Tag: newsletter

  • Mantra – der Klang der Befreiung

    Ein wichtiger Aspekt von Tantra sollte nicht vergessen werden und das ist Mantra. Tantra ist Mantra und Mantra ist Tantra. Ohne Mantra würde es kein Tantra geben. Tantra bedeutet ein Prozess von Ausdehnung und Befreiung. Mantra bedeutet ein Prozess von Einkehr und Befreiung.

    Mantras sind nicht die Namen von Göttern und Göttinnen. Sie sind in eine bestimmte Struktur gesetzte Klänge, Worte und Vibrationen. Sie sind subtiler als die eigentlichen physischen Wellen, subtiler als irgendeine Art von Wellen, die die Wissenschaft heute kennt. Mantra kennt keine Einschränkung, der Geist ist das Fundament von Mantra und Mantra kann durch den Geist freigesetzt werden. Das Haupt Mantra, das des Höchsten, ist Aum. Es ist das ursprüngliche Mantra, der erste Samen der Schöpfung.

    Bitte denkt daran, ich spreche hier nicht über Hinduismus, ich spreche nur über Tantra. Aber während ich über Tantra spreche, spreche ich auch über das Fundament des Hinduismus. Tatsächlich kommen alle Religionen, die ganze Bandbreite an Philosophien der Vergangenheit, sowie jeder Aspekt von Metaphysik aus dem Tantra. Deshalb, wenn ich euch von Aum erzähle, dann spreche ich über die erste Schwingung, die verantwortlich für die gesamte Schöpfung ist.

    Wir wissen nicht genau, was der Klang Aum ist, aber von unseren Lehrern und Gurus haben wir erfahren, dass es eine spezielle Art von Vibration ist. Wenn dieses Aum von uns erzeugt wird, dann hallt es durch unsere physische, astrale und spirituelle Existenz. Es beeinflußt nicht nur die Alphawellen des Gehirns, es reinigt nicht nur die Nadis, es beinflußt nicht nur die mikro-kosmische Struktur unseres Körpers, sondern es lädt auch die ganze Atmosphäre um uns herum auf. Und wir befinden uns in einem Zeitalter, in dem wir gute wissenschaftliche Erkenntnisse dazu vorliegen haben.

    Konzentriere dich auf Aum, verwandle dein Bewusstsein in Aum und dann übertrage die Vibration und die Strömung von Aum. Dein Sohn, deine Frau oder Mann im Raum nebenan werden es direkt empfangen, wenn sie dazu bereit sind. Die Kraft von Mantra ist größer als die Kraft einer nuklearen Waffe. Es gibt keinen Vergleich, denn die Kraft von Mantra ist eine konstruktive Kraft und durch das wiederholen von Mantras erwecken wir ungesehene Kräfte in uns. Diese Kräfte sind unendlich.

    Aum ist ein Mantra, und es gibt eine riesige Auswahl an Mantras. Die wichtigsten sind die Bija Mantras, die Kern Mantras. Wenn ein Yogi ein sehr hohes Bewusstsein erreicht, wenn er das physische Bewusstsein überwunden hat und auch das astrale Wesen, und wenn er die Schranken des Unbewußten durchbrochen hat, dann beginnt er die als Bija Mantras bekannten Klänge zu hören.

    Egal ob ein Mensch an einen persönlichen Gott glaubt oder nicht, ob er Theist oder Atheist ist, falls er einen gesunden Menschenverstand oder eine wissenschaftliche Auffassung hat, sollte er das richtige Mantra für sich auswählen. Die Wissenschaft von Tantra dreht sich um Mantra.
    Dann gibt es noch Yantra und Mandala, die andere Aspekte dieser Wissenschaft sind und ich werde diese ein anderes Mal besprechen. Erinnere dich an Mantra, Yantra und Mandala. Das sind die drei Pfeiler von Tantra, und Yoga ist die praktische Anwendung von Tantra im Leben.

    Tantra ist die Wissenschaft, die unsere weisen Ahnen lehrten und durch die sie sich der übergeordneten Realität und unendlichen Existenz bewusst wurden. Es ist eine ewige Wissenschaft, es ist die kraftvollste Wissenschaft und sie ist allumfassend. Tantra ist mit Sicherheit die Wissenschaft für das neue Zeitalter.

