsebene zur anderen transportiert. Das gleiche Ergebnis
    geschieht in einer subtilen Form, wenn wir das Mantra in unseren Meditationsübungen mental
    wiederholen. Wahrnehmung, Bewusstheit und Konzentration werden vertieft. Es wird zu einem
    Anker, der dem Geist Halt gibt, wenn wir uns in tiefe Zustände der Meditation begeben.

    Link zum Aradhana Magazin (Mai – Juni 2021)

  • Jnana Yoga

    Über Jnana Yoga zu sprechen ist einfach. Das Üben jedoch ist schwieriger, da von dir ständige
    Bewusstheit gefordert ist. Es erfordert Bewusstheit für alles, in jedem Moment. Yogis versuchen
    die Art von Geist zu kultivieren, der von Moment zu Moment bewusst ist. Es reicht nicht zu
    sagen: „Lebe in der Gegenwart“.

    Es ist wichtig, sich jeden Moment bewusst zu sein, den du lebst, damit du die Schönheit,
    Sundaram, dieses Moments erkennen kannst. Du kannst die Wahrheit, Satyam, dieses
    Augenblicks erfahren. Du kannst die wohltuenden Eigenschaften, Shivam, dieses besonderen
    Moments erleben. Dies ist der Prozess und die Verwirklichung von Jnana Yoga.

     

    Link zum Yogamag (November 2021)

  • Sich den Geist zum Freund machen

    Wenn du in Pratyahara geübt bist, kannst du dich mit dir und deinem Geist anfreunden.
    Pratyahara ist die Technik, mit der du deinen Geist erkundest. Folgst du dem Prozess von
    Pratyahara, wirst du mit Sicherheit bestimmte Aspekte deines Wesens, deiner Natur und deines
    Geistes kennen lernen. Anschliessend kannst du versuchen sie zu ändern, zu verbessern und
    zu transformieren. Der einzige Weg, sich mit sich selbst anzufreunden, ist, sich selbst kennen
    zu lernen.

    Du fängst damit an, der Beobachter von all dem zu sein, was in dir vorgeht. Die Samkhya
    Philosophie nennt es den Drashta. Wenn du die Beobachterhaltung bei allem was du tust,
    denkst und begehrst aufrechterhalten kannst, dann wird es dir auch gelingen, dein Wesen und
    deinen Geist zu erkennen.

    Pratyahara ist ein einfaches, stufenweise aufbauendes System, welches es dir ermöglicht, dich
    nach innen zu wenden und dich selbst aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es ist eine
    der besten Methoden. Weder Meditation noch Dharana, Asana oder Pranayama, werden dich
    so weit auf deinem Weg der Selbsterforschung bringen, wie das progressive Üben von
    Prathyahara.

     

    Link zum Yogamag (May 2019) auf der BSY Website 

  • Exzellenz, in allem, was du tust

    “Wie geht man am besten damit um, wenn am Arbeitsplatz durch Konkurrenzkämpfe
    Negativität enststeht?“
    Ja, es gibt Konkurrenzkämpfe, es gibt Negativität, es gibt Verwirrung, es gibt
    Missverständnisse, es gibt Konflikte, es gibt Schwierigkeiten; all das passiert. Da
    Machtstrukturen und Machtspiele existieren, geschehen solche Dinge. Sie geschehen seit der
    Zeit von Adam und Eva, und sie werden bis zum Ende der Welt bestehen.

    Wie kann man nun mit einer solchen Situation oder einem solchen Zustand besser umgehen?
    Konzentriere dich darauf, hervorragend zu sein, das ist alles. Es braucht keine weitere
    Erklärung. Konzentriere dich auf Exzellenz und versuche in allem, was du tust, hervorragend zu
    sein. Mache dir keine Sorgen über andere oder dich selbst. Mach dir auch keine Sorgen über
    deine Wünsche, Anreize und Motivationen, denn sie werden sich immer wieder ändern. Der
    Antrieb, exzellent zu sein, in allem was du tust, wird sicher stellen, dass du im Leben Ziele
    erreichst und Erfolg hast.

     

    Link zum Yogamag auf der BSY Website
    Aus: On the Wings of the Swan, Band VII, Swami Niranjanananda Saraswati

  • Sivanandas Worte an Satyam

    Du wirst ursprünglich aus dem Schoß deiner Mutter geboren.
    Das ist die Geburt des physischen Babys. Das bist du und das bin ich.
    Dann wirst du aus dem Schoß der Erkenntnis geboren, Jnana.
    In dieser Phase wird der Guru zum Werkzeug, zum Instrument.
    Und heute bist du als Sannyasin geboren. Als Sannyasin wirst du durch den Guru geboren.
    Es ist die spirituelle Geburt und nun hast du mit deinen früheren Geburten nichts mehr zu tun.

    – Swami Sivananda Saraswati

     

    Link zum Yogamag (März 2023)

  • Pranayama

    Technik: Setze dich bequem auf einen Stuhl oder in einen bequemen Sessel. Atme durch beide
    Nasenlöcher ein, so lange wie es dir angenehm ist. Halte danach den Atem so lange wie
    möglich an und wiederhole dein Ishta-Mantra oder Aum. Atme dann so lange aus, wie es
    angenehm ist. Einatmung, Ausatmung und Atemstillstand müssen in keinem bestimmten
    Verhältnis stehen. Lasse die Ein- und Ausatmung einfach tief und voll sein.

    Nutzen: Die positive Wirkung dieses Pranayamas ist unermesslich. Alle Muskeln entspannen
    sich, die Nerven werden gestärkt und die Durchblutung wird gefördert. Es entsteht und es
    festigt sich ein Rhythmus und eine Harmonie im gesamten Wesen. Der Geist wird ruhig und ein
    unbeschreibliches Gefühl des Friedens und der Glückseligkeit entsteht.

    Du kannst diese Technik morgens, während du noch im Bett liegst, üben. Dein Geist wird
    dadurch wach und bereit, um mit Japa und Dhyana zu beginnen. Oder führe diese Atemübung
    aus, wenn der Geist im Begriff ist, sein Gleichgewicht zu verlieren, weil Begierde, Zorn oder
    andere irritierende Vrittis auftauchen. Eine grosse Kraft wird deinen Geist durchströmen, die
    verhindert, dass die negativen Vrittis Störungen verursachen.

    Du kannst diese Technik einsetzen, kurz bevor du mit dem Studium des Lernstoffs beginnst.
    Der Geist lässt sich schneller konzentrieren und was du lernst, wird dauerhaft in deinen Geist
    eingeprägt. Du kannst sie während deiner Arbeit im Büro ausführen, denn durch sie wirst du
    neue Kraft bekommen und nie müde sein. Wenn du von der Arbeit nach Hause kommst, kannst
    du diesen Pranayama üben, um dich wieder mit frischer Energie aufzutanken.

    Der größte Vorteil ist, dass du diesen Pranayama, wenn du einmal damit angefangen hast, sehr
    oft anwenden wirst. Dein Geist wird niemals eine Ausrede dafür finden, diese einfache und
    bequeme Atemtechnik nicht auszuüben. Sie hat alle Vorteile von Pranayama, ohne dass du
    dabei auf bestimmte “Regeln und Vorschriften” achten musst. Mache sie von nun an unbedingt
    regelmässig.

     

    Link zum Yogamag (Oktober 2020) auf der BSY Website