Bewusstheid im täglichen Leben

Bewusstheit im täglichen Leben 1/3 14.04.2022

Es reicht nicht, inneres Gewahrsein durch Meditation zu entwickeln. Die Anwendung im
täglichen Leben ist notwendig. Sonst ist es, als würde man einen Kuchen backen, ohne ihn je
zu essen. Durch Meditation schärfst und reinigst du dein Bewusstsein, aber wenn es darum
geht, es im täglichen Leben anzuwenden, tust du es nicht. Aus diesem Grund werden das
tägliche Leben und das spirituelle Leben zu zwei verschiedenen und widersprüchlichen
Realitäten. Wenn du willst, dass dir die Bewusstheit, die du entwickelt hast, sowohl im
spirituellen wie auch im materiellen Leben hilft, musst du eine Methode anwenden, um ein
wenig Energie aus dieser grundlegenden Quelle des Gewahrseins zu nehmen und sie mit
deinen täglichen Aktivitäten in Verbindung zu bringen. Sonst wirst du niemals dein volles
Potenzial verwirklichen. Im Yoga und in anderen Wissenschaften, die mit Yoga zu tun haben,
gibt es Methoden, mit denen das höchste Bewusstsein auf das tägliche Leben angewendet
werden kann.
—1974, Sivanandashram, Munger published in Early Teachings of Swami Satyananda Volume II

Bewusstheit im täglichen Leben 2/3 21.04.2022

Die Visionen, die Erfahrungen des Unterbewussten, die du während der Meditation erlebst,
sind nicht alles. Sie sind nur Anzeichen für eine wachsende Konzentration. Sie beweisen, dass
dein Bewusstsein verschiedene Dimensionen und verschiedene Stadien deines Seins
durchschreitet. Viele spirituell Suchende, Entsagende oder Übende, die mitten in der
Gesellschaft leben, sind während der Meditation tief nach innen gegangen. Einigen gelingt es
die Bewusstheit für den physischen Körper vollständig zu transzendieren. Dennoch waren sie
nicht in der Lage, irgendetwas zu erreichen. Sie waren nicht in der Lage, irgendetwas im Leben
zu verstehen. Wenn man ihnen etwas erklärt, vergessen sie es. Ihnen fehlt die Kraft der
Erinnerung und die Fähigkeit zu verstehen. Sie haben die Kraft der ständigen Bewusstheit
komplett reduziert.
Dies geschieht, weil ihr Alltag — das sinnliche und weltliche Leben — und ihr spirituelles
Leben, zu zwei verschiedenen Leben werden. Parallel zu den Meditationstechniken sollten die
Methoden des Hatha Yoga, des Bhakti Yoga, des Jnana Yoga und vor allem des Karma Yoga
geübt werden. Es ist falsch zu behaupten, dass man zuerst Karma Yoga üben muss, und erst
wenn man darin erfahren ist, geht man zu Bhakti Yoga oder Raja Yoga über. Nein, so verhält es
sich nicht. Alle diese Aspekte des Yogas sollten kombiniert geübt werden. Man muss auch
verstehen, wie man sie zur richtigen Zeit und in der richtigen Menge einsetzt. Die richtige
Dauer, Tiefe, Intensität und Gewichtung muss für jede einzelne Methode festgelegt werden.

Bewusstheit im täglichen Leben 3/3 27.04.22

Wenn du ein emotionaler Mensch bist und nicht weißt, wie du deine überschüssigen Emotionen
nutzen kannst, wirst du mehr auf Bhakti Yoga Methoden zugreifen. Wenn du überwiegend
psychisch veranlagt bist, liegt der Schwerpunkt mehr auf der Meditation. Wenn du von deinem
Temperament her rational bist, wirst du den Schwerpunkt auf Jnana Yoga legen müssen. Und
genauso wird Karma Yoga für alle spirituell Suchenden wichtig. Nicht nur, weil Karma
notwendig ist, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Karma ist notwendig, um das formlose
Bewusstsein, das reine Bewusstsein, in tatsächlicher Arbeit auszudrücken.
Ich möchte dir vermitteln, dass die Wurzel der Kraft im Menschen, das Bewusstsein ist. Wenn
dieses spezielle Gewahrsein durch allmähliche Übung und Bemühung entwickelt werden kann,
erlaubt es dir, in den verschiedenen Bereichen der Wirklichkeit — physisch, mental, psychisch
und spirituell — zu zirkulieren, zu wirken und mit ihnen zu korrespondieren.
Manchmal kommt es vor, dass Menschen eine erhabenere spirituelle Persönlichkeit entwickeln,
so sehr, dass sie das Göttliche überall und in allem erkennen. Sie sehen überall das Einssein.
Es ist ein Stadium im spirituellen Leben, in dem sie sich der Einheit von allem bewusst werden.
Man mag es eine Halluzination oder eine subjektive Vorstellung nennen, aber es ist reines
Bewusstsein. Man sieht keinen Unterschied mehr zwischen sich und den anderen. In diesem
Moment verschwinden die Unterschiede zwischen den verschiedenen Menschen. Man sieht
keinen Unterschied zwischen Religionen, ethnischer Herkunft, Hautfarben, Geschlechern,
Gruppen und so weiter. Dies ist eine große Errungenschaft für den Menschen und die größte
Kraft, die wir auf diese Erde bringen können.

 

Link zum Yogamag Dezember 2021