Category: Artikel von Swami Satyananda

  • Happy Guru Poornima

    Plan für die Zukunft

    Bevor ich 1943 zu Swami Sivananda kam, hatte ich viele Gurus getroffen, aber als ich zu ihm
    kam, fand ich das Licht. Ich bin stolz darauf, dass ich bis 1956 mit ihm gelebt habe. Es war
    eine fantastische Zeit. Ich hatte schon oft über Christus gelesen, aber nie geglaubt, dass ein
    solcher Mensch in dieser Welt leben könnte. Mitgefühl, Liebe und Rücksichtnahme auf andere
    sind Qualitäten, die sehr schwer zu finden sind, aber in Swami Sivananda habe ich einen
    solchen Menschen gefunden.

    Er hatte keine Bindungen, aber er liebte alle. Er war großherzig und doch diszipliniert und sein
    Leben war eine ständige Aufopferung. Jeder, der ihn um irgendetwas bat, erhielt es. Er war
    sehr mächtig. Tausende kamen zu ihm, um von Krankheiten geheilt zu werden. Er heilte
    Millionen, tat dies aber nie kund. Als er starb, fragte ihn seine Schülerschaft: „Was ist deine
    Botschaft an die Menschheit?“ Er sprach nicht, sondern nahm einen Stift zur Hand und schrieb
    seine letzte Botschaft an die Menschheit: „Gott betet mit dir. Alles andere ist unwichtig.“
    In dieser kurzen Zeit kann ich euch nicht alles über ihn erzählen. Ich spreche sowieso nicht
    gerne viel über meinen Guru. Nun, ich liebe ihn, und das ist meine Sache, nicht eure. Du musst
    deinen eigenen Guru finden und die gleichen Gefühle für ihn hegen. Am Morgen des 19. März
    1956 rief er mich in sein Kutir und gab mir einen Auftrag. Ich sollte in die weite Welt gehen.
    Damals sagte er zu mir: „1923 wurdest du geboren; 1943 kamst du zu mir; 1963 wirst du
    beginnen selbst zu arbeiten. 1983 wird deine institutionelle Arbeit zu Ende gehen und danach
    wirst du dich auf der kosmischen Ebene befinden.“ Ich arbeite also nach seinen Anweisungen.
    Seit Swami Sivanandas Mahasamadhi habe ich seine Gegenwart oft deutlich wahrgenommen.
    Ich habe seine Stimme klar gehört, aber noch heute weiß ich nicht genau, wie ich mit ihm in
    Kontakt treten kann. Selbst wenn ich es möchte, kann ich es nicht. Aber wenn die Erfahrung
    kommt, ist sie sehr klar, angenehm, ruhig und still. Sie offenbart sich, wenn ich alles, was ich
    geschaffen habe, über Bord werfen will, wenn ich mit etwas aufhören möchte. Ich mag keine
    Ashrams. Im Grunde habe ich immer geglaubt, dass ein Swami eine andere Art von Leben
    führen sollte, kann es aber nicht umsetzen. Ich muss weitermachen, ob es mir gefällt oder
    nicht.

    Das letzte Mal als ich seine Gegenwart spürte, war im November 1982, als ich am Meer in
    Puerto Rico war und mich wegen des Wetters etwas matt und deprimiert fühlte. Er sagte zu mir:
    „Du bist jetzt frei von deinem Ashram Leben.“ und entließ mich damit. Etwa zehn Swamis aus
    Amerika, Kolumbien und Europa waren zu diesem Zeitpunkt bei mir, darunter auch Swami
    Niranjan. Ich rief ihn zu mir und sagte: „Jetzt ist mein Plan klar. Ich werde weder in der
    Verwaltung der Bihar School of Yoga noch in irgendeiner anderen Einrichtung arbeiten. Du
    sagst deine Programme in Amerika ab und kehrst sobald wie möglich nach Munger zurück.“
    Ich habe ihn ausgewählt, als er im Alter von vier Jahren zu mir kam und ihn ausgebildet, ohne
    ihm zu sagen, dass er mein Nachfolger werden würde. Jetzt wird er sich nach Kräften um die
    ganze Mission kümmern. Ob er es gut macht oder nicht, liegt an ihm. Ich habe damit jetzt
    nichts mehr zu tun. Ich gehöre dem Yoga an, nicht der Bihar School of Yoga. Eine Institution ist
    das Mittel, aber nicht der Zweck.