  • “Steh auf deinen eigenen Füßen”

    Das Gemüt meines Gurus und meiner selbst waren diametral entgegengesetzt. Er war wie eine bescheidene, heilige Kuh, während ich wie ein bissiger Schäferhund war. Bis heute ist noch ein Rest dieser hartnäckigen Gewohnheit in mir. Mein Guru aber war sehr ruhig und gelassen und ich setzte all mein Vertrauen in ihn. Er hat immer gesagt, dass jede Person lernen muss, auf ihren eigenen Füßen zu stehen. Ich glaubte ihm, weil er mir sagte, dass ich niemals daran denken sollte, dauerhaft im Ashram zu leben. Ich würde niemals ein Frosch im Brunnen werden.

    Er gab mir nur einen einzigen Rat, nämlich unerschütterliches Vertrauen in Gott zu haben. Er sagte mir, ich solle mich nicht durch Hoffnung und Niedergeschlagenheit aus der Ruhe bringen lassen und ich solle mir keine Sorgen um meine Talente oder die Kräfte machen, die ich später erlangen würde. Ich folgte seinen Worten mit vollem Vertrauen. Ich hatte nie vor, dies oder jenes zu tun. Ich beschloss zu tun, was er mir auftrug. Jeder Mensch wird mit einem vorbestimmten Schicksal geboren. Wir alle sind vorprogrammiert und unsere Reise durch das Leben folgt diesem Programm.

    Es ist äußerst schwierig zu erklären, welche Art von Beziehung ich zu Swami Sivananda hatte. Ich denke sehr oft an ihn, aber es ist nicht so, wie wenn man an seine Lieben und Nächsten denkt. Mein Guru hat mich immer geführt und auf den richtigen Weg gebracht.

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom September 2021 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Mantra

    Mantra ist ein Medium zur Ausdehnung des Bewusstseins und zur Freisetzung von Energie. Das Mantra sollte eigesetzt werden um zu erwachen, rein zu werden oder besser gesagt, um Energieblockaden im Leben aufzulösen.

    Mantra muss mit Bhakti, mit Konzentration und Hingabe, geübt werden, damit der Aspirant eins mit dem Mantra wird und in ihm die höhere Wirklichkeit erwecken kann.

    Mantra ist ein Teil deiner Seele, ein Teil deines Verstandes, ein Teil deines höheren Geistes. Der Zweck des Mantras ist es, die Gesamtheit deines Geistes zu durchdringen.

    Mantra ist nicht der Name einer bestimmten Gottheit, vielmehr ist es eine machtvolle Klangschwingung. Je öfter du diese Schwingung erzeugst, umso stärker wird ihre Kraft und umso grösser die Wellenlänge.

    Stelle dir einen See vor, der ruhig und still da liegt, und dann wirfst du einen Kieselstein hinein. Dieser wird kreisförmige Wellenbewegungen erzeugen. Wenn du einen größeren Stein ins Wasser wirfst, wird er größere Wellen und weitere Kreisbewegungen erzeugen. Genau dasselbe geschieht auch im Ozean des Geistes.

    Du tust so viele, offensichtlich sinnlose Dinge im Leben. Warum also nicht fünf zusätzliche Minuten mit dem Mantra üben verbringen?

    Das Original findest du im Yoga Magazin vom Juni 2020 auf der Website der Bihar School of Yoga.

  • Korrekte Atmung

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Folgende Zitate findest du im Yoga Magazin vom Juni 2020.