    Am Anfang ist die Bewegung das Mittel und die Philosophie der Zweck, aber später wird die
    Institution zum Zweck und die Philosophie zum Mittel. So geschieht es in allen Religionen, allen
    Institutionen. Wir leben nur, damit die Organisation oder Institution überlebt und ich glaube
    nicht, dass ich das jetzt in meinem Ruhestand tun werde. Von der Institution, die ich geschaffen
    und für die ich aufrichtig gearbeitet habe, ziehe ich mich zurück.

    Das bedeutet, dass ich mit dieser Institution als Institution nichts mehr zu tun haben werde.
    Nicht, dass ich gegen sie wäre oder es Schwierigkeiten gegeben hätte, aber ich werde mich
    jetzt nicht mehr auf Institutionen und Religionen beschränken. Ein Sannyasin sollte jenseits von
    Institutionen und Religionen stehen. Für ihn oder sie sind alle spirituellen Institutionen ein Teil
    seiner oder ihrer Seele. Jede Religion ist gleichermaßen wertvoll, wichtig und bedeutungsvoll.
    In den kommenden 20 Jahren werde ich ich mich für das Wohl der Menschheit und mein
    Sadhana einsetzen. Persönlich betrachte ich sogar Yoga eher als Mittel denn als Zweck. Ich
    denke schon seit vielen Jahren, dass Menschen, wenn sie Erfolg, Ansehen und Macht
    erlangen, den Zweck vergessen. Anstatt für die Menschheit zu arbeiten, arbeiten sie für sich
    selbst. Wir sollten nur so weit für Yoga arbeiten, wie wir die Menschen davon überzeugen
    können, dass es ihnen helfen kann. Wir sollten eine bestimmte Philosophie oder Wissenschaft
    nur in dem Maße verbreiten, wie die Menschen davon profitieren können – aber wenn wir
    vergessen, dass das Wohl der Menschheit im Allgemeinen das Ziel ist, und nicht die Lehre
    selbst, dann haben wir einen großen Fehler gemacht.

    Wenn du gründlich und klug darüber nachdenkst, wirst du feststellen, dass Institutionen
    stagnieren. Sie werden mächtig, weil tatkräftige Organisatoren und Beamte die Verfassung
    umschreiben, Seite um Seite hinzufügen, um das Überleben der Institution zu sichern und dann
    auch noch Verbindungen zu politischen Parteien aufnehmen. Das endet in der Regel im totalen
    Chaos und das kann jedem passieren. Davon möchte ich mich befreien und mit den Menschen
    über Yoga sprechen. Ich habe erkannt, dass Yoga der Menschheit noch viel mehr zu geben
    hat, als er be- reits getan hat. Yoga zu lehren ist notwendig. Da es aber von und durch
    verschiedene Institutionen gelehrt wurde, war die Wirkung begrenzt, und nun kann es von
    Vielen nicht mehr angenommen werden.

    Alle spirituell Suchenden sollten nach denselben Idealen streben, die ich jetzt zum Ausdruck
    bringe. Sie sollten frei von jeder repräsentativen Bewegung, Organisation, Sippe, Klasse oder
    Sekte sein und nicht allzu lange an einem Ort verweilen. So kann man nicht sagen, dass sie für
    eine Institution, für Namen, Ruhm, Geld oder sonst etwas arbeiten. Ab November 1983 werde
    ich den Ashram verlassen und die nächsten 20 Jahre als Bettler verbringen, sagen wir als
    „königlicher Bettler“. Ich werde einige Zeit damit verbringen, umherzuwandern und alle Tirthas
    zu besuchen. Menschenmassen stoßen mich eher ab. Ich brauche keinen Augenschmaus,
    denn ich habe erkannt, dass es nur wenige Menschen sind, die das Rückgrat einer echten
    Zivilisation bilden. Wo sich die Massen zu Zehntausenden versammeln, geht im Laufe der Zeit
    alles schief. Das hat die Geschichte gezeigt. Ich werde also einfach die Tirthas aufsuchen, und
    die Zukunft wird zeigen, wie ich danach die nächsten 20 Jahre meines Lebens verbringe.

     

    Folgende Auszüge stammen aus Satsangs, die Swami Satyananda im Februar 1983 in Manchaster und London hielt.
    Der Text ist im Buch Mere Aradhya (dt. Ausgabe Seiten 363-367)
    abgedruckt.

  • Botschaft an den Sadhak

    Tatsächlich liegt die Kraft in dir.
    Was du brauchst, ist Vertrauen,
    und ein wenig Übung.
    Sogar jetzt besitzt du diese Kraft,
    obwohl sie verborgen liegt.
    Verwirkliche diese Kraft
    durch direkte Intuition.
    In dir ist die Weisheit.
    Tauche tief ein, geh in dich hinein,
    und du wirst die Perle verwirklichen.
    Wenn du Konzentration übst und meditierst,
    wirst du die Wahrheit tatsächlich erkennen.
    Das ist Siddhi.
    Wann immer du denkst,
    denke selbstbewusst.
    Du kannst sicher sein, das,
    was du denkst, wird eintreten.
    Du musst das Höchste verwirklichen.
    Unwesentliche Siddhis können dich nicht leiten.
    Halte dieses Verständnis aufrecht
    um dein Üben zu stärken.
    Lass die Form beständig werden
    und die Bewusstheit konstant,
    dann wirst du das Licht sehen.
    Die Form wird bewusst.
    Auf diese Weise zeigt sich der Fortschritt:
    Dies ist der Schlüssel.

    Hari Om Tat Sat

     

    Link zum Yogamag (November 2021)

  • Bewusstheid im täglichen Leben

    Bewusstheit im täglichen Leben 1/3 14.04.2022

    Es reicht nicht, inneres Gewahrsein durch Meditation zu entwickeln. Die Anwendung im
    täglichen Leben ist notwendig. Sonst ist es, als würde man einen Kuchen backen, ohne ihn je
    zu essen. Durch Meditation schärfst und reinigst du dein Bewusstsein, aber wenn es darum
    geht, es im täglichen Leben anzuwenden, tust du es nicht. Aus diesem Grund werden das
    tägliche Leben und das spirituelle Leben zu zwei verschiedenen und widersprüchlichen
    Realitäten. Wenn du willst, dass dir die Bewusstheit, die du entwickelt hast, sowohl im
    spirituellen wie auch im materiellen Leben hilft, musst du eine Methode anwenden, um ein
    wenig Energie aus dieser grundlegenden Quelle des Gewahrseins zu nehmen und sie mit
    deinen täglichen Aktivitäten in Verbindung zu bringen. Sonst wirst du niemals dein volles
    Potenzial verwirklichen. Im Yoga und in anderen Wissenschaften, die mit Yoga zu tun haben,
    gibt es Methoden, mit denen das höchste Bewusstsein auf das tägliche Leben angewendet
    werden kann.
    —1974, Sivanandashram, Munger published in Early Teachings of Swami Satyananda Volume II

    Bewusstheit im täglichen Leben 2/3 21.04.2022

    Die Visionen, die Erfahrungen des Unterbewussten, die du während der Meditation erlebst,
    sind nicht alles. Sie sind nur Anzeichen für eine wachsende Konzentration. Sie beweisen, dass
    dein Bewusstsein verschiedene Dimensionen und verschiedene Stadien deines Seins
    durchschreitet. Viele spirituell Suchende, Entsagende oder Übende, die mitten in der
    Gesellschaft leben, sind während der Meditation tief nach innen gegangen. Einigen gelingt es
    die Bewusstheit für den physischen Körper vollständig zu transzendieren. Dennoch waren sie
    nicht in der Lage, irgendetwas zu erreichen. Sie waren nicht in der Lage, irgendetwas im Leben
    zu verstehen. Wenn man ihnen etwas erklärt, vergessen sie es. Ihnen fehlt die Kraft der
    Erinnerung und die Fähigkeit zu verstehen. Sie haben die Kraft der ständigen Bewusstheit
    komplett reduziert.
    Dies geschieht, weil ihr Alltag — das sinnliche und weltliche Leben — und ihr spirituelles
    Leben, zu zwei verschiedenen Leben werden. Parallel zu den Meditationstechniken sollten die
    Methoden des Hatha Yoga, des Bhakti Yoga, des Jnana Yoga und vor allem des Karma Yoga
    geübt werden. Es ist falsch zu behaupten, dass man zuerst Karma Yoga üben muss, und erst
    wenn man darin erfahren ist, geht man zu Bhakti Yoga oder Raja Yoga über. Nein, so verhält es
    sich nicht. Alle diese Aspekte des Yogas sollten kombiniert geübt werden. Man muss auch
    verstehen, wie man sie zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge einsetzt. Die richtige
    Dauer, Tiefe, Intensität und Gewichtung muss für jede einzelne Methode festgelegt werden.

    Bewusstheit im täglichen Leben 3/3 27.04.22

    Wenn du ein emotionaler Mensch bist und nicht weißt, wie du deine überschüssigen Emotionen
    nutzen kannst, wirst du mehr auf Bhakti Yoga Methoden zugreifen. Wenn du überwiegend
    psychisch veranlagt bist, liegt der Schwerpunkt mehr auf der Meditation. Wenn du von deinem
    Temperament her rational bist, wirst du den Schwerpunkt auf Jnana Yoga legen müssen. Und
    genauso wird Karma Yoga für alle spirituell Suchenden wichtig. Nicht nur, weil Karma
    notwendig ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Karma ist notwendig, um das formlose
    Bewusstsein, das reine Bewusstsein, in tatsächlicher Arbeit auszudrücken.
    Ich möchte dir vermitteln, dass die Wurzel der Kraft im Menschen, das Bewusstsein ist. Wenn
    dieses spezielle Gewahrsein durch allmähliche Übung und Bemühung entwickelt werden kann,
    erlaubt es dir, in den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit — physisch, mental, psychisch
    und spirituell — zu zirkulieren, zu wirken und mit ihnen zu korrespondieren.
    Manchmal kommt es vor, dass Menschen eine erhabenere spirituelle Persönlichkeit entwickeln,
    so sehr, dass sie das Göttliche überall und in allem erkennen. Sie sehen überall das Einssein.
    Es ist ein Stadium im spirituellen Leben, in dem sie sich der Einheit von allem bewusst werden.
    Man mag es eine Halluzination oder eine subjektive Vorstellung nennen, aber es ist reines
    Bewusstsein. Man sieht keinen Unterschied mehr zwischen sich und den anderen. In diesem
    Moment verschwinden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen. Man sieht
    keinen Unterschied zwischen Religionen, ethnischer Herkunft, Hautfarben, Geschlechern,
    Gruppen und so weiter. Dies ist eine große Errungenschaft für den Menschen und die größte
    Kraft, die wir auf diese Erde bringen können.

     

    Link zum Yogamag Dezember 2021

  • Mantra – der Klang der Befreiung

    Ein wichtiger Aspekt von Tantra sollte nicht vergessen werden und das ist Mantra. Tantra ist Mantra und Mantra ist Tantra. Ohne Mantra würde es kein Tantra geben. Tantra bedeutet ein Prozess von Ausdehnung und Befreiung. Mantra bedeutet ein Prozess von Einkehr und Befreiung.

    Mantras sind nicht die Namen von Göttern und Göttinnen. Sie sind in eine bestimmte Struktur gesetzte Klänge, Worte und Vibrationen. Sie sind subtiler als die eigentlichen physischen Wellen, subtiler als irgendeine Art von Wellen, die die Wissenschaft heute kennt. Mantra kennt keine Einschränkung, der Geist ist das Fundament von Mantra und Mantra kann durch den Geist freigesetzt werden. Das Haupt Mantra, das des Höchsten, ist Aum. Es ist das ursprüngliche Mantra, der erste Samen der Schöpfung.

    Bitte denkt daran, ich spreche hier nicht über Hinduismus, ich spreche nur über Tantra. Aber während ich über Tantra spreche, spreche ich auch über das Fundament des Hinduismus. Tatsächlich kommen alle Religionen, die ganze Bandbreite an Philosophien der Vergangenheit, sowie jeder Aspekt von Metaphysik aus dem Tantra. Deshalb, wenn ich euch von Aum erzähle, dann spreche ich über die erste Schwingung, die verantwortlich für die gesamte Schöpfung ist.

    Wir wissen nicht genau, was der Klang Aum ist, aber von unseren Lehrern und Gurus haben wir erfahren, dass es eine spezielle Art von Vibration ist. Wenn dieses Aum von uns erzeugt wird, dann hallt es durch unsere physische, astrale und spirituelle Existenz. Es beeinflußt nicht nur die Alphawellen des Gehirns, es reinigt nicht nur die Nadis, es beinflußt nicht nur die mikro-kosmische Struktur unseres Körpers, sondern es lädt auch die ganze Atmosphäre um uns herum auf. Und wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem wir gute wissenschaftliche Erkenntnisse dazu vorliegen haben.

    Konzentriere dich auf Aum, verwandle dein Bewusstsein in Aum und dann übertrage die Vibration und die Strömung von Aum. Dein Sohn, deine Frau oder Mann im Raum nebenan werden es direkt empfangen, wenn sie dazu bereit sind. Die Kraft von Mantra ist größer als die Kraft einer nuklearen Waffe. Es gibt keinen Vergleich, denn die Kraft von Mantra ist eine konstruktive Kraft und durch das wiederholen von Mantras erwecken wir ungesehene Kräfte in uns. Diese Kräfte sind unendlich.

    Aum ist ein Mantra, und es gibt eine riesige Auswahl an Mantras. Die wichtigsten sind die Bija Mantras, die Kern Mantras. Wenn ein Yogi ein sehr hohes Bewusstsein erreicht, wenn er das physische Bewusstsein überwunden hat und auch das astrale Wesen, und wenn er die Schranken des Unbewußten durchbrochen hat, dann beginnt er die als Bija Mantras bekannten Klänge zu hören.

    Egal ob ein Mensch an einen persönlichen Gott glaubt oder nicht, ob er Theist oder Atheist ist, falls er einen gesunden Menschenverstand oder eine wissenschaftliche Auffassung hat, sollte er das richtige Mantra für sich auswählen. Die Wissenschaft von Tantra dreht sich um Mantra.
    Dann gibt es noch Yantra und Mandala, die andere Aspekte dieser Wissenschaft sind und ich werde diese ein anderes Mal besprechen. Erinnere dich an Mantra, Yantra und Mandala. Das sind die drei Pfeiler von Tantra, und Yoga ist die praktische Anwendung von Tantra im Leben.

    Tantra ist die Wissenschaft, die unsere weisen Ahnen lehrten und durch die sie sich der übergeordneten Realität und unendlichen Existenz bewusst wurden. Es ist eine ewige Wissenschaft, es ist die kraftvollste Wissenschaft und sie ist allumfassend. Tantra ist mit Sicherheit die Wissenschaft für das neue Zeitalter.

  • “Steh auf deinen eigenen Füßen”

    Das Gemüt meines Gurus und meiner selbst waren diametral entgegengesetzt. Er war wie eine bescheidene, heilige Kuh, während ich wie ein bissiger Schäferhund war. Bis heute ist noch ein Rest dieser hartnäckigen Gewohnheit in mir. Mein Guru aber war sehr ruhig und gelassen und ich setzte all mein Vertrauen in ihn. Er hat immer gesagt, dass jede Person lernen muss, auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Ich glaubte ihm, weil er mir sagte, dass ich niemals daran denken sollte, dauerhaft im Ashram zu leben. Ich würde niemals ein Frosch im Brunnen werden.

    Er gab mir nur einen einzigen Rat, nämlich unerschütterliches Vertrauen in Gott zu haben. Er sagte mir, ich solle mich nicht durch Hoffnung und Niedergeschlagenheit aus der Ruhe bringen lassen und ich solle mir keine Sorgen um meine Talente oder die Kräfte machen, die ich später erlangen würde. Ich folgte seinen Worten mit vollem Vertrauen. Ich hatte nie vor, dies oder jenes zu tun. Ich beschloss zu tun, was er mir auftrug. Jeder Mensch wird mit einem vorbestimmten Schicksal geboren. Wir alle sind vorprogrammiert und unsere Reise durch das Leben folgt diesem Programm.

    Es ist äußerst schwierig zu erklären, welche Art von Beziehung ich zu Swami Sivananda hatte. Ich denke sehr oft an ihn, aber es ist nicht so, wie wenn man an seine Lieben und Nächsten denkt. Mein Guru hat mich immer geführt und auf den richtigen Weg gebracht.

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom September 2021 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Mantra

    Mantra ist ein Medium zur Ausdehnung des Bewusstseins und zur Freisetzung von Energie. Das Mantra sollte eigesetzt werden um zu erwachen, rein zu werden oder besser gesagt, um Energieblockaden im Leben aufzulösen.

    Mantra muss mit Bhakti, mit Konzentration und Hingabe, geübt werden, damit der Aspirant eins mit dem Mantra wird und in ihm die höhere Wirklichkeit erwecken kann.

    Mantra ist ein Teil deiner Seele, ein Teil deines Verstandes, ein Teil deines höheren Geistes. Der Zweck des Mantras ist es, die Gesamtheit deines Geistes zu durchdringen.

    Mantra ist nicht der Name einer bestimmten Gottheit, vielmehr ist es eine machtvolle Klangschwingung. Je öfter du diese Schwingung erzeugst, umso stärker wird ihre Kraft und umso grösser die Wellenlänge.

    Stelle dir einen See vor, der ruhig und still da liegt, und dann wirfst du einen Kieselstein hinein. Dieser wird kreisförmige Wellenbewegungen erzeugen. Wenn du einen größeren Stein ins Wasser wirfst, wird er größere Wellen und weitere Kreisbewegungen erzeugen. Genau dasselbe geschieht auch im Ozean des Geistes.

    Du tust so viele, offensichtlich sinnlose Dinge im Leben. Warum also nicht fünf zusätzliche Minuten mit dem Mantra üben verbringen?

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Juni 2020 auf der Website der Bihar School of Yoga.