    Was ist mit korrekter Atmung gemeint?
    Swami Satyananda: Die meisten Menschen atmen falsch, denn sie nutzen nur einen kleinen Teil ihrer Lungenkapazität. Die Atmung ist dann oberflächlich und führt dem Körper den für die gute Gesundheit notwenigen Sauerstoff und Prana nicht ausreichend zu. Die ersten Übungen, die den Pranayama Schülern gelehrt werden, sind vorbereitende Techniken, die zu einem korrekten Atemverhalten führen. Darüber hinaus tragen sie dazu bei, die Achtsamkeit auf den Atemvorgang zu konzentrieren, der normalerweise unbeachtet bleibt. Obwohl das Erlernen eine gewisse Dauer beansprucht, ist es möglich, den Atemvorgang unter bewusste Kontrolle zu bringen. Sobald die Atmung korrigiert ist, fühlt man sich deutlich besser. Beim Einatmen sollte sich der Bauch ausdehnen und beim Ausatmen sollte sich der Bauch zusammenziehen. Kontraktion und Ausdehnung des Bauches sollten mit dem Atemprozess synchronisiert werden. Das ist auch bei allen Tieren zu beobachten. Schau einem Hund oder einer Katze oder irgendeinem anderen Tier zu. Der Atem ist sowohl kräftig als auch subtil. Der kräftige Atem ist spürbar und der subtile Atem kann nicht wahrgenommen werden. Wenn der Atem subtil wird, verbessert er die Qualität der Achtsamkeit. Die Ein- und Ausatmung sollte gleichmäßig sein. Sie sollte weder zu stark oder zu schwach noch unterbrochen oder unregelmässig sein.

    Warum lehrt Yoga das richtige Atemverhalten?
    Swami Satyananda: Bevor Yoga Schüler Pranayama erlernen, müssen sie ein Feingefühl für den Atemvorgang entwickeln und die Muskeln im Lungenraum neu trainieren, so dass sich ihre vitale Kraft steigert und sie auf Pranayama vorbereitet sind. Rhythmisches, tiefes und langsames Atmen stimuliert einen ruhigen und zufriedenen Geisteszustand. Gleichzeitig entspringt diesem Zustand ein langes, rhythmisches Atemmuster. Unregelmäßiges Atmen stört die Gehirnrhythmen und führt zu physischen, emotionalen und mentalen Blockaden. Diese wiederum verursachen innere Konflikte, eine unausgeglichene Persönlichkeit, bringen die Lebensweise durcheinander und führen zu Krankheiten. Pranayama sorgt für regelmäßige Atemmuster, unterbricht den erwähnten Negativzyklus und kehrt den schwächenden Prozess um. Dies geschieht mit der gewonnenen Kontrolle über den Atem und führt zur Wiederherstellung der natürlichen, entspannten Rhythmen von Körper und Geist.

    Was sind die körperlichen Vorteile einer tiefen und langsamen Atmung?
    Swami Satyananda: Tiefes Atmen ermöglicht eine maximale Sauerstoffaufnahme bei jedem Atemzug, und die langsame Atmung ermöglicht einen optimalen Sauerstoff-Kohlendioxid-Austausch. Es braucht eine gewisse Zeit, damit Sauerstoff von den Lungen in das Blut und Kohlendioxid aus dem Blut in die Lungen gelangen kann, von wo es dann in die Luft ausgestoßen wird. Bei rascher Atmung wird der optimale Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid in den Lungen nicht erreicht. Ist die Atmung langsam, dann kann der optimale Austausch stattfinden. Deshalb ist das Zusammenspiel von Tiefe und Geschwindigkeit der Atmung so bedeutend.

    Warum ist die Wissenschaft des Atmens so wichtig für das Wohlbefinden?
    Swami Satyananda: Pranayama hat eine zweifache Wirkung. Er hilft, das physische System rein und in gutem Zustand zu halten und sowohl die mentalen als auch die emotionalen Aspekte des menschlichen Wesens zu kontrollieren, zu regulieren und zu lenken. Pranayama beinhaltet kontrolliertes, rhythmisches und regelmäßiges Atmen. Prana ist die grobstoffliche Manifestation der subtilen, universellen, kosmischen Kraft im physischen Körper. Es ist diese kosmische Energie, die allen fühlenden Wesen Leben schenkt. Pranayama ist die Technik der Erhaltung und Verteilung dieser Lebenskraft. Beim Einatmen wird Sauerstoff aufgenommen und beim Ausatmen wird Kohlendioxid ausgestossen. Die Sauerstoffanreicherung des Systems macht den Körper rein, leicht und aktiv. Solange die Wissenschaft des Atmens nicht richtig verstanden und korrekt geübt wird, besteht die Wahrscheinlichkeit einer Unausgewogenheit beim Atmen, die zu verschiedenen Arten von mentalen und emotionalen Konflikten und zu Impulsivität führen kann. Die Welt mit ihren unzähligen Freuden und Leiden hat einen heftigen Einfluss auf das Individuum, und oft gelingt es nicht, einen praktischen Weg zu finden, sich an das Leben anzupassen. Die Wirkungen von Prana auf den Menschen und die Wechselbeziehung zwischen Geist und Körper werden im Yoga vollständig erkannt und verstanden.

    Wie beeinflusst die Art des Atmens die Lebenserwartung?
    Swami Satyananda: Nicht nur die Lebensqualität wird durch den Atem beeinflusst, auch die Lebensdauer ist vom Atemrhythmus abhängig. Die Yogis und Rishis des Altertums studierten die Natur sehr genau. Sie stellten fest, dass Tiere mit einer langsamen Atemfrequenz, wie Pythons, Elefanten und Schildkröten eine lange Lebensdauer haben, während Tiere mit schnellem Atemrhythmus, wie Vögel, Hunde und Hasen nur wenige Jahre leben. Sie schlussfolgerten anhand dieser Beobachtungen, dass das langsame Atmen für ein langes Leben essenziell sei. Demzufolge haben Menschen, die kurz und schnell atmen, höchstwahrscheinlich eine kürzere Lebensdauer als solche, die langsam und tief atmen. Auf physischer Ebene lässt sich das durch die enge Verbindung von Atmung und Herz erklären. Eine tiefe Atemfrequenz erhält das Herz stark, besser genährt und trägt zu einem längeren Leben bei. Tiefes Atmen erhöht auch die Aufnahme von Energie durch Pranamaya Kosha und das steigert die dynamische Kraft, die Vitalität und das allgemeine Wohlbefinden.

    Aus der “Conversations on the Science of Yoga” Serie – Hatha Yoga Book 7, Hatha Yoga and Health

  • Allgemeine Erläuterungen zu Yoga

    Hinweis vom SYF Übersetzer-Team: Während den 20 Jahren, in denen Swami Satyananda Saraswati die Bihar School of Yoga in Munger aufbaute, reiste er auch unermüdlich um den Globus um Yoga zu verbreiten. Während unzähligen Vorträgen und Unterweisungen sprach er zu allgemeinen Themen des spirituellen Lebens und vermittelte Einsichten in die ursprünglichen Philosophien und Wissenschaften des Yoga, des Tantra und der Veden. Die folgenden Zitate stammen aus Satsangs dieser Zeit, während denen er auf direkte Fragen von Schülern, in seiner unnachahmlich, spontanen Art, antwortete. Sie werden mit freundlicher Genehmigung des Yogamagazines übersetzt und veröffentlicht.

    Folgende Zitate findest du im Yoga Magazin vom Februar 1977.

    Swamiji, was ist ein Ashram und welche Funktion erfüllt er für jemanden, der in der Gesellschaft lebt?

    Ashram ist ein Sanskritwort und bedeutet Ort für spirituelle und körperliche Arbeit. Ein Ashram ist darauf ausgerichtet, dass sich Schüler und Bewohner mit grosser körperlicher und mentaler Energie darum bemühen, ihr Karma abzuarbeiten.

    Der Geist ist unruhig, und wenn du viele Yoga Übungen machst ohne durch den Prozess von Karma Yoga zu gehen, dann entstehen viele mentalen Probleme. Daher wurde vor langer Zeit das Ashramsystem entwickelt, um den Schülern und Bewohnern die Möglichkeit zu geben, mit ihrem Guru in einer Gemeinschaft zu leben und ihre mentale, intellektuelle, emotionale und körperliche Energie in Form von Arbeit auszudrücken. Natürlich besteht diese Tradition nicht mehr so wie in früheren Zeiten, aber wir versuchen, insbesondere ich selbst, sie wieder aufleben zu lassen. Ich habe meine Ashramleute auf der ganzen Welt gebeten, ihre Ashrams in einer Weise zu organisieren, damit spirituell gesinnte Menschen dorthin gehen und einige Zeit bleiben können, um die Wirrungen und Einengungen von Karma zu beruhigen.

    Ashramleben ist ein wichtiger Schritt in Richtung höhere, spirituelle Meditation. Ashramleben gibt dir die Gelegenheit, das Nicht-Anhaften zu üben. Ashramleben bietet dir ausserdem die Möglichkeit und Vorstellung davon, dass das Leben mit viel mehr Einfachheit geführt werden kann, als wir es momentan für möglich halten.

    In jedem Ashram sind die wichtigen Elemente der Guru, der Schüler (shishya) und die Beziehung zwischen den beiden. Der Guru und die Schüler bilden den Ashram. Die Schüler streben danach, den höchsten Gipfel im spirituellen Leben zu erreichen. Wenn sie mit geistiger Unruhe konfrontiert werden, kommen sie in den Ashram, bleiben eine Weile und kehren dann in ihr normales Leben zurück und praktizieren ihre spirituellen Übungen mit absoluter Regelmässigkeit, Vertrauen und Hingabe.

    Ich finde, dass die Erkundung der spirituellen Ebene leichter ist für introvertierte
    Persönlichkeiten als für extrovertierte Menschen, die dazu neigen, ihre Energie auf
    andere zu richten. Welche passenden Methoden bietet Yoga für beide Persönlichkeiten?

    Gut, soweit meine persönliche Erfahrung reicht, ist spirituelle Erkenntnis oder spirituelles Bewusstsein schnell greifbar für eine Person, die über ein extrovertiertes Naturell verfügt. Menschen, die introvertiert sind, werden es sehr schwierig finden, die Achtsamkeit aufrecht zu erhalten, diesen ununterbrochenen Fluss von Achtsamkeit, der während der Meditation benötigt wird. Daher machen wir die Menschen in Yoga und im Ashramleben extrovertiert, sogar diejenigen, die von Natur aus introvertiert sind. Wir erwecken und erweitern den Umfang ihrer sensorischen Aktivitäten. Wir geben ihnen Übungen, durch die sie alle fünf Sinne, Tastsinn, Sehsinn usw. entwickeln. Die Sinneswahrnehmungen müssen empfindsamer werden.

    Der Yogi wird an einem bestimmten Punkt in seiner Evolution sehr extrovertiert. Ich meine damit nicht, dass er sich den Sinnenfreuden hingibt, aber er wird sich allem bewusst, was sich aussenhalb befindet und durch die Sinne empfangen oder verstanden werden kann. Daher glaube ich persönlich, dass die Menschen, deren Sinne extrovertiert sind, diesen spirituellen Punkt schneller erreichen können als introvertierte Menschen. Diejenigen, die von Natur aus introvertiert sind, werden ihre sensorischen Empfindungen nach aussen verlagern, sie entwickeln und empfindsamer machen müssen um sie dann wieder nach innen zu kehren.

    Introvertiertheit ist ein spiritueller Nachteil im Yoga. Wenn ich in unserem Ashram Sannyasins oder Schüler vorfinde, die von Natur aus introvertiert sind und von sich aus viel meditieren, dann halte ich sie davon ab. Ich sage ihnen: “Mach das nicht, denn du weisst nicht wie du den Geist beeinflussen kannst, und du weisst auch nicht, wie du den Geist kontrollieren kannst. Du gelangst von Natur aus spontan in einen Zustand der Introversion. Wenn dein Geist tief in sich versinkt, während du viel meditierst oder Japa machst, hast du die Fähigkeit und kennst du die Methode, um ihn da wieder herauszuholen?” Daher sollte der Geist nicht nach innen gerichtet werden, ausser er wurde zuerst nach aussen gerichtet. Introvertiertheit ist neurotisches Verhalten.

    Sie sprachen gestern darüber, den richtigen Yoga zu finden, der zum Individuum passt.
    Wie findet man ihn?

    Charakterbezogen kann die menschliche Bevölkerung in vier Gruppen eingeteilt werden: dynamisch, gefühlsbetont, mystisch oder rational.

    Niemand von uns ist ausschliesslich dynamisch, gefühlsbetont, mystisch oder rational. Einige von uns sind zum Beispiel vorwiegend dynamisch, aber wir alle haben auch Gefühle, mystisches Bewusstsein und Vernunft. Jene, die vorwiegend dynamisch sind, sollten Karma Yoga zu ihrem hauptsächlichen Sadhana machen, aber auch Bhakti Yoga, Raja Yoga und Jnana Yoga nutzen.

    Jene, die vorwiegend gefühlsorientiert sind, sollten Bhakti Yoga, den Yoga der Hingabe und Liebe, als ihre hauptsächliche spirituelle Übung annehmen, zusammen mit ein wenig Karma Yoga, ein wenig Raja Yoga und ein wenig Jnana Yoga.

    Jene, die vorwiegend mystisch veranlagt sind, sollten Raja Yoga annehmen und praktizieren, das ist der Yoga der Meditation, Konzentration, Einkehr und Samadhi. Aber daneben sollten sie auch Karma Yoga, Bhakti Yoga und Jnana Yoga als Teil ihres Sadhanas annehmen.

    Auf diese Weise müssen wir unser eigenes Temperament analysieren und entsprechend dieser Besonderheit des Naturell sollten wir einer der vier Yogas annehmen. Karma Yoga versteht ihr.
    Bhakti Yoga ist Hingabe, Singen, Japa, Gebete und so weiter. Raja Yoga ist Meditation, Kundalini Yoga, Kriya Yoga, Laya Yoga – alle das gehört zum Kapitel Raja Yoga. Jnana Yoga ist Kontemplation, der Yoga der gründlichen Selbsterforschung.

    Wie beeinflusst Mantra den Geist?
    Mantra wirkt auf das Unterbewusstsein und entlädt die tieferliegenden Schichten des Karma,
    und bringt dadurch die Symbole deines tieferen Bewusstseins an die Oberfläche. Es reinigt den mentalen Bereich und befreit dich von psychischer Ablenkung im höheren Meditationsstadium. Darin liegt seine Wichtigkeit. Natürlich, Mantra erzeugt Konzentration, aber seine allerwichtigste Funktion ist es, den gesamten Bereich des Bewusstseins zu reinigen.

    Wenn du meditierst, wirst du von Gedanken und später von psychischen Visionen unterbrochen. Diese Unterbrechungen können durch einen kontinuierlichen Prozess von Japa und Mantra beseitigt werden. Je mehr du Mantrarezitation übst, desto mehr sicherst du dir eine absolute und ununterbrochene Meditation.

    Was ist der Unterschied zwischen Unterdrückung und Kontrolle?
    Unterdrückung steht im Widerspruch zu deiner eigenen Persönlichkeit, du bist mit dir selbst nicht im Einklang. Bei Kontrolle jedoch stimmen beide Elemente deines Geistes überein. Wenn ich mich selbst kontrollieren möchte, bin ich mit mir selbst völlig im Einklang, in Toto. Beim Unterdrücken allerdings, möchte ich etwas nicht und tue es dann trotzdem. Das ist der grundlegende Unterschied zwischen Unterdrückung und Selbstbeherrschung.

    Swamiji, ich finde, ich bin unruhig, wenn ich arbeite. Was kann ich tun?
    Ich glaube, du magst deine Arbeit nicht. Wenn du Freude an deiner Arbeit haben möchtest, musst du sie zu einem Teil deines spirituellen Lebens machen, einem Teil von Sadhana, einem Teil von Yoga.

    Wenn du die Arbeit, die du machst, nur als einen Weg betrachtest, um Geld zu verdienen, dann kann ich dir sicherlich gegen diese Unruhe helfen. Während der Zeit, in der du arbeitest, solltest du dich auf deine Arbeit konzentrieren, aber wann immer du ein wenig Zeit hast, oder eine Arbeitspause, solltest du dein Mantra wiederholen. Und jeden Morgen solltest du ein wenig mehr Pranayama machen, und mit dem Pranayama den Atem ein wenig anhalten, oder Kumbhaka